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    Customs and culture

    Zum 33. Mal: 'Tag der Deutschen Einheit' -- Mein persönliches Vor- und Nachher

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    Zum 33. Mal: 'Tag der Deutschen Einheit' -- Mein persönliches Vor- und Nachher

    Comment

    Anlässlich des heutigen Feiertags in Deutschland habe ich mal wieder darüber nachgedacht, was sich für mich persönlich durch den Mauerfall am 9. November 1989 verändert hat.


    Mitte der Sechziger in West-Berlin geboren und dort aufgewachsen, sind schon meine frühesten Kindheits- und Jugenderinnerungen eng mit der Mauer verbunden, welche meine Stadt teilte. Sie war für mich immer präsent, da ich im äußersten Norden der Stadt großgeworden bin. Vom Zimmerfenster meines ersten Freundes aus konnten wir die Grenzsoldaten auf der anderen Seite mit dem Fernglas beobachten.


    Für mich war es Alltag, dass meine Geburtsstadt rundherum stets irgendwo einfach zu Ende war, ohne dass man rauskonnte (oder wollte). In den Ferien bestieg ich mit meinen Eltern entweder ein Flugzeug (selten), oder die ganze Familie machte sich im vollbepackten VW-Käfer auf zu einer der Grenzübergangsstellen, um dort teilweise stundenlang (Schulferienzeit!) zu warten, bis die Vopos die Durchfahrt auf der Transitstrecke gestatteten.

    Wenn man Pech hatte und den "Grenzern" aus irgendeinem Grund verdächtig vorkam, wurde man gefilzt. Das hieß, das ganze Auto wurde durchsucht, die Rückbank musste hochgeklappt sowie Kofferraum und Motorhaube geöffnet werden, mit einem fahrbaren Spiegel wurde der Autountergrund abgesucht; manchmal wurden sogar Hunde eingesetzt. Das war insbesondere für uns Kinder immer gruselig, wenn auch normal. Ich kannte es nicht anders, meine Berliner Eltern natürlich schon. Frei kam ich mir (im Rückblick merkwürdigerweise) trotzdem vor, und auch keineswegs eingesperrt.


    Und ich hätte auch nie gedacht, dass sich das Leben in meiner Stadt (und meinem Land) einmal so verändern würde.


    Ihr könnt euch vielleicht gar nicht vorstellen, was für ein unglaubliches Gefühl es war, im November 1989 das erste Mal lässig per Fahrrad durch das Brandenburger Tor zu fahren und auf der anderen Seite meiner Stadt, die ich nur von einigen Verwandtenbesuchen her kannte, endlich mal unbehelligt umherstreifen zu können. Plötzlich hatte sich mein Berlin nämlich verdoppelt... Und erst meine Freude, als ich in den Folgemonaten und -jahren ausgiebigst das wunderschöne Berliner Umland bis hin zur Ostsee erkunden konnte.


    Was wäre mir alles entgangen -- insbesondere auch an menschlichen Begegnungen --, wenn es dieses weltgeschichtliche Ereignis nicht gegeben hätte!


    Geht es euch ähnlich (im Rückblick auf die letzten 33 Jahre)? War der Mauerfall für euch in Bezug auf euren Wohnort auch so unmittelbar "weltverändernd"?

    Oder habt ihr das bei euch und in eurer Stadt eher als allmählichen Wandel erlebt?



    [Ich möchte bitte keine politische, weltanschauliche oder gar irgendwie unfriedliche Diskussion entfachen, sondern mich interessieren einfach nur eure persönlichen Erlebnisse und Eindrücke. Danke für's Sharen 😉.]

    Author karla13 (1364913)  03 Oct 22, 19:03
    Comment

    War der Mauerfall für euch in Bezug auf euren Wohnort auch so unmittelbar "weltverändernd"?


    Nein. Aber im Ruhrgebiet waren wir auch denkbar weit weg von der Grenze, und Westberlin kann in dieser Hinsicht sowieso vermutlich kaum etwas toppen 🙂. Trotzdem habe ich die Zeit damals als etwas Besonderes erlebt, halt eben vor dem Fernseher und im Juli 1990 auch bei einem Besuch bei den Verwandten bei Dresden.

    #1Author JanZ (805098) 03 Oct 22, 19:45
    Comment

    Hm, Gedanken wie diese mach ich mir eher am 9. November - der Tag war und ist für mich relevanter und einschneidender als der willkürlich festgelegte 3. Oktober.


    Als gelernte Ossiline hat sich vor meinem Wohnort erst einmal alles andere verändert. Eine Woche nach dem Mauerfall (da war mein Perso grad „offiziell“ gültig, sprich, ich 14) war ich zum ersten Mal in West-Berlin. Bis dahin hatte ich von der S-Bahn bei Besuchen in Ost-Berlin höchstens mal einen Blick auf die Mauer oder Wohnblöcke im Westen erhaschen (Siemenstadt? Gropiusstadt? Keine Ahnung mehr, was man da sehen konnte.). Der Besuch war aufregend, klar, und irgendwie war alles bunter, verglichen zum Einheitsgrau im Osten, aber auch irgendwie… enttäuschend, weil es irgendwie so normal zuging. Werbung sei Dank, war mein Bild vom Westen irgendwie ein anderes.

    Durch die Wende ging der Kelch mit dem Lehrgang für Zivilverteidigung in der 9. Klasse an mir vorbei, ich wechselte zum Schuljahr 90/91 aufs Gymnasium, konnte Französisch lernen, mein Abi machen, ein Jahr ins Ausland gehen und studieren. Ob das unter anderen Vorzeichen möglich gewesen wäre, keine Ahnung. Als „Arbeiterkind“ hätte ich bei guten Noten schon mal ganz gute Chancen auf Abi u d Studium gehabt, aber da ich zu wenig engagiert in den Organisationen war, wäre es unter Umständen daran gescheitert. Ist aber alles Spekulation. Aber viel der Möglichkeiten, die ich hatte, hatte ich eben, weil die Mauer gefallen ist.

    Zum Studium hat es mich gen Westen verschlagen (keine so große Absicht, so viele Unis mit meinem Studienfach gab‘s halt nicht - Leipzig wäre eine Option gewesen, aber ich war für die geforderte Aufnahmeprüfung schlicht und ergreifend zu spät dran).

