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    situación económica actual en Espana..

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    situación económica actual en Espana..

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    Hola... me gustaría saber cuál exáctamente es la situación economica de momento en Espana.

    Según los periódicos (en Alemania y en Espana), está bastante mal, y si se puede creer a algunos comentarios en la red (el país, yahoo espana, etc.) es incluso peor.

    Pero al otro lado, cuando fui a espana en otono, no pude ver tanto de la crisis. La gente seguía saliendo todo el fin de la semana, los precios en el Corte Ingles no fueran nada de bajos :o) y los pocos espanoles que conozco de ahí, aunque están quejandose de la crisis, todavía pueden comprarse los smartphones, ir de viajes etc.

    Cada vez que le pregunto a un espanol cómo lo funciona del paro en Espana (si reciben dinero, qué pasará si uno está despedido y no vuelve a encontrar trabajo) me dicen que tampoco lo saben.

    Yo, personalmente, me lo imagino muy mal.

    Pero entonces hablo con gente (espanol y alemán) y ya no sé qué creer, pq algunos dicen que lo difícil de momento para los espanoles es cambiar su estilo de vida (pq supuestamente, antes era "normal" comprarse un coche nuevo y caro con crédito, y ahora se tiene que comprar un coche usado y barato) y tal cosas, mientras otros dicen que es tan mal que casi nadie puede afordarse tener hijos, y que las empresas ahora pueden despedirte de un día al otro, y que muchos tienen que tener dos trabajos para pagar las cuentas.

    Yo solía pensar que será muy duro, que quizá para muchos será una "lucha" hacer que el dinero sea suficiente hasta el final del mes. pero entonces veo que se compran cosas caras, saliendo en restaurantes supercaros etc. y me siento confundida - si fuera tan mal, no podría comprarselo, no???

    ya sé que es un asunto muy delicado y difícil (por eso no quiero preguntarselo en detalle a mis amigos, pq además me parece que los espanoles están bastante enfadados con la Merkel y Alemania de momento).

    Pero quizá hay algunos aquí que puedan explicarmelo (de modo generalizado, vamos) qúe mal verdaderamente está allá. ya sé que la situación puede ser diferente para cada uno, pero... estoy equivocada en imaginarmelo extremamente mal? es cosa de no tener bastante dinero para comer y pagar el alquiler? o "sólo" se trata de no poder afordarse cosas "de lujo" que antes había?

    Me gustaría tener un "sumario objetivo y generalizado", si eso es posible :o)

    y por favor no os enfadéis conmigo, vale? realmente quiero entender cómo vive la mayoría de los espanoles ahora, porque desde aquí, es bastante difícil....

    Gracias!!!
    Verfassercheshirecatfreak (890482) 13 Feb. 13, 11:39
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    Die Frage fällt bei mir unter 'Was Sie schon immer wissen wollten, sich aber nie zu fragen trauten' und ich schließe mich ihr deshalb vollumfänglich an und würde sie gerne noch ergänzen:
    Wenn ich durch Randbezirke südamerikanischer Städte laufe, sticht mir die herrschende Armut ins Auge, sie wird im wahrsten Sinne des Wortes sichtbar. Aber bei Spaziergängen durch Madrid oder Barcelona fällt es mir schwer etwas wie wirtschaftliche Probleme oder gar Armut zu erkennen. Die Altstädte sind überaus ansehnlich und gepflegt und die Randbezirke gepflastert mit möglicherweise unansehnlichen, aber doch modernen Wohngebäuden. Kleinere Dörfer in Spanien und Italien wirken mit ihren weiß getünchten Häusern oft geradezu malerisch, von beschwerlicher Lebensweise keine Spur zu erkennen. Leben deren Einwohner alle 'von der Substanz' und das schon seit Jahrzehnten ? Oder sind das alles heimliche Millionäre ?

