Werbung
LEO

Sie scheinen einen AdBlocker zu verwenden.

Wollen Sie LEO unterstützen?

Dann deaktivieren Sie AdBlock für LEO, spenden Sie oder nutzen Sie LEO Pur!

 
  •  
  • Übersicht

    Sprachlabor

    klimatisch; in den westlichen Norden

    Betrifft

    klimatisch; in den westlichen Norden

    Kommentar
    Wenn die Macht der Vereinigung aus dem Leben der Menschen verschwindet und die Gegensätze ihre lebendige Beziehung und Wechselwirkung verloren haben und Selbständigkeit gewinnen, entsteht das Bedürfnis der Philosophie. Es ist insofern eine Zufälligkeit, aber unter der gegebenen Entzweiung der notwendige Versuch, die Entgegensetzung der festgewordenen Subjektivität und Objektivität aufzuheben und das Gewordensein der intellektuellen und reellen Welt als ein Werden, ihr Sein als Produkte als ein Produzieren zu begreifen. In der unendlichen Tätigkeit des Werdens und Produzierens hat die Vernunft das, was getrennt war, vereinigt und die absolute Entzweiung zu einer relativen heruntergesetzt, welche durch die ursprüngliche Identität bedingt [ist]. Wann und wo und in welcher Form solche Selbstreproduktionen der Vernunft als Philosophien auftreten, ist zufällig. Diese Zufälligkeit muß daraus begriffen werden, daß das Absolute als eine objektive Totalität sich setzt. Die Zufälligkeit ist eine Zufälligkeit in der Zeit, insofern die Objektivität des Absoluten als ein Fortgehen in der Zeit angeschaut wird; insofern sie aber als Nebeneinander im Raum erscheint, ist die Entzweiung klimatisch; in der Form der fixierten Reflexion, als eine Welt von denkendem und gedachtem Wesen, im Gegensatz gegen eine Welt von Wirklichkeit, fällt diese Entzweiung in den westlichen Norden.

    G. W. F. Hegel, Differenz des Fichteschen und Schellingschen Systems der Philosophie (Jena, 1801)

    http://www.textlog.de/34323.html

    clima.
    (Del lat. tardío clima 'latitud, región', y este del gr. κλίμα 'latitud, región').
    http://lema.rae.es/drae/?val=clima

    Nun, nachdem ich selber den DRAE nachgeschaut, und die Etymologie darin entdeckt habe, erschloss sich mir, dass klimatisch hier für "örtlich" steht. Unmittelbar davor bezieht sich Hegel eben auf die Zeit, der er den Raum entgegensetzt. Es bleibt allerdings die Frage offen, was er denn mit "in den westlichen Norden" gemeint haben soll. Ist das ein bestimmter Ort (er schreibt übrigens in Jena)? Oder gar eine Redewendung? Ich bin für jede Hilfe dankbar!
    Verfasser Doktor Faustus (397365) 03 Mär. 14, 02:08
    Kommentar
    Ob hier vielleicht nicht eine Zone sondern eine Persönlichkeit gemeint sein kann? Wie wir wissen, Immanuel Kant wurde in Königsberg geboren, und damals müssten Ostpreussen als westlichen und Schlesien als östlichen Norden angesehen worden sein. Diese Allegorien waren damals in der Literatur sehr beliebt, und hier genügt ein Blick auf Hammans Werke zu werfen. Bei ihm war Dunkelheit des Ausdrucks Triumph: "... Heil dem Erzengel über die Reliquien der Sprache Kanaans! Auf schönnen Eselinen siegt er im Wettlauf; -aber der weise Idiot Griechenlands borgt Eutyphrons stolze Hengste zum philosologischen Wortwechsel."
    Die Bibelstelle befiehlt Leuten, die auf schönen Eselinnen reiten: Singet!
    Eutyphron war ein Wortgaukler und Sokrates fragte sich, wie trefflich Eutyphrons Rosse wären.
    #1Verfasser ayudante (789913) 03 Mär. 14, 08:37
    Kommentar
    Faustus, ich bin keineswegs in der Philosophie bewandert, möchte aber sprachlich zu bedenken geben, dass "Klima" auch im übertragenen Sinn benutzt wird und dann "Stimmung, Atmosphäre" bedeutet. Man spricht z.B. von kulturellem, politischem, philosophischen Klima etc.