    Danach bin ich im Westen „hängengeblieben“, aber gut, eine muss ja hier die Entwicklungsarbeit leisten. ;)


    Bei Veränderungen an meinem damaligen Wohnort (Kleinstadt im damaligen Bezirk Potsdam) fallen mir erst einmal eher nur negative Sachen ein. Die großen Betriebe in der Stadt und Umgebung machten größtenteils zu oder wurden von der Treuhand verscherbelt, radikal verkleinert und dann zugemacht, was zu hoher Arbeitslosigkeit führte. Und es wurde gefühlt an jeder Ecke ein Supermarkt aus dem Boden gestampft - von denen heute einige leerstehen, weil wir irgendwann deutlich zu viel Verkaufsfläche pro Einwohnerzahl hatten. Ich habe sehr lange Groll gegen Lidl gehegt, weil mein alter Kindergarten abgerissen wurde, damit dort ein Lidl hin konnte. Und die komplette Straße, in der ich aufgewachsen bin (Plattenbau mit überschlagen über 300 Wohnungen), gibt‘s nicht mehr. Alles wegen hohem Leerstand durch enormen Wegzug (gen Westen oder ins Eigenheim) abgerissen und platt gemacht. Immerhin: Da steht jetzt alles voll mit Solaranlagen.

    Wenn ich darüber hinausgucke, hat sich aber auch ein bisschen was Positives getan im Stadtbild :)


    Also was den Wohnort angeht, waren meine Erfahrungen nicht sooo weltverändernd. Eher der mehr oder weniger „normale“ Lauf der Dinge nach der Wende. An anderen Stellen wirkte es sich deutlich stärker aus.


    Auch wenn mich manchmal doch ein bisschen Nostalgie ereilt, möchte ich auf keinen Fall mit damals tauschen. Jedes Jahr am 9. November bin ich unglaublich dankbar für das, was damals passiert ist.

    #2Author skye (236351) 04 Oct 22, 12:00
    Comment

    "Jedes Jahr am 9. November bin ich unglaublich dankbar für das, was damals passiert ist."


    Das kann ich als Neuberliner (erst seit knapp 20 Jahren hier) so unterschreiben. Trotz AfD, trotz der wachsenden Rechtsradikalität in den nicht mehr ganz so neuen Bundesländern, trotz der vielen Fehler, die die BuReg beim Zusammenwachsenlassen gemacht hat - ich bin froh, dass es die Wiedervereinigung gab.

    #3Author B.L.Z. Bubb (601295) 04 Oct 22, 12:53
    Comment

    Für mein konkretes, kleines Leben hatte die Wiedervereinigung überhaupt keine Auswirkung (außer, dass ich den Soli zahlen musste ;-)). Als jemand, der tief im Westen lebt, um es mit Grönemeyer zu sagen, nie viel in Deutschland gereist ist, weder vorher noch nacher, und keine Verwandten im Osten hat(te), war es für mich doch sehr abstrakt. Ich bin auf intellektueller Ebene sehr froh, dass es passiert ist, und auch froh, dass Deutschland zur Abwechslung mal ein positives Beispiel im Weltgeschehen war, aber emotional war es kein großer Einschnitt, muss ich sagen.

    #4Author Gibson (418762) 04 Oct 22, 13:14
    Comment
    Geht mir wie Gibson. Ich hatte keine Verwandtschaft in der DDR, und sie war mir als deutschsprachiges Ausland auch emotional nicht näher als Österreich. Ich war auch erst locker 15 Jahre nach dem Mauerfall zum ersten Mal in meinem Leben in Berlin. Natürlich habe ich seitdem Menschen kennengelernt, die im Osten aufgewachsen sind und je nach Alter noch viel oder eher wenig DDR mitbekommen haben, auch wenn hier „tief im Westen“ die Mehrzahl meine Freunde, Bekannten und Kollegen eine West-Biographie haben oder gleich aus einem anderen Land stammen. Ansonsten hat sich in meinem Leben aber wenig bis gar nichts dadurch verändert. Ja, der Soli natürlich, und Tag der deutschen Einheit ist jetzt nicht mehr der 17.06., sondern der 03.10., aber sonst? Es ist jetzt einfacher, Dresden oder Erfurt oder Rostock zu besuchen, habe ich gehört. Habe ich aber trotzdem bisher noch nicht getan. Braunschweig, Stuttgart oder Hildesheim allerdings auch nicht, es ist also nicht so, als würde ich nur ostdeutsche Städte nicht bereisen ;o) Und Pathos und Absingen der Nationalhymne usw. ist auch nicht meins, ich hatte gestern einfach einen freien Tag bei erfreulich schönem Wetter und habe mich gedanklich kein bisschen mit dem Hintergrund dieses freien Tages befasst.
    “Ich bin auf intellektueller Ebene sehr froh, dass es passiert ist, und auch froh, dass Deutschland zur Abwechslung mal ein positives Beispiel im Weltgeschehen war, aber emotional war es kein großer Einschnitt, muss ich sagen.” Kann ich 100% ig unterschreiben.
    #5Author Dragon (238202)  04 Oct 22, 13:43
    Comment

    Ich nochmal. Ich hab von der Maueröffnung damals erst am Freitag Mittag erfahren, als ich nach Dienstschluss auf dem Weg zum Einholen war. Ich hab fast geheult (obwohl ich trotz Verwandschaft "drüben" keine wirklichen familiären oder sonstigen Beziehungen dahin hatte), und eine Woche später war ich in Berlin. War. das. geil. Auf dem Transit wurde man von Trabbi- und Wartburgfahrern freudig angehupt, der Ku'damm war nachts um drei schwarz vor Menschen ...


    Schade, dass das Ganze so schnell einer gewissen Ernüchterung wich :-/

    #6Author B.L.Z. Bubb (601295) 04 Oct 22, 13:57
    Comment

    @ll


    Danke an alle, die bisher geantwortet haben. Und hoffentlich kommen noch andere dazu. Ich finde es sehr interessant (und nachvollziehbar), wie unterschiedlich die Eindrücke waren. Da sind skyes und meine Eindrücke viel nachhaltiger als bei anderen gewesen, aber das ist ja auch klar.


    Bei mir war das Thema aufgekommen, da ich ja seit 3 Jahren nicht mehr in D wohne, und gestern einigen meiner neuen europäischen Nachbarn erzählte, dass am 3. Oktober in Deutschland Nationalfeiertag ist (falls das so genannt wird). Insbesondere meine Berichte über das frühere West-Berlin waren für diese Menschen interessant, das kann sich ja keiner vorstellen. (So kommt auch immer wieder die ungläubige Frage: "Hast du dich nicht eingeschlossen gefühlt?" Nein, habe ich nicht. Im Nachhinein kann ich das selber nicht mehr glauben.)


