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  • Topic

    Arbeitskräftemangel

    Comment

    In Österreich, zumindest in meiner Gegend, mangelt es an Arbeitskräften in allen Branchen.


    Im Gastgewerbe hörte man eine Zeit lang, dass die Leute aufgrund der Corona Maßnahmen in andere Branchen abgewandert sind. So weit so verständlich.


    Seit längerem schon ist von Fachkräftemangel die Rede. Auch das ist mir verständlich, denn es muss erst gelingen, Menschen in die Ausbildung zu bringen und die dauert dann einige Zeit.


    Mittlerweile hängen in Auslagen von Geschäften, Automechanikern, Banken, an den Postkästen ...Anzeigen, dass Personal gesucht wird.

    In der Musikschule fehlt es an Lehrern, aus dem Krankenhaus höre ich, dass Ärzte fehlen, Krankenschwestern und Pflegepersonal sowieso, die Flughäfen und Fluggesellschaften leiden ebenso unter Personalmangel. Installateure und andere Handwerker stöhnen unter der Arbeitslast, zusätzliches Personal ist nicht zu finden. Es sind nicht nur unattraktivere - wenn man das so sagen kann - Berufe betroffen, sondern Querbeet.


    Woher kommt das?


    Mein Eindruck ist,dass dieser große Mangel mehr oder weniger mit Ende der strengen Corona Maßnahmen zutage getreten ist. Gibt es einen Zusammenhang?


    Gibt es weniger Arbeitskräfte weil, geburtenschwächere Jahrgänge im arbeitsfähigen Alter sind?


    Und vor allem die Frage, wie das in euren Ländern ist. Gibt es die Situation bei euch auch?


    Authorsenseless.at (777729) 24 Jun 22, 11:51
    Comment

    Meinem Eindruck nach schon ein spannendes Thema auch In Deutschland, zumindest sieht es hier ansatzweise ähnlich aus. Meines Erachtens macht sich hier auch ein Versagen der Schule bemerkbar. Die Kinderchen spielen "alle nur" mit ihren Handys, wenn sie Texte schreiben sollen, holen sie sich das aus dem Internet, wirkliche Eigenständigkeit des Denkens gibt es immer weniger. Ich habe einmal einem von Schülern geschriebenen Theaterstück einer Abschlussklasse beigewohnt, das große Drama handelte davon, dass ein Handy ins Schwimmbecken gefallen ist.

    Auch scheint mir der Umgang mit Werkstoffen in der Schule zu wenig eingeübt und interessant gemacht zu werden, Werkunterricht wird immer seltener an deutschen Schulen. Alles dreht sich, wenn überhaupt um das Mediale. Wirkliches Allgemeinwissen oder Interesse gibt es kaum, es gilt sogar von Ministeriumsseite in vielen, meist, aber wohl rot-grün regierten Ländern als verpönt.

    Eine Postbankfiliale bei uns musste geschlossen werden, weil sich unter 50 Bewerbern keiner fand, der den Einstiegstest geschafft hätte. Auch Handwerksbetriebe in Deutschland suchen oftmals vergeblich Nachwuchs.

    Na, bei Politikerposten wird offenbar "glücklicherweise" nicht so wählerisch vorgegangen. Da findet sich ja immer jemand, der von seinem Aufgabenfeld keine wirkliche Ahnung hat, z.B. eine außenpolitische Sprecherin der Linken, die nicht weiß, wo die Bundeswehr gerade im Ausland eingesetzt.

    #1AuthorRightSaidFred (1322814)  24 Jun 22, 14:45
    Comment

    Was senseless.at anspricht, ist doch aber nicht (nur) der Mangel an Fachkräften, sondern ganz allgemein der Mangel an Arbeitskräften. Obwohl immer die Rede davon ist, dass mehr Menschen (in Deutschland, aber wohl auch anderswo) als je zuvor bereit sind, ihre Arbeitsstelle zu wechseln, und entsprechend viel Bewegung auf dem Arbeitsmarkt sein müsste, kommen auf eine Stellenausschreibung immer weniger Bewerbungen.


    Sterben wir aus?

    #2AuthorRaudona (255425) 24 Jun 22, 14:58
    Comment

    Alle Branchen klagen über Arbeitskräftemangel - in der Coronakrise haben viele den Job gewechselt. Wohin sind sie denn gegangen? Eigentlich müsste es dann doch Branchen geben, in denen kein Mangel herrscht ...

    #3Authorpenguin (236245) 24 Jun 22, 15:13
    Comment

    Vermutlich sind viele teilweise statt Kurzarbeit in (Früh)Rente gegangen und wirklich vom Arbeitsmarkt weg.

    Außerdem gehen doch gerade die geburtenstarken Jahrgänge in Rente, aber die Geburtenzahlen gehen seit Langem eher zurück.

    Logischerweise gibt es dann weniger Nachwuchs als Arbeitskräfte gebraucht werden. Das merkt man dann eben auf dem Arbeitsmarkt.


    Das Versagen der Schule sehe ich da nicht als Grund, denn schon vor 30 Jahren haben Lehrer in meiner Familie beklagt, dass jedes Jahr die neuen Fünftklässler weniger können. Und die heutigen Uniklausuren sind auch deutlich einfacher als die, die ich vor 20 Jahren im gleichen Fach geschrieben habe.

    Aber darüber wird doch schon seit vielen Jahrhunderten gejammert, dass die jeweils aktuelle "Jugend von heute" nichts mehr kann. Aus den meisten Menschen ist trotzdem noch was geworden und die Menschheit als Ganzes ist auch nicht verdummt.

    #4AuthorDodolina (379349) 24 Jun 22, 15:24
    Comment

    Arbeitskräftemangel herrscht auch in Industriebetrieben wie in dem, in dem ich arbeite. Das heißt dann, dass die Arbeit auf die noch Arbeitenden verteilt wird und wir auch zum Teil Aufträge ablehnen müssen, weil wir es nicht schaffen. Ich nehme an, das ist in vielen anderen Betrieben auch so. Das mit den geburtenstarken Jahrgängen ist ein großen Problem, denn ein Großteil der Belegschaft ist in Rente gegangen oder geht demnächst in Rente, ohne dass eine entsprechende Anzahl Neueinsteiger eingestellt werden kann. Teilweise werde Leute aus der Rente stundenweise wieder reingeholt, um wenigstens das Gröbste abzufangen. Wie es weitergehen soll, weiß ich auch nicht.

    #5AuthorProgad (1278851) 24 Jun 22, 15:43
    Comment
    In der Gastronomie sehe ich in gefühlt jedem zweiten Lokal, das ich besuche, einen Aushang, dass Personal gesucht wird. Einige Lokale bieten aus Personalmangel keinen Mittagstisch an oder machen ein oder zwei Ruhetage mehr in der Woche als früher - ich bin gespannt, ob unter diesen Umständen die Restaurants und Kneipen, die die Pandemie bisher überlebt haben, auch die nächsten Monate noch überstehen…
    #6AuthorDragon (238202) 24 Jun 22, 16:11
    Comment

    Eigentlich müsste es dann doch Branchen geben, in denen kein Mangel herrscht ... Aber es kann doch nicht jeder alles. Wo denkst du hin.... ;- ) Die Küchenhilfen und die Buchhalterinnen oder die Kellner der geschlossenen Restaurantkette können doch nicht Lehrer werden. Leider. Der Lehrermangel ist in meinen Augen wirklich ein Problem. Das Fehlen der Grundschullehrer/innen, dito Erzieherinnen.


    Diese Flugbegleiterin fehlt jetzt am Flughafen (so what, sage ich) - aber die Pflegebranche hat eine supermotivierte und kompetente Pflegekraft gewonnen:

    https://www.youtube.com/watch?v=K_PGtmqiLdw&a... - Die Frau fand ich sehr sympathisch. Thumbs up!


    Mein Sohn hat viel in der Gastronomie gejobbt, aber fehlt nun da und kann bald als voll ausgebildeter PT in die Physiotherapiebranche wechseln (und, wie schon geschehen, auf Intensivstation wieder Covidpatienten betreuen, oder aber eben ganz normal Physiotherapiebedürftige begleiten...) ... Das ist - meine persönliche Meinung - essentieller als das 999. Lokal in Hamburg oder Tübingen oder Jena zu betreiben. Dann gibt es halt weniger Lokale / BarCaféRestaurants - ich würde da nicht panicken. Das soziale Leben kann sich auch wieder mehr zuhause abspielen (man lädt sich gegenseitig ein).

    Wir werden uns wohl daran gewöhnen müssen, mehr selbermachen zu müssen (Kasse; Reparaturen usw. usf.), weniger zu konsumieren oder auch Risikobehaftetes zu vermeiden. Im Sport z.B. Wenn es kein Personal mehr in den Kliniken gibt, das den ganzen Verwaltungs- und Operations- und Pflegeprozess begleitet, müssen wir alle umdenken!

    Ich fände es auch gut, wenn mal nicht mehr 50% meinen, das Abitur machen und in die Uni gehen zu müssen, sondern konkret ein Handwerk lernen.

    Museen, die ohnehin oft gar nicht so gut besucht sind, könnten einen weiteren Ruhetag einführen. Das ist alles nicht ganz so essentiell fürs Überleben der Menschen, oder?

    Es gäbe noch viel zu sagen, aber das waren mal ein paar Gedanken angerissen. (Edit: Ich hoffe niemandem auf die Füße getreten zu haben.)

    #7AuthorBraunbärin (757733)  24 Jun 22, 16:15
    Comment

    Wir sollten sowieso weniger konsumieren. Und für Besuche von Gastronomiebetrieben haben wegen der Inflation sowieso nur noch weniger Leute das Geld als früher. Hotels braucht man auch weniger, wenn aus demselben Grund weniger gereist wird. Problematischer sind andere Branchen. Die Handwerker wurden angesprochen. LKW-Fahrer werden ebenso dringend gesucht und in vielen anderen Bereichen, die für uns essentiell sind, sucht man auch händeringend nach Fachkräften. Zu viele machen Jobs, die nicht wirklich nötig sind. Für viele der wichtigen Jobs reicht ein Realschulabschluss. So viele müssen nicht auf Gynasium und dann auch noch studieren, wodurch Jahre auf dem Arbeitsmarkt verloren gehen.

    #8AuthorProgad (1278851) 24 Jun 22, 16:44
    Comment

    Mit Verlaub, Braunbärin, das ist zu kurz gedacht.

    An Flughäfen herrscht Chaos, Restaurants und Hotels müssen wegen Personalmangel auf Umsatz verzichten, und Kultur hältst du nicht für essentiell??

    Menschen leben in der Stadt, um ins Museum und ins Theater zu gehen, aus essen zu gehen, im Café zu sitzen.


    Und dass nicht jeder alles kann - geschenkt. Natürlich müssen Sicherheitskräfte und Facharbeiter geschult werden. Aber es ist doch mathematisch nicht vorstellbar, dass die ganzen Arbeitskräfte aus Gastronomie, Hotellerie, Einzelhandel und wasweißich alle nur noch zu Hause sitzen?

    #9Authorpenguin (236245)  24 Jun 22, 17:04
    Comment

    Genau das habe ich mich in den letzten Wochen auch immer gefragt.

    Wo sind denn alle hin?

    Es gibt doch auch wieder Studentinnen und Studenten, jobben die nicht mehr?

    Sind alle Leute aus der Gastronomie, Hotellerie und dem Einzelhandel jetzt bei "Irgendwas-mit-Medien/Buchhaltung" im Home-Office?

    Ohne Firmen, die Buchhaltung oder Werbung oder andere Unterstützung brauchen, und da sind ja viele eingegangen, kann es in den Bereichen doch nicht unendlich viele Jobs geben?

    Sind die Leute mit weniger Geld zufrieden, im Tausch für mehr Freizeit?

    Kann sich das noch wer leisten, jetzt wo alles teurer wird?

