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    Nationalmimik

    Comment

    Mir ist schon öfter aufgefallen, dass Franzosen ihre Aussagen deutlich mehr mit Mimik unterstreichen, v.a. in Form von Augenbrauenhochziehen und Stirn-in-Falten-Legen, als Vertreter anderer Nationen.

    Ich habe mal einen Franzosen, einen Briten und einen Deutschen zufällig ausgewählt - keine Schauspieler und keine Politiker, sondern Philosphen und Historiker:

    Frédéric Lenoir: https://www.youtube.com/watch?v=V7gHbqPSQGk

    Timothy Garton Ash: https://www.youtube.com/watch?v=GGPWD-aZAsM

    Philipp Hübl: https://www.youtube.com/watch?v=7Hw-hWtix8E

    (Am besten den Ton abstellen, damit das Gesprochene nicht von der Mimik ablenkt)


    Sind Euch schon mal ähnliche nationale Besonderheiten in der Mimik aufgefallen?

    [Die nationale Sprechtonhöhe bei Frauen ist ja auch sehr unterschiedlich - Spanierinnen haben tendenziell deutlich tiefere und rauhere Stimmen als z.B. Amerikanerinnen.]

    AuthorSelima (107) 29 Apr 22, 11:23
    Comment

    Der mit nach oben geöffneten Händen fuchtelnde Italiener hat es schon bis in den klischeehaften Witz geschafft.

    #1AuthorSven DE (263308) 29 Apr 22, 15:03
    Comment

    Im Englischen ist der "Gallic shrug" legendär ;-)

    #2AuthorGibson (418762) 29 Apr 22, 15:19
    Comment

    Ebenso klischeehaft wie in #1 sind wohl die ewig freundlich lächelnden Japaner, die keinerlei Gefühlsregung zeigen ...

    #3Authorno me bré (700807) 29 Apr 22, 17:07
    Comment
    Die sich außerdem wirklich oft verbeugen bzw. mit dem Kopf eine Verbeugung andeuten. Diese Geste ist meiner Erfahrung nach fast gänzlich uneuropäisch.
    Echt schwierig zu lesen finde ich die griechische Sitte, beim Nein die Augen nach oben zu drehen und beim Ja leicht den Kopf zu schütteln. Verwirrend! :-)
    #4Authortigger (236106)  30 Apr 22, 04:50
    Comment

    Das ist in Bulgarien ähnlich verwirrend. Langsames Kopfschütteln ist ja, schnelles Kopfschütteln nein (wenn ich mich recht erinnere - ist schon lange her).

    #5AuthorSelima (107) 30 Apr 22, 09:37
    Comment

    Ähnlich Verwirrendes kenne ich von Indern. Kopfschütteln, das bei uns Nein bedeutet, ist dort ein Ja. Sehr amüsant in einer größeren Gruppe ;-)

    Nach genaueren Beobachtungen kam ich zu dem Schluss,dass es gar kein Schütteln, sondern ein Hin- und Herwiegen ist, etwa ∞

    #6Authormanni3 (305129)  30 Apr 22, 13:05
    Comment

    #6 kann ich unterstützen. Da aus großer Höflichkeit den "höhergestellten" gegenüber sehr viel bejaht wird (eigentlich alles, egal wie falsch es auch ist), habe ich schon mehrfach einen ganzen Raum von ununterbrochen mit dem Kopf wackelnden Indern erlebt.

    #7AuthorSven DE (263308) 02 May 22, 09:48
    Comment

    Speaking of Italians (#1), I was walking along the street one day and saw two people some distance away coming in my direction. The woman was gesticulating with her fingertips pressed together, pointing upwards. “She must be an Italian,” I thought to myself. My impression was confirmed when they came within earshot.

    #8AuthorStravinsky (637051) 04 May 22, 05:42
    Comment

    Speaking of Italians (#1, #8), I recall on a trip there a few years back watching a businessman (judging by his clothing) who was carrying a briefcase in one hand and speaking on his cell phone with the other, when he stopped and put down his briefcase just to be able to have one free hand to gesticulate with while he spoke holding the phone with the other.

    #9AuthorMartin--cal (272273) 04 May 22, 07:04
    Comment

    Das habe ich schon an anderer Stelle, glaube ich, mal erwähnt: Meine Kollegin ist aus Sizilien und mit einem Briten verheiratet. Inzwischen kann sie auch einigermassen deutsch. Ihre Stimme (allerdings nicht so sehr die Gestik/Mimik) ist völlig anders, je nachdem welche Sprache sie spricht. Italienisch: eher tief, englisch: etwas höher, deutsch: auch eher tief, hier muss sie mehr nach Wörtern suchen. Und ja, doch, beim Italienischen mehr Gestik.

