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    zielte daneben

    Comment

    "Stand zweimal frei vorm Tor, zielte zweimal daneben, einmal aus Abseitsposition."

    SZ heute über Serge Gnabry, kommt aber öfter auf Fußballseiten vor


    Jedesmal bei solchen Formulierungen denk ich mir, dass er wohl schon aufs Tor gezielt hatte, aber halt nicht traf:

    zielen - die Absicht; treffen oder nicht treffen - das Resultat


    Lieg ich da falsch? Wie gehts Euch mit dem Verständnis von "zielen"?

    Author manni3 (305129)  30 Oct 19, 11:20
    Comment

    Ich habe schon beim Lesen des Fadentitels das gleiche (Gleiche?) gedacht. Daneben zielen = Beruf verfehlt :-)

    #1Author virus (343741) 30 Oct 19, 11:26
    Comment

    Und ich dachte beim Lesen des Fadentitels an „absichtlich daneben“.

    #2Author C3PO (877869) 30 Oct 19, 11:35
    Comment

    Ich gehe auch davon aus, dass eigentlich das Tor angezielt wurde ...


    ... selbst ein Spieler, der sich seiner Abseitsposition in dem Moment bewusst wäre, würde doch eher einen anderen der eigenen Mitspieler anzielen, als absichtlich das Tor zu verfehlen und so dem Gegner den Ball zu überlassen ...

    #3Author no me bré (700807) 30 Oct 19, 11:42
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    Ich halte das nicht für falsch.

    Das Problem ist wohl, dass, zumindest beim Waffengebrauch (wo die Formulierung ursprünglich ja herkommt), zielen sowohl für (i) die Absicht ("Ich habe auf das Scheunentor gezielt, der Schuss ging aber daneben (weil ich nicht richtig gezielt (im Sinne von (ii) unten) habe") als auch für (ii) das tatsächliche Ausrichten der Waffe (Duden: "etwas, womit jemand schießen, werfen o. Ä. will) genau auf ein bestimmtes Ziel richten") verwendet wird. Klar, im Fußball ist der Vorgang des Zielens in letzterem Sinne etwas komplexer (in etwa das Zusammenspiel aus Beinbewegung und Fußhaltung), ich sehe aber keinen Grund, warum man das nicht als zielen bezeichnen sollte.

    Den Einwand gegen die Verwendung von zielen als Synonym für schießen kann ich auch nicht nachvollziehen, das ist doch eine übliche metonymische Verwendung von Ursache für Wirkung, sprich das "und schoss deshalb" darf sich der geneigte Leser dazudenken (wie es auch der den Ausdruck so verwendende Fußballer macht).

    #4Author Slothrop_DE (1097119) 30 Oct 19, 13:08
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    Ich schließe mich den anderen an, die die Formulierung für falsch halten. In diesem Fall scheinen die meisten (hier) das ausgelassene "und schoß daneben" eben nicht mitzudenken.

    #5Author Selima (107) 30 Oct 19, 13:17
    Comment

    Bei der Formulierung muss ich an ein Gedicht von Roger McGough denken (den Titel habe ich gerade nicht):


    out of work

    divorced

    usually pissed

    he aimed

    low in life

    and

    missed

    #6Author Thirith (1037221) 30 Oct 19, 14:00
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    Ich gestehe, dass ich #4 nicht verstanden habe. In beiden Beispielen geht es doch darum, dass auf das gezielt wird, was auch getroffen werden soll. Wenn ich also 'hat daneben gezielt' sage, dann war es meine Absicht 'daneben' zu treffen. Und das ist ja nicht gemeint.


    Der OP funktioniert nur, wenn jemand tatsächlich nicht treffen wollte IMO: Er richtete die Waffe auf den Einbrecher, brachte es aber dann nicht über sich, auf einen Menschen zu schießen und zielte daneben, als er abdrückte.

    #7Author Gibson (418762)  30 Oct 19, 19:53
    Comment

    Ich sehe das in etwa wie #4 und kenne diesen Gebrauch seit Kleinauf. Zwar eher als spöttische Bemerkung ("Daneben gezielt!) für einen Fehlschuss, aber auch der aktive Gebrauch wie im OP ist mir geläufig u stört mich nicht. Seit wann muss Sprache denn immer logisch sein?

    #8Author lingua franca (48253) 30 Oct 19, 20:12
    Comment

    Eigentlich wollte ich mit meinem etwas länglichen Sermon schon darlegen, dass das durchaus logisch ist. Ist mir wohl nicht so gut gelungen, also versuche ich noch einmal, besser zu zielen:


    Sicher kann ich mit Absicht daneben zielen (zielen = die Waffe so anlegen, dass der Schuss an einen bestimmten Ort geht, in diesem Fall daneben), aber ich kann doch auch aus Unvermögen daneben zielen (mit Gibsons Beispiel: Er richtete die Waffe auf den Einbrecher, hatte aber noch nie zuvor eine Waffe in der Hand gehalten und zielte daneben).

    Das ist zugegeben in der Unterscheidung etwas unscharf: ich ziele auf mein beabsichtigtes Ziel (ich habe die Absicht, das Ziel zu treffen), die Waffe (die keine Absicht hat) zielt aber woandershin (weil ich sie nicht so halte, wie ich denke, dass ich sie halte), und damit ziele ich daneben.