    #10AuthorLanni (1131571) 24 Jun 22, 18:54
    Comment

    "Ich fände es auch gut, wenn mal nicht mehr 50% meinen, das Abitur machen und in die Uni gehen zu müssen, sondern konkret ein Handwerk lernen."


    Ich denke auch, dass das ein Riesenproblem ist (wobei ich nicht nur bei der Bevölkerung das Problem sehe). Nicht nur, dass dadurch zu wenige einen praktisch anwendbaren Beruf lernen, viele studieren etwas, wo es einfach nicht viel Bedarf gibt und rutschen in prekäre Verhältnisse ab. Eine gigantische Fehlallokation. Eine lose-lose-Situation. Hiess es nicht, durch die Migration würden viele Fachkräfte kommen? Hat das Problem offenbar auch nicht verhindert.


    Dazu noch eine Ausbildungskrise durch fehlende Lehrer und eine merkwürdige Noteninflation. Mir scheint das ein Politikversagen zu sein. Statt voll auf Abitur Unis zu setzen, hätte man praktische Ausbildungen pushen sollen. Wie soll die Energiewende gelingen, wenn nur schon die Fachkräfte fehlen?

    #11Authormordnilap (835133) 24 Jun 22, 19:44
    Comment

    Nicht nur, dass dadurch zu wenige einen praktisch anwendbaren Beruf lernen, viele studieren etwas, wo es einfach nicht viel Bedarf gibt und rutschen in prekäre Verhältnisse ab.


    Ist das so? Ist es nicht noch immer so, dass die Arbeitslosenquote unter Menschen mit Hochschulabschluss gering ist und dass das selbst für Orchideenfächer gilt?

    #12Authorharambee (91833) 24 Jun 22, 19:54
    Comment

    Zu dem Thema hier ein Artikel aus der SZ:

    https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/person...

    Quintessenz:

    Mangel an Arbeitskräften wohl vorwiegend wegen der geburtenschwachen Jahrgänge, die anfangen, in Rente zu gehen (in den nächsten 10 Jahren gehen geschätzt weitere 4 Millionen (!) ArbeitnehmerInnen in Rente)

    Mögliche Lösungsansätze:

    Junge Leute besser qualifizieren (insb. Schulabgänger ohne Abschluss)

    Steuersystem ändern, damit der Zweitverdiener einen höheren Anreiz hat zu arbeiten

    dann aber auch: Mehr Betreuungsplätze für Kinder

    Ältere Arbeitnehmer länger im Betrieb halten (heute Vormittag habe ich noch einen Artikel über die Rente ab 69 gelesen, finde ihn aber komischerweise jetzt nicht mehr)

    #13Authorbavarianna (1035365) 24 Jun 22, 21:27
    Comment

    Jetzt doch - hier der SZ-Artikel zur Rente mit 69:

    https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/rente-...

    Hier geht es allerdings weniger um die fehlenden Arbeitskräfte als vielmehr um die Finanzierbarkeit der Renten.

    #14Authorbavarianna (1035365) 24 Jun 22, 21:31
    Comment

    wohl vorwiegend wegen der geburtenschwachen Jahrgänge, die anfangen, in Rente zu gehen


    du meinst "geburtenstarke", oder? Oder ich verstehe das Argument nicht.

    #15AuthorGibson (418762) 24 Jun 22, 22:02
    Comment

    #13, 15: Ups, ja, danke Gibson. Das sollte natürlich geburtenstarke Jahrgänge heißen. :-/

    #16Authorbavarianna (1035365) 24 Jun 22, 23:04
    Comment
    Ich kann das Gejammer nicht mehr hören. Dann bildet eure Fachleute eben aus, ihr Betriebe. Es sollen zwar nicht so viele Abitur machen, weil ihr diese Leute nicht bezahlen wollt, aber das Lernniveau eines Abiturienten wollt ihr wohl von allen haben?

    Dieses absurd teure und ineffiziente Schulsystem mit Gymnasium oder Rest gibt es nur in Österreich und Deutschland. Bildung wird dabei auch noch vererbt, es geht gar nicht nach der tatsächlichen Leistungsfähigkeit eines Kindes.

    Dazu werden Migranten jahrelang ohne Arbeitserlaubnis in einem Limbus festgehalten, kein Wunder dass ihre Kinder auf dumme Ideen kommen. Wenn dann endlich eine Behörde was tut, werden Gymnasiasten mit guten Noten und gerade fertig ausgebildete Handwerker abgeschoben.
    #17Authortigger (236106) 24 Jun 22, 23:49
    Comment

    Abschiebung von ausgebildeten Fachkräften sollte es generell nicht mehr geben. Außerdem müssen ausländische Abschlüsse schneller anerkannt werden, damit Einwanderer nicht unter ihrem Qualifikationsniveau arbeiten müssen. Außerdem müsste der sogenannte zweite Bildungsweg gestärkt werden, um gesuchte Fachkräfte ausbilden zu können. Das können die Betriebe oft nicht selbst tun. Arbeitnehmer sind heute auch anspruchsvoller. Daher muss das Arbeitsumfeld auch verbessert werden, um die Leute zu halten und sie nicht zum Abwandern in andere Branchen oder Berufe zu drängen.

    #18AuthorProgad (1278851) 25 Jun 22, 00:22
    Comment

    Vielleicht liege ich falsch, aber ich glaube, gerade im Handwerk ist ein Problem die Ausbildungsordnung. Die Intention dahinter ist mir klar, man will die Berufe aufwerten. Für die ausbildungswilligen Betriebe wird das jedoch mitunter zu einem Problem: Was nützen Auszubildende, selbst wenn sie handwerklich noch so geschickt sind, zuverlässig, lernwillig und kollegial, also eigentlich perfekt, wenn sie die Berufsschule nicht schaffen? Deshalb haben sich die Anforderungen verschoben; früher reichte oft ein Hauptschulabschluss, der im Optimalfall nicht mit Hängen und Würgen geschafft wurde, heute muss es schon ein guter Realschulabschluss sein. Wer aber die Realschule mit guten Noten abgeschlossen hat, hat auch die Chance, die gymnasiale Oberstufe dranzuhängen; der Raum zwischen mangelnder Qualifikation und einer Qualifikation, bei der den Leuten andere Dinge offen stehen, ist deutlich schmaler geworden. Da fehlt es an einer Möglichkeit, jemanden weit überwiegend praktisch in ein Handwerk einzuführen; jemand, der einen solchen Weg durchläuft, hat dann eben nicht die Qualifikation, um direkt den Meister draufzusetzen, aber er kann durch seiner Hände Arbeit seinen Lebensunterhalt verdienen, und der Betrieb hat trotzdem eine Kraft, die der täglichen Arbeit gewachsen ist.


    Was zugewanderte Arbeitskräfte betrifft, ist das Problem oft, dass das deutsche Qualifikationssystem ihnen keine Chance gibt, ihre Fähigkeiten nachzuweisen. In den Herkunftsländern ist Handwerk oft nach wie vor ausschließlich learning by doing, das heißt, die Menschen beherrschen ihr Metier, können aber keine Papiere vorlegen, die das belegen. Hier brauchen wir zwei Maßnahmen: einerseits eine Möglichkeit, durch eine Prüfung die erforderlichen Kenntnisse nachzuweisen, ohne die ganze Knochenmühle von 0 zu durchlaufen, und andererseits Schulungen, die sich darauf konzentrieren, die Wissenslücken zu füllen, die darauf fußen, dass in den Herkunftsländern andere Standards und Gepflogenheiten gelten.

    #19AuthorPottkieker (871812) 25 Jun 22, 08:47
    Comment

    Ein Problem dabei ist aber, dass auch die Arbeitswelt der Handwerker immer komplexer wird.

    Vor wenigen Jahrzehnten musste zum Beispiel ein KFZ-Mechatroniker wirklich nur die Mechanik und Elektrik verstehen und mit seinem Werkzeug umgehen können. Noch früher hieß das auch mal nur „Mechaniker“, weil noch kaum Elektronik verbaut war. Heute müssen die auch mit dem Bordcomputer umgehen und die ganzen digitalen Helferlein berücksichtigen und ebenfalls reparieren können.

    Da muss dann auch das Können der Werkstattarbeiter mithalten, noch extremer bei den Elektroautos, wo der digitale Teil ja noch viel größer ist.


    Da müsste man dann die Ausbildungszeit verlängern, wenn man nicht die Ansprüche an die Lernfähigkeit der Azubis erhöht. Entweder über eine Änderung der Ausbildungsordnung oder es wird normal, dass man vorher ein langes bezahltes Praktikum macht. Im zweiten Fall wüsste man dann bei der Übernahme in die Ausbildung auch schon, ob der Azubi zum Beruf und zum Betrieb passt.


    Und für handwerklich gute Azubis mit Schulproblemen muss ein Betrieb eben selbst Hilfestellung eben. Ein Bekannter von mir hat eine Technikerausbildung bei einer Stadtverwaltung gemacht, da hatten die zusätzlich zur Berufschule auch noch betriebsinternen Unterricht. Damit kann man vermutlich vielen durch die Berufschule helfen, wenn sie praktisch eh gut sind.

    Das kostet natürlich, vor allem Arbeitszeit vom Azubi und einem Ausbilder. Aber die Azubis sind eben da um was zu lernen und nicht nur als Hilfsarbeiter, denen in den paar Berufschultagen alles beigebracht wird. Da muss man eben auch Zeit (und damit Geld) in deren Ausbildung investieren.

    #20AuthorDodolina (379349) 25 Jun 22, 09:29
    Comment

    Ich komme erst jetzt dazu mich wieder zu melden und muss zugeben, dass ich die Links noch nicht gelesen habe. Mache ich demnächst.


    Es ist eine interessante Diskussion entstanden, die meine ursprünglichen Fragen aber nicht wirklich beantwortet. Das Abschweifen macht aber nichts! Ist ja trotzdem eine interessante Diskussion.


    Meine Frage zielt auf die aktuelle Lage und den Grund dafür ab und weniger darauf, mit welchen Maßnahmen man dem Fachkräftemangel begegnen kann und wie es weiter geht, wenn demnächst viele in Rente gehen. Vielleicht habe ich mich auch unklar ausgedrückt.


    Heute habe ich gelesen, dass auch Ferialjobs in Hülle und Fülle frei sind. Ich erinnere mich gut an Zeiten, wo es ein Gerangel darum gab. Ich meine damit keine Ferialpraktika, die für manche Schulen verpflichtend sind.


    Sogar der Kiosk im Schwimmbad leidet unter Personalmangel.


    Kann es wirklich sein, dass sich die geburtenschwachen Jahrgänge fast schlagartig so bemerkbar machen?

    Allerdings könnte es sein, dass Jugendliche aus finanziellen Gründen nicht mehr so stark auf Ferialjobs angewiesen sind.

    .


    #21Authorsenseless.at (777729) 27 Jun 22, 01:18
    Comment

    ... oder sie sind eben nicht qualifiziert, fachlich oder charakterlich ... oder haben ganz einfach keinen Bock. Eltern kann man ja schließlich immer ausrauben/anzapfen heutzutage!

    #22AuthorRightSaidFred (1322814) 27 Jun 22, 07:05
    Comment

    ... oder sie sind eben nicht qualifiziert, fachlich oder charakterlich ... oder haben ganz einfach keinen Bock. Eltern kann man ja schließlich immer ausrauben/anzapfen heutzutage!


    Das sagt vermutlich jede Generation über die jeweils aktuelle Jugend.


    Wobei ich mir gut vorstellen kann, dass die heutige Jugend nach den Pandemiejahren diesen Sommer der Freiheiten wirklich mehr genießen will als sonst und deswegen weniger Ferienjobs gesucht werden. Gönnen würde ich es ihnen, die haben viel ihrer Jugend opfern müssen.

    Das müsste sich dann aber in den nächsten 1-2 Jahren wieder einpendeln auf ein normales Niveau.