    Bedeutungen
    2. durch bestimmte Ereignisse oder Umstände hervorgerufene Atmosphäre oder Beziehungen zwischen Personen, Gruppen, Staaten o. Ä.

    http://www.duden.de/rechtschreibung/Klima

    Ich habe zwei Stellen gefunden, die sich mit Hegels Begriff "westlichem Norden" befassen:
     
    5 Diese Entzweiung fällt, schreibt Hegel, besonders in den westlichen Norden, d. h. in die protestantischen Länder Europas.
    https://www.google.com/search?hl=DE&tbo=p&tbm... (4. Ergebnis)

    In der zweiten wird Hegels Ausdrucksweise kritisch betrachtet; etwas weiter oberhalb des Zitats spricht der Autor von der Unverständlichkeit und Preziosität des Hegelschen Ausdrucks (die Quelle ist Die Literaturzeitung vom Jahre 1802, Salzburg):

    Wir begreifen allerdings mit Herrn Hegel, daß die Geister unter dem Einflüsse einer klimatischen Verschiedenheit stehen; nur getrauen wir uns nicht zu bestimmen, daß gerade der westliche Norden das Geburtsland der Philosophie seyn müsse, und Herr Hegel mochte vielleicht selbst in Verlegenheit seyn, wenn er die Länge und Breite dieses Nordens bestimmen sollte. — Doch dieß nur im Vorbeygehen.
    http://books.google.de/books?id=Cb5KAAAAcAAJ... (S. 10)

    Nun bleibt die Frage offen, ob Hegel tatsächlich den europäischen Nordwesten meint (s. 1. Zitat) oder nur den deutschen - darauf weiß ich keine Antwort.
    Hegels Schrift wurde zwar in Jena veröffentlicht, aber er stammt aus Süddeutschland und war erst kurz zuvor von dort nach Jena gekommen. Es könnte also durchaus sein, dass seine heimatlichen Wurzeln seine Wortwahl beeinflusst haben.
    -------
    ayudante, es geht um Hegel, Fichte und Schelling. Erklär doch bitte, warum Du Kant in diesem Zusammenhang unterbringst.
    #2Verfasser neoparac (934585) 03 Mär. 14, 10:47
    Kommentar
    Geographisch, nicht klimatisch
    #3Verfasser ayudante (789913) 03 Mär. 14, 11:10
    Kommentar
    Ich danke euch beiden für eure Antworten!

    Die Zufälligkeit ist eine Zufälligkeit in der Zeit, insofern die Objektivität des Absoluten als ein Fortgehen in der Zeit angeschaut wird; insofern sie aber als Nebeneinander im Raum erscheint, ist die Entzweiung klimatisch

    @neoparac
    Beide Bedeutungen von "clima" haben wir im Spanischen auch. Aber mir scheint keine der beiden an dieser Stelle gemeint zu sein. Auf der anderen Seite ist die Gegenüberstellung von Zeit und Raum klar. Findest du nicht?

    in der Form der fixierten Reflexion, als eine Welt von denkendem und gedachtem Wesen, im Gegensatz gegen eine Welt von Wirklichkeit, fällt diese Entzweiung in den westlichen Norden.

    Diesbezüglich habe ich Folgendes gefunden:

    Der westliche Norden des deutschen regnum wird repräsentiert von Lothringen.
    Stoll, Karl Heinz - Das Deutsche Sein - Ursprung Und Mythos [de]
    https://www.google.com.ar/url?sa=t&rct=j&q=&e...

    Ob sich Hegel auf Lothringen bezog? Und wenn, warum? Hätte das vielleicht etwas mit den politischen Ereignissen um Napoleon zu tun? Die Passage unterscheidet klar zwischen Idealisten und Realisten. Aber selbst Filologen scheinen keine endgültige Antwort gefunden zu haben. Das ist wenigstens beruhigend.

    Danke, meine Herren! (ayudante, du bist ein Herr, nicht?)
    #4Verfasser Doktor Faustus (397365) 03 Mär. 14, 12:04
    Kommentar
    Doktor Faustus, Lothringen als Nordwesten zu sehen, das passt nur in eine völlig andere Epoche, als "Deutschland" von Rom her betrachtet wurde.


    Was spricht eigentlich dagegen, den westlichen Norden doch als Kant und den Protestantismus der nördlichen Länder zu verstehen, als eine Philosophie der Spaltung, der Hegel das Streben nach dem Absoluten entgegensetzt ( Quelle bei neoparac)? Forsche mal doch in diesem Sinne weiter!