    Zu #3

    Genau; und auch trotz der extrem gestiegenen Aggressivität insbesondere in Berlin. Ich war sehr froh, als ich aus beruflichen Gründen zwischen 1995 und 1999 nicht in Deutschland (und noch nicht einmal in Europa) zu leben brauchte. Berlin fand ich ab 93 im täglichen Umgang recht anstrengend, ab 2000 hatte es sich hingegen wieder (für mein Empfinden) entspannt.


    Zu #4

    (außer, dass ich den Soli zahlen musste ;-)).

    Siehste mal, nicht nur das: Wir Berliner durften auch auf unsere Berlinzulage verzichten (immerhin 8% des Bruttogehalts), und das war bei den niedrigen Berliner Gehältern (im Vergleich zu Westdeutschland, wie wir es nannten) schon ganz schön viel.



    Edit: #5, 6 waren noch nicht da, als ich Schnarchnase mit dem Schreiben anfing. 😉


    #7Author karla13 (1364913)  04 Oct 22, 14:07
    Comment

    Ich möchte nirgendwoanders leben als hier im dicken B - zumindest in D nicht. Bei London oder Manchester würde ich aber noch mal überlegen müssen 😉


    Ich liebe diese Stadt. Mit all ihren Mängeln und Fehlern.

    #8Author B.L.Z. Bubb (601295) 04 Oct 22, 14:10
    Comment

    Ich hab's nicht so mit Daten und Gedenktagen (vergesse auch gern mal Geburtstage) und mache meine Emotionen dann eher an Begegnungen und Begebenheiten fest - Beispiel: Bis heute ist mir flau im Magen, wenn ich auf der A2 unterwegs bin und die Wachttürme am ehemaligen Grenzübergang Marienborn sehe.


    Ich bin in Hannover aufgewachsen, meine Familie kommt aus der Gegend zwischen Harz und Hildesheim - das heißt, wir waren berechtigt für den "Kleinen Grenzverkehr" und konnten einigermaßen spontan für einen Tagesausflug in die DDR fahren. Kleiner Grenzverkehr – Wikipedia Mein Großonkel besuchte häufiger Verwandte dort und legte sich gern mit den Grenzern an, die am 17. Juni immer besonders akribisch jedes Fahrzeug untersuchten.


    Ich selbst war ein paar Mal in Westberlin. Einmal fuhr ich mit Studienfreundinnen zu einer Theateraufführung dorthin.und hatte ich meinen Reisepass vergessen, musste für den Transit (von meinem Land in mein Land!) ein Tagesvisum kaufen. Das Passfoto, das ich an der Grenzstation machen lassen musste, habe ich noch. Mein uralt gekaufter Saab hatte einen Antennensockel, wohl für eine Funkanlage. Der wurde höchst misstrauisch beäugt, obwohl daran nur ein abgeschnittenes Kabel hing. Als wir endlich auf der Transitstrecke waren, haben wir im Auto laut gesungen, um das ganze Adrenalin abzubauen ...


    Zuvor war ich auf Klassenfahrt in Dresden und Weimar. Meine Schule widmete die 11. Klasse dem deutsch-deutschen Thema, und die Klassenfahrten gingen entweder in die DDR oder - falls das nicht möglich war, weil die Eltern es nicht wollten oder "Geheimnisträger" waren - nach Westberlin. In Dresden bekamen wir das staatlich verordnete Westtouri-Programm verpasst, Kontakt hatten wir nur zu handverlesenen, linientreuen Einheimischen. Wir hatten aber in Weimar das Glück, dass gleichzeitig mit uns eine 11. Klasse aus Rostock in der Jugendherberge untergebracht war. Das war endlich eine Möglichkeit zum ungefilterten Austausch. Ich habe mich damals erstmals verliebt (das einzige Mal, dass ich mit jemandem in Uniform geschmust habe - blaues FDJ-Hemd) und hatte noch lange Briefkontakt mit "ihm", allerdings über die Oma, weil "er" selbst sich als Fünfzehnjähriger verpflichtet hatte, Offizier zu werden. Der Briefwechsel brach ab, als wir deutlich merkten, dass die Briefe geöffnet wurden.


    Die Grenzöffnung und die Wochen danach waren für mich surreal. Ich war damals mit einem Iren zusammen, der unbedingt auf Goethes und Schillers Spuren wandeln wollte, wir fuhren dann also alsbald nach Weimar. Allerorten wurden Privatzimmer vermietet, und wer als Einheimischer einen Wartburg besaß, bot Touren mit dem Wartburg zur Wartburg an. Es war eine unvorstellbare Aufbruchstimmung. (Der Kater kam später.)


    Beruflich hatte die Wiedervereinigung für mich später auch Folgen: Ich war in einer Agentur tätig, die dem Tierfilmer Heinz Sielmann beim Aufbau eines Naturerlebniszentrums im "Grünen Band" half, dem ehemaligen Niemandsland entlang der Grenze, in dem sich die Natur ungestört entfalten konnte (jedenfalls dort, wo es keine Minen und Betonanlagen gab).


    Also alles in allem ist das ganze Thema für mich persönlich sehr emotional aufgeladen, bis heute.


    Zum Schluss noch eine Anekdote, wie sehr ich durch die Teilung geprägt bin: 2006 bekam ich eine Stelle bei einer Firma mit Hauptsitz in Berlin. Dort übernahm ich einen Firmenwagen, mit dem ich nach Hannover fahren wollte. Ich hatte mir eine Routenplanung ausgedruckt, die mich aber irgendwann im Stich ließ - einmal falsch abgebogen, und ich war verloren. Als ich kurz hinter Berlin an eine Gabelung kam, deren eine Richtung nach Hamburg, die andere nach Magdeburg ging, fuhr ich ganz selbstverständlich Richtung Hamburg. (Für Ortsunkundige: Magdeburg liegt ziemlich mittig zwischen Berlin und Hannover.)

    #9Author Raudona (255425) 04 Oct 22, 14:12
    Comment

    Gleich nach der Wiedervereinigung fand ich das Ganze "eher doof". Meine kleine West-Uni war überflutet mit Ost-Studenten und es war fast nicht möglich, eine Studien- oder Diplomarbeit zu bekommen. Klar konnte man schön auf den Brocken wandern und sich staunend die marode Industrie und verfallenen Dörfer im Osten anschauen.