    #23AuthorDodolina (379349) 27 Jun 22, 08:27
    Comment

    Einer ganzen Generation Charakterschwäche vorzuwerfen, nur weil man ihre Bedürfnisse nicht versteht, halte ich für einigermaßen charakterschwach.


    Meine 2 Cents.


    Wohin die Menschen aus der Gastronomie abgewandert sind, habe ich auch noch nicht verstanden. Hier gibt es massiv Probleme mit Erzieher*innen und bei den Lehrer*innen wird es auch demnächst schwierig. Wobei wir hier im städtischen Umfeld vermutlich noch glücklich dran sind. Man könnte vermutlich bei den Lehrkräften etwas reißen, wenn man den qualifizierten Quereinstieg erleichtern würde. Meine Schwägerin hat das versucht - als Quereinsteiger*in hangelt man sich entweder als Autodidakt im Blindflug von Jahresvertrag zu Jahresvertrag oder gibt irgendwann auf. In Bremen hat sie jetzt eine Möglichkeit gefunden, berufsbegleitend und vom Schulamt koordiniert die Didaktik nach zu holen.


    Dass man das Potential von vielen Migranten und vor allem deren Kindern ungenutzt liegen lässt, steht sowieso außer Frage.

    #24Authorgrinsessa (1265817) 27 Jun 22, 09:27
    Comment

    In der aktuellen Zeit (Nr. 26) steht auch ein interessanter Artikel dazu. Eine Frisörin z.B. arbeitet jetzt als Briefträgerin, weil sie die 10-Stunden-Schichten satt hatte, ein Koch verkauft jetzt vegane Feinkostsoßen und in die Gastronomie will er auf keinen Fall zurück, wg. tief fliegenden Pfannen in Küchen und der miesen Bezahlung. Überhaupt die Bezahlung. Viele wollen sich den Mindestlohn nicht antun und bleiben dann weg.

    #25Authorbluesky (236159) 27 Jun 22, 11:37
    Comment

    ... oder sie sind eben nicht qualifiziert, fachlich oder charakterlich ... oder haben ganz einfach keinen Bock. Eltern kann man ja schließlich immer ausrauben/anzapfen heutzutage!


    Warum kann man das "heutzutage"? Weil es den Eltern finanziell so viel besser geht? Wenn ja, wäre das auf jeden Fall eine positive Entwicklung. Kann ich mir aber nicht so richtig vorstellen.

    #26AuthorJanZ (805098) 27 Jun 22, 11:56
    Comment

    Ein bisschen wird das stimmen, weil es immer mehr Einzelkinder gibt.

    Denen können die Eltern natürlich mehr finanzieren als wenn mehr Geschwister zu versorgen sind.


    Aber ich glaube, RightSaidFred möchte vor allem mit Platitüden und Vorurteilen gegenüber der "Jugend von heute" provozieren.

    Das klang ja in #1 schon an und wird immer klarer mit jeder Äußerung.

    #27AuthorDodolina (379349) 27 Jun 22, 12:01
    Comment

    Im IT-Umfeld wird seit Jahren von den Betrieben gejammert. Allerdings sehen viele Stellenanzeigen auch sehr fantasievoll aus: Qualifikationen werden mit mehrjähriger Erfahrung gefordert für Dinge, die es erst seit kurzem gibt. Entweder ist die Qualifikation nicht wirklich wichtig oder sie wollen angelogen werden. Beides signalisiert de facto, dass ich da ganz gewiss nicht arbeiten will. Dazu kommt noch, dass oft die Bezahlung und die erwartete Leistung nicht zusammenpassen.


    In der Gastro und im Flugverkehr gilt: Wer in der Pandemie entlassen hat, darf sich nicht wundern, wenn die Leute sich neu orientiert haben; sei es Frührente oder andere Branchen.

    Ich kenne Restaurants, die kein Problem haben, aber ... die haben ihr Personal gehalten und Kurzarbeit gezahlt.

    #28AuthorAGB (236120) 27 Jun 22, 12:03
    Comment

    In dem o.a. Zeit-Artikel kam auch ein Gastrounternehmer zu Wort. Der hat seine Leute auch in der Krise bezahlt, weil er sie halten wollte. Trotzdem ist ihm die Hälfte von der Fahne gegangen.

    #29Authorbluesky (236159) 27 Jun 22, 12:41
    Comment

    Überhaupt die Bezahlung. Viele wollen sich den Mindestlohn nicht antun und bleiben dann weg.


    Gerade in der Gastronomie habe ich einige Bekannte, die dort vor allem arbeiten, weil sie wirklich gut verdienen. Auf den Mindestlohn kommt ja das weitgehend steuerfreie Trinkgeld. Es hängt natürlich von 1000 Faktoren ab, aber so generell würde ich das auf Kneipen und Restaurants bezogen nicht unterschreiben. (Koch ist noch mal was anderes, da kommt wohl wirklich oft auch das Arbeitsklima und der Stress dazu.)


    --

    Was fehlende Fachkräfte betrifft: Es stimmt schon, dass viele Betriebe einfach nicht ausgebildet haben und jetzt jammern, ich kenne aber auch persönlich mehrere Firmen, die es immer wieder versucht haben, bei denen die Azubis dann aber nach einem Jahr abgebrochen haben oder dauernd 'krank' waren, weil sie ganz offensichtlich nicht auf ein wie immer geartetes Arbeitsleben vorbereitet waren und schon gar nicht in der Lage, Anweisungen entgegenzunehmen oder auch mal die doofen oder dreckigen Arbeiten zu machen. (Ich kenne auch Gegenbeispiele, weiß aber eben auch von Betrieben, die wirklich frustriert sind.)

    #30AuthorGibson (418762) 27 Jun 22, 13:04
    Comment

    Aber ich glaube, RightSaidFred möchte vor allem mit Platitüden und Vorurteilen gegenüber der "Jugend von heute" provozieren.


    Das war mir schon klar, daher wollte ich etwas zurück provozieren, indem ich den Gedanken mal zu Ende gedacht habe.


    Ich kenne auch Gegenbeispiele


    Das scheint allgemein das Problem bei diesem Thema zu sein: Es lassen sich für alles Beispiele finden, die dann die jeweilige Ansicht belegen. Eine richtig tiefgründige Antwort werden wir daher hier wahrscheinlich nicht finden.

    #31AuthorJanZ (805098) 27 Jun 22, 13:14
    Comment

    Klar, aber #30 war vor allem auch eine Reaktion auf Ich kann das Gejammer nicht mehr hören. Dann bildet eure Fachleute eben aus, ihr Betriebe. 

    #32AuthorGibson (418762) 27 Jun 22, 13:17
    Comment

    Ich hänge der Theorie an, dass sich die Fähigkeiten der "jungen Leute" in erster Linie verschieben, nicht verringern. Erwartungen und Prozesse darauf anzupassen ist sicherlich nicht einfach, aber vor diesem Problem steht wohl jede Generation.


    Was sich meines Erachtens aber wirklich geändert hat, ist die Priorisierung der sog. Work-Life-Balance. Während für mich bei der Stellensuche völlig klar war, dass nur eine Vollzeitstelle infrage kommt (u.a., damit dann später auch die Rente stimmt), gibt es in inzwischen kaum noch Bewerber (m/w/d), die die Stundenzahl nicht runterhandeln. Und mit einer auskömmlichen Rente ab ca. 2062 rechnet heute wohl kein Berufseinsteiger mehr.

    #33Authorkikært (236250) 27 Jun 22, 14:55
    Comment

    Wenn die Leute aber weniger Stunden arbeiten wollen und daher auch weniger Rente beziehen werden, wie wollen die ihren Lebensabend finanzieren? Mann muss ja bedenken, dass man, wenn man heute jung ist, nach Renteneintritt noch 40 Jahre oder mehr leben kann.

    #34AuthorProgad (1278851) 27 Jun 22, 15:57
    Comment

    Ich bin gerade noch unter 40. Unsere Generation kann es sich nicht leisten, auf den Ruhestand zu hoffen. Das Rentenalter wird massiv steigen und die Rentenbezüge werden in keinem Fall reichen. Das ist zumindest die gängige Ansicht. Also jetzt verzichten, um mit 75 loszulegen? Auch nicht nachhaltig. Man sucht sich halt seinen Mittelweg.


    Außerdem ist die Entwicklung ja auch dahin, dass zwar beide Partner arbeiten, aber beide nicht ganz Vollzeit. Insgesamt kommt man dann pro Paar immer noch auf mehr als die 40 Arbeitsstunden, die ein Alleinverdiener früher gearbeitet hat.

    #35Authorgrinsessa (1265817) 27 Jun 22, 16:09
    Comment

    Klar, macht so viel wie möglich zu, zuhause ist es eh am schönsten, und wer braucht schon Kultur und Ausgehmöglichkeiten? Da wird zumindest mir so übel, dass ich auch keine Lebensmittel mehr kaufen muss. Aber ich bewirtschafte ja eh meinen eigenen Acker.


    Man möchte brechen (Filmzitat aus der Zeit, in der Menschen noch ins Kino gingen).


    *Heavyironyoff*

    #36AuthorSerendipity_4 (677936)  27 Jun 22, 16:09
    Comment

    Aber wovon will man bei einer Teilzeitstelle noch was für eine private Rente sparen?

    #37Authoreastworld (238866) 27 Jun 22, 16:12
    Comment

    Das hängt davon ab, was man auf einer Teilzeitstelle verdient.

    Das werden hauptsächlich gut ausgebildete Akademiker sein, die viel Wert auf eine Work-Life-Balance legen und auch entsprechend verdienen, damit das geht.

    Die Teilzeitstelle als Putzfrau, Sekretärin oder Kassiererin mit 20-Stunden-Woche reicht dafür nicht, die 80%-Stelle mit 32 Stunden als gut bezahlter Softwareentwickler schon.


    Und grinsessa hat ebenfalls Recht, irgendwie muss ja die Kinderbetreuung organisiert werden. Früher war es dafür normal, dass die Frau eben zu Hause war oder nur ein paar Stunden gearbeitet hat, während die Kinder in der Schule waren.

    Heute wollen beide Partner arbeiten, aber insgesamt ist eben mehr als 60 Stunden für beide Eltern zusammen nicht drin, wenn man die Kinder auch noch sehen will. Und das ist eben nicht mehr 40 Stunden für den Mann, 20 für die Frau, sondern beide handeln sich auf ca 30 runter.

    Damit gibt es insgesamt mehr Arbeitsstunden, aber eben auch mehr Teilzeitkräfte.

    #38AuthorDodolina (379349) 27 Jun 22, 16:22
    Comment

    So wie Dodolina habe ich es auch verstanden und halte das auch, so das Geld irgendwie reicht, für sehr sinnvoll.

    #39AuthorGibson (418762) 27 Jun 22, 16:25
    Comment

    Auch von mir eine Stimme für das Modell Dodo.

    #40AuthorSerendipity_4 (677936) 27 Jun 22, 16:29
    Comment

    So richtig gut funktioniert das Modell allerdings nur, wenn man die Kinder noch auf externe Ferienfreizeiten schickt.

    Ein Kollege von mir rechnet gerade vor, dass es 13 Wochen Schulferien gibt, aber jedes Elternteil nur 6 Wochen Urlaub hat. Selbst ohne gemeinsamen Familienurlaub muss man also eine Woche irgendwie hinkriegen mit Großeltern oder externer Betreuung.

    #41AuthorDodolina (379349) 27 Jun 22, 16:35
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    (Inzwischen wirklich sehr OT, aber: Da Kinder schon seit etwa 50 Jahren nicht mehr bei der Ernte helfen, ist mir sowieso schleierhaft, wieso es 6 Wochen Sommerferien und insgesamt 13 Wochen Schulferien braucht.)


    Viele Städte bieten ja in dem Sommerferien Tagesbetreuung diverser Art an, aber ich weiß z.B. nicht, wie das auf dem Land aussieht.