    Eine zweite, damit im Zusammenhang stehende Frage, die ich mir seit langem stelle:
    Wie um alles in der Welt funktioniert die Finanzierung von Immobilien in spanischsprachigen Ländern ?
    Also wenn ich auf Immobilienportalen im Internet -rein interessehalber- nach Wohnungen/Häusern in Lima/Peru, Cordoba/Argentinien und Barcelona stöbere, dann werden dort die aberwitzigsten Preise genannt, die ich selbst als in Deutschland tätiger Ingenieur niemals zahlen könnte. Gut, die genannte Städte zählen in ihrem jeweiligen Land eindeutig zu den teuersten, andererseits beschränkt sich meine Suche auf durchaus 'normale' Viertel, also nix gehobenes. Ich versteh' das nicht.... Zumal sich mit 1.500 US-$ (gutes Monatsgehalt für einen peruanischen Ingenieur) der Aufbau von Eigenkapital schwierig gestalten dürfte.
    #1VerfasserEl boludo (264345) 13 Feb. 13, 13:55
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    Sehr gute Frage, die wir uns auch immer wieder stellen. Unserer Familie in Spanien geht es gut, gottseidank. Wir leben hier in D. mit einem ziemlich grossen spanischen Umfeld, und auch unseren Bekannten faellt, wenn sie nach Spanien "nach Hause" fahren, diese Diskrepanz zwischen der Berichterstattung und dem Leben und Lebensgefuehl in Spanien auf.
    Wuerde mich auch ueber Antworten freuen...

    Zu Madrid muss ich allerdings sagen, als wir da vor Jahren mal mit dem Bus reingefahren sind, hatte ich am aeussersten Stadtrand zumindest an ein paar Stellen schon das Gefuehl, die Autobahn wuerde durch suedamerikanische Slums fahren... soviel nur zur "sichtbaren" Armut.
    #2VerfasserAbertawe (809721) 14 Feb. 13, 11:16
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    Hm, schade, dass bis jetzt noch keine Antwort von einem Spanischsprechenden eingegangen ist...

    aber danke für eure beiden Antworten, ist ja beruhigend zu wissen, dass ich nicht die Einzige bin, die sich irgendwie keinen Reim auf das Ganze machen kann...

    Also, wenn ich mir Links (sorry, etwas älter) wie diesen hier durchlese

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/neue-ar...

    und

    http://www.focus.de/finanzen/news/staatsversc...

    klingt es schon wirklich, wirklich schlimm...

    Vielleicht kaschieren die Armen das dann so geschickt, dass es "uns" nicht auffällt??? Sind ja schon eine stolze Nation :o)...

    Angeblich wird auch viel schwarz gearbeitet, vielleicht ist das eine andere Erklärung: Dann wären die offiziellen Zahlen für Einkünfte usw. mies, aber in Wirklichkeit würden viele sich dann nebenbei noch etwas "Taschengeld" verdienen, um doch über die RUnden zu kommen...

    Schade, ich hatte gehofft, dass sich hier mal Spanier zu Wort melden...


    #3Verfassercheshirecatfreak (890482) 14 Feb. 13, 16:46
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    Hierzu könnte ich vielleicht etwas sagen, auch wenn ich keine Spanierin bin, jedoch seit nun fast 10 Jahren hier lebe und einiges mitbekommen habe.

    Was die Immobilienpreise angeht, geht es derzeit steil nach unten.
    Barcelona war schon immer teuer. Vor zehn Jahren habe ich für ein kleines untergemietetes Zimmer im Zentrum etwa 300 Euro bezahlt, die Mietpreise lagen bei einer 75m2-Wohnung in einem guten, familiären Viertel (Eixample) bei 1000 bis 1200€.
    Nach Zimmern habe ich lange nicht mehr geschaut, Wohnungen kann man inzwischen auch schon für 700 oder 800€ mieten.
    Kaufpreise – und hier merkt man es wirklich – bei gleicher Grösse damals um die 350 000 €. Heute knapp 200 000, mit etwas Glück und Geduld sogar wesentlich weniger.
    Wir haben letztens eine Wohnung besichtigt – eher ein Stadthaus – das vor fünf Jahren eine halbe Million gekostet haben soll (und ich halte das nicht für einen Trick des Eigentümers, denn die Butze war atemberaubend) und nun für 350 zu haben ist.
    Die Preise sind so gesunken, weil viele Wohnungen geräumt werden mussten. Weil Familien nicht mehr zahlen konnten. Nach dem Arbeitslosengeld (System pi mal Daumen: Man arbeitet zwei Jahre und es steht einem 1 Jahr Arbeitslosengeld zu) gibt es keine oder kaum Unterstützung, weder Kindergeld noch Sozialhilfe. Die Wohnungen stehen leer, die Familien sitzen auf der Strasse.