    Aus der Not habe ich dann eine Tugend gemacht und Studienarbeit 1 in Frankreich und die Diplomarbeit in England gemacht. Insofern war das am Ende doch wieder gut 🙂


    Jetzt, mehr als 30 Jahre später, möchte ich den östlichen Teil von Deutschland nicht mehr hergeben. Ich habe fast mein halbes Berufsleben in ehemaligen DDR-Betrieben gearbeitet und finde, dass es dort "menschlicher" zugeht. Man kümmert sich trotz allem "Gemotze" und "Gegrummel" auf eine hemdsärmelige Art um seine Kollegen. Das habe ich so in keinem Westbetrieb erlebt. Dort herrschte überall ein Hauen und Stechen und viel "Hire-and-Fire". Aber das ist nur meine ganz persönliche Erfahrung.

    #10Author Hassos Frauchen (270200) 04 Oct 22, 14:13
    Comment

    Für mich hat und hatte Berlin immer eine eher abstrakte Bedeutung und ist auch der 9. November das wichtigere Datum.


    Mein Vater ist in den 1930er Jahren in Berlin aufgewachsen und hat 1940 am Französischen Gymnasium Abitur gemacht. 1968 hat er meinen Bruder und mich nach Berlin mitgenommen, wo er irgend etwas zu tun hatte (wir lebten damals in Brüssel, er war bei der EWG-Kommission); wir waren tagsüber uns selbst überlassen und haben mit ihm unter anderem einen Steinhaufen besichtigt, im ehemaligen Bezirk Tiergarten - das Straßenschild stand noch, unter den Steinen befanden sich vermutlich welche seines Elternhauses. Leider ist er im Sommer 1989 gestorben und hat deshalb die Wiedervereinigung nicht mehr miterlebt, es hätte ihn riesig gefreut.


    Für mich war Berlin immer eine weit entfernte Stadt, interessant, aber nicht mehr als London, Paris, Brüssel, Rio (wo wir Ende der 1960er Jahre gelebt haben), Boston (wo ich in den 1970er Jahren ein Jahr in der Schule war), Genf (wo ich in den 1970er Jahren studiert habe, ebenfalls mit Bezug zu meinem Vater, er hatte das nämlich nach dem Krieg auch) oder Düsseldorf (wo ich lange gelebt habe). Ich war auch seither nur eine Handvoll Male in Berlin, einen irgendwie gearteten verwandtschaftlichen Bezug dazu hatten wir nicht.

    #11Author penguin (236245) 04 Oct 22, 14:53
    Comment

    Für mich ist tatsächlich der 30. September das wichtigste Datum im Zusammenhang mit der Wiedervereinigung. Das war nämlich der Tag, als Genscher auf dem Balkon der Prager Botschaft verkündet hat, dass "heute Ihre Ausreise....." Ich kriege heute noch eine Gänsehaut, wenn ich nur daran denke, weiß noch genau, wie und wo es war, als das im Fernsehen übertragen wurde. Außerdem schaue ich mir immer am 30. September den Ausschnitt nochmal auf Youtube an. Mit Gänsehaut. ;-)


    Selber war ich nie betroffen - aufgewachsen im südöstlichen Bayern, keine Verwandtschaft in der DDR. Ich war und bin froh, dass ich das miterleben durfte, trotz aller Schwierigkeiten, die mit der Wiedervereinigung entstanden sind.


    Vor gar nicht allzu langer Zeit bin ich durch Zufall mit einer deutlich jüngeren Dame ins Gespräch gekommen, die mit eindeutig badischer Färbung spricht. Ebenfalls zufällig kamen wir auf die deutsch-deutsche Geschichte und ich habe von meiner emotionalen Bindung zur Genscher-Rede erzählt. Darauf schaut sie mich an und sagt, dass sie ja dort war. In der Prager Botschaft, als Zweijährige auf den Armen ihrer Eltern. Dieser Austausch war gleichzeitig witzig und surreal - für sie ist die Genscher-Rede eigentlich eher nur ein Kapitel in einem langweiligen Geschichtsbuch....

    #12Author bavarianna (1035365) 04 Oct 22, 16:56
    Comment

    Ich bin zu jung, um da wirklich was mit zu verbinden, denn ich war damals noch in der Grundschule.


    Für mich überraschend war allerdings in meiner USA-Zeit, dass gleichaltrige Amerikaner meinten, sie hätten damals die Fernsehbilder gesehen und emotionale Erinnerungen daran.

    Das hat mich irgendwie beschämt, dass ich als Deutsche (aus dem tiefen Westen) solche Erinnerungen nicht habe. Obwohl ich nur wenig später eine aus dem Osten zugezogene Klassenkameradin hatte, ist es für mich trotzdem nur abstraktes Wissen.

    #13Author Dodolina (379349)  04 Oct 22, 17:23
    Comment

    Ich habe eine amerikanische Bekannte aus Schulzeiten, die am 10. November 1989 zum ersten und einzigen Mal während ihres Germanistikstudiums eine Klausur nicht bestanden hat, weil sie zu aufgewühlt war.


    Allerdings ist sie auch ein spezieller Fall: Sie interessierte sich als Schülerin schon für Deutsch und Deutschland und verbrachte ein Schuljahr in NRW, irgendwann in den Achtzigern. Damals hatte sie eine Brieffreundin in Leipzig, von der irgendwann keine Briefe mehr ankamen. Und als sie erfuhr, dass man ohne Visum für einen Tag zur Leipziger Messe fahren konnte, setzte sie sich in den Zug, rief vom Leipziger Bahnhof aus ihre Freundin an und verbrachte einen wundervollen Tag mit ihr. Sie erfuhr auch, dass die Familie unter Beobachtung stand und wohl deshalb die Briefe abgefangen worden waren. Auf der Rückfahrt wurde sie an der Grenze nach dem Stempel von der Messe gefragt - den hatte sie natürlich nicht. Und sie sprach trotz US-Pass akzentfrei deutsch. Vier Stunden wurde das arme Mädel verhört, das volle Programm, wie man es aus Filmen kennt: Welche Baseball-Mannschaften sie kennt usw. (sie sei doch bestimmt gar keine Amerikanerin!), wer sie angeworben habe ... Schließlich, als sie in Tränen zerflossen war, hatte einer der Grenzer Mitleid mit der Sechzehnjährigen, die später die erste Professur für Sächsisch in den USA innehatte.

    #14Author Raudona (255425) 04 Oct 22, 17:35
    Comment

    Freunde von uns sind am 9. November 1989 morgens ganz legal zwei Jahre nach ihrer Antragstellung in den Westen ausgereist (wir haben sie erst 1990 im Westen kennengelernt). Heute leben sie wieder in ihrer damaligen Heimatstadt.