    #42AuthorGibson (418762) 27 Jun 22, 16:41
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    So wie Dodolina hatte ich es gemeint. Unser Idealzustand war mal ich 30, er 32 Stunden. Demnächst haben wir beide 35. Wie man es halt organisiert bekommt. Das hat nichts mit Faulheit oder mangelnder Voraussicht zu tun. Wer jüngeren Familien sowas vorwirft, hat wahrscheinlich keine eigene Erfahrung. Und wer keine Kinder hat und gut verdient, kann vermutlich wirklich gut mit 80% des Gehalts auskommen.


    Noch weiter OT zu den Ferien: Die sind doch hauptsächlich so lang, damit nicht alle gleichzeitig in den Urlaub fahren wie in Frankreich. Und ferienbedürftig sind die Kinder nach 8 Schulwochen definitiv.

    #43Authorgrinsessa (1265817)  28 Jun 22, 09:46
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    Meine #33 bezog sich übrigens explizit auf Berufseinsteiger, nicht auf Eltern. Natürlich haben die Kolleginnen (Kollegen gibt es derzeit keine) mit Kindern ihre Stunden reduzieren können (zum Teil haben sie auch ihre Stundenzahl später noch mal nach oben oder nach unten korrigiert, alles ohne große Diskussionen). Aber wenn alle nur noch 20, 25 oder 30 Stunden arbeiten wollen, bekommen wir hier unter anderem ein Raumproblem, weil mehr Arbeitsplätze benötigt werden (ist in Firmen, in denen so gut wie alles papierlos und remote geht, sicher anders, aber ähnliche Probleme höre ich auch aus Rehakliniken, die Psychotherapeut*innen oder Neuropsycholog*innen suchen).


    Edit ergänzt: "Ferienspiele" o.Ä. gibt es auch auf dem Land, und sogar schon sehr lange. Als Ferienjob war ich *hüstel* vor gut 30 Jahren im Betreuungsteam.

    #44Authorkikært (236250)  28 Jun 22, 10:05
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    Noch weiter OT zu den Ferien: Die sind doch hauptsächlich so lang, damit nicht alle gleichzeitig in den Urlaub fahren wie in Frankreich. 


    Aber man kann doch 4 Wochen Ferien genauso staffeln (oder sogar besser)? Reden wir gerade aneinander vorbei?

    #45AuthorGibson (418762) 28 Jun 22, 10:23
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    In Deutschland ist der offizielle Schuljahreswechsel überall der 1.8. und der ist in jedem Jahr überall in den Sommerferien.

    Wenn man so einen allgemeinen Stichtag behalten will, dann kann man 4 Wochen weniger staffeln als 6 Wochen, denn dieser Tag kann frühestens der erste Ferientag und spätestens der letzte Ferientag sein.


    Wie viel Ferien hältst du denn für angemessen, Gibson?

    Sind Kinder in deinen Augen wie kleine Arbeiter, die mit 6-7 Wochen (inklusive einiger Feiertage) Jahresferien auskommen müssen?


    Ich gönne den Kindern ihre Freizeit, die sollen ja auch nicht nur funktionieren und lernen müssen. Auch Freizeit und Spiel sind wichtig für Kinder.

    #46AuthorDodolina (379349) 28 Jun 22, 10:34
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     Auch Freizeit und Spiel sind wichtig für Kinder.


    Klar, aber das haben sie jeden Tag. Und ich erinnere mich gut, dass ich schon bevor die 6 Wochen Sommerferien rum waren, die Nase von Ferien voll hatte und in die Schule wollte.


    Sind Kinder in deinen Augen wie kleine Arbeiter, die mit 6-7 Wochen (inklusive einiger Feiertage) Jahresferien auskommen müssen?


    Das finde ich eine etwas seltsame Frage. Die Anzahl der Ferientage macht ein Kind doch nicht zu einem Arbeiter. Und 4 Wochen Sommerferien führen ja nicht zur Feudalgesellschaft.

    #47AuthorGibson (418762) 28 Jun 22, 10:52
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    Naja, deine Frage war, wozu Kinder 13 Wochen Ferien insgesamt brauchen.

    Da kommt schon die Frage auf, wie viel du denn für angemessen halten würdest.

    Wenn nur die Sommerferien gekürzt würden, wären wir dann bei 11 Wochen Ferien. Wäre das deine Vorstellung?


    Oder sollten deiner Meinung nach auch andere Ferien noch gekürzt werden und wenn ja, auf wie viel Ferien insgesamt?

    Weniger als bei Arbeitnehmern (also 30 Tage + Feiertage = 7 Wochen) werden es ja vermutlich nicht sein, daher kam mein Vergleich mit "kleinen Arbeitern".


    Mit G8, Ganztagsschule, Hausaufgaben und Sportverein und/oder Musikschule haben viele Kinder heute tatsächlich kaum noch ganze Nachmittage frei. Erst Recht nicht mal mehrere Tage am Stück ohne feste Programmpunkte nach der Schule. Das haben sie eigentlich nur in den Ferien und das gönne ich ihnen auch.


    Mein ältester Neffe verbringt in den 6 Wochen Sommerferien 2 im Familienurlaub, 2 bei seinem leiblichen Vater und hat dann noch zwei Wochen mit seinen Freunden und Trainingslager vom Sportverein zu Hause. Ich glaube nicht, dass der sich langweilt in 6 Wochen Sommerferien.

    Und da es immer mehr Patchworkfamilien gibt, werden solche Konstellationen relativ häufig sein.

    #48AuthorDodolina (379349)  28 Jun 22, 11:00
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    wären wir dann bei 11 Wochen Ferien. Wäre das deine Vorstellung?


    Das würde immerhin bedeuten, dass der kombinierten Urlaub der Eltern im Idealfall (beide haben 6 Wochen) genug ist. Und es gäbe sogar eine Woche, in dem alle etwas gemeinsam machen können. Ist doch auch mal schön. (Sorry für die Ironie, aber ich weiß wirklich nicht, wie Eltern das hinkriegen. Was machst du, wenn du keine Familie in der Nähe hast und kein Geld für Ferienbetreuung?)


    10 oder elf Wochen fände ich okay, ja. Und wie voll man das Tagesprogramm seiner Kinder packt, entscheidet man ja selbst.


    Das mit der Staffelung habe ich übrigens nicht verstanden (was an meinem Nicht-Zahlen-Hirn liegen mag). Auch heute liegen die Ferien doch über den 1.8. hinweg.

    #49AuthorGibson (418762) 28 Jun 22, 11:06
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    Wenn der 1.8. immer überall in den Sommerferien liegen soll, dann kann ich bei 6 Wochen Ferien eben 6 Wochen davor den ersten Ferien geben, die letzten haben bis 6 Wochen danach Ferien. Macht insgesamt 12 Wochen, in denen jede Familie irgendwann mal Urlaub macht.


    Wenn die Ferien aber nur 4 Wochen lang sind, verkürzt sich das auf 8 Wochen (im Wesentlichen Juli und August). Es ist also schlechter gestaffelt, weil die gleiche Menge an Leuten in kürzerer Zeit in Urlaub fahren muss.

    #50AuthorDodolina (379349) 28 Jun 22, 11:11
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    Das wird jetzt langsam sehr OT: Schulkinder brauchen üblicherweise keine Rund-um-die-Uhr-Betreuung mehr, und Kindergärten und Krippen haben deutlich weniger Schließzeiten. Wenn Home-Office möglich ist, kann man trotz zu Hause anwesender Kinder arbeiten. Die 6 Wochen sind sehr lang und auch 4 würden vermutlich reichen, aber sie rum zu kriegen ist normalerweise nicht das allergrößte Problem.

    Gibson, ich meinte vorhin, dass ich die 13 Wochen Ferien übers Jahr verteilt nicht für viel zu viel halte. Man könnte sie vielleicht etwas anders verteilen, aber grundsätzlich funktioniert der Rhythmus gut, dass man 6-8 Wochen Schule und danach 2 Wochen frei hat. Die die Kinder übrigens nicht komplett verplempern, viele müssen Klassenarbeiten vorbereiten. Außerdem haben Schulkinder in der weiterführenden Schule eigentlich nie die Wochenenden frei, im Gegensatz zu den meisten Angestellten.

    Ansonsten stimmt, was Dodolina sagt. Wenn an einigen Tagen in der Woche bspw. eine Ganztagsbetreuung an der Schule in Anspruch nimmt, ist ein Kind bis 16 Uhr schulpflichtig. Danach bleibt nicht mehr viel Zeit zum rumhängen. Es ist natürlich ein bisschen davon abhängig, welche Hobbies sich das Kind aussucht und wie viele die Eltern zulassen, bzw. wie viel Aufwand die Kinder für die Schule treiben müssen, wie viel Freizeit da noch übrig bleibt. Sehr viel ist es nicht.


    Ich kann aus meinem Arbeitsleben übrigens nicht die Beobachtung teilen, dass Berufsanfänger im großen Stil weniger als 35 Stunden arbeiten wollen. Ich könnte es aber gerade bei medizinischen Berufen verstehen, weil die wegen Nacht- und Wochenenddiensten sowieso ein großer Freizeitfresser sind.

    #51Authorgrinsessa (1265817)  28 Jun 22, 11:15
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    Leo ist wahrscheinlich einfach das falsche Forum, weil die User aus einer anderen Blase kommen, aber die Frage, was jemand macht, der diese Möglichkeiten nicht hat, ist noch offen. Was macht eine Familie mit einer 6- und einem 7-jährigen, wenn die Mutter von 9-15 Uhr als Verkäuferin arbeitet, der Vater Vollzeit ohne Gleitzeit, das eine Großelternpaar 500km entfernt wohnt und das andere selbst noch arbeitet? Das ist jetzt weder ironisch noch provokant gemeint. Ich weiß tatsächlich nicht, wie das in solchen Familien funktioniert. Unbezahlter Urlaub? Die Kinder bleiben einfach alleine, bis die Mutter nach Hause kommt?


    Es geht mir nicht darum, die Kinder zu knechten. Aber ich habe schon den Eindruck, dass das Ferienmodell auf einer Gesellschaft beruht, in der Frauen (oder zumindest ein Elternteil) nicht arbeitet. Oder die Leute genug Geld haben, die Betreuung privat zu organisieren.

    #52AuthorGibson (418762) 28 Jun 22, 11:36
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    Soweit ich weiß bieten die Grundschulen oft auch irgendwas an Ferienbetreuung an, zumindest 2-3 Wochen der Sommerferien.


    Oder man schickt die Kinder auf eine kirchliche Ferienfreizeit oder ins Pfadfinderlager oder sowas. Bei solchen Sozialorganisationen gibt es das meines Wissens auch in bezahlbar oder für ärmere Familien gefördert.

    Wenn die Kinder die Großeltern kennen, dann können sie ja auch in den Ferien mal die 500km hinfahren und 1-2 Wochen da betreut werden.


    In der Schulzeit gibt es für solche Fälle mittlerweile einen Anspruch auf eine Ganztagsbetreuung, die die Kinder bis 16 Uhr betreut.

    #53AuthorDodolina (379349) 28 Jun 22, 11:49
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    Aus diesem Grund gibt es Horte. Zu meiner Schulzeit (Abi 1992 in Bayern) gab es auch schon einige, aber ich habe das Gefühl, dass das Angebot größer geworden ist (Gefühl, nicht Wissen, weil keine eigenen Kinder). Horte kümmern sich um Grundschulkinder (und ggf. die ersten 2 Jahrgänge? von weiterführenden Schulen). Dort gibt es ein warmes Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung und Spielmöglichkeiten, bis die Kinder abgeholt werden/heimgehen dürfen.

    (Sagt man eigentlich noch Horte, oder sind das Kindertagesstätten?)


    Ich persönlich fand den Namen "Hort" immer schrecklich und hatte Angst davor, weil ich mir vorgestellt hatte, dass Kinder dort irgendwo in einem Regal verräumt und "gehortet" würden. Dass das Wort von "hortus - Garten" kam, habe ich erst als junge Erwachsene gelernt.