    (Was die Smartphones betrifft – die kriegt man ja bei Vertragseröffnung geschenkt ;). Und monatlich einen festen Betrag zu zahlen (insofern als man es sich erlauben kann und eine feste Arbeit hat), kommt oft günstiger als ein Prepaid-Telefon, zumal es nicht in allen Haushalten Festnetztelefone gibt und das Handy viel mehr zu Gebrauch kommt.)

    Ich kenne kaum jemanden, der ein Auto fährt, ob nun gebraucht oder neu. Allerdings sind wir ja alle Städter, da ist es nicht notwendig. Ich könnte mir aber auch gar nicht vorstellen, eines unterhalten zu müssen, denn mit Parkplatz, Versicherung, Benzin (letzteres inzwischen sehr nah an den deutschen Preisen)...

    Mein Freund und ich sind klassische "mileuristas". Am Zahltag ist das Leben noch schön, dann kommen die Rechnungen und danach ist kaum noch was übrig. Wir haben uns angewöhnt, monatlich so viel wie möglich zurückzulegen, das macht uns dann zu "malabaristas" und die letzte Monatswoche...naja. Im Moment könnte ich es mir nicht vorstellen, Kinder zu bekommen.

    Das Arbeitsverhältnis: Beschwer dich nicht und mach keine Fehler sonst fliegst du raus und du bist leicht zu ersetzen... Obwohl ich manchmal das Gefühl hab, das ist auf Angst (und Notwendigkeit) begründet. Ich habe auch schon Fälle gesehen, da hat sich jemand beschwert, ist vor Gericht gegangen, hat eine gute Abfindung bekommen und das Leben ging weiter.

    Das Freizeitleben ist eingeschränkt. In teure Restaurants gehen die gleichen Leute wie vorher, die oberen Zehntausend. Der "Ottonormalverbraucher" trinkt sein Bierchen, isst sein Bocadillo und geht dann heim.
    In unserem Viertel werden immer mehr kleine Geschäfte und Restaurants geschlossen. Man geht die Strasse hinunter und alles steht leer (oder wurde durch Asialäden ersetzt).

    Extreme Armut habe ich nicht gesehen. (Achtung: Alles subjektiv!) Und die Leute, die Arbeit haben, beschweren sich über viele Dinge die in Deutschland, jedenfalls oberflächlich betrachtet, sehr ähnlich sind. Unbezahlte Überstunden, unterbezahlte Arbeit, schlechtes Betriebsklima, Entlassungen, Unterbesetzung, Stellen, die mit Praktikanten besetzt werden.

    Allerdings habe ich sehr viel mehr Angst vor der Regierung. Polizeigewalt, Korruption. Ein LKW einer Firma, die sich um Vernichtung streng vertraulicher Dokumente kümmert in der Einfahrt des Sitzes der Regierungspartei.
    Die Abgeordneten klatschen begeistert, als neue Kürzungen bekannt gegeben werden und eine von ihnen jubelt: "¡Qué se jodan!"
    Kürzungen vor allem im Bildungswesen. Die Universitäten sind längst nicht mehr für alle zugänglich, böse Zungen behaupten, der Grund läge darin, dass ein ungebildetes Volk ja sehr viel weniger gefährlich sei.

    Ich hoffe, ich habe mehr oder weniger den Ton des Threads getroffen und all das was ich geschrieben habe klingt nicht zu blauäugig oder kleinbürgerlich. Das ist meine persönliche Erfahrung, welche mit Sicherheit noch ausbaufähig ist ;)
    Hoffentlich hat es zu einem Einblick verholfen und war einigermassen interessant für euch :)
    #4VerfasserFucsia Floyd (873804) 18 Feb. 13, 14:35
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    Ich hab jetzt nicht alle Antworten gelesen, sondern eigentlich nur die Frage. Die Leute, die du in teuren Restaurants siehst, dass sind die Leute, die noch Arbeit haben. Die Arbeitslosenquote liegt ja nicht bei 100%. Und die Preise in krisengebeutelten Ländern sinken gewöhnlich nicht, sondern steigen.

