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    7,5 milhões dos 80,2 milhões de habitantes da Alemanha são analfabetos

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    7,5 milhões dos 80,2 milhões de habitantes da Alemanha são analfabetos

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    http://oglobo.globo.com/blogs/lafora/

    Para um dos paises mais ricos da Europa e além do mais com uma grande tradição literária, os dados são alarmantes. Um estudo divulgado revela que 7,5 milhões dos 80,2 milhões de habitantes da Alemanha são analfabetos, embora tenham concluído pelo menos o curso primário. Segundo a Federação Alemã de Alfabetização, que coordena um programa de alfabetização para adultos, 300 mil não conseguem ler uma única palavra, dois milhões conseguem ler uma ou outra palavra mas não entendem nem frases curtas, enquanto que cerca de cinco milhões são "analfabetos funcionais". Estes sabem escrever o nome e o endereço, quando visitam um consultório médico, mas encontram os seus limites quando precisam responder a perguntas como, por exemplo, sobre doenças que tiveram no passado.

    O ministério da educação da Alemanha leva o problema tão a sério que introduziu uma estratégia nacional para alfabetização de adultos, um programa que deverá ser executado até 2015. Segundo Anke Grotlüschen, a autora do estudo, um dos maiores problemas para o combate ao analfabetismo é que os afetados têm vergonha de se declarar como tal e por isso não procuram ajuda, como os cursos nas escolas municipais para adultos "Volkshochschule", chamados "ler e escrever desde o início". Para ter mais acesso aos analfabetos, a estratégia do governo, que prevê gastos de 20 milhões de euros, vai realizar parte dos seus 60 projetos nas empresas.

    Segundo Grotlüschen, 57% dos analfabetos funcionais trabalham em profissões simples, onde não precisam nem ler nem escrever. Já 43% vivem da ajuda social dos municípios. Parte do programa de ajuda aos analfabetos foi o lançamento de um livro com um vocabulário simples e muitas imagens, para motivar os adultos a finalmente aprender o que não conseguiram aprender na escola primária.



    Ich kann mich an eine Aufklärungskampagne im deutschen Fernsehen erinnern, da regte sich ein Arbeitgeber auf, weil der Arbeiter die Sicherheitshinweise auf dem Schild nicht beachtet hatte... Bis er kapierte, dass der Arbeiter die Hinweise nicht lesen konnte...

    Ich kann mich auch an Leute im Supermarkt erinnern, die mich baten, eine Packungsaufschrift für sie zu lesen, weil sie die Brille daheim gelassen hätten. Dann las ich in der Zeitung, dass dieser einer der Tricks ist, die Analfabeten benutzen, um an Informationen zu kommen.

    Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Dieser Artikel heute in der Zeitung wird viele Brasilianer verblüffen. Meine Kollegen sind fast vom Stuhl gekippt, obwohl sie Deutsch studiert und zum Teil auch eine kurze Zeit in Deutschland gelebt haben!

    Wir haben zuhause (in Rio) hin und wieder ein Hausmädchen gehabt, das nicht lesen konnte. Das blieb aber nicht lange so, denn meine Mutter sorgte sofort dafür, dass sie alle von uns alfabetisiert wurden. Ich habe als Kind -wie meine Geschwister - Abends Diktate am Küchentisch mit dem Hausmädchen geübt! Keine Hausangestellte hat je unser Haus als Analfabetin verlassen. Eine davon hat sogar alles nachgeholt und studiert.
    VerfasserCARIOCA (324416) 16 Jul. 13, 15:16
    Kommentar
    Hallo CARIOCA,

    gestatten Sie mir, meine Sicht der Dinge darzulegen.
    Deutschland mag als insgesamt fortschrittliches Land gelten. Allerdings ist bei genauerem Betrachten auch erkennbar, wie die Gesellschaft nicht homogen, sondern sehr vielschichtig ist.
    Gewiss, dabei mögen es wohl nur sehr wenige Deutsche sein, denen überhaupt gar keine Schulbildung zuteil wurde.