    Diese Horte bieten manchmal auch Ferienbetreuung für Kinder von Berufstätigen an, allerdings kann es z. B. in den Sommerferien sein, dass der Hort auch ein paar Wochen schließt, aber mit anderen Horten in der Stadt zusammenarbeitet. Das heißt, das Kind ist in den ersten zwei Wochen im normalen Hort, in der 3. Woche am anderen Ende der Stadt, in der 4./5. Woche mit den Eltern im Urlaub und in der 6. Woche wieder im normalen Hort oder Hort Nr. 3.

    Alles in allem eine etwas unbefriedigende Situation, aber organisierbar.

    #54Authorrufus (de) (398798) 28 Jun 22, 11:51
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    Gut, danke. Zu meiner Kinderzeit gab's das nicht. Meine Mutter hat glücklicherweise von zu Hause gearbeitet, als wir noch in der Grundschule waren, sonst weiß ich nicht, was meine Eltern hätten machen sollen. Großeltern Fehlanzeige - es gab welche, aber die waren nicht verfügbar.

    #55AuthorGibson (418762) 28 Jun 22, 11:57
    Comment

    Sorry, dass ich das OT weiterführe.

    @52: Hortbetreuung. An Tochters (Grund)Schule ist für die 3. und 4. Ferienwoche Hortbetreuung möglich. Es werden Ferienfahrten angeboten - letztes und dieses Jahr auf einem Bauernhof zwei Orte weiter. Weiterhin machen die Kinder Ausflüge in Museen, in den botanischen Garten, in den Partner-Jugendclub, der Kinderdisco mit Lagerfeuer bis 18 Uhr anbietet und und und. Ohne Hortbetreuung wäre es allerdings schwierig, die Ferienzeit abzudecken.


    #56AuthorNachteule (463921) 28 Jun 22, 12:34
    Comment

    Hm, da frag ich mich, wie meine Eltern wohl 8 Wochen Sommerferien (DDR) gestemmt haben - beide berufstätig und teils beide im Schichtdienst, auch als wir klein waren.

    Mehr Betreuungsmöglichkeiten als im Westen, klar, aber die gingen auch nicht die ganzen Ferien. Also ein, zwei Wochen Ferienbetreuung, ab der 3. oder 4. Klasse war ich jedes Jahr im Sommer zwei Wochen im Ferienlager und sonst auch schlicht mal mit meiner Schwester allein zu Hause. Spielplatz war direkt vor der Tür und alle Freunde wohnten auch in den umliegenden Wohnblöcken.

    Meine Neffen (nach 2000 geboren) waren hingegen nie im Ferienlager oder Ähnlichem. Keine Ahnung, ob‘s sowas in der Art nicht mehr gibt oder ob sie‘s nicht wollten.

    #57Authorskye (236351) 28 Jun 22, 12:41
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    Ich denke, das war und ist sehr individuell je nach Familienmodell, nach Arbeitssituation der Eltern, ob Freunde und/oder Familie unterstützen konnten etc. Das kann man gar nicht greifen und allgemeingültig sagen, "So wurde es früher gemacht."

    Eventuell war man früher als Eltern aber auch lockerer (nachlässiger?), weil man oft keine Wahl hatte.

    #58AuthorNachteule (463921) 28 Jun 22, 12:56
    Comment

    Was das Alleinsein der Kinder im Schulalter betrifft, haben sich die Zeiten sicherlich geändert. Als ich jung war, jaja damals, war es nicht nur bei mir ab der Grundschule so, dass niemand da war, wenn ich mittags von der Schule nach Hause kam. Nachmittagsunterricht oder Hortbetreuung nach der Schule gab es nicht, dafür aber Samstagsunterricht. Das soll jetzt kein melancholischer Rückblick und auch kein Hoch auf die neuen Zeiten sein. Alles hat seine Vor- und Nachteile, aber es hat sich eben einiges geändert. Mit dem Arbeitskräftemangel hat das aber nur wenig zu tun.

    #59Authorharambee (91833)  28 Jun 22, 12:58
    Comment

    Das Angebot ist sehr abhängig von der Gemeinde. Mancherorts gibt es umtriebige Vereine, die viel anbieten. Hier gibt es Angebote von der Stadt, um die man sich aber kümmern muss (das ist nicht für jeden einfach) und die oft nur 3 Stunden am Tag dauern. Eigentlich sammelt die Stadt auch nur die Angebote, viele kommen auch hier von Vereinen oder anderen Institutionen.

    Die Ferienprogramme gibt es auch nur in Oster- und Sommerferien. Vor Corona war das Angebot sehr viel größer. Mit den Coronaauflagen sind letztes Jahr sind viele der Vereine ausgestiegen, weil ihnen die Kontaktnachverfolgung usw. zu schwierig war.


    Gibson hat schon recht. Wenn die Eltern bspw. Schicht arbeiten (Kranken-/Altenpflege, Polizisten, Fertigungen) ist schon eine normale Hortbetreuung nicht ausreichend. In manchen Orten gibt es Kindergärten, die deswegen vor-der-Schule-Betreuungen anbieten. In anderen Orten gibt es dafür nur pro-forma Horte (10 Plätze im Kindergarten, Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung, und danach zum Spielen zu den Kindergartenkindern - hab ich hier in einer ländlichen Gemeinde gesehen). Die Horte bieten üblicherweise Ferienbetreuung, an Grundschulen direkt gibt es hier gar keine, auch nicht von der "Mittagsbetreuung".


    Edith will harambee widersprechen: Gerade in der Kranken- und Altenpflege lässt sich die Schichtarbeit kaum mit dem Alltag der Kinder unter einen Hut bringen. Wenn dann der (typischerweise männliche) Partner in einem nicht-sozialen Beruf besser verdient, sind die Pflegerinnen nach 10 Arbeitsjahren erstmal für 10 Jahre wieder raus aus dem Beruf. Auch Horterzieher*innen dürfen keine Kinder im Grundschulalter haben, weil sie genau in der Zeit gefragt sind.

    #60Authorgrinsessa (1265817)  28 Jun 22, 13:05
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    In Hamburg gibt es für Kinder bis zum vollendeten 14. Lebensjahr kostenfreie Ferienbetreuung für 6 Wochen im Jahr und zwar an den Schulen. Horte wurden abgeschaft, dafür die zuverlässige Ganztagsschule eingeführt. Die Kitas laufen auch nur noch bis zur Einschulung (ehemals bis zur Vollendung des 15. Lebensjahr). In anderen Bundesländern sieht das leider nicht so gut aus, soweit ich weiß.

    Ich selbst war Ende der 70er Schlüsselkind. War eine ganz üble Sache.


    Zum Arbeitskräftemangel: Ich habe gehört, dass in den letzten 2 Jahren viele aus der Gastronomie und anderen Niedriglohnberufen zu Paketdiensten abgewandert sind. Nachvollziehbar bei all den Pandemie bedingten Schließungen.

    #61AuthorGreenhouse (19027) 28 Jun 22, 13:20
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    #60 grinsessa, willst Du damit postulieren, dass die Tasache, dass Eltern heute weniger als früher bereit sind, ihre Grundschulkinder über Stunden alleine zu Hause zu lassen, erheblich zum Arbeitskräftemangel beiträgt?

    #62Authorharambee (91833)  28 Jun 22, 13:20
    Comment

    Bei Xing hat man sich des ursprünglichen Themas auch angenommen und ein paar Lösungsvorschläge gemacht: https://www.xing.com/news/insiders/articles/f...

    #63AuthorJanZ (805098) 28 Jun 22, 14:32
    Comment

    #60: Nein, ich will sagen, dass es Berufe gibt, die so familienfeindlich sind, dass manche sich überlegen, ob sie sie ergreifen. Wenn eine Krankenpflegerin eine Woche lang morgens um 6 antanzen muss und in der darauffolgenden Woche von 13:00-20:30, wie soll sie das organisieren? Alleinerziehend unmöglich, mit Partner kommt es darauf an.

    #64Authorgrinsessa (1265817)  28 Jun 22, 14:41
    Comment

    #64 Okay, das war dann aber nicht unbedingt ein Widerspruch zu meiner #59.

    #65Authorharambee (91833) 28 Jun 22, 14:43
    Comment

    Schon irgendwie. Mangelhafte Kinderbetreuung kann den Arbeitskräftemangel in bestimmten Branchen befeuern.


    In der ersten Klasse ist gesicherter Schulunterricht von 8-11:20. Hort mit Glück von 7-17:30, aber nicht flächendeckend. Wenn man die Pflegeberufe fördern will, muss man entweder die Arbeitszeitmodelle anpassen - das ist einigermaßen schwierig, weil ja Patienten versorgt werden müssen - oder die Arbeitgeber müssen massiv bei der Kinderbetreuung unterstützen.

    #66Authorgrinsessa (1265817) 28 Jun 22, 14:48
    Comment

    Das verstehe ich alles, grinsessa, aber mein Punkt war ja, dass in früheren Zeiten Familien in solchen Situationen dem Siebenjährigen eben einfach einen Schlüssel gegeben haben und dass dieser dann nach der Schule (und das war spätestens um 13 Uhr, weil es Betreuung nach dem Unterricht nicht gab) nach Hause gegangen ist, sich das vorbereitete Essen warm gemacht hat und dann den Nachmittag alleine oder mit Klassenkollegen zu Hause verbracht hat. Wenn die Eltern beide früh raus mussten, dann mussten die Kinder eben auch früh aufstehen und dann selbst zur Schule gehen.


    Ich denke, dass solche Fälle heute viel seltener sind (es gibt sie aber immer noch), aber ich bezweifle dennoch, dass man den Arbeitskräftemangel dadurch beseitigen könnte, dass man Schlüsselkinder wieder zu einer modernen Erscheinung macht. Selbst wenn es vielleicht in Einzelfällen zu mehr verfügbaren Fachkräften führen könnte, ist das sicher nicht der Weg, den ich für den richtigen halte.

    #67Authorharambee (91833) 28 Jun 22, 15:04
    Comment

    Okay, dann haben wir vielleicht haarscharf aneinander vorbei geredet. Oder zumindest ich an dir.

    #68Authorgrinsessa (1265817) 28 Jun 22, 15:12
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    Sowas liegt fast immer an beiden, also sollten wir uns die Schuld fair teilen. (-:

    #69Authorharambee (91833) 28 Jun 22, 15:18
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    Wer kennt noch das Lied "10 kleine Negerlein"? (Das Unwort bitte ignorieren, es geht allein um den Ablauf).

    Verschiedene Stellenangebote und die sich dafür bewerbenden Personen:

    10 % raus, weil gar keine passende Qualifikation (die kamen halt so mal vorbei)

    10 % raus, weil sie wesentliche Teile der Anforderungen nicht abdecken können

    10 % raus, weil sie zwar Zeugnisse haben, aber in anderen Sprachen und kaum deutsch verstehen

    10 % raus, weil sie zwar gute Zeugnisse besitzen, aber in unpassenden Fachbereichen

    10 % raus, weil sie die Anforderungen zur Schichtbereitschaft nicht gelesen haben

    10 % raus, weil sie keine Überstunden machen wollen

    10 % raus, weil sie nicht ggf. Samstags/Sonn-/Feiertags arbeiten wollen

    10 % raus, weil die angebotenen Tätigkeiten zu anstrengend erscheinen

    10 % raus, weil sie ganz andere Vorstellungen vom Unternehmen hatten

    10 % raus, weil sie nur deswegen kamen um eine Bescheinigung für die AA zu bekommen

    #70AuthorPolko (1138531) 29 Jun 22, 10:55
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    Ich hatte 2 Gespräche.

    Im ersten wurde gesagt, daß diejenigen, die jetzt noch keinen Job haben, auch keinen wollen.

    Außerdem würde sie keiner wollen. Weil sie zu faul, behäbig, dumm oder sonstwas wären.