    Viele Leute, die in Städten leben und arbeiten, gehen nach dem Verlust ihrer Arbeit wieder zurück in ihre Dörfer und ziehen wieder mitsamt der ganzen Familie bei ihren Eltern oder Grosseltern ein, die dann von ihren Renten (oftmals nur eine Rente) ihre ganze Familie unterhalten müssen. Die meisten dieser Menschen haben Eigentumswohnungen (vor ein paar Jahren war eine monatliche Hypothek noch billiger als Miete), die sie nach dem Verlust ihrer Arbeit und Ablauf des Arbeitslosengeldes nicht mehr bezahlen können (das bekommt man nur maximl zwei Jahre wenn man mind. 6 Jahre gearbeitet hat, danach noch ca. 6 Monate so eine Art Sozialhilfe von 420 eur, und danach dann nix mehr) und dann mitsammt Sack und Pack von den Banken rausgeschmissen werden. Die Banken versteigern dann ihre Wohnungen und den Familien bleibt die Differenz zwischen dem Erlös und dem damals überhöhten Kaufpreis als Schulden erhalten (das kann schonmal das 3 - 4 fache des Erlöses ausmachen, wenn die damalige 130.000 Euro-Wohnung heute von der Bank für popelige 40.000 verkauft wird... sprich, wenn sie wieder Arbeit finden sollten, wird diesen Leuten das Gehalt praktisch bis zum Lebensende weggepfändet und es kann keine Zukunft mehr aufgebaut werden. Manche bringen sich bei solchen Aussichten lieber um. Die "comedores sociales" sind überfüllt, soziale Einrichtungen können den hohen Bedarf nicht mehr decken und unzähligen spanischen Kindern ist die Mahlzeit, die sie dort bekommen, oftmals die einzige am Tag.

    Wenn du durch die Städte gehst, besonders im Süden, da kannst du die Spuren der Krise durchaus sehen ... unzählige leere Ladenlokale und Einkaufszentren, geschlossene Produktionsanlagen, etc.... da stehen die Schicksale unzähliger, langfristig ruinierter Menschen hinter. Wer kann, der versucht ins Ausland zu "entkommen" und dort sein Glück zu suchen.

    Das alles sieht man natürlich nicht im Corte Inglés oder in den Ausgehzonen der grossen Städte ... aber die Arbeitslosenzahlen sprechen da durchaus auch für sich ... und wenn man bedenkt, dass hier die "Unterstützung vom Staat" nach allerspätenstens 2 1/2 Jahren Arbeitslosigekeit endet, seit Jahren keine neue Arbeitsplätze entsthen, sondern ganz im Gegenteil immer weniger werden, da kann man sich ja leicht ausmalen, was danach dann auf die Menschen zukommt.

    Ich persönlich kenne viele Menschen, denen es so ergangen ist und auch noch so ergeht ... und das ist teilweise schon ziemlich heftig.
    #5Verfassero............................... (757444) 18 Feb. 13, 15:53
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    Hier finden sich auch Informationen zum Thema : Siehe auch: Proteste in Spanien / Protestas en España
    #6Verfasserno me bré (700807) 18 Feb. 13, 23:29
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    oh, danke für die mittlerweile doch eingetrudelten und sehr interessanten Antworten!! :)

    ich muss jetzt aber nochmal nachhaken (besonders wegen dem Beitrag von "o....."):

    Das mit den Kindern, die keine warme Mahlzeit (außer in den Essensausgaben) bekommen, oder auch die Familien, die einfach auf die Straße gesetzt werden können, und der Kommentar, dass nach einer bestimmten Zeit keine Hilfe mehr vom Statt kommt:

    Also ist das tatsächlich so existenziell??? Das heißt, es gibt KEINE Art von Harzt IV, Obdachlosenheime, Kindergeld für ganz arme Fälle, oder so???

    Oder sind diese Berichte (ich habe eben noch ein paar gefunden) eher so Extremfälle? Angeblich soll es ja auch in Dtl. allerhand Kinderarmut geben (sicher nicht vergleichbar in der momentanen Krise, aber dennoch) Aber so wie sich das anhört, scheint es mit dem Abgleiten in die Armut ja schon wirklich ruckzuck zu gehen...?!?!?

    Es fällt mir unheimlich schwer, mir das vorzustellen, ehrlich... Irgendwie assoziiert man solche Berichte eher mit Sonderfällen, wo vielleicht Abhängigkeiten, Schuldenfallen, etc. zusammenkommen und die Kinder dann tragischerweise mit hineingezogen werden ... Aber wie ich das so lese, kann es also durchaus sein, dass einige der Leute, mit denen ich vor einigen Jahren in Spanien die gleiche "Schulbank" gedrückt habe, jetzt täglich zur Essensausgabe vom Roten Kreuz gehen müssen, um zu überleben?!?!?

