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    Language lab

    Wie spricht man "*innen" aus?

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    Wie spricht man "*innen" aus?

    Comment

    Heute Abend gab es einen Film in 3sat über Parkinson, den ich als von Morbus Parkinson Betroffener mit Interesse angeschaut habe. Dabei habe ich einige interessante Sachen erfahren, die aber Fragen bei mir auslösten.


    Da heißt es, es gebe "weltweit etwa 6 Millionen Menschen", die an Parkinson erkrankt seien; später sagt man, in Deutschland gebe es "etwa 400.000 Patientinnen" mit Parkinson. Aber warum wird die Zahl der männlichen Patienten nicht genannt?, fragte sich der männliche Patient. Noch später gibt es die Information, "dänische Forscherinnen" seien einer bestimmten Sache auf der Spur. Da fragt sich der Patient: Warum forschen in Dänemark keine Männer über Parkinson?


    Des Rätsels Lösung: Im Skript des Films steht vermutlich "400.000 Patient*innen" und "dänische Forscher*innen", aber die Sprecherin hat das * nicht ausgesprochen oder signalisiert. So entsteht der Eindruck, Parkinson sei in Deutschland und Dänemark etwas, das eher Frauen angeht als Männer ...

    (Der irritierte Patient denkt sich: 'Fein wäre es ja schon für die Männer, wenn sich nur Frauen mit Parkinson rumschlagen müssten.')

    Author MiMo (236780) 22 Sep 22, 22:24
    Comment

    Is that a question? In my experience, it's normally pronounced with a glottal stop before the "in".

    Maybe something went wrong with the script or the narrator was inexperienced?

    #1Author CM2DD (236324) 22 Sep 22, 22:28
    Comment

    Hier bei 28 Minuten und 30 Sekunden ist es einmal zu hören, ein klarer Glottal Stop. "Forscher*innen", nicht anders als in "ge*impft" oder "Spiegel*ei":


    https://www.3sat.de/wissen/wissenschaftsdoku/...


    #2Author Jalapeño (236154) 22 Sep 22, 22:32
    Comment

    Sehe (bzw. höre) ich genauso. Ein deutliche Pause vor dem '-innen', und so wird das Sternchen normalerweise auch gesprochen (mit Glottal Stop halt).

    #3Author Gibson (418762)  22 Sep 22, 22:41
    Comment

    At 6:38 I hear "Patient*innen" with a glottal stop, too. Then shortly after that "Einwohner*innen".

    I find it slightly irritating (the sound, not the avoidance of sexism), so am surprised other people might not hear it at all.

    #4Author CM2DD (236324) 22 Sep 22, 23:04
    Comment

    Sag doch mal "Lichtschalter innen". Das steht ja hie und da mal an Klotüren außen.

    Genauso wird es ausgesprochen werden, wenn die Lichtschalter endlich vollständig inklusiv benannt sind.

    #5Author reverend (314585) 22 Sep 22, 23:20
    Comment

    Außenmitarbeiter innen.


    [SCNR - und es ist ja fast schon Freitag]

    #6Author Sachs (638558) 22 Sep 22, 23:33
    Comment

    :-)

    #7Author Gibson (418762) 22 Sep 22, 23:46
    Comment

    Danke!

    Ich erfuhr hier zum ersten Mal, dass im Schriftdeutschen "*" einen "glottal stop" bedeutet ... Ich hatte noch in der Schule gelernt (das war allerdings 1949), dass "*" bedeutet "geboren" oder "siehe Anerkung unten" oder "sehr gut" (bei "1*) und dergleichen.


    Ich war kürzlich in der Klinik als Patient innen. (Wirklich!) Aber es waren auf der Station keine Patient*innen innen. Im Labor sind dort einige Forscher innen und einige Forscher*innen. Sind die Forscher*innen nur Forscherinnen oder auch Forscher? Die meisten Forscher innen sind forscher als die Forscherinnen. Ja, ja, so sind die Forscher*innen.

    (Diesen Text werde ich jetzt meinen japanischen Studenten als Ausspracheübung unterjubeln.)