    Was aber durchaus anzutreffen ist, sind Menschen, die mit der Beherrschung der Schrift ihre Probleme haben. Gründe hierzu sind recht individuell. Es gibt ältere Leute, die kinderreichen Familien entstammen, und denen vor rund 40 oder 50 Jahren der Schulbesuch teils verwehrt wurde. Diese vervollständigten die damals 8jährige Schulpflicht nicht, sondern mussten stattdessen früh arbeiten. Und bei Tätigkeiten wie dem Bauhelfer oder als Lagerarbeiter, als Knecht in der Landwirtschaft oder als Reinigungskraft kam diese mangelnde sprachliche Kompetenz oder Defizite bei den Grundrechenarten nicht weiter zum Tragen. Schwierig wird es für solche Leute, wenn diese ihrer bisherigen Tätigkeit nicht mehr nachgehen können, und sich so im fortgeschrittenen Alter erneut dem Arbeitsmarkt stellen müssen.

    Es gibt jüngere, in Deutschland geborene Menschen mit Migrationshintergrund, denen das Lesen und Schreiben in deutscher Sprache schwer fällt. So wie in manchen Familien kaum deutsch gesprochen wird, findet bei der Einschulung oft die erste ernste Auseinandersetzung mit der Sprache statt. Ganz interessante Zahlen zeigen da auf, welche Berufsabschlüsse von welchen Gruppen erzielt werden. Daneben existieren aber auch sehr viele positive Beispiele, wie sich Nachfahren von Zuwanderern muslimischer Kulturen auch sehr gut in Deutschland einbringen. Und gängige Klischees widerlegen. Viele dieser Menschen werden durch einzelne negative Berichterstattung zu Unrecht in ein falsches Licht gestellt. Dass solche Gruppen sich am gesellschaftlichen Rand befinden, beruht auf dem geschichtlichen Hintergrund. Viele türkischstämmige Gastarbeiter kamen in den 1960er Jahren nach Deutschland, aber auch Italienier, Griechen, Spanier. Gedanke war zunächst, dass diese Menschen nur für geraume Zeit im Land bleiben sollten, um einen Arbeitskräftemangel zu kompensieren und danach mit dem verdienten Geld in der alten Heimat eine Existenzgrundlage zu haben.Viele Gastarbeiter anderer Nationen kehrten so in die Herkunftsländer zurück, oder sie wurden, etwa durch Heirat, von der deutschen Gesellschaft assimiliert. Viele Italiener sind zudem katholisch und abendländisch geprägt, es standen sich hierbei keine zu konträren Kulturen gegenüber. Die türkischen Gastarbeiter und deren Familien allerdings suchten anfänglich weniger den Kontakt, blieben dagegen mehr unter ihresgleichen. Erst im Laufe der Jahre wurde dabei klar, dass viele dieser Menschen vermutlich nicht mehr in die Türkei zurückkehren würden. Etwa, weil in dortigen strukturschwachen Regionen ein wirtschaftliches Prosperieren ausblieb und so die berufliche Perspektive im Heimatland fehlte. Zum anderen sind Türkischstämmige heute in Deutschland bereits in kleineren Städten eine feste gesellschaftliche Größe, mit eigenen Moscheen, Restaurants, Supermärkten (Insbesondere den Türken ist die kulinarische Bereicherung um Dönerkebab oder Falafel zu verdanken.). Beruhend darauf ist die dauerhafte Rückkehr in die Türkei heute für viele befremdlich, und auch wirtschaftlich ein ungewisses Unterfangen. Dennoch will man die Muttersprache nicht verkennen, als Teil der eigenen Identität und einendes Element innerhalb dieser Kommunen.