    #15Author penguin (236245) 04 Oct 22, 18:05
    Comment

    Ich war 1986 oder 87 für ein langes Wochenende in Leipzig (ein Besuch, den die Kirche organsiert hatte) und habe später erfahren, dass die beiden Töchter der Familie*, die uns so nett aufgenommen hatte, im Sommer 89 über Ungarn nach Deutschland geflohen sind, mit nicht mehr als einem Rucksack voll Besitz, wie man eben nur das Nötigste mitnimmt, wenn man flieht. Ich habe oft daran gedacht, wie viel einfacher ihr neues Leben gewesen wäre, wenn sie nur ein halbes Jahr gewartet hätten. Aber das konnte ja niemand vorhersehen.


    *Das waren allerdings völlig Fremde für mich, und wir sind auch nicht im Kontakt geblieben. Der kurze Besuch hat also eigentlich nichts an dem geändert, was ich oben geschrieben habe.

    #16Author Gibson (418762)  04 Oct 22, 18:14
    Comment

    im Sommer 89 über Ungarn nach Deutschland geflohen sind


    Interessante Wortwahl! (-;

    #17Author harambee (91833) 04 Oct 22, 19:41
    Comment

    Das war die Wortwahl von 1986. Da war die BRD "Deutschland" und die DDR die "DDR" ;-) Kein Mensch, den ich kannte, hätte bei "Deutschland" an Ostdeutschland gedacht.

    #18Author Gibson (418762) 04 Oct 22, 19:47
    Comment

    Kein Mensch, den ich kannte, hätte bei "Deutschland" an Ostdeutschland gedacht.


    Interessant. Ich lebte zu der Zeit in Braunschweig, also deutlich näher an der DDR als Du. Da hatte Deutschland beide Bedeutungen, war also einerseits schon ein Synonym für die Bundesrepublik Deutschland, bezog aber andererseits in vielen Kontexten auch die DDR mit ein.

    #19Author harambee (91833) 04 Oct 22, 20:39
    Comment

    Re: Terminologie (#'16-19)


    Das war die Wortwahl von 1986. Da war die BRD "Deutschland" und die DDR die "DDR" ;-)

    Ich sehe das etwas anders. Wir Westler/innen (incl. W-Berlin) hätten wahrscheinlich eher von der Bundesrepublik (Deutschland) gesprochen (sowie von der DDR). Die Ostler/innen nannten die beiden deutschen Staaten BRD und DDR (habe sehr viele Verwandte in der DDR gehabt und mit meinen Eltern ab 1973 regelmäßig dort besucht).


    Da hatte Deutschland beide Bedeutungen, war also einerseits schon ein Synonym für die Bundesrepublik Deutschland, bezog aber andererseits in vielen Kontexten auch die DDR mit ein.

    Dem stimme ich zu.


    Zu #1, 9

    Bezüglich eurer Schreibweise 'Westberlin': I beg to differ.


    Die West-Berliner/innen haben größten Wert darauf gelegt, gerade nicht in Westberlin zu wohnen, denn das war der Begriff, den die Regierung der DDR unserer Stadt zugedacht hatte. Ostberlin war auch DDR-Schreibweise, während die offiziellen Stellen der Bundesrepublik Ost-Berlin schrieben.

    #20Author karla13 (1364913) 04 Oct 22, 21:01
    Comment

    Re Terminologie: Ich konnte mich erinnern, dass eine der beiden Schreibweisen (West-Berlin, Westberlin) verpönt war, wusste aber nicht mehr, welche ... Danke fürs Erinnern!


    Aber ich erinnere mich gut, dass im Westen tatsächlich "Deutschland" für die BRD stand (das wiederum war eine "sozialistische Abkürzung", die wir z.B. in der Schule tunlichst zu unterlassen hatten) - besonders auffällig bei internationalen Sportwettkämpfen, bei denen dann "Deutschland gegen die DDR" spielte. Die DDR wiederum wurde von vielen älteren Westdeutschen bis in die Achtziger hinein "Ostzone" genannt. (Ich glaube, die Bild-Zeitung hat das bis zum Schluss so gehalten.)


    Für Kinder im Westen war "DDR" auch ein Fernsehsender, der allerdings nur Schwarzweiß zeigte (wegen SECAM, während West-Fernseher nur PAL konnten). Wir hatten damals das Erste, das Zweite, das Dritte und DDR, Letzteres mit dem schönsten Sandmännchen.

    #21Author Raudona (255425) 04 Oct 22, 21:28
    Comment

    #21

    Letzteres mit dem schönsten Sandmännchen.


    Und --man glaubt es kaum-- besonders Sa abends guten und anspruchvollen Nouvelle-Vague-Filmen (mit einigen Sex-Szenen, die für uns nur verschämt aufgeklärte Schwestern direkt allgemeinbildend waren). Wir hatten DFF 1 und DFF 2, letzeres mit dem anspruchsvolleren Programm. Da liefen auch viele großartige tschechische Kinderfilme. UND: Eine Sendung zum Englischlernen (English for you, wenn ich mich nicht irre. Die ältere Lehrerin, bestimmt eine Miss, trug eine schwarze (s/w-TV), tropfenförmige Briille und war ca. 50).

    (An was für einen Scheiß man sich noch erinnert...)


    Nee, 'Ostzone' haben "wir" nicht gesagt, das war -glaube ich- zu nah für die Berliner/innen.


    Edit: Ich lach mich schlapp, hier ist "E 4 u", Folge 50: Karl Marx in London.

    #22Author karla13 (1364913)  04 Oct 22, 22:03
    Comment

    karla, ich meinte wirklich spezifisch "niemand, den ich kannte" - die waren halt auch alle aus meiner Gegend. Und du kannst "nicht anders sehen", was ich für Erfahrungen gemacht habe ;-) Ich habe mich extra nicht auf ganz Deutschland bezogen, eben weil die Wahrnehmung so sehr unterschiedlich war.

    #23Author Gibson (418762) 04 Oct 22, 22:42
    Comment

    #23


    Und du kannst "nicht anders sehen", was ich für Erfahrungen gemacht habe 😉

    DAS STIMMT! 'Tschuldigung. 🙃


    #24Author karla13 (1364913)  04 Oct 22, 22:52
    Comment

    Für Kinder im Westen war "DDR" auch ein Fernsehsender, der allerdings nur Schwarzweiß zeigte (wegen SECAM, während West-Fernseher nur PAL konnten).


    Es war durchaus möglich, einen Westfernseher so aufzurüsten, dass er auch DDR-Sender in Farbe zeigte. Ich weiß das deswegen so sicher, weil ich zu der Zeit in einem Studentenwohnheim in Braunschweig wohnte und unsere Etage irgendwann für den Gemeinschaftsraum einen Fernseher kaufen wollte. Um den Fernseher zu finanzieren, haben wir eine Veranstaltung organisiert, wo wir was auch immer verkauft haben (Geträke, Crepes, Waffeln, ...). Die spannende Frage war dann, ob unsere Einnahmen reichen würden, um einen Fernseher zu kaufen, der auch "DDR in Farbe" hatte. Das Geld hat dann gerade so gereicht.