    #10Authorvirus (343741)  04 May 22, 07:05
    Comment

    with her fingertips pressed together (#8)


    For clarity's sake: I meant the fingertips of each individual hand (not like our former Chancellor).

    #11AuthorStravinsky (637051) 04 May 22, 07:08
    Comment

    Stravinsky, Du meinst die Geste, zu der ein deutliches "stronzo" dazugehört?


    Martin, das ist eine sehr schöne Geschichte :-)

    #12AuthorSelima (107)  04 May 22, 07:15
    Comment

    Esattamente!


    #9: LOL!

    #13AuthorStravinsky (637051)  04 May 22, 07:23
    Comment

    Ich hatte so eine dunkle Erinnerung, dass ich zur Stronzo-Geste und einer verwandten Geste (in der Ausführung - nicht in der Bedeutung) schon einmal etwas geschrieben hatte: related discussion: Gesten für Ja und Nein - #23


    #14AuthorSelima (107) 04 May 22, 07:39
    Comment

    Unterschiede in der Nationalmimik und -gestik konnte man erleben im Vergleich der Krimiserien nach den Romanen von Donna Leon und Andrea Camilleri: Während der von dem deutschen Schauspieler Uwe Kokisch dargestellte venezianische Commissario Brunetti sich mit typisch deutsch gebremster Mimik und Gestik durch seine Fälle bewegte und so eigentlich nie den Eindruck vermitteln konnte, es handle sich bei ihm um einen Italiener, gestikulierte und grimassierte der sizilianische Commissario Montalbano, dargestellt von dem in Rom geborenen Luca Zingarelli, "wie ein echter Italiener". Wenn man sich einen Brunetti-Film anschaute und anschließend eine Montalbano-Folge, dann erlebte man auf frappierende Weise den Unterschied zwischen deutscher und italienischer nonverbaler Kommunikation.

    #15AuthorMiMo (236780) 04 May 22, 07:50
    Comment

    #15 Die Montalbano-Filme kenne ich nicht, aber ein, zwei Brunetti-Verfilmungen habe ich gesehen. Noch unitalienischer ist Joachim Krol - ein Schauspieler, den ich schätze. Nur hat er nichts Italienisches an sich.

    #16AuthorSelima (107) 04 May 22, 08:05
    Comment

    re #15f.:

    Danke für die Erhellung! Da ich genügend "Brunettis" mit einigem Vergnügen gelesen hatte, wollte ich mich auf die dt. Verfilmungen eingelassen, habe aber bei 2-3 Versuchen nie eine ganze Folge ertragen, weil es mir vorkam, als wären deutsche Schauspieler auf unerklärliche Weise aus einem deutschen Kammerspiel in die venezianische Originalkulissen gebeamt worden. Ich hatte diesen Eindruck auf bekannte Gesichter und lupenreines Bühnendeutsch zurückgeführt, glaube nun aber, dass die unpassende Körpersprache eine größere Rolle spielte.

    #17AuthorBambam (48248) 04 May 22, 09:04
    Comment

    "National-Mimik und -Gestik" könnte der Faden auch heißen....


    Mich würde ja interessieren, ob man in Ländern, wo es immer wärmer, heißer war/ist, mehr gestikuliert, siehe Italien, - obwohl Gestikulieren einen ja sozusagen erhitzt! - oder ... wie ist das in Wüstenländern?

    Damit verbunden die Frage: Gestikulieren und "mimikieren" die Finnen eigentlich auch wenig?

    #18AuthorBraunbärin (757733) 04 May 22, 10:54
    Comment

    Schau Dir einfach mal einen Kaurismäki-Film an - ja, tun sie ;-)

    #19AuthorB.L.Z. Bubb (601295) 04 May 22, 10:58
    Comment

    Die Italiener sprechen ihre Sprache nicht, sondern sie deklamieren sie, tragen sie vor. Sie tragen sie auf Händen und pointieren die betonten Wörter mit den Fingerspitzen ;-)

    #20Authormanni3 (305129) 04 May 22, 11:14
    Comment

    OT

    zu #15 / #16 / #17


    Was mir außer der Mimik-Gestik-Sache an den Brunetti-Filmen noch unangenehm auffällt, ist der willkürliche Zusammenschnitt von Fußwegen, die etwa Brunetti während seiner Ermittlungen geht. Da ich schon öfter in Venedig war und mich dort relativ gut auskenne (auch in den Seitengassen), fällt es mir immer wieder auf, dass dann, wenn Brunetti etwa von A nach B geht, er keineswegs immer den schlüssigen Weg von A nach B verfolgt, sondern sich mitten in der aktuellen Szenenfolge auf einmal ganz woanders bewegt, vorbei an Bauwerken, die überhaupt nicht an seinem behaupteten Weg stehen. D.h., man kompiliert aus filmisch interessanten Teilstrecken eine Gesamtstrecke, die es in dieser Abfolge gar nicht gibt, die aber optisch mehr hermacht.