    Neben eher wenigen Fällen echter Schreib-Lese-Schwäche (Legasthenie) gibt es auch viele Deutschstämmige, meist mit sozial schwachem Hintergrund. Denen fällt es beispielsweise schon schwer, Bedienungsanleitung zu lesen und den Sinn solcher Texte zu erfassen. Verschiedene Ursachen (Alkohohlsucht, Arbeitslosigkeit, zerrüttete Beziehungen) tragen dazu bei, dass manche Familien dem eher bildungsfernen Milieu zuzurechnen sind. Studien zeigen hierbei auf, wie sich die oft nicht ganz optimalen Lebensläufe der Eltern bei den Kindern fortsetzen. Das ist durchaus ernstzunehmen, da in Deutschland die Zahl solcher Menschen ansteigt.

    Im Beruflichen äußert sich eine mangelnde sprachliche Kompetenz dadurch, dass beispielsweise Jugendliche beim Bewerben um einen Ausbildungsplatz teils von mehreren Fehlern durchsetzte Unterlagen zusenden. Es ist dabei nicht ganz leicht, zu bestimmen, wer für die Defizite zu verantworten sei: Das Elternhaus, die Schule, oder der Jugendliche selbst. Häufig allerdings herrscht gegenüber Bildungseinrichtungen eine sehr große Erwartungshaltung, während in solchen Fällen die heimische Hausaufgabenbetreuung oder das Rekapitulieren von Unterrichtsinhalten eine stiefmütterliche Behandlung erfuhr. Dieses Problem herrscht bei vielen Kindern, die entweder bei nur einem Elternteil aufwachsen, oder wenn Vater und Mutter bzw. Geschwister neben der Berufstätigkeit keine Zeit finden, um dem Nachwuchs entsprechende Aufmerksamkeit zu Teil werden zu lassen. Lesen etwa ist eine Sache, die daheim geübt werden muss. Die Schule vermittelt die Grundzüge und animiert, eine Vertiefung des Ganzen kann nicht allein binnen des Unterrichtsbetriebes stattfinden.

    Über die im portugiesischen Text genannten Zahlen kann ich stauen, ein solches Ausmaß hätte ich selbst nicht erwartet. Doch die Aussagen fundierter Quellen belegen wieder und wieder, dass die sog. Dunkelziffer höher sein mag, als es die tagtägliche Wahrnehmung suggeriert. Denn wie bei dem von CARIOCA beschriebenen Vorfall im Supermarkt, so sieht man es den Leuten zunächst nicht an. Und es mag Tricks geben, den funktionellen Analphabetismus zu kaschieren. Daneben sind die betroffenen Menschen sicher auch beschämt, sich in anderen Situationen offen zu ihren Defiziten zu bekennen. Eben, weil dies vorschnell mit Dummheit oder Faulheit assoziiert und mit Hochmut entgegnet werden kann.

    Wenn sich die Politik dem Ganzen annimmt und spezielle Förderprogramme auflegt, dann ist das nicht nur ein Akt der Mitmenschlichkeit, sondern es hat auch eine weitere Dimension. Diese genannten „profissões simples” werden mit der Zeit eher weniger. Etliche Hilfsarbeiter-Tätigkeiten entfallen aufgrund des technischen Fortschritts. Und viele industrielle Prozesse, die ein großes Maß an geringqualifizierten Arbeitskräften bedingen, sind in Länder mit niedrigerem Lohnniveau abgewandert. Mehr noch, wer keine Chance hat, aus dem sog. Niedriglohnsektor emporzusteigen, für den ist das Bestreiten des Lebensunterhaltes und das Einzahlen in eine Altersvorsorge nicht einfach bewerkstelligen. In dieser Hinsicht rollt auf Deutschland noch eine Lawine zu, wenn die als Arbeitsmarktwunder gefeierten Mini-Jobs sich dahingehend rächen, dass keine ausreichenden Sozialabgaben entrichtet wurden.