    #25Author harambee (91833) 04 Oct 22, 23:15
    Comment

    Für Kinder im Westen war "DDR" auch ein Fernsehsender, der allerdings nur Schwarzweiß zeigte


    Vielleicht für Kinder im Osten des Westens. Im Westen konnten wir zwar prima niederländisches Fernsehen sehen, aber ganz sicher nichts aus der DDR. Ich hatte da wirklich keinerlei Berührungspunkte.


    Und mir geht es wie Gibson, ich bin in Deutschland großgeworden,und daneben gab es die DDR. Wie gesagt, für mich war das Ausland und nicht weniger fremd als andere Länder, die ich als Kind nicht bereist habe. Und dass es einen Unterschied gemacht hätte, ob diese Stadt, die da mittendrin lag und irgendwie „zu uns gehörte“, nun Westberlin oder West-Berlin geschrieben wurde, lese ich heute zum ersten Mal.

    #26Author Dragon (238202) 05 Oct 22, 03:43
    Comment

    Wir hatten eine Menge Verwandtschaft in „der Ostzone“, wie die DDR in meiner Familie genannt wurde. In Kirchberg im Erzgebirge, Dresden und Arnstadt. Zu Weihnachten und Geburtstag kamen Pakete mit schauderhaftem Inhalt. Grellbuntes Plastikspielzeuggedöns in maximal Ü-Ei-Qualität, fürchterlich dämliche Bücher mit Märchen oder Kurzgeschichten und potthässliche Pullis. Ich musste dann Dankesbriefe an Leute schreiben, die mir völlig unbekannt waren und jedes einzelne Teil musste explizit erwähnt werden, damit die „Tante in der Ostzone“ sicher sein konnte, dass alles angekommen war. Umgekehrt wurden große Pakete mit Kaffee und Schokolade gepackt und in meiner kindlichen Vorstellung war die Ostzone vergleichbar mit den Gebieten Afrikas aus denen man die Berichterstattung von den Kindern mit den Hungerbäuchen mitbekam.

    ´89 war ich ein Teenager und plötzlich hieß es: die Grenze ist offen, die dürfen jetzt reisen! Zwei Tage später bin ich zu meiner besten Freundin gezogen, weil wir 12 (!) unangekündigte Hausgäste im Alter zwischen 45 und 65 hatten. Fast die komplette Sippschaft hatte sich umgehend auf den Weg gemacht und stand urplötzlich auf unserer Fußmatte. Die waren altmodisch angezogen, hatten lächerliche Autos, verwechselten Kartoffeln mit Brötchen und redeten bescheuert (sächsisch). So kam es mir mit 14 vor. Und mit denen sollte ich jetzt auf Kommando Familie spielen??!! Nix wie weg…. Insofern hat mich die Wiedervereinigung oder die „Wende“ wie es bei uns hieß eher traumatisiert als erfreut.

    Ich kam mir dermaßen überrannt vor und war darum so sehr mit mir selber beschäftigt, dass mir erst Wochen oder gar Monate später klar wurde, was dieses deutsche Ereignis geschichtlich und politisch für eine weltweite Bedeutung hatte. Da kamen nämlich Neue in die Klasse, die „Jenny“ „Ronny“ oder „Rico“ (sprich: „Riggö“) hießen und mir dämmerte, dass noch mehr Familien von „der Wende“ direkt betroffen waren.

    Aus heutiger Sicht weiß ich natürlich, wie ignorant das alles von mir war. Aber als Kind die DDR und als 14-jährige dann den Mauerfall hab ich es nun mal genau so erlebt.

    #27Author Toffifeenstaub (925533) 05 Oct 22, 09:43
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    #2 @skye


    Werbung sei Dank, war mein Bild vom Westen irgendwie ein anderes.


    Das fiel mir bei meinen Ostverwandten während unserer häufigen Besuche in der DDR auch öfters auf: Die Vorstellung, im Westen wäre alles besser, bunter, moderner...


    Bevor wir zu Besuch kamen, fragten meine Eltern immer, was wir mitbringen könnten. Da wurden dann Kaffee- und Schokoladensorten, Waschmittel-, Zahnpasta-, Shampoomarken etc. genannt und extra für die Verwandten gekaufr, die wir auch nur aus der Werbung kannten. Bei uns zu Hause gabs keine JACOBS Krönung, sondern irgendetwas Preisgünstigeres.


    Als Gegengeschenk bekamen wir wirklich wunderschöne Räuchermännchen, Selbstgehäkeltes, Weiihnachtspyramiden, Bücher und vor allem:: Mohnstollen... hmmm... Allerdings hatten wir nach den jahrelangen Besuchen gefühlt 20 Pyramiden zu Hause -- ideale Staubfänger.


    Für mich waren die Besuche besonders aus kulinarischer Sicht Highlight und Neuland: Ich als West-Berliner Kind mit berufstätiger Mutter kannte aus den Sechziger/Siebzigern fast nur TK-Produkte; Kartoffelbrei zum Anrühren, Konserven, Schnittbrot aus der Tüte, Kuchen mit Fertigboden und Büchsenobst und andere Köstlichkeiten. Das Kochen musste halt schnell gehen und satt machen.


    Bei unseren Verwandten gabs dagegen: frisches Brot mit schmackhafter grober Leberwurst vom Fleischer, Gemüse und Obst von der Datsche, alles war frisch gekocht und äußerst lecker. In der DDR habe ich zum ersten Mal selbstgemachte Klöße gegessen. War das ein Unterschied zu den Fertigklößen aus dem westdeutschen Kochbeutel!


    Unsere Verwandten haben sich auch immer viel Mühe gegeben, uns ihre Wohnorte zu zeigen und alles zu erklären. Es war stets friedlich, freundlich und von gegenseitigem Interesse und Respekt geprägt. Ich war häufiger in Dresden, Leipzig, Ost-Berlin, dem Erzgebirge (Olbernhau), im Spreewald und irgendwo an der Ostsee.


    Bloß der Antritt am ersten Besuchstag bei der VoPo war immer ein bisschen gruselig. Beide Seiten mussten den Besuch ja beantragen, und wir mussten dann alle vor Ort die 25 DM Zwangsumtausch bezahlen. (Keine Ahnung, ob das für vier Personen dann 100 DM waren? Vielleicht waren Kinder ausgenommen?)