    Für Jobs mit irgendeiner Qualifikation daher nicht geeignet.


    Im zweiten Gespräch erzählte jemand, er habe nach einem Flug stundenlang auf sein Gepäck gewartet. Grund: Keine Arbeiter bei der Ausladung verfügbar.


    Jetzt ist aber ein Job als Auslader eines Frachtraums nicht unbedingt mit Qualifikation verbunden. Das Heer der Arbeitslosen ist trotzdem sehr groß. Jobs werden überall angeboten, händeringend werden alle möglichen Leute gesucht.

    Wie paßt das?


    Es wurden während Corona trotz Staatshilfen haufenweise Leute entlassen, aber keine wiedereingestellt.

    Da sind doch die Probleme hausgemacht.


    #71Authorulinne (894128) 29 Jun 22, 11:21
    Comment

    Auch ein einfacher Kofferaus- und Einlader am Flughafen braucht Qualifikationen. Da er im Flugsicherheitsbereich arbeitet, benötigt er eine Sicherheitsüberprüfung, die nicht so leicht zu bekommen ist. Die Zeiten, in denen z.B. Reinigungspersonal Waffen für Entführer in Flugzeugen deponieren konnten, sind schon lange vorbei..

    #72Authordrkimble (463961) 29 Jun 22, 11:34
    Comment

    @71: ich glaube nicht, dass alle, die aktuell keinen Job haben, faul, behäbig oder dumm sind, auch glaube ich nicht, dass sie alle keine Qualifikation haben. Zum Einen kann ich mir vorstellen, dass es nach einer längeren Phase der Arbeitslosigkeit für einige Menschen sehr schwierig ist, sich wieder an einen geregelten Tagesablauf mit mehreren Stunden Arbeit am Stück zu gewöhnen. Und dann will oder kann auch nicht jeder Vollzeit oder im Schichtdienst arbeiten, sei es, dass sie Kinder betreuen oder alte/kranke Familienangehörige pflegen müssen, sei es, dass sie selbst körperlich oder psychisch angeschlagen sind. Und dann müssen Jobangebot und potentieller Arbeitnehmer auch räumlich zusammenpassen, der alleinerziehenden Mutter in Köln hilft es nicht, wenn sie eine Stelle in Stuttgart antreten könnte, wo sie vielleicht nicht sofort einen Kita-Platz bekommt, dafür aber auch nicht mehr die Oma um die Ecke wohnen hat. Oder man kann aufgrund gemeinsamen Sorgerechts nicht einfach wegziehen, weil das dem anderen Elternteil den Zugang zum Kind erschweren würde…


    Also, ja sicher, es gibt natürlich auch faule Profi-Harzer, die das System ausnutzen und keinen Bock auf Arbeit haben, und es gibt auch Leute, die selbst mit einfachen Tätigkeiten intellektuell oder sonstwie überfordert sind, aber wer sagt “wer Arbeit will, findet auch welche”, macht es sich dann doch etwas zu leicht, finde ich.


    Zum Gepäckauslader: ich glaube auch nicht, dass man dafür eine mehrjährige Ausbildung braucht, aber ich stelle mir das körperlich durchaus anstrengend vor. Kann also auch nicht jede/r.


    Edith hat Kimbles Beitrag gelesen. Stimmt, der Sicherheitscheck ist auch nicht ganz unwichtig.

    #73AuthorDragon (238202)  29 Jun 22, 11:49
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    Ich glaube auch nicht, daß alle Arbeitslosen dumm, faul oder sonstwas sind. Das sind nicht meine Worte, sondern Aussagen, die mir gegenüber getroffen wurden.

    Das mit den Sicherheitszonen habe ich nicht bedacht, das stimmt natürlich. ich fliege nicht, daher ist mir das alles nicht so geläufig.

    #74Authorulinne (894128) 29 Jun 22, 12:00
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    Bei den Gepäckausladern kommt es ja auch immer darauf an, was für Flugzeuge gerade be- oder entladen werden.

    Ein kleiner Ferienflieger mit 200 Plätzen und kostenpflichtigem Aufgabegepäck hat da viel weniger Bedarf als ein großer Jet mit 400 großen 23-kg-Koffern. Wenn da mehrere der Großen gleichzeitig angekommen sind und/oder beladen werden müssen, dann verteilen sich die Auslader und es dauert eben länger.

    Logischerweise lässt man dann auch eher die Ausgestiegenen warten als den gerade zu beladenden Flieger.


    Und das kann auch durch Verspätungen mal vorkommen, dass die Arbeitslast nicht dem Flugplan und den anwesenden Mitarbeitern entspricht.

    Ist mir bei der Passkontrolle mal passiert, dass die gerade eh wenig besetzt waren und dann noch einer oder zwei gerade in die Pause verschwand, als ich da ankam. Dummerweise war ich die erste aus einem großen Flieger, den die nicht auf dem Schirm hatten, dass da gerade viel Arbeit kam.

    Keine Ahnung, wie lang die Schlange wurde, aber ich wurde erstmal dumm angeguckt, wo ich denn jetzt her käme. Ich habe dann angekündigt, dass da gerade ein Flieger aus den USA gelandet sei, die jetzt alle zu diesen 2 Beamten an die Passkontrolle mussten.


    Außerdem arbeiten diese Gepäckträger körperlich hart und eng beieinander. Wenn da gerade Corona durch geht (es war ja ein aktuelles Gespräch), dann fehlen da vielleicht auch einfach mal krankheitsbedingt mehrere Leute. Dafür stellt man aber nicht gleich Reserve ein, die im Normalbetrieb nicht gebraucht wird.



    Es ist ärgerlich, wenn man auf den Koffer warten muss, aber aus einer Anekdote kann man noch lange nicht auf prinzipiellen Personalmangel in diesem Bereich schließen.

    #75AuthorDodolina (379349)  29 Jun 22, 12:07
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    Ich habe gerade mal die aktuelle Arbeitslosenquote gegoogelt und das hier gefunden:

    Die Arbeitslosenquote sank von April auf Mai um 0,1 Prozentpunkte auf 4,9 Prozent. Die Unterbeschäftigung, die auch Veränderungen in der Arbeitsmarktpolitik und kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit berücksichtigt, lag im Mai 2022 bei 3.022.000 Personen. Das waren 435.000 weniger als vor einem Jahr.


    Soweit ich weiß, gilt alles unter 5% als Vollbeschäftigung.

    So riesengroß ist das Heer der Arbeitslosen also gar nicht.

    #76AuthorDodolina (379349) 29 Jun 22, 12:19
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    #57 Es ist ärgerlich, wenn man auf den Koffer warten muss, aber aus einer Anekdote kann man noch lange nicht auf prinzipiellen Personalmangel in diesem Bereich schließen.


    Aber aus den Tagesnachrichten ist deutlich rauszulesen, dass gerade in diesen Bereichen an vielen (deutschen) Flughäfen ein akuter Personalmangel herrscht. Während der Corona-Lockdowns und Reisebeschränkungen haben die Firmen, die das "Ground-Personnel" stellen, wie Gepäckabfertigung, Sicherheitskontrollen usw. massivst Personal entlassen.

    Das fehlt jetzt an allen Ecken und Enden und deshalb werden hunderte Flüge gestrichen.


    Heute kurz in den Nachrichten aufgeschnappt, dass die Sicherheitsüberprüfung und -einweisung von Bodenpersonal für sensible Bereiche schon mehrere Wochen dauern kann.

    Deshalb will ja unser AM Heil massiv türkische Arbeitskräfte anwerben.


    https://www.t-online.de/finanzen/boerse/ticke...

    #77AuthorBlackFrank (1093052) 29 Jun 22, 12:23
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    Bei großen Fliegern wird das Gepäck in Container verladen, die dann mit anderen Frachtcontainern in den Laderaum verladen werden. Da ist körperlich nicht so anstrengend, aber man muß wissen, wie die Ladebrücken funktionieren und wie die Container am Boden gesichert werden. Bei kleinen Fliegern werden die einzelnen Gepäckstücke einfach in den Laderaum verladen, das ist körperlich äußerst anstrengend, weil man teilweise gebückt schwere Lasten bewegen muß.

    #78Authorbluesky (236159) 29 Jun 22, 12:30
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    [OT, aber da Sprachforum: entweder "Bodenpersonal" oder "ground personnel" (wobei mir "ground crew" vertrauter ist). Aber "Ground-Personnel" ist ein hässlicher Hybrid.)


    Gerade das Personal am Flughafen ist aber auch schwierig, da Corona so unberechenbar ist. Anfang des Jahres konnte niemand wissen, wie der Sommer wird, also konnte man sich auch nicht schon mal auf den Ansturm im Sommer vorbereiten.

    #79AuthorGibson (418762) 29 Jun 22, 12:33
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    "Es ist ärgerlich, wenn man auf den Koffer warten muss, aber aus einer Anekdote kann man noch lange nicht auf prinzipiellen Personalmangel in diesem Bereich schließen."


    War wohl die offizielle Begründung.

    #80Authorulinne (894128) 29 Jun 22, 12:55
    Comment

    Bluesky hat das schon schön zusammengefasst, aber auch die fertig gepackten Container, die mit Stapler direkt in den Laderaum des Flugzeugs verladen werden und dort automatisch auf ihre Position fahren, müssen vorher manuell beladen werden und nicht umsonst ist aus Arbeitsschutzgründen das maximale Koffergewicht auf 32 kg beschränkt. Diese Containerbeladung trifft aber hauptsächlich die Linienflieger. bei der Urlaubsfliegerei wird der Koffer vom Abgabeband per Hand auf einen Gepäckwagen verladen, bis zu 200 Stück pro Flieger, die Gepäckwagen fahren dann in einer langen Schlange aufs Vorfeld ans Flugzeug und werden dann wieder manuell entladen und auf ein Laufband gestellt/gelegt/geworfen. Im Laderaum unterhalb der Passagierkabine sitzt dann wieder ein Loader und packt die Koffer manuell möglichst platzsparend in den zur Verfügung stehenden Raum dicht an dicht, damit sich da während des Fluges nichts mehr verschieben kann.

    Also wird jedes Gepäckstück von der Abgabe bis ins Flugzeug mindestens 3x in die Hand genommen. Und wenn es dort dann an Personal fehlt, kommt das Gepäck eben nicht mehr mit und reist den Urlaubern mit einer späteren Maschine hinterher.

    Dazu kommt auch noch, dass das aufgegebene Gepäck von Passagieren, die den Flug aus welchen Gründen auch immer nicht antreten, vor dem Start wieder ausgeladen werden muss, aus Sicherheitsgründen darf heutzutage kein Koffer mehr geplant unbegleitet mitfliegen. Nun such mal gezielt aus einer Presspackung von 200 Koffern gezielt den einen oder zwei wieder raus aus dem Laderaum.. Und noshows an den gates gibt es immer wieder, ob durch Feststecken an der Sicherheitskontrolle oder Zeitvergessen im Dutyfreeshopping..

    #81Authordrkimble (463961) 29 Jun 22, 14:06
    Comment

    In der BRD gibt es keine einfachen Jobs mehr, wie früher. Da reichte es, wenn man am Werkstor aus den Anstehenden die jeweils optisch geeigneten aussuchte und einstellte (Du bist kräftig, ab in die Packerei).

    Aus verschiedenen versicherungstechnischen Gründen braucht es für alles und jedes eine Ein- oder/und Unterweisung. Genau genommen ist das Betreten eines Unternehmensgebäudes und -geländes nur im für die Öffentlichkeit zugelassenen Bereich erlaubt. D. h., neue Mitarbeiter müssen (z. T. bereits bei der ersten zukünftigen Arbeitsplatzbesichtigung) begleitet und unterwiesen werden. Ich will das jetzt nicht detaillieren, aber ohne kann das sehr problematisch werden.