    Gerade lese ich ein sehr interessantes Buch über Mythen, Erzählungen und Narrative; das Autorenduo hat die Macke (ja, ich sehe es als Macke), möglichst oft statt des generischen Maskulinums einfach die weibliche Form auf -innen zu verwenden, und zwar ohne "glottal stop" "*" (sie erklären dabei, dass sie das absichtlich tun), und bieten so schöne Formulierungen wie "die Heldinnen, die in Troja kämpften, Achill, Odysseus, Hector ..." oder "Dichterinnen wie Homer und Shakespeare ...", "Weggefährtinnen wie Frodo und Sam". Wenn man dies eigentlich sehr brauchbare, weil intelligente und informative Buch liest, lernt man viel und hat zugleicch viel zum Lachen.


    Da ich Jahrgang 1943 bin, habe ich als Kleinkind noch ein wenig vom letzten Krieg mit bekommen - aus kindlicher Perspektive. Das ging so: Meine Mutter und lebten lebten bei Mutters Eltern, denn der Vater war ja "im Krieg", wobei ich mir nichts unter dem Wort "Krieg" vorstellen konnte. Abends hörten die drei immer Radio: zuerst BBC, dann den polnischen Exilsender (denn meine Großmutter war Polin), und zum Schluss den Sender des Großdeutschen Reiches, denn alle drei konnten Deutsch.


    Solange sie BBC und den polnischen Sender hörten, lauschten sie ganz ernst. Sobald der deutsche Sender eingestellt war, begannen sie zu lachen. In meinem kindlichen Gehirn bildete sich die Auffassung, Englisch und Polnisch (Sprachen, die ich vom Großvater und von der Großmutter lernte) seien sehr ernste Sprachen, während Deutsch eine sehr lustige Sprache sein müsse, nach dem Gelächter der Erwachsenen zu schließen. Als ich später Deutsch in der Schule lernte, stellte ich fest, dass Deutsch eigentlich eine eher sehr ernste Sprache ist.


    Als ich dann meine Mutter fragte, warum sie beim Zuhören des deutschen Senders so gelacht hatten (dieses abendliche Ritual des Radiohörens hatte sich in mein frühkindliches Gedächtnis eingeprägt!), da erklärte sie, dass der deutsche Sender krampfhaft versuchte habe, die Realität schön zu reden; wenn etwa BBC und Radio Freies Polen meldeten, dort und dort seien die deutschen Truppen auf dem Rückzug, dann verkündete Großdeutschland, das deutsche Heer habe "eine Frontbegradigung durchgeführt". Das fanden meine Mutter und ihre Eltern zum Lachen.


    Und jetzt muss ich lachen, wenn ich höre, wie Putins Medien eine ähnliche Schönfärberei betreiben, um zu retten, was nicht mehr zu retten ist ...


    Warum ich diese Kindheitserinnerung hier erzähle? Weil die deutsche Sprache ihren Status als ernste bzw. ernsthafte Sprache verliert und immer lustiger wird. Man führt "glottal stops" ein, wo eigentlich keine sind (und Hörbehinderte wie ich sie auch - beim besten Willen - nicht hören; aus Studenten werden "Studierende" (auch die ewigen Studenten, die bekanntlich nicht studieren), aus Forschern werden "Forschende", aus Richtern "Richtende", aus den Vertretern und Vertreterinnen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werden "Vertretende der Mitarbeitenden", Leute mit dem Familiennamen Mohr werden aufgefordert, ihren Familiennamen abzulegen, da er rassistisch sei; die Einwohner des Landes werden eingeteilt in "Biodeutsche", Deutsche mit Migrationshintergrund, Deutsche mit Eltern,mit Migrationshinteergrund, Deutsche, deren Ahnen hier schon saßen, als es noch keine Deutschen gab; man darf hier Pizza, Sushi, Hummus, Gulasch usw. essen, aber wenn man als hellhäutiger Mensch Rastalocken trägt, dann betreibt man verpönte "Kulturaneignung"; wenn man jemand fragt, woher er kommt, dann ist das schon fast eine Beleidigung (trotzdem frage ich in Fürth gern Leute, ob sie nicht aus Nürnberg kommen), und den Rest gibt der deutschen Sprache die Politik mit Schöpfungen wie "Gasumlage", "Schuldenbremse",

    "Preisdeckelung", "Inflationsvorsorge" u.dergl. oder wenn eine Partei sagt, sie sei "ganz nah am Menschen" (ich frage mich immer, ob die Parteimitglieder Aliens sind), oder eine andere Partei jetzt "weiblicher werden" will - allerdings ohne mehr Frauen mit Aufgaben zu betrauen. Ach so, die jetzt eher männliche Partei wll eine Geschlechtsumwandlung männlicher Mitglieder forcieren, um weiblicher zu werden. (Mein schwäbischer Nachbar kommentierte die Ankündigung vom Weiblicherwerden mit den Worten: "Fritzele, geh du voran, du hoscht die gröschten Schtiefel an ..") Es gibt also viel zu lachen mit der deutschen Sprache der Gegenwart.