    Im Allgemeinen (in the absence of evidence to the contrary) würde ich bei "daneben zielen" auch von Absicht ausgehen (das Exekutionskommando, das anlegt, feuert, aber daneben zielt, wird höchstwahrscheinlich eine Scheinexekution durchführen), beim Schuss im Sport impliziert es aber nach meiner Erfahrung (wie ich es auf dem Spielfeld gehört und selbst verwendet habe, Sportberichterstattung) immer Unfähigkeit, da müsste man schon explizit sagen, er hat absichtlich daneben gezielt, auch wenn im konkreten Fall die Absichtsinterpretation nicht ausgeschlossen ist (den Bayern wird ja gerade hin und wieder unterstellt, gegen den Trainer zu spielen, also absichtlich so schlecht, dass Herr Kovac entlassen wird).

    #9Author Slothrop_DE (1097119)  31 Oct 19, 00:06
    Comment

    Noch eine Stimme für „eigentlich falsch, aber gebräuchlich“.

    #10Author Jesse_Pinkman (991550) 31 Oct 19, 10:12
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    Nur kurz als Anmerkung: man kann durchaus auch extra daneben zielen, um zu treffen. Wenn ein Ball mit Effet gespielt wird, er also eine Kurve statt der Geraden verfolgt, muss er daneben gezielt werden. Ebenso im Waffengebrauch, wenn sich das Ziel bewegt, oder z.B. das Visier auf eine falsche Distanz eingestellt ist, Wind einberechnet werden muss etc.

    #11Authorm.dietz (780138) 31 Oct 19, 15:04
    Comment

    Noch eine Stimme für „eigentlich falsch, aber gebräuchlich“. Dito!


    Beim Schiessen ist "nicht treffen" und "daneben zielen" analog, da der Schuss selbst meist reproduzierbar und fehlerfrei ablaeuft (mal Wind, verreissen, etc. ignorieren). Beim Fussball kann ich entweer "richtig zielen, fehlerhaft schiessen und nicht treffen" oder "daneben zielen, korrekt schiessen und nicht treffen". Daher ist "daneben zielen" eigentlich falsch, wenn man das Tor treffen wollte. Aber ich bin da mit lingua franca (#8).


    @m.dietz : Stimme ich nicht zu: "Daneben" impliziert "nicht treffen" in diesem Ausdruck. Auch wenn "bei starkem Seitenwind leicht neben das Objekt zielen" technisch korrekt ist.

    #12Author Mausling (384473)  31 Oct 19, 16:43
    Comment

    "Daneben" impliziert erstmal nur "neben einer Sache" (zumindest laut Duden), und lässt Intentionen beiseite!

     

    Auch wenn der häufigste Sprachgebrauch von "daneben gezielt" ein "nicht treffen wegen eines falschen Zielpunkts" meint, ist im Kontext des Windausgleichs oder bei ballistischer Flugbahn ein "Da musst Du dann leicht daneben/darüber zielen, um das auszugleichen" durchaus ebenso üblich.


    Auch impliziert die Absicht, das Ziel zu treffen nicht, ob man richtig zielt, aber das steht auf einem gaaaanz anderen Blatt.

    #13Authorm.dietz (780138) 01 Nov 19, 11:23
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    Noch eine Stimme für "ist schon ok". Zielen ist nicht gleichbedeuten mit treffen, und wenn sich jemand "verzielt", hat er halt daneben gezielt.

    #14Author kikært (236250) 01 Nov 19, 11:58
    Comment

    Ich schließe mich denjenigen an, die es nicht für OK halten: Jemand, der sein Gegenüber mit der Pistole nur bedrohen, es aber nicht töten will, zielt daneben.

    Aber wenn der Fußballer das Tor nicht trifft, ging der Schuss daneben, obwohl er (möglicherweise) richtig gezielt hatte.

    Das ist mMn eine Schöpfung aus dem Sportreporterdeutsch. Man versteht, was gemeint ist, auch wenn's falsch ausgedrückt ist

    (vgl.: "Fräulein, sie haben eine Haut wie ein 20jähriger Pfirsich").

    #15Author lisalaloca (488291)  01 Nov 19, 12:37
    Comment

    Als Kinder haben wir es so gesagt: "Ich habe ...mal daneben gezielt." Gemeint war, haben aufs Tor gezielt, aber daneben geschossen.

    #16Author waltelf (1172501) 01 Nov 19, 13:29
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    Er zielte sorgfältig, traf aber daneben.

    (... um mal ein anderes Fass aufzumachen)


    https://www.duden.de/rechtschreibung/danebent...

    #17Author Emil 14 (299747)  01 Nov 19, 14:05
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    Für mich ist


    zielen = Absicht, das Ziel zu treffen

    daneben zielen = Absicht, das Ziel zu verfehlen (z.B. weil mich die gegnerische Mannschaft bestochen hat oder weil ich beim Stand von 20 :0 Mitleid mit den Schlappekickern habe)


    Vom Ergebnis her gesehen


    Er schoss (traf) daneben. = Verantwortung liegt beim Spieler

    Der Schuss ging daneben. = Verantwortung liegt beim blöden Ball.😫

    #18Author Analphabet (1034545) 01 Nov 19, 14:18
     
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