    Nur ein Beispiel: Das Treppenhaus wird gewischt, der obligatorische Sicherheitsaufsteller (Achtung Rutschgefahr) ist vorhanden, aber nur in Deutsch und Englisch mit Piktogramm. Geführt werden Arbeitssuchende aus dem Balkan, die nur ihre Sprache verstehen und noch nie so ein Piktogramm gesehen haben. Dann rutscht einer aus!

    Und so geht es in allen Unternehmensbereichen. Mögliche neue Mitarbeiter müssten praktisch eine sehr zeit- und geldaufwändige Anlernphase durchlaufen, die sich nicht jedes Unternehmen leisten kann oder will. Von "qualifizierten Anwärtern" wird erwartet, dass man ihnen die notwendigen Unterlagen übergibt und eine entsprechende Verständniserklärung unterschrieben zurückbekommt - zeitnah. Es folgt eine Einweisung mit Kurzzeitbegleitung durch einen "Paten", dann muss die Sache erledigt sein.

    Gerade beim technischen Sachverstand fehlt es sehr oft. Arbeitsplätze im der Art eines "schraubenden Charly Chaplin" existieren praktisch nicht mehr.

    #82AuthorPolko (1138531) 30 Jun 22, 08:43
    Comment

    Das ist aber auch hausgemacht. Ich kann mich erinnern, daß mein Vater (damals Vorsitzender der Schlosserinnung) sich vor zig Jahren schon darüber beschwert hat, daß irgendwann verboten wurde, daß Schlosser-Lehrlinge praktisch Hand anlegen dürfen. Sie durften dann nur noch zusehen und vom Zusehen lernen.

    Jeder, der was lernt, weiß: Übung macht den Meister. Graue Theorie eher selten.

    Autofahren lernt man nicht durch zusehen.

    Schwimmen auch nicht.

    Wie soll´s dann im Job klappen?

    #83Authorulinne (894128) 30 Jun 22, 14:07
    Comment

    Ich kann mich erinnern, daß mein Vater (damals Vorsitzender der Schlosserinnung) sich vor zig Jahren schon darüber beschwert hat, daß irgendwann verboten wurde, daß Schlosser-Lehrlinge praktisch Hand anlegen dürfen.


    Um das beurteilen zu können, müsste man etwas genauer wissen, was denn da verboten wurde. Dass ganz allgemein verboten wurde, dass Schlosserlehrlinge auch eine praktische Ausbildung erhalten, scheint mir sehr unwahrscheinlich, obwohl ich darüber nichts weiß. Vielleicht ging es darum, dass Auszubildenden nicht einfach die Erledigung der Arbeit übertragen werden durfte und die Auszubildenden dann die Aufgaben erledigten, ohne dass noch eine fertig ausgebildete Person dabei war. Vielleicht war es auch ganz anders, aber das Gesetz, in dem steht, Lehrlinge dürfen nirgendwo Hand anlegen und nur noch zusehen, das möchte ich dann doch sehen.

    #84Authorharambee (91833) 30 Jun 22, 14:21
    Comment

    Danke für die Unterstellung, mein Vater hätte Lehrlinge ausgebeutet. Nein, da ging es um die gängigen Praktiken in einer Schlosserei. Es wurde sicher nicht alles verboten, aber z.B. Schweißen, so wie ich es bei ihm gelernt habe, war dabei. Essentiell für einen Schlosser, sollte man meinen. Als Geselle durften sie es dann sicher lernen.

    #85Authorulinne (894128) 30 Jun 22, 14:44
    Comment

    Danke für die Unterstellung, mein Vater hätte Lehrlinge ausgebeutet. 


    ulinne, merkst du eigentlich, wie paranoid du bist? In #84 steht absolut nichts dergleichen, nicht ansatzweise, nicht impliziert, nicht ausdrücklich, überhaupt nicht. Kannst du mal aufhören, dich ständig als unverstandenes Mobbingopfer zu sehen?

    #86AuthorGibson (418762) 30 Jun 22, 14:52
    Comment

    Wenn Du da eine Unterstellung siehst, dann werde ich Dich davon nicht abbringen können. In gewisser Weise hast Du sogar Recht. Ich habe zwar nicht unterstellen wollen und meiner Ansicht nach auch nicht unterstellt, dass Dein Vater Lehrlinge ausgebeutet hat. Ich habe aber unterstellt, dass die Aussage


    daß irgendwann verboten wurde, daß Schlosser-Lehrlinge praktisch Hand anlegen dürfen.


    in dieser Allgemeinheit ungenau, wenn nicht sogar falsch ist. Dass diese Unterstellung berechtigt war, hast Du jetzt bestätigt.

    #87Authorharambee (91833)  30 Jun 22, 14:52
    Comment

    Nun, zumindest auf Praktikanten trifft das zu.

    #88Authorbluesky (236159) 30 Jun 22, 14:55
    Comment

    Was trifft auf Praktikanten in welchem Bereich zu? Dass sie keine Hand anlegen dürfen?


    Hier eine Ausschreibung für ein Praktikum im Metallbau:


    https://www.xing.com/jobs/ochtrup-beruf-zukun...


    Ausschnitt:


    Natürlich kommt auch die Praxis nicht zu kurz:

    Im Bereich Konstruktionstechnik fertigst du Schweißkonstruktionen und Stahlbaugruppen aus Stahl und/oder Edelstahl und montierst diese zu Systemkomponenten und Maschinen.


    Wie machen die Praktikanten das, ohne Hand anzulegen?

    #89Authorharambee (91833)  30 Jun 22, 15:02
    Comment

    Liebe(r) Gibson,


    vielleicht kannst du deine Abneigung mir gegenüber ein wenig dämpfen. Danke.

    #90Authorulinne (894128) 01 Jul 22, 06:46
    Comment

    Das hat ein Bäckermeister im Fernsehen gesagt, der sich darüber beklagt hat, daß ein Praktikant keinen Teig in die Hand nehmen darf und er so nicht sehen könne, ob der Typ was drauf hat.

    #91Authorbluesky (236159) 01 Jul 22, 10:29
    Comment

    Meines Wissens sollte mit den angesprochenen Regelungen, dem Missbrauch der Lehrlinge und Praktikenten als billige Arbeitskräfte vorgebeugt werden. Sie dürfen im Prinzip schon alles tun, aber ihre Arbeitsergebnisse dürfen nicht als normale Produkte verkauft werden (oder so ähnlich).

    Ja nach Betrieb führt das dazu, dass die Lehrlinge und Praktikanten tatsächlich bestimmte Dinge nicht tun dürfen, weil sich der Betrieb es nicht leisten kann (oder will?), das Material für diese Übungsarbeiten zu stellen. Es war nicht grundlos, dass früher Lehrgeld bezahlt wurde. Damit wurde dann unter anderem die Kosten für genau solche Übungsarbeiten abgedeckt.

    #92AuthorAGB (236120) 01 Jul 22, 10:41
    Comment

    #91: Hatte das evtl. mit einem fehlenden Gesundheitszeugnis zu tun? Lohnt sich vielleicht nicht für ein kurzes Praktikum...

    #93AuthorZugi (797273) 01 Jul 22, 10:54
    Comment

    Leicht anderes Thema und vielleicht etwas OT:


    Ich habe mich kürzlich mit einem Kollegen i.R. unterhalten. Er war Arbeitspendler aus Leipzig (also Wochenende in Leipzig, unter der Woche in Franken). Inzwischen ist er im Ruhestand, kommt mit seiner Frau aber weiterhin jede Woche "rüber", weil die noch ein paar Jahre vor sich hat, sonst die Rente zu klein ausfällt und es solche Jobs "bei uns drüben" nicht gibt. Die Frau arbeitet als Verkäuferin bei ernsting's family. Die Antwort auf meine verwunderte Nachfrage, ob es keine Filiale in Leipzig gebe: Doch, natürlich, aber dort wird grundsätzlich nur auf 450Euro-Basis eingestellt und das würde ja für die Rente nichts bringen.


    Ich hab gedacht ich fall vom Stuhl. Unter den Voraussetzungen muss man sich natürlich nicht wundern, wenn Arbeitskräfte fluktuieren.



    #94Authorgrinsessa (1265817) 01 Jul 22, 10:55
    Comment

    @87

    Erbsenzählerei. Hatte ich vergessen zu erwähnen.

    #95Authorulinne (894128) 01 Jul 22, 11:06
    Comment

    Ich denke schon, dass auch ein Schlosserlehrling es in seinen ersten Wochen mit dem berühmten U-Stahl zu tun bekommt, den er nach Herzenslust mit Hammer, Feile, Bohrer und Säge bearbeiten darf, um die gewünschte Form herzustellen. Sicherlich wird er aber nicht daran schweissen, weil dies aus Unfallschutz- und Sicherheitsgründen für Ungeübte nicht erlaubt ist. Nicht umsonst gibts dafür Schweisslehrgänge mit den entsprechenden Zertifikaten.

    Aber auch mein Schornsteinfeger hatte letztens einen Ferienpraktikanten dabei, der dann unter Aufsicht die Kesselreinigung vorgenommen hat, also eine (von mir) bezahlte Arbeit.. und das ist in vielen Berufsgruppen so, dass auch die Arbeitsleistungen von Lehrlingen und Praktikanten "verkauft" werden. Sonst könnte sich kein Betrieb mehr Ausbildung leisten, wenn die betreffende Person jahrelang nicht produktives beiträgt.

    Schon schlimm genug, dass der Betrieb in Deutschland, um überhaupt ausbilden zu dürfen, nicht unbeträchtliche Summen und Zeit in die Ausbildung der Ausbilder stecken muss..

    #96Authordrkimble (463961) 01 Jul 22, 11:17
    Comment

    @ulinne, sorry, aber ich empfinde viele deiner Beiträge als unnötig aggressiv. Das manche Reaktionen auch übers Ziel hinausschießen, will ich nicht ausschließen. Aber wäre es dir möglich, deinen Tonfall etwas zurück zu nehmen?

    #97Authorgrinsessa (1265817) 01 Jul 22, 11:29
    Comment

    @drkimble: Aber Du wusstest Bescheid und hättest jederzeit Deinem Schornsteinfeger sagen können, dass er doch bitte die Arbeit selber machen soll.

    Ich weiß, dass bei zumindest einem Dorfbäcker die Erzeugnisse des Lehrlings als solche von den Verkäuferinnen kenntlich gemacht werden, wenn die Erzeugnisse es in die Verkaufstube schaffen. Als mal viele Zöpfle da waren, war der Kommentar, "der Lehrling muss das üben, der hat [Termin] Prüfung".

    #98AuthorAGB (236120) 01 Jul 22, 11:38
    Comment

    Der U-Stahl wird schon bearbeitet, aber keineswegs nach Herzenslust. Schließlich ist vorgegeben, wie das Ergebnis am Ende aussehen soll.

    Mir wurde am Anfang meiner Ausbildung nicht ein U-Stahl (ich kenne diese Variante) sondern ein Stück Flachstah (ST37)l mit den Abmessungen 120 x 100 x 20 mm in die Hand gedrückt. Damit durfte ich mich dann die folgenden sechs Monate werktäglich 7,75 Stunden lang beschäftigen.

    Dabei bestand die erste Übung darin, in der ersten Woche per Schruppfeile das Stahlteil von 120 mm auf etwa 114 mm zu verkürzen ( wenn ich mich recht erinnere). Dass sich dabei an den Händen Blasen bilden, war Teil der Ausbildung.

    #99Authoreineing (771776)  01 Jul 22, 11:40
    Comment

    Man muss halt sicherstellen, dass die vom Lehrling produzierte Ware keine sicherheitsrelevanten Mängel hat.

    Bei Schweiß- oder auch Lötstellen kann das leicht sein, auch wenn man das vielleicht nicht direkt durch Ansehen feststellen kann. Da haftet dann der Betrieb für die Qualität der Arbeit.


    Der Schornsteinfeger wird wahrscheinlich auch am Ende nochmal den Kessel kontrolliert haben, ob das

    wirklich so sauber ist wie von einer Profihand gemacht.