    #28Author karla13 (1364913) 05 Oct 22, 10:27
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    Das sagt wikipedia dazu:


    Einführung 1964

    Am 25. November 1964 teilte die Regierung der DDR mit, dass man mit Wirkung des 1. Dezembers 1964 einen Mindestumtausch einführen werde. Westdeutsche mussten 5,00 DM, West-Berliner 3,00 DM pro Besuchstag umtauschen, Rentner und Kinder waren vom Mindestumtausch ausgenommen. Am 1. Dezember trat die Regelung in Kraft.

    Änderungen 1973 und 1974

    Ab dem 15. November 1973 machen die neuen Regelungen keinen Unterschied mehr zwischen Westdeutschen und West-Berlinern. Die Regelungen galten nunmehr für Bürger kapitalistischer Staaten einheitlich. Allerdings wurde jetzt hinsichtlich des Reiseziels unterschieden. Die Umtauschsätze betrugen fortan für das Gebiet der DDR 20,00 DM, für Reisen nach Ost-Berlin 10,00 DM. Kinder und Rentner waren von dieser Regelung nicht mehr ausgenommen.


    Ab dem 15. November 1974 wurden die Sätze wieder gesenkt. Jetzt musste für den Aufenthalt in der DDR 13,00 DM, für eine Reise nach Ost-Berlin 6,50 DM pro Tag und pro Person gewechselt werden. Vom 20. Dezember an waren Personen unter 14 Jahren und Rentner vom Mindestumtausch wieder ausgenommen.


    Die DDR kündigte am 9. Oktober 1980 eine zum 13. Oktober in Kraft tretende Änderung an. Demnach mussten nun 25,00 DM pro Person und Tag umgetauscht werden, zwischen den Reisezielen (DDR bzw. Ost-Berlin) wurde nicht mehr unterschieden, auch Rentner mussten den vollen Satz wieder tauschen. Für Personen unter 15 Jahren musste fortan ein ermäßigter Satz in Höhe von 7,50 DM gewechselt werden, Kinder unter sechs Jahren waren weiterhin vom Mindestumtausch befreit.

    Ab dem 15. September 1983 waren nun wieder Kinder unter 14 Jahren von den Regelungen ausgenommen.

    Der Umtauschsatz für Rentner wurde zum 1. August 1984 auf 15,00 DM gesenkt.

    Im Rahmen der Wende in der DDR (erstmals war es mit der Maueröffnung am 9. November 1989 für DDR-Bürger einfacher als für Bundesbürger in den jeweils anderen Teil Deutschlands zu reisen) wurden zum 24. Dezember die Mindestumtauschregelungen auf Anordnung der DDR-Finanzministerin Uta Nickel außer Kraft gesetzt.

    #29Author drkimble (463961) 05 Oct 22, 10:37
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    #29


    Das ist ja interessant, danke @drkimble.


    Klingt total kompliziert. Ich kann mich nur an die 25 DM erinnern, aber jetzt, wo du es "sagst": Die waren für einen Eintagesbesuch in Ost-Berlin zu zahlen. Grenzübergang Friedrichstraße, ja, das war auch irgendwie unheimlich als Jugendliche, als ich mich mit meiner Dresdner Halbcousine in Ost-Berlin traf...

    #30Author karla13 (1364913) 05 Oct 22, 10:42
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    Ich kann mich noch an einen mehrtägigen Besuch meiner Eltern in Nordhausen erinnern, wo sie das Umtauschgeld dann vor der Ausreise in jede Menge Gedöns verbraten haben, ich kann mich noch an einen Jahresvorrat an Schulheften erinnern, mit schwerem holzigen Papier und für die Sprache Russisch und ein Plastikbausatz des Fernsehturms in der Hauptstadt der DDR, wo nix so richtig zusammenpasste..

    #31Author drkimble (463961) 05 Oct 22, 10:57
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    #31


    Jaa, das war wirklich etwas schwierig, die Geldmenge umzusetzen.

    In Schreibwarengeschäften (bzw. der entsprechenden Kaufhausabteilung) wurde mein Vater immer fündig, wir hatten anschließend auch gigantische Vorräte davon zu Hause.


    Klassikschallplatten waren gut; Bücher auch (ich habe noch viel von Gogol, Gontscharow und Dostojewski aus DDR-Verlagen). In Ost-Berlin waren wir auch immer im "Gastmahl des Meeres" essen, spottbillig für Westverhältnisse; gute, deutsche Hausmannskost und immer mit Warten und Tischplatzierung verbunden. Anschließend wurde das Restgeld in irgendeiner Milchbar am Alex in Vanilleeis umgesetzt, auch sehr lecker.

    #32Author karla13 (1364913)  05 Oct 22, 11:10
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    Re #8 @B.L.Z. Bubb


    Mir hats halt nach insgesamt 47 Jahren Berlin gereicht...


    Aber klar liebe ich Berlin heiß und innig -- mit allen seinen Macken und Erschwernissen.

    In Europa fallen mir aber noch andere Städte als London und Manchester (kenne ich leider nicht) ein: Lissabon, Faro, Porto, Valencia, Granada, Marseille, Stockholm, Kopenhagen, Ljubljana... huch -- ich schweife ab...


    Radfahren z.B. war in Berlin auch nicht immer die große Freude.

    #33Author karla13 (1364913)  05 Oct 22, 11:42
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    Bevor wir zu Besuch kamen, fragten meine Eltern immer, was wir mitbringen könnten. Da wurden dann Kaffee- und Schokoladensorten, Waschmittel-, Zahnpasta-, Shampoomarken etc. genannt und extra für die Verwandten gekaufr, die wir auch nur aus der Werbung kannten. Bei uns zu Hause gabs keine JACOBS Krönung, sondern irgendetwas Preisgünstigeres.


    My husband, who grew up in the GDR and was 19 when the Wall fell, experienced such gifts from the other side. His family had relatives in the West (in the Black Forest, I believe), and they received packages from there. They appreciated and enjoyed what was in them. It wasn't until after the Wall fell that he and his family realized that they had been receiving and enjoying not the “JAKOBS” versions of the various products, but the cheaper versions that were for sale in the West.

    #34Author hbberlin (420040)  05 Oct 22, 12:02
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    Re #34


    ... that he and his family realized that they had been receiving and enjoying not the “JAKOBS” versions of the various products, but the cheaper versions that were for sale in the West.

    Da hatten es unsere Verwandten definitiv besser als die deines Mannes. 😉

    Aber im Endeffekt ist ja sowieso überall "das Gleiche" drin gewesen. Nur die Verpackungen waren unterschiedlich und die Preise natürlich.