    Doch zurück zum funktionellen Analphabetismus: Zwar wird es immer Menschen geben, die aus irgendwelchen Gründen keiner Arbeit nachgehen können. Da freilich muss die Regierung bemüht sein, diese Zahl so klein wie möglich zu halten. Um sozialen Frieden und gesellschaftliche Stabilität garantieren zu können. Dazu gehört eben, für die Bürger in Sachen Bildung Anreize zu schaffen, und auch für Erwachsene eine zweite und dritte Chance zur Erlangung schulischer Qualifikation anzubieten.

    Oftmalig zeigt sich dabei eines: Wenn es in der Familie nicht stimmt, und im Kindesalter kein solider Grundstock an Bildung gelegt wurde, dann ist es für solche Menschen im weiteren Verlauf ihres Lebens kaum möglich, dies zu kompensieren. Ich selbst bin bestimmt nicht mustergültig. Aber Kinder zu haben bedeutet eben auch, Verantwortung zu tragen. In Deutschland ist, gegenüber dem „dia integral“ an einer „escola particular“ bislang die Schulausbildung mehr eine Kooperation zwischen Eltern, Kindern und Lehrkräften. Privatschulen haben nicht die selbe Bedeutung wie in Brasilien Weniger kann man sich darauf verlassen, dass alleine die Schule zuständig ist, um Wissen zu vermitteln und zu vertiefen. Und Ganztagsbetreuung für Kleinkinder oder Schüler ist in Deutschland noch Neuland, erst seit relativ kurzer Zeit befindet sich das im Aufbau.

    Um die gestellte Frage zu beantworten: Selbst kann ich mich an keine bewusste Begegnung erinnern, binnen der sich ein Analphabetismus des Gegenübers offenbart hätte. Womit ich beruflich zu tun hatte, waren Leute, die erheblichen Schwierigkeiten selbst mit kleinen Texten hatten.
    Daneben weiß ich um zwei Personen höheren Alters im nahen Umfeld, die trotz Schulbesuches nie richtig Lesen und Schreiben lernten. Früher allerdings wurde oftmalig vorschnell akzeptiert, dass solche Leute minderbemittelt seien, ohne Ursachenforschung zu betreiben. Es gab, vor rund 50 Jahren, auch noch keinen schulpsychologischen Dienst, der Hintergründe durchleuchtet (Wenn ich mich recht erinnere, nennt sich eine in Brasilien zuständige Einheit hierzu „conselho tutelar“.). Und ein genaueres Ergründen des privaten Umfeldes der Problemschüler, gar mögliche Einflussnahme in die Familien, verstand sich zu jener Zeit als Tabu. Heute wird mit solchen Fragen offener umgegangen. Wenn bekannt wird, wie eine Familie offensichtlich nicht im Stande ist, für Kinder gesetzliche Mindeststandards zu erfüllen, so zieht dies meist Konsequenzen nach sich.

    Insgesamt darf man Deutschland wirklich nicht überschätzen. Es gibt sog. soziale Brennpunkte. Diese stehen in erheblicher Diskrepanz zu dem, was gerade im Ausland als deutsches Mittelmaß oder landesüblicher Standard betrachtet wird. Freilich versteht sich auch, dass man aus deutscher Sicht in der Selbstdarstellung nach außen hin versucht ist, sich von der besten Seite zu präsentieren. Das wiederum ist normal, und für viele andere Länder ebenso zutreffend.
    #1Verfassertropeiro (940786) 17 Jul. 13, 13:38
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    Tropeiro, ich habe einen Sohn in Deutschland großgezogen und bin mit den Problemen der deutschen Schulbildung durchaus vertraut. Vor allem ärgerte mich die Wurschtigkeit der Lehrer in der Grundschule. Sie sind ja verbeamtet und ihr Arbeitsplatz ist gesichert, egal wie schlecht sie sind.

    Auch ich war über diese Statistik in der brasilianischen Zeitung verblüfft, das hätte ich nie erwartet.