    Von einem Anfänger kann man eben keine Profiergebnisse erwarten, die der Kunde aber zu Recht vom Unternehmen kaufen will. Also muss man einen Kompromiss finden, wie viel Ausschuss zur Übung produziert wird und wie viel durch Zusehen gelernt werden kann.


    Wie ist das denn in anderen Ländern, da macht man doch oft einen Bachelor und geht dann direkt als "fertig" in den Betrieb?

    Haben da die Studiengänge so einen hohen Praxisanteil?

    Wenn nicht, dann muss da auch erstmal angelernt werden, wenn dann das Arbeitsleben beginnt. Da ist das dann eben die Investition in den neuen Mitarbeiter, der eigentlich nur nicht "Lehrling" heißt, aber praktisch kaum mehr kann.


    #100AuthorDodolina (379349) 01 Jul 22, 11:48
    Comment

    @97

    Liebe Dodolina,

    das "paranoid" in der Bemerkung gegen mich hat dich komischerweise nicht gestört.

    Vielleicht bedarf es einer Klärung, was aggressiv ist und was nicht.

    #101Authorulinne (894128) 01 Jul 22, 11:59
    Comment

    Ich bin zwar nicht Dodolina, aber habe #97 verfasst, deswegen fühle ich mich mal angesprochen.


    Im zweiten Satz bin ich auf das Thema eingegangen, hierher kopiert mit Rechtschreibkorrektur:

    Dass manche Reaktionen auch übers Ziel hinausschießen, will ich nicht ausschließen.


    Mein Eindruck ist, dass das eben die Reaktionen sind, auf eine vorhergegangene Aggression. Die Schreiber sollten sich auch besser im Griff haben, keine Frage. Aber wenn man es schafft, sogar harambee auf die Palme zu bringen, will das schon was heißen.

    #102Authorgrinsessa (1265817) 01 Jul 22, 12:03
    Comment

    Ah ja, Entschuldigung Dodolina, da habe ich mich vertan.


    Grinsessas Antwort verstehe ich nicht: Was hat das mit der Frage zu tun, was man als aggresiv wertet und was nicht?!


    "Meines Wissens sollte mit den angesprochenen Regelungen, dem Missbrauch der Lehrlinge und Praktikenten als billige Arbeitskräfte vorgebeugt werden. Sie dürfen im Prinzip schon alles tun, aber ihre Arbeitsergebnisse dürfen nicht als normale Produkte verkauft werden (oder so ähnlich)."


    Wenn die Regelungen das bewirken sollten, haben sie vermutlich versagt und leider nur bewirkt, daß bestimmte Dinge nicht mehr so gelehrt werden wie zuvor - vermutlich weil sich ein Ausbilder nicht strafbar machen will oder, falls etwas passieren sollte, haftbar gemacht werden will. Verständlich.

    #103Authorulinne (894128)  01 Jul 22, 13:01
    Comment

    Grinsessas Antwort verstehe ich nicht: Was hat das mit der Frage zu tun, was man als aggresiv wertet und was nicht?!

    Das war eine Antwort darauf, dass du annahmst, dass mich der Anwurf "paranoid" nicht stören würde. Er stört mich sehr wohl, was ich in dem zitierten Satz aufgenommen hatte ohne ihn direkt zu nennen.

    #104Authorgrinsessa (1265817) 01 Jul 22, 13:32
    Comment

    Eigentlich streite ich mich auf so einem Niveau ungern. Aber deine Reaktionen unterscheiden sich doch deutlich.

    Egal.

    Meine Befürchtung, was das Arbeitsleben angeht, geht noch in eine andere Richtung: Man findet in vielen Bereichen kaum noch gelernte Facharbeiter, sondern billige Arbeitskräfte, die sie ersetzen sollen.

    Das hat was mit Kosten zu tun. Nur: Wozu noch was lernen, wenn man dann dafür auf der Straße steht oder die Bezahlung unterste Schublade ist? Geht ja vielen Akademikern auch nicht anders.

    Die Richtung, die diese Praxis nimmt, finde ich bedenklich.


    #105Authorulinne (894128) 01 Jul 22, 13:48
    Comment

    Natürlich unterscheidet sich meine Reaktion. Was ich auch in #102 zu erklären versucht habe.


    Aber ich fürchte, das bringt hier nichts. Schönes Wochenende allerseits.

    #106Authorgrinsessa (1265817) 01 Jul 22, 13:53
    Comment

    Seit wann gibt es eigentlich die erwähnten Regeln? Ich meine, ich kann mir eine fundierte Ausbildung schwerlich anders vorstellen als: zugucken und erklären lassen - einzelne Handgriffe unter Aufsicht selbst ausprobieren - verbessert werden - die Handgriffe beherrschen lernen - beherrschte Arbeiten regelmäßig machen - neue Handgriffe lernen. Dabei wird natürlich gelegentlich Murks produziert, oder es dauert eben länger. Aber anders bekommt man das Rüstzeug doch nicht. Zu verhindern, dass Lehrlinge ausgebeutet werden, muss man anders angehen.

    #107AuthorPottkieker (871812) 01 Jul 22, 14:49
    Comment

    #107 "Die erwähnten Regeln", die das verbieten, was du beschriebst, gibt es doch offenbar gar nicht, s. #85: "Es wurde sicher nicht alles verboten, aber z. B. Schweißen, wie ich es bei ihm gelernt habe". Derzeit steht Schweißen* von Blechen und Profilen aus Stahl in der Ausbildungsordnung zum Metallbauer (=Schlosser) fürs zweite Lehrjahr: https://www.gesetze-im-internet.de/metallbaus...


    *Vielleicht nicht so, wie ulinne es vom Vater gelernt hat.

    #108AuthorMattes (236368)  01 Jul 22, 15:01
    Comment

    Danke Mattes, dann wird das also wohl doch noch gelehrt.


    Dass es Betriebe gibt, die Lehrlinge ausbeuten, ist wohl unbestritten. Und ebenso, dass viele (die meisten) Betriebe das nicht tun.

    Solche Gesetze sind dazu da, die ersteren Betriebe in ihre Schranken zu weisen.

    Und das führt dann vielleicht auch dazu, dass tolle Ausbildungsbetriebe ihren funktionierenden Weg an neue Regeln anpassen müssen.


    Arbeitsschutz und Arbeitnehmerschutz verändern sich nun mal und werden in den meisten Fällen immer besser, auch wenn vielleicht hier und da mal eine Verordnung oder ein Gesetz übers Ziel hinaus schießt. Das betrifft eben auch Ausbildungsordnungen.


    #109AuthorDodolina (379349) 01 Jul 22, 15:09
    Comment

    Es muss ja auch gelehrt werden, wo sollen sonst die neuen Schweißer herkommen? Wenn die Ausbildung beendet ist, ist man ja Schlosser/ Schweißer/ Mechaniker, muss es also schon können. Ergo muss es in der Ausbildung gelernt werden. Dazu ist es die Ausbildung.


    Arbeitsschutz und Arbeitnehmerschutz verändern sich nun mal und werden in den meisten Fällen immer besser, auch wenn vielleicht hier und da mal eine Verordnung oder ein Gesetz übers Ziel hinaus schießt.


    Genau. Es würde mich z.B. nicht überraschen, wenn die Zahlen von Arbeitsunfällen und von Verletzungen während der Ausbildung in den letzten 50 Jahren kontinuierlich zurückgegangen sind, weiß aber nicht, wo man solche Zahlen findet. Klar ist es manchmal nervig, und manches ist sicher auch übertrieben, aber die Grundidee - mehr Sicherheit - ist ja nicht falsch.

    #110AuthorGibson (418762) 01 Jul 22, 15:19
    Comment

    #110 die Grundidee - mehr Sicherheit - ist ja nicht falsch


    ... sprach das Helikopterelter und lud die Sprösslinge ins SUV. 😉


    (Nicht dass wir uns missverstehen, Gibson: Ich bin völlig deiner Meinung.)

    #111AuthorKapustiner (1229425) 01 Jul 22, 19:35
    Comment

    Dass Auszubildende im Handwerk nicht selbst Hand anlegen dürfen, ist - gelinde gesagt - Stuss. Einfache Arbeiten werden nach kurzer Zeit selbstständig durchgeführt (Beispiel Kfz: Räderwechsel oder Ölwechsel). Als wir vor einigen Wochen ein neues Garagentor bekamen, wurde das von einem Gesellen und einem Azubi eingebaut - Letzterer stand nicht nur daneben. Und viele Ausbildungen fangen erst einmal mit einem überbetrieblichen Lehrgang an, z.B. im Baugewerbe: Der Azubi hat da in der Übungshalle schon Dutzende Mauern hochgezogen, bevor er mit auf die richtige Baustelle darf; dann kann er aber auch schon richtig mit anpacken. (Oder er / sie macht das erste Ausbildungsjahr gleich an einer Berufsfachschule.)


    Der oben schon angesprochene Trend, dass jedes Kind unbedingt Abitur machen soll und jede*r Abiturient*in unbedingt studieren soll, ist allerdings ein echtes Problem. Statt einem schulmüden Jugendlichen in Klasse 10 zu sagen: "Mach doch erst mal eine Ausbildung, und wenn du dann Bock hast, kannst du immer noch Abitur machen", drängen insbesondere Eltern: "Beiß dich erstmal durch bis zum Abi." Es gibt ein Plakat aus der Image-Kampagne fürs Handwerk: "Die Region braucht Handwerken und nicht noch einen BWLer."


    So ganz neu ist der Trend übrigens nicht. Als ich kurz vor dem Abitur meinen Eltern erklärte, ich wolle Physiotherapeutin werden, zeigten sie mir einen Vogel. "Bei deinen guten Noten?"


    EDIT: Der oben erwähnte Metallbau-Azubi hat übrigens Abitur. Geht doch.

    #112AuthorRaudona (255425)  02 Jul 22, 19:45
    Comment

    hatte letztens einen Ferienpraktikanten dabei, der dann unter Aufsicht die Kesselreinigung vorgenommen hat, also eine (von mir) bezahlte Arbeit..

    Der Meister führt die Aufsicht und ist somit gebunden, anstatt selber produktiv zu arbeiten. D.h, du bezahlst nicht den Azubi, sondern den Meister und das Azubigehalt wird vom Betrag des Meisters mit bezahlt.

    Ausbildung kostet die Betriebe Geld.

    Der Schornsteinfeger wird wahrscheinlich auch am Ende nochmal den Kessel kontrolliert haben, ob das

    wirklich so sauber ist wie von einer Profihand gemacht.

    Muss er. Ein schlecht gereinigten Kessel erfüllt nicht die geforderten Abgaswerte und kann sogar eine potentielle Brandgefahr darstellen. Der Meister haftet ggfs. Und sei es nur mit seinem Namen


    Es gibt Betriebe die ihre Lehrverpflichtung nicht korrekt nachkommen. Mein Neffe wurde bei seiner ersten Stelle Opfer einer derartigen Verfehlung. Das hat meine Schwägerin bei der Handwerkskammer gemeldet, der Betreuer der HWK überprüft und alle! Auszubildenden dort rausgeholt und an andere Betriebe vermittelt. Z.T sogar im 3. Lehrjahr. Die HWK ist sehr dahinter her so etwas zu unterbinden. Der Ausbilder durfte danach nicht mehr ausbilden.

    Die meisten Handwerksbetriebe bilden aus, weil sie die (guten) Gesellen hinterher als langfristige Mitarbeiter behalten wollen. In vielen Fällen (Metall, Bäckereien etc) verzichten die entsprechenden Industriebetriebe darauf für Ihren Eigenbedarf ausreichend auszubilden. Das wird vom Handwerk mit gemacht.


    P.S. Ich habe nach dem Abi eine Handwerkslehre erfolgreich absolviert. Studiert habe ich später berufsbegleitend. Die praktischen Erfahrungen helfen mir heute noch

    #113AuthorMasu (613197)  03 Jul 22, 16:19
     
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