    (Woran ich mich noch erinnere:

    Das Bad unserer Dresdner Verwandten war dekoriert mit (wie ich verwundert feststellte) LEEREN Waschmittelpackungen, Shampooflaschen, Deosprays etc., also Toilettenartikeln aus dem Westen, nämlich unseren inzwischen verbrauchten Geschenken.

    Ich habe mir das als Jugendliche damals so erklärt, dass das wahrscheinlich für Ostbesucher/innen arrangiert war, um zu zeigen: Wir haben auch was ausm Westen. (Ich habe mich aber nie getraut nachzufragen.)

    #35Author karla13 (1364913) 05 Oct 22, 12:19
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    Bevor wir zu Besuch kamen, fragten meine Eltern immer, was wir mitbringen könnten. Da wurden dann Kaffee- und Schokoladensorten, Waschmittel-, Zahnpasta-, Shampoomarken etc. genannt und extra für die Verwandten gekaufr, die wir auch nur aus der Werbung kannten. Bei uns zu Hause gabs keine JACOBS Krönung, sondern irgendetwas Preisgünstigeres.


    So ähnlich kannte ich das von den Päckchen "nach drüben" ... wir bekamen aber auch immer Päckchen "von drüben" ... da waren dann so Spezialitäten drin wie Haloren-Kugeln ... das ist aber auch das Einzige, an das ich mich wirklich noch konkret erinnern kann, neben den unumgänglichen Dresdner Stollen und Erzgebirgsschnitzereien zu Weihnachten ...

    #36Author no me bré (700807) 05 Oct 22, 12:24
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    Re #27 @Tofifeenstaub


    ...verwechselten Kartoffeln mit Brötchen...

    Wieso das denn? In der DDR gabs doch auch Brötchen und Kartoffeln?? 😉

    Bitte um Aufklärung.

    #37Author karla13 (1364913) 05 Oct 22, 12:26
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    Die Brötchen in der DDR waren wohl kleiner als im Westen und zudem oval statt rund und ohne "Muster" wie bei Stern- oder Kaisersemmeln. Die Kartoffeln wurden "drüben" als Schüttgut direkt vom Feld verkauft, waren also furchtbar dreckig.

    Und als der besagte Onkel die blitzsauberen Supermarktkartoffeln, die meine Mutter aus der Tüte in eine Schüssel gefüllt hatte, erblickte, hat er gesagt (ich zitiere): "Nu gügg. Von weeschn im Westn is alles bessor. De Breetschn sinn jo gleenor wie bei uns derheem." Und meine Mutter sagte: "Das sind Kartoffeln." "Was? Gardoffln sinn des? Wieso sin´n die nä drecksch?"

    #38Author Toffifeenstaub (925533) 05 Oct 22, 12:39
    Comment

    Ich stell grad fest, dass sich meine Posts lesen, als würde ich vor Vorurteilen nur so triefen. Was ich hier geschildert habe, sind meine Wahrnehmungen und Empfindungen als Kind und Jugendliche.

    Heute sehe ich das alles natürlich anders und würde mich auch nicht mehr derart flapsig ausdrücken.

    Ich bitte aufrichtig um Verzeihung, sollte sich Jemand gekränkt fühlen.

    #39Author Toffifeenstaub (925533) 05 Oct 22, 13:03
    Comment

    #38


    Und als der besagte Onkel die blitzsauberen Supermarktkartoffeln, die meine Mutter aus der Tüte in eine Schüssel gefüllt hatte, erblickte, hat er gesagt (ich zitiere): "Nu gügg. Von weeschn im Westn is alles bessor. De Breetschn sinn jo gleenor wie bei uns derheem." Und meine Mutter sagte: "Das sind Kartoffeln." "Was? Gardoffln sinn des? Wieso sin´n die nä drecksch?"


    🤣🤣


    Die Brötchen in der DDR waren wohl kleiner als im Westen und zudem oval statt rund und ohne "Muster" wie bei Stern- oder Kaisersemmeln.

    Die Ostschrippen (bitteschön!) galten ab Mitte der Neunziger im vereinigten Berlin als der Renner. Es gab Bäckereien im Ostteil der Stadt, vor denen sich morgens lange Schlangen von Leuten bildeten, die auf diese kleineren, festeren und schmackhafteren Schrippen schworen.


    Zugegebenermaßen konnten unsere aufgeblasenen Industrie-Teigfluffis da nicht mithalten.


    ...ohne "Muster" wie bei Stern- oder Kaisersemmeln.

    Sternsemmeln? Watt solln ditt sein? (kleiner Scherz) 😉



    Edit zu #39:

    Also ich fand deine #27 interessant, wirklich. War halt deine eigene Wahrnehmung damals.

    Ich hatte auch nicht nur positive Erfahrungen, Eindrücke und Erlebnisse, und Vorurteile sowieso.

    Manche haben sich sogar bestätigt, kicher.

    #40Author karla13 (1364913)  05 Oct 22, 13:04
    Comment

    Ich komme auch tief aus dem Westen, allerdings von da, wo es nicht ganz so staubig ist (also nicht Grönemeyer-Town und Umgebung). Wir hatten auch keine Verwandtschaft im Osten, der Osten war "weit weg". Meine Eltern nannte die DDR übrigens nur "Zone" ohne "Ost" davor.

    Meine einzige Berührung mit der DDR war 1986 die Klassenfahrt nach Berlin, wo wir mit dem Zug hingereist sind (und somit durch die DDR gefahren sind). Ebenfalls stand ein Tag Ostberlin auf dem Programm.

    Den Mauerfall fand ich trotzdem irgendwie cool (da war ich 19), wir haben auch damals im Freundeskreis eine Wiedervereinigungsparty gefeiert. Im Jahr nach der Wende bin ich mit meinem damaligen Freund nach Brandenburg gefahren (er hatte dort Verwandte).

    Dort bin ich auch zum ersten Mal in meinem Leben selbst Trabbi gefahren. Danach habe ich alle Menschen bewundert, die sich mit diesem Gefährt auf Autobahnen trauen.


    #41Author edoardo_1_4 (1297108) 05 Oct 22, 13:33
    Comment

    Toffi, ich finde deine Erinnerungen und geschilderten Empfindungen für einen pubertierenden Teenager gar nicht so ungewöhnlich.

    In deiner Altersklasse haben das vermutlich viele so empfunden, die Ost-Verwandtschaft hatten und dann mit Besuchseinquartierung von völlig fremden Menschen konfrontiert wurden.


    In dem Alter denkt man da einfach nicht so reflektiert nach und kann das