    Vielleicht könnt ihr euch ja nochmal dazu melden, interessiert mich wirklich, das Thema!!!!
    #7Verfassercheshirecatfreak (890482) 20 Feb. 13, 21:18
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    Also ist das tatsächlich so existenziell??? Das heißt, es gibt KEINE Art von Harzt IV, Obdachlosenheime, Kindergeld für ganz arme Fälle, oder so???

    Ja, es ist tatsächlich so existenziell. In Spanien gibt es kein Harzt IV, keine Sozialhilfe, kein Kindergeld, gar nichts. Obdachlosenheime ... ja, die gibt es. Aber wer möchte von da aus schon seine Kinder zur Schule schicken? Da wohnt man dann doch lieber wieder bei den Eltern oder Grosseltern, notfalls in deren Hütte hinter den sieben Bergen und auch mal zu mehreren in ein Zimmer gepfercht (übrigens sind längst nicht alle spanischen Dörfer "malerisch", und auch die von aussen oftmals hübschen "casas de pueblo" sind in den wenigsten Fällen helle, geräumige und schöne Landhäuser, sondern drinnen meist kleine, dunkle Behausungen mit winzigen kalten Räumen und dem "Komfort" von vor 100 Jahren) .

    Für 6 Monate, die man arbeitet, stehen einem 2 Monate Arbeitslosengeld zu, bis zu einem Maximum von zwei Jahren, für die man mindestens 6 Jahre gearbeitet haben muss. Das Arbeitslosengeld beträgt die ersten 6 Monate 70% des durchschnittlichen Verdienstes der letzten 6 gearbeiteten Monate (maximal 1200,eur, wenn man Kinder hat), danach nur noch 50%. Ehemalige Selbstständige bekommen nicht mal das, ihnen steht kein Arbeitslosengeld zu, wenn sie pleite gehen. Warum? Keine Ahnung!

    Wenn das Arbeitslosengeld aufgebraucht ist (also nach maximal 2 Jahren, je nach dem, wie lange man vor der Arbeitslosigkeit am Stück gearbeitet hat), kann man den sogenannten "subsidio" (so eine Art "temporäre Sozialhilfe") beantragen. Es wird immer mal wieder diskutiert, ob man den subsidio ob der hohen finanziellen Belastung der Staatskassen nicht wieder abschaffen soll, aber angesichts der dramatischen sozialen Lage im Land kann man das derzeit wohl noch nicht verantworten. Der "subsidio por desempleo" beträgt pauschal 426 eur, die man dann nochmal 6 Monate lang (mit Kindern 9 Monate) beziehen kann, danach ist absolut Schicht im Schacht. Dann sind oftmals nur noch die kleine Rente von Opa, oder, falls vorhanden, das Gehalt von Mama/Papa für die ganze Familie da ... oder eben karikative Einrichtungen, Lebensmittelhilfen, Nachbarschaftshilfen etc. Das ist die aktuelle Realität in Spanien ... wehe also dem, der seine Arbeit verliert und keine neue findet.

    Wieviele das täglich sind, das kann man regelmässig in den Nachrichten verfolgen. Aktuell liegt die offizielle Arbeitslosenzahl bei der aktiven Bevölkerung bei deutlich über 6 Millionen (allein unter den jungen Menschen bei knapp 57%), Tendenz seit Jahren stetig steigend. Bei 1,7 Millionen Familien sind inzwischen alle Familienmitglieder ohne Arbeit, viele davon bereits absolut ohne jegliches Einkommen, andere kurz davor.
    Und das sind keineswegs alles Junkies, Alkoholiker, Arbeitsfaule, Asoziale oder sonstwie "gestrandete" Existenzen. Es sind ganz normale Leute wie du und ich, Unternehmer, Akademiker, ganz normale Familien, die durch die (von den Banken verursachte und von ihnen und den Politikern verschärfte!) Krise ihre Arbeit oder ihre Unternehmen, und somit alles verloren haben. Und wenn schliesslich auch noch das Heim gepfändet wird, dann bleiben nur noch Schulden, die von vielen niemals mehr abgetragen werden können. Der Ruin dieser Familien (es sind unzählige!) ist also langfristig und wird auch die Krise überdauern ... dafür haben die Banken schon gesorgt.