    #5Verfasser costeña (589861) 03 Mär. 14, 13:54
    Kommentar
    Du hast recht, costeña. Neoparac hat allerdings selber eine Verbindung mit Kant geleugnet.

    in der Form der fixierten Reflexion, als eine Welt von denkendem und gedachtem Wesen, im Gegensatz gegen eine Welt von Wirklichkeit,

    "Eine Welt von denkendem und gedachtem Wesen" - das ist Fichte.
    "Eine Welt von Wirklichkeit" - das ist Schelling.

    daß gerade der westliche Norden das Geburtsland der Philosophie seyn müsse

    Also wäre das mehr oder weniger der Ort, an dem sich Hegel gerade befindet, und wo nach seiner Ansicht die Philosophie - in verschiedenen Zentren - betrieben wird.
    #6Verfasser Doktor Faustus (397365) 03 Mär. 14, 14:15
    Kommentar
    Faustus, ich habe eine Verbindung zu Kant nicht geleugnet. Ich wollte lediglich von ayudante wissen, wieso er Kant in diesem Zusammenhang erwähnt. In Deinem Text von Hegel taucht Kant nämlich nicht auf.
    #7Verfasser neoparac (934585) 03 Mär. 14, 14:38
    Kommentar
    Alles klar, parac. Im Allgemein sollte man ihn im Blick haben, denn er hat ja - womöglich unwillig - den deutschen Idealismus angestoßen. An dieser Stelle möchte ich zwei spanische Übersetzungen heranziehen, zum Einen die von María del Carmen Paredes Martín (ed. Tecnos, Madrid, 1990, p. 21):

    Es accidental cuándo y dónde y en qué forma tales autorreproducciones de la razón aparecen como filosofías. Esta accidentalidad tiene que ser comprendida a partir de que lo absoluto se pone como totalidad objetiva. La accidentalidad es una accidentalidad en el tiempo en tanto que la objetividad de lo absoluto se ve como un avanzar en el tiempo; ahora bien, en cuanto que la objetividad de lo absoluto aparece como una yuxtaposición en el espacio, la escisión es algo climático. En la forma de la reflexión fijada como un mundo de ser pensante y ser pensado en contraposición a un mundo de realidad efectiva, esta escisión cae en el noroeste.

    Zum Anderen gibt Juan Antonio Rodríguez Tous (Alianza, Madrid, 1989, p. 14) wieder:

    Es contingente cuándo, cómo y en qué forma surgen dichas autorreproducciones de la razón como filosofías. Esta contingencia ha de ser concebida partiendo de que el Absoluto se pone como una totalidad objetiva; la contingencia es una contingencia en el tiempo, en la medida en que la objetividad de lo Absoluto aparece como un proceso en el tiempo; pero, en la medida en que se muestra como una coexistencia en el espacio, la escisión es climática, esto es, cae hacia el Noroeste [la Francia cartesiana] en forma de reflexión fijada, como un mundo de esencia pensada y pensante opuesto a un mundo de realidad.

    Como se ve, Rodríguez Tous ubica "den westlichen Norden" en la filosofía cartesiana proveniente de Francia. Sería interesante saber en qué sustenta tal lectura, ¿quizás en la identificación del "denkendes Wesen" con la "chose qui pense" de Descartes?
    #8Verfasser Doktor Faustus (397365) 03 Mär. 14, 16:52
    Kommentar
    (Aclaro que recién accedo a la versión de Alianza, por eso no la cité antes.)
    #9Verfasser Doktor Faustus (397365) 03 Mär. 14, 18:25
    Kommentar
    Aus deutscher Sicht, damals wie heute, wird Frankreich niemals als "Nordwesten" bezeichnet. Diese Ansicht ist sogar in Eisen gegossen, denn die Hermannsche Faust, des Etruskers, richtet sich gegen Paris, im Südwesten gelegen, und nicht gegen Rom. Insofern verstehe ich Rodriguez Tous nicht, der das Subjektive-Objektive in den descarteschen Realismus hinein bringt. Wie wir wissen, außer Gottfried Wilhelm Leibnitz, kein anderer deutscher Philosoph hat sich mit dieser philosophischen Richtung auseinander gesetzt. Damals, 1801, wurden die Länder entlang des Baltischen Meeres als Nordwesten bezeichnet. Die Rostocker Universität trägt bis heute den Titel "Leuchte des Nordens", obwohl für uns Westler Rostock heute tiefstes Ostgebiet ist.
    Insofern empfinde ich costeñas Aussage als richtig: "Was spricht eigentlich dagegen, den westlichen Norden doch als Kant und den Protestantismus der nördlichen Länder zu verstehen, als eine Philosophie der Spaltung, der Hegel das Streben nach dem Absoluten entgegensetzt...?"