    Das ist, als würde etwa in einem in Nürnberg spielenden Film eine Person auf dem direkten Weg vom Hauptbahnhof zur Burg erst einmal am Justizpalast vorbeikommen, dann an der Gustav-Adolf-Kirche, am Dutzendteich und am Schloss Neunhof, um schließlich bei der Kaiserburg anzulangen.

    #21AuthorMiMo (236780) 04 May 22, 19:54
    Comment

    OT Für München hat Fredl Fesl das im Taxilied zusammengefasst.

    #22Authormanni3 (305129) 04 May 22, 21:00
    Comment

    Weiter OT:

    MiMo, sei dankbar, dass er wenigstens immer in Venedig ist. Vor Jahren sah ich einen Film, in dem sich die Protagonistin angeblich durch Ludwigshafen bewegte - aber dann über einen Platz lief und ein Bauwerk betrat, die sich eindeutig in meiner Heimatstadt befinden, die nicht LU ist.


    In irgend einem in Norddeutschland spielenden Fernsehzweiteiler (Titel ist mir entfallen) war der Ort, an dem er spielte, sogar aus 3 oder 4 kleineren Dörfern zusammengeschnitten.


    So sind sie halt, die Filmleute. ;-)

    #23AuthorMöwe [de] (534573) 05 May 22, 08:07
    Comment

    Auch OT

    Wir wurden mal für eine Doku gefilmt und mussten eine ganze Zeitlang nur hin- und herfahren und hin- und hergehen - für Übergänge zwischen Orten, die ganz woanders waren als der Ort, an dem die Bewegungsszenen gefilmt wurden. Fällt halt nur den wirklich eingeweihten auf. Seither seh ich Dokus auch mit anderen Augen. Und noch anderster (!), seit ich mal von einem Naturdokufilmbeteiligten erzählt bekommen habe, wie die gemacht werden. Töne z.B. sind immer nachträglich dazugefügt. [Viele Dokus sind mir jetzt unerträglich.]

    #24AuthorSelima (107)  05 May 22, 08:23
    Comment

    ZU den nicht "zusammengehörenden" Schauplätzen: Das ist mir letztens auch in einem Film aufgefallen, der bei mir im Kiez spielte. Da haben sie halt die uninteressanten/weniger schönen Ecken rausgelassen, wenn der Protagonist durch die Stadt fuhr oder ging. Find ich jetzt nicht so schlimm, ehrlich gesagt. Ich hab mich eher gefreut, dass endlich mal wieder ein Film erkennbar bei mir um die Ecke spielte :-)

    #25AuthorB.L.Z. Bubb (601295) 05 May 22, 08:32
    Comment

    Schön auch diese Dokus im Stil von


    "X wandert mutterseelenallein und ganz auf sich gestellt fernab jeglicher Zivilisation mit ihrem Rucksack und ohne Nahrungsvorräte durch die zuvor noch nie von einem Menschen betretene Wildnis von YZ."


    Das begleitende vielköpfige Filmteam mit seinen Gerätschaften, Nahrungsmitteln, Erste-Hilfe-Koffern, Fahrzeugen, ggf. Hubschrauber usw. muss man halt mal vergessen....



    #26AuthorMöwe [de] (534573) 05 May 22, 08:47
    Comment

    Genau - schön auch, wenn der Naturabenteuerer beim Erklimmen/Betreten vom Gipfel/unbetretenen Ort aus gefilmt wird. Pffff.

    #27AuthorSelima (107) 05 May 22, 08:50
    Comment

    Zum griechischen Ja/Nein:

    Das hat mir ein griechischer Freund einmal so erklärt, daß die (auch zur entsprechenden Augenbewegung "eingedampfte") ruckartige Aufwärtsbewegung des Kopfes als Nein ursprünglich der Ausdruck des Widersatzes gegen die Autorität des Königs, Tyrannen, Archonten (oder wer sonst in der Antike Befehlsgewalt innehatte) war, das Kopfnicken aber - das genaugenommen nicht einfache Abwärtsbewegung des Kopfes ist, sondern eine Neigung desselben mit zusätzlicher Seitwärtsdrehung - ein Zeichen der Unterwerfung des Untertanen und abgeleitet ist aus der Geste, mit dem dieser seinen Hals dem Schwert des Königs (o. ä.) darbietet.