    Und ja, die Leute werden von den Banken einfach auf die Strasse gesetzt. Dagegen gibt es schon viele Proteste, besonders nach einigen Selbstmorden, und selbst manche Richter weigern sich angesichts der vielen menschlichen Tragödien inzwischen, weiter Räumungsklagen für die Banken zu bearbeiten und fordern eine Gesetzesänderung um diese untragbare Situation zu entschärfen, und auch Polizisten protestieren dagegen, immer wieder verzweifelte Menschen gewaltsam aus ihren Häusern und Wohnungen zerren zu müssen (es sind derzeit so um die 520 täglich im ganzen Land, bisher insgesamt etwas über 170.000 Pfändungen, teilweise über 46.ooo Räumungen in einem Zeitraum von drei Monaten). Das ist inzwischen zu einem richtig weitgreifenden sozialen Drama ausgeartet, das praktisch niemanden mehr unberührt lässt ... aber es geschieht täglich weiter und ein Ende ist nicht in Sicht.
    #8Verfassero............................... (757444) 21 Feb. 13, 17:36
    Kommentar
    @ o..... :
    Danke für deine Ausführliche Antwort!!!

    MEINE GÜTE!!! DA WIRD EINEM JA GANZ ANDERS!!!!

    ich versuche grade, mir NICHT auszumalen, wieviel Elend da dahinterstehen kann und muss... und in wie vielen Fällen das mit der familiären Unterstützung vielleicht nicht klappt (es gibt ja auch genug Fälle, wo kein Familienangehöriger mehr da ist, oder null KOntakt mehr besteht, usw. ...)

    wenn es nicht mal ein gewisses Existenzminimum gibt, wenigstens für Kinder... das klingt wie ein 3. Welt-Land....!!!

    Weißt du (oder ein anderes Forumsmitglied) denn vielleicht noch zufällig:

    1. War das eigentlich schon immer so, dass es in Spanien absolut kein "Sozialsicherungsnetz" gab, also nicht mal eine Existenzminimumshilfe oder so???

    2. Wie ist denn da jetzt die allgemeine Stimmung gegen die Deutschen? Wo die Merkel doch (nach dem, was ich hier mitbekommen habe) bei manchen extrem unbeliebt ist (obwohl die Kürzungen doch eigentlich die span. Regierung macht und die Banken den ganzen Schlamassel verursacht haben)???

    Ist das momentan ein "heißes Eisen" in Spanien, das man als Deutsch(r) derzeit lieber nicht bei seinen span. Freunden erwähnen sollte (wegen deren möglichem Frust, Neid o.ä.)???

    #9Verfassercheshirecatfreak (890482) 21 Feb. 13, 22:47
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    Na, ich kann nur aus einer grossen spanischen Industriestadt, weit weg von Barcelona und Madrid, erzählen:

    - Geschäfte: was sehr auffällt, ist die Fluktuation der Geschäfte. Viele kleine Läden gehen pleite, dann machen wegen der Krise viele Leute ihre eigenen Geschäfte auf, die gehen dann wieder pleite... Ich würde sagen, dass sich jedes halbes Jahr 20% der Geschäfte austauschen.

    - Demos: jeden zweiten Tag (wirklich!) ist eine Demosntration: am Montag gegen die Privatisierung des Krankenhauses, am Mittwoch die Industriearbeiter, am Donnerstag die Anleger, die von der Bank um ihr Geld gelinkt wurden, am Freitag ist es wegen der Bildung, nächste Woche sind es dann die Postangestellten, etc...

    - Jobs: als die Krise losging, also vor ca. 2 Jahren (?) haben auf einmal alle jungen Leute, die ich kannte, ihren Job verloren, das ging Schlag auf Schlag. Jetzt habe ich das Gefühl, dass die meisten wieder etwas haben. Aber es ist so schwierig: an einen Kellnerjob oder ein paar Stunden Regaleinräumen kommst du nur über gute Beziehungen heran; alle haben befristete Verträge, aber nach zweimal Verlängerung ist da wieder Schluss; wenn du grosses Glück und einen guten Abschluss in einem Fach wie Informatik oder BWL hast, bekommst du jetzt vielleicht sogar wieder einen Job, aber die 1000 Euro Grenze erreichst du nicht mehr. Stattdessen zahlen die Firmen den Leuten so wenig, dass man z.B. keine Familie davon ernähren kann, dann bieten sie ihnen 200 Euro extra an, wenn du noch zusätzlich am Wochenende (also 11 Tage am Stück) arbeiten, das nehmen dann vor allem die jungen abgebrannten Familienväter an...