    Georg Wilhelm Friedrich Hegel setzt sich mit den Fichteschen und Schellingschen Systemen auseinander, und ich frage mich, bitte, Neoparac, korrigiere mich, falls ich mich irren sollte, ob diese Systeme nicht Anderes sind, als eine Fortsetzung oder Weiterentwicklung der Kantschen Lehren?
    #10Verfasser ayudante (789913) 03 Mär. 14, 19:30
    Kommentar
    Und der Protestantismus galt als "Prinzip des Nordens" - und der philosophische Vertreter des Nordens war für einen deutschen Philosophen nicht Descartes.

    Wenn man nicht orstkundig ist, kann man sich gewaltig irren in der Himmelsrichtung, wie schon ayudante schreibt.
    "Dein" Lothringen zum Beispiel, Doktor Faustus, aus der Sicht von Paris und Napoleon wäre Osten, nicht Westen.

    #11Verfasser costeña (589861) 03 Mär. 14, 20:01
    Kommentar
    Auf der Suche nach Erklärung habe ich nur das geteilt, was ich im Netz gefunden habe. Die Annahme Rodríguez Tous' finde ich ebenfalls weit hergeholt.

    Wie wir wissen, außer Gottfried Wilhelm Leibnitz, kein anderer deutscher Philosoph hat sich mit dieser philosophischen Richtung auseinander gesetzt.

    @ayudante
    Das stimmt nicht, zumal Baruch Spinoza bekennender Cartesianer und gerade für die Entwicklung deutscher Philosophie ausschlaggebend gewesen ist. Zweitens: Cartesius ist nicht unter den Realisten einzuordnen, vielmehr hat er den Rationalismus gegründet, indem er sich vom Aristotelismus unterschied, so wie dieser von Mittelalter überliefert wurde. Dadurch hat der Rationalismus den Weg zum Idealismus geebnet.
    #12Verfasser Doktor Faustus (397365) 03 Mär. 14, 20:38
    Kommentar
    Nun, Benito de Espinosa hat ohne Zweifel den Idealismus beeinflusst und seine Werke wurden später gern von deutschen Denkern gelesen wie Lessing, Herder, Goethe und vor allem Jacobi. Von Jacobi sind seine Streitigkeiten mit Hamann, Goethe, Fichte oder Schelling berühmt. Aber wie gesagt, beeinflusst, denn Spinoza hat keine (Denk)schule begründet: er steht da wie ein philosophisches "Unikat".

    Aber zurück zum Thema. Ich möchte Dich gern fragen, ob der Begriff "klimatisch; in den westlichen Norden" ausreichend geklärt ist.
    #13Verfasser ayudante (789913) 03 Mär. 14, 23:52
    Kommentar
    „Wenn man den Spinoza einst aus seiner starren, altcartesianischen, mathematischen Form erlöst und ihn dem großen Publikum zugänglicher macht, dann wird sich vielleicht zeigen, daß er mehr als jeder andere über Ideendiebstahl klagen dürfte. Alle unsere heutigen Philosophen, vielleicht oft ohne es zu wissen, sehen sie durch die Brillen, die Baruch Spinoza geschliffen hat.“

    Heinrich Heine in Die romantische Schule. Sämtliche Werke 3, Artemis und Winkler, 1996, S. 330.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Spinoza#Nachwirkung

    Aber zurück zum Thema. Ich möchte Dich gern fragen, ob der Begriff "klimatisch; in den westlichen Norden" ausreichend geklärt ist.

    Der Hegelsche Ausdruck bleibt weiterhin unklar, und ich befürchte, dass es immer so bleiben wird. Aber am nächstliegenden kommen mir die protestantischen Länder Europas vor, wie neoparac bereits in #2 vorschlug. Ich danke!
    #14Verfasser Doktor Faustus (397365) 04 Mär. 14, 12:09
    Kommentar
    Herr Doktor, ich bin durch Zufall auf ein wunderschönes zeitgenössisches Spottgedicht auf Hegel gestoßen, das ich Dir nicht vorenthalten will:

    Guano

    Ich weiß eine friedliche Stelle
    Im schweigenden Ozean,
    Kristallhell schäumet die Welle
    Am Felsengestade hinan.
    Im Hafen erblickst du kein Segel,
    Keines Menschen Fußtritt am Strand;
    Viel tausend reinliche Vögel
    hüten das einsame Land.

    Sie sitzen in frommer Beschauung,
    Kein einz'ger versäumt seine Pflicht,
    Gesegnet ist ihre Verdauung
    Und flüssig als wie ein Gedicht.
    Die Vögel sind all Philosophen,
    Ihr oberster Grundsatz gebeut
    [= gebietet]:
    Den Leib halt' allezeit offen
    Und alles andre gedeiht.