    #28AuthorPeter <de> (236455) 05 May 22, 09:20
    Comment

    "Widersatz" - again what learned.

    #29AuthorB.L.Z. Bubb (601295) 05 May 22, 09:21
    Comment

    In NO-Afrika wird nein mit einem Zungenschnalzen (an den oberen Schneidezähnen), kurzem Lidaufschlag bei gleichzeitigem Verdrehen der Augen nach oben und einem Kopf-nach-hinten-Werfen ausgedrückt.

    #30AuthorSelima (107) 05 May 22, 09:25
    Comment

    Edithchen wurde zum Schweigen gebracht, freut sich aber am bekundeten Zugewinn für den Wortschatz ;-)


    Oft wird die Nein-Bewegung von einem Zungenschnalzen begleitet, das man wohl als ein Zeichen der Geringschätzung einer herrschaftlichen Anordnung verstehen darf.

    #31AuthorPeter <de> (236455) 05 May 22, 09:26
    Comment

    ;) Dann machen das die Griechen ja ganz ähnlich wie die NO-Afrikaner ...

    #32AuthorSelima (107) 05 May 22, 09:27
    Comment

    Edith ist einfach zur Schnecke mutiert ...

    Und klappert auch noch der Beschreibung des nordafrikanischen Usus (der sozusagen die gesamte Palette an gestischen und mimischen Zeichen umfaßt) nach ... tststs

    Ich möchte sagen, das ist nicht nur ähnlich, sondern genauso (habe es wie von Dir, Selima, beschrieben sowohl in Griechenland als auch in Ägypten so erlebt).


    Ich denke, diese Zeichen sind wirklich uralt, und nicht verwunderlich, wenn man sich die absolute Befehlsgewalt antiker Herrscher (basileus, Pharao, Tyrann) vor Augen führt.


    Und ich meinte natürlich (#31) herrscherlich

    #33AuthorPeter <de> (236455)  05 May 22, 09:31
    Comment

    Leicht OT; #21 und folgende:


    Das mit den unlogischen Wegen von A nach B gibt's doch schon in »Sound of Music«. Sogar das »Sound of Music Castle« ist aus zwei realen Bauwerken zusammengeschustert: eingangsseitig die Fronburg, gartenseitig das Schloss Leopoldskron – und das Innere ist eine Studiokulisse.

    #34AuthorChris (AT) (237739) 02 Jun 22, 15:04
    Comment

    Noch ein Unterschied, der mir neulich bei einem Fernsehfilm auf- bzw wiedereinfiei: die Geste fürs Heranwinken. In Ägypten (da bin ich mir sicher; wo es noch so gehandhabt wird, kann ich nicht mit ausreichender Bestimmtheit sagen) wird die mit der Fläche weit vorwärts nach unten ausgestreckte Hand mehrfach geöffnet und geschlossen, für die dt. Geste wird nur der nach oben gestreckte, leicht gekrümmte Zeigefinger der im übrigen locker geschlossenen Hand schnell hin und her bewegt.

    #35AuthorPeter <de> (236455) 02 Jun 22, 19:45
    Comment

    Das kenne ich auch so aus dem Sudan.

    #36AuthorSelima (107) 02 Jun 22, 19:54
    Comment

    Das ist dann also wenigstens supraregional ... :-)

    #37AuthorPeter <de> (236455) 02 Jun 22, 20:02
    Comment

    die Geste fürs Heranwinken. (#35)

     

    … und bei Japanern: die flache Hand nach unten gerichtet und vor- und zurückbewegt.

    #39AuthorStravinsky (637051) 08 Aug 22, 21:23
    Comment

    Stravinsky brachte hier die typisch italienische Unterstreichungsgeste ins Spiel: "gesticulating with her fingertips pressed together, pointing upwards". Ich schaute mir gestern eine Szene aus "Grey's Anatomy" (Staffel 18, Folge 12) an, in der Dr. Amelia Shepherd den Text zu einem Projekt diskutiert, um eine Formulierung ringt und schließlich die Idee auf den Punkt bringt. Dabei macht sie eben diese Geste.


    Die Schauspielerin Caterina Scorsone ist in Kanada geboren und aufgewachsen, der Vater Antonio Bruno Scorsone ist Italiener oder zumindest italienischer Herkunft. Offenbar wird diese Geste auch außerhalb Italiens vererbt 😉

    #41AuthorRaudona (255425) 24 Aug 22, 11:06
    Comment

    .

    #42AuthorLGBTQIAplus (1368021)  27 Sep 22, 19:16
     
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