    - Die Beziehung zu den Deutschen: mir wurde jetzt einmal in einer Bar gesagt, dass man mir als Deutsche ja eigentlich das Doppelte berechnen müsste. Da ich gerade selber arbeitslos war, konnte ich nicht wirklich darüber lachen. Und an Fasching letztes Jahr wurde eine grosse Merkel-Figur verbrannt, welche Rajoy als Marionette an ihren Strippen hatte (wobei das Verbrennen nicht überbewertet werden sollte, das wird jedes Jahr gemacht). Naja, dieses Jahr war es nur noch Rajoy der verbrannt wurde (ich glaiube, er sass auf einem explodierenden Pulverfass o.ä.)... Aber generell glaube ich nicht, dass Feindlichkeit gegen Deutsche wirklich ein Problem ist (und manche Kritik ist auch nicht ganz unbegründet). Man ist eher ein vielgefragter Gesprächspartner rund um die Themen: Wie schwierig ist es deutsch zu lernen? Wo kann man in Deutschland gut eine Stelle finden? Stimmt es, dass man bei den deutschen Stellenausschreibungen 50% vom Lohn für Sreuern abziehen muss?
    Nur als Deutscher jetzt einen Job in Spanien zu bekommen, ist wirklich schwierig ;-(

    - Wohnungen: was ich (und einige Millionen Spanier :-) da besonders krass finde, was in den deutschen Medien aber kaum aufgetaucht ist: das normale Vorgehen, wenn du wegen Arbeitslosigkeit deinen Kredit nicht mehr zahlen kannst, ist, dass sie dich aus der Wohnung werfen und du aber trotzdem noch den Kredit weiter abbezahlen musst. Wie kann das denn sein???

    - und dann gibt es da noch einige Bereiche, an die man gar nicht denkt: z.B. Forschung. Wenn einfach mal alle (alle!) Doktorandenstellen, Forschungspraktika etc. gestrichen werden, gibt der einstmals ambitionierte junge Akademiker entweder Bio-Nachhilfe und zieht wieder zu seinen Eltern (bzw. gar nicht erst aus) oder sucht sich für einige Jahre eine Stelle im Ausland und wartet auf bessere Zeiten.

    - Arbeitsbedingungen: auf der Arbeit meines Freundes haben sie z.B. gar keine Kündigungsfristen. Wir haben uns einen Scherz daraus gemacht und ich empfange ihn zum Mittagessen oft mit der Frage, ob er denn nach dem Essen überhaupt wieder hin müsse... Aber wirklich lustig ist es natürlich nicht

    Was ich wirklich bewundere, ist die Einstellung vieler junger Spanier, die versuchen, trotz allem etwas auf die Reihe zu kriegen. Sprachkurse, Zusatzausbildungen, Extra-jobs, Auslandsaufenthalte, eigene Projekte starten... Da habe ich wirklich grossen Respekt.

    (und zu den gut gefüllten Cafes und Einkaufsstrassen: eine ältere Nachbarin hat mir gesagt, dass es jetzt nicht einmal mehr beim Corte Ingles anständige Stellen gibt, also auch alles unterbezahlt und befristet. Geht es also bergauf oder fallen die letzten Bastionen?)

    Ich verstehe nicht wirklich viel von Wirtschaftspolitik, aber bezeichnend fand ich, dass in 2012 in den Medien immer davon geredet wurde, dass es 2014 vielleicht wieder besser werden könnte. Das ganze Jahr 2013 war und ist schon als verloren abgeschrieben...
    #10Verfassersoko100 (480878) 22 Feb. 13, 06:07
    Kommentar
    Ein aktueller Videobeitrag zum Thema : Siehe auch: Der Kulturfaden III - #217
    #11Verfasserno me bré (700807) 23 Feb. 13, 19:43
    Kommentar
    #12Verfasserno me bré (700807) 03 Mär. 13, 13:57
     
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