    Was die Väter geräuschlos begonnen,
    Die Enkel vollenden das Werk;
    Geläutert von tropischen Sonnen
    Schon türmt es empor sich zum Berg.
    Sie sehen im rosigsten Lichte
    Die Zukunft und sprechen in Ruh':
    »Wir bauen im Lauf der Geschichte
    Noch den ganzen Ozean zu.«

    Und die Anerkennung der Besten
    Fehlt ihren Bestrebungen nicht,
    Denn fern im schwäbischen Westen
    Der Böblinger Repsbauer spricht:
    »Gott segn' euch, ihr trefflichen Vögel,
    An der fernen Guanoküst', –
    Trotz meinem Landsmann, dem Hegel,
    Schafft ihr den gediegensten Mist!
    «
    Joseph Victor von Scheffel, 1826 - 1886
    http://gutenberg.spiegel.de/buch/6419/10

    Noch etwas zu Deiner eigentlichen Frage, nämlich der philosophiegeographischen Lokalisierung von Hegels westlichem Norden: wahrscheinlich musst Du eine kommentierte Ausgabe des Textes konsultieren, wenn Du es genau wissen willst. Eine solche wirst Du eher "printline" in einer Bibliothek finden als online im Netz.
    Oder Du suchst im Netz ein Forum, in dem sich echte Philosophie-Experten tummeln.
    #15Verfasser neoparac (934585) 05 Mär. 14, 13:09
    Kommentar
    Ich habe diesen interessanten Faden jetzt erst entdeckt, möchte aber dennoch meinen Senf dazu geben:

    "Eine Welt von denkendem und gedachtem Wesen" - das ist Fichte.
    "Eine Welt von Wirklichkeit" - das ist Schelling.

    Doktor Faustus, #6

    Könnte es nicht sein, dass Hegel hier ganz allgemein von der "Verstandeskultur" der westlichen Welt mit ihrem Dualismus von Geist/Körper, Intellekt/Materie spricht (und nicht von einzelnen konkreten philosophischen Positionen)? So verstehe ich diese Passage zumindest spontan. Auch eine Anspielung auf Descartes und Frankreich (als Nordwesten Europas) würde insofern ins Bild passen, aber ich glaube nicht einmal, dass der "westliche Norden" so konkret gedacht ist, sondern verstehe ihn vielmehr im Sinne von "westliche Kultur", westlicher Norden im Bezug auf die "Alte Welt" vielleicht. Etwas eigenwillig bleibt diese Bezeichnung natürlich dennoch. Ich stimme parac zu, dass eine kommentierte Ausgabe hier weitere Auskunft geben sollte.

    Auf der anderen Seite ist die Gegenüberstellung von Zeit und Raum klar. Findest du nicht? - Doktor Faustus, #4

    Die Art, wie Hegel hier Raum und Zeit, das Absulute, die Entzweiung und seine jeweiligen Manifestationen beschreibt, erinnert mich stark an die Dimensionen des horizontal-syntagmatischen/metonymischen einerseits und des vertikal-paradigmatischen/metaphorischen andererseits (Lacan, Jakobson). Gefällt mir. :)

    Edit: Hier habe ich soeben einen interessantes Dokument zum Thema Geophilosophie und der "gemäßigten Zone" im abendländischen Denken gefunden, in dem auch Hegel erwähnt wird:

    Dies gilt auch für die Geographie der okzidentalen Philosophie, worin die ‚gemäßigte Zone‘ von Autor zu Autor variiert. Grob kann man dort eine Wanderungsbewegung von Süden nach Norden, vom Mittelmeerraum nach Zentraleuropa feststellen. Jene epochenübergreifende Gemeinsamkeit, welche Hippokrates, Aristoteles, Montesquieu, Herder sowie auch Kant und Hegel miteinander in Beziehung setzt, zeigt sich weniger in der übereinstimmend konkreten, territorialen Bestimmung des vorzüglichen Ortes als in der Existenz des Ortes in der Theorie selbst, in einer „Ideologie der Mitte“79. Dieser kulturgeschichtliche Ort liegt im Bereich der ‚gemäßigten Zone‘ der nördlichen Halbkugel der Erde.
    http://www.hypernietzsche.org/static/sgunzel-1/1/

    Hegels "westlicher Norden" scheint mir tatsächlich mehr ein metaphorischer, denn ein konkreter geographischer Raum zu sein.
    #16Verfasser la bella durmiente (548586) 10 Mär. 14, 23:49
     
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  
 
 
 
 
  automatisch zu   umgewandelt