    Für die letzten zwanzig Jahre meines Lebens nehme ich mir vor: Nicht ärgern, sondern nur lachen. Einfach lachen über den Jux, den man sich mit der deutschen Sprache macht. Und jetzt werde ich mir den Film über Parkinson aus der Mediathek herholen und dann stoppen, wenn die Wörter "Patient*innen" und "Forscher*innen" kommen und mein Hörrohr an den Computer halten, denn ich möchte heute morgen noch vor dem Frühstück mndestens zwei "glottal stops" hören ...

    #8Author MiMo (236780) 23 Sep 22, 05:03
    Comment

    @MiMo (re #8), :-)


    At about 10:35 the narrator says, "Nun ist eine Gruppe von Medizinerinnen in Kiel einen grossen Schritt weiter." I was sure I had missed the glottal stop of Mediziner*innen , but no - when the camera shifted to the next scene, sure enough, there were three Medizinerinnen to be seen, and no Mediziner.


    To be sure, I don't hear spoken German very often, and so my ear isn't tuned to the language, but (from my perspective as a non-GNS) I agree with MiMo -- that difference between Medizinerinnen and Mediziner*innen can be easily overlooked. (To say nothing of Mediziner innen.)

    #9Author Martin--cal (272273)  23 Sep 22, 06:21
    Comment

    Der BR hat irgendwann mitten im ersten Pandemiejahr auf XYZ*in(nen) umgestellt. Das war anfangs sehr deutlich zu hören, vermutlich weil die Sprecher noch sehr aufpassen mussten, den Glottisschlag nicht zu vergessen. Mittlerweile wird er von sehr vielen Moderatoren so gesprochen, dass er fast nicht wahrnehmbar ist.

    #10Author Selima (107) 23 Sep 22, 07:28
    Comment

    Ich kann alle drei hier genannten Stellen klar bestätigen.


    Bei 10:35 im Beitrag von Martin gibt es keinen glottal Stop, hier sind ganz klar Frauen benannt.


    Die anderen Stellen bei 6:38 und bei 28:30 haben ganz klar einen Stop drin und sind einfaches gendern.

    Nicht jeder Sprecher kriegt das gleich gut hin, an diesen Sprachwandel wird wich noch gewöhnt, offenbar auch beim Zuhören. Aber hier finde ich es sehr deutlich gesprochen.

    #11Author Dodolina (379349)  23 Sep 22, 07:32
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    You often hear people say that when they hear the plural "Studenten", they don't automatically think of men, but imagine both sexes. The argument being that there's no need to use a feminine form, as people can read between the lines and know from the context that women are mitgemeint.


    This mishearing is a brilliant example of how wrong that argument is.

    Even when someone hears Studentinnen and the context makes it 100% clear that both sexes are meant, they still only imagine one sex.

    #12Author CM2DD (236324)  23 Sep 22, 09:45
    Comment

    Da fällt mir dieses nette Video ein:

    https://www.youtube.com/watch?v=qv8VZVP5csA


    Habe ich vielleicht schon mal gepostet, finde ich immer wieder toll. "This powerful film from MullenLowe London provocatively captures how, early on in their education, children already define career opportunities as male and female."

    #13Author Lunda (254456) 23 Sep 22, 11:53
    Comment

    Zu #13 @Lunda


    Danke für den Tipp! Kannte das Video noch nicht – ist gut gemacht.

    #14Author karla13 (1364913) 23 Sep 22, 22:55
    Comment
    Vor 45 Jahren soll es eine Hochschule gegeben haben, die ihren Absolventinnen den akademischen Grad Diplom-Ingenieutin verliehen. Auf Antrag konnten männliche Diplom-Ingenieurinnen im Zeugnis auch die Formulierung „Diplom-Ingenieur“ eingetragen bekommen.

    Das fand ich deutlich lustiger als die ständige Gleichsetzung des Genus mit dem Sexus.
    #15Author Friedhelm D. (366844) 23 Sep 22, 23:57
     
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