    Brasilien hat sich leider unter Lula und seiner Nachfolgerin rückwärts bewegt. Er, ein funktioneller Analphabet der nie ein Buch in seinem Leben gelesen hat, hat es zum Präsidenten geschafft, also was soll der ganze Schmarrn mit der Studiererei? Wer sich damit plagt ist ein Depp, es lebe die Ignoranz! Damit wurden die Gelder für Alphabetisierungsprogramme und insgesamt für die Bildung gekürzt... Wir erleben dunkle Zeiten.
    #2VerfasserCARIOCA (324416) 17 Jul. 13, 15:01
    Kommentar
    Hallo CARIOCA, dann wissen Sie um Deutschland fürwahr sehr gut Bescheid. Mir war bislang nicht ersichtlich, dass Sie über eine derart beträchtliche Zeit Einblicke gewannen. Und ich erkenne gerne an, wie die bras. Privatschulen eben dahingehend recht positive Aspekte aufweisen, dass dem Leistungsgedanken ganz anders Rechnung getragen werden muss. Die Lehrkräfte und der ganze Schulbetrieb müssen sich gegenüber den Eltern an der Schülerschaft beweisen. Wenn zudem im selben Städtchen zwischen einzelnen Privatschulen ein gesunder Wettbewerb herrscht, so ist dies für die „Kundschaft“ eher vorteilhaft. Ein Beispiel, ein noch nicht vierjähriges Mädchen, welches die „Educação Infantil” einer privaten Bildungseinrichtung besucht, kann bereits etwas Englisch: Farben und Tiere benennen, sich vorstellen, und nach dem Namen fragen. Das ist in Deutschland, von wenigen Pilotprojekten oder Elterninitiativen, nicht die Regel. Etwas schade, wie in Brasilien dem gegenüber manche öffentlichen Schulen (estaduais/municipais) leider den privaten sehr nachstehen. Dabei geht es bei Weitem nicht nur um Unterrichtsinhalte selbst; Die Gebäude sind in teils schlechtem Zustand. Es gab, beispielsweise, skandalträchtige Zuständigkeiten im Bereich der “merenda escolar”. Und ein von der “prefeitura” angestellter Mann, der den Zutritt zum Schulgelände überwachte und etwas für Ordnung sorgte, wurde abgezogen.
    Was ich, als allenfalls leichte Kritik an Brasilien, äußern möchte: Gerade an Orten mit starkem, sozialem Gefälle bleibt die Kinder einfacher, armer Menschen vom Einschulen an vieles verwehrt, was ihnen einen gesellschaftlichen Aufstieg über Bildung ermöglichen könnte.

    In Deutschland darf natürlich die Frage aufgeworfen werden, wie sehr denn der Lehrkörper hoheitliche Aufgaben wahrnimmt, als dass sich hieraus eine Verbeamtung rechtfertigte. Gewiss liegt diesem Konstrukt ein wohlwollendes Ansinnen zu Grunde. So sollen, unter letztendlicher Obhut des Bundes, in ganz Deutschland flächendeckend einheitliche Standards herrschen, wobei einzelne Zuständigkeiten verteilt sind: Die Bundesländer als Personalaufwandsträger, während Schulaufsichtsbehörde und Sachaufwandsträger im mehr kommunalen Bereich ansässig sind. Schließlich ist (gerade dieser Tage, mit der Vereinheitlichung des Abiturs) die Konferenz der Kultusminister ob der regionalen Unterschiede in Fragen der Bildung um möglichst hohen Konsens versucht. >>> Dieser deutsche Entwurf zur Bildung ist eben ein Modell, welches keineswegs frei von System-Fehlern wäre. Und trotzdem gibt es lokale Unterschiede. In großstädtischen Problembezirken ist Gewaltaufkommen und die dem gegenüberstehende Machtlosigkeiten alarmierend, wenn Lehrkräfte nicht mehr respektiert werden. Renitente Schüler und gleichgültig-teilnahmslose Eltern tragen dazu bei, dass ein normaler Unterrichtsbetrieb und das Erreichen von Lehrzielen schwierig wird. Solcher Problematik ist das staatliche Schulwesen nicht erhaben. Viele Kinder streben deswegen danach, möglichst bald auf eine weiterführende Schule zu wechseln. Und manche Eltern sind gar versucht, mit allen Mitteln ihren Nachwuchs anderswo einzuschulen.

    Was wichtig ist, im Bezug auf genannte „Wurschtigkeit“ an Grundschulen oder sonstige Ärgernisse:
    Mitwirken. In Kindergärten, Grundschulen gibt es Elternbeiräte, man kann das Gespräch mit einem Lehrkräften suchen, auch eine höhere Stelle anrufen. Ich würde nicht sagen, das man gar nichts ändern kann. Wiegesagt, das deutsche, staatliche System beruht auf einer Mitwirkung. Nur eine einigermaßen beständige Harmonie aller Beteiligter führt zum Erfolg. Wer freilich an Orten lebt, wo der Anteil nicht mehr hinnehmbar Zustände bereits zu sehr ausgeufert ist, dem bleibt nur, die Kinder von der Schule zu nehmen.

    Zuwenig habe ich die politischen Vorgänge im Blick, so möchte ich mir als Nicht-Brasilianer kein Urteil über die Zustände des Gastlandes anmaßen. Was bei Lula samt den Petistas wahrnehmbar ist, weißt teils Parallelen auf zum deutschen Ex-Außenminister Joschka und dessen Partei, DIE GRÜNEN. Vor Antreten des Präsidenten- und Ministerposten wurden beide Politiker als revolutionär wahrgenommen, da sie aufgrund ihres jeweiligen persönlichen Profils doch Raritäten darstellen, welche an bisherigen Regierungen noch nicht beteiligt waren. DIE GRÜNEN etwa kündigten „einen Marsch durch die Institutionen“ an. Um neuen Wind in das scheinbar von Vetternwirtschaft und konservativer Spießbürgerlichkeit durchsetzte Machtgefüge zu bringen. Etwas mehr als dreißig Jahre später gehören diese einstmaligen Revolutionäre genauso zum Establishment der restlichen Parteien. Und werden darüber hinaus als Lobbyisten von genau jenen bezahlt, denen eigentlich der Kampf angesagt worden war. Weniger wurde Fischer dabei Inkompetenz vorgeworfen. Mehr ist des die Abkehr von den Idealen, für die er einstmals stand, und weswegen er im Hoffen auf einen politischen Richtungswechsel gewählt worden war. Lula wiederum war jemand, der die Vorteilsnahme mancher Politiker kritisierte, dann aber zum Ende seiner Amtszeit einigen Verwandten noch schnell Diplomaten-Ausweise verschaffte. Unter Integrität versteht man da etwas anderes. In Deutschland wie Brasilien beweisen solche Fälle mit dies: Macht macht anfällig, diese auszunutzen. Deswegen muss sie begrenzt sein, und bedarf obendrein einer Kontrolle. Vielleicht könnten wir uns auf Folgendes verständigen:
    Demokratie hat immer auch einen experimentellen Charakter. Und ist kein Selbstläufer.

    Es war interessant, wie ein Metallarbeiter zum Präsidenten wurde, oder ein Taxifahrer bei uns Außenminister. Beide erwirkten oder verkörperten wohl nicht das, wofür ihnen Vertrauen entgegengebracht worden war. So entstehen über die Jahre hinweg manchmal Zerrbilder, die einer Korrektur bedürfen.


    Bezogen auf eine Teilhabe am gesellschaftlichen Geschehen aller. Sollte ich richtig informiert sein, so ist dies die Kolumne einer weiteren „carioca“:
    http://epoca.globo.com//colunas-e-blogs/ruth-...
    #3Verfassertropeiro (940786) 18 Jul. 13, 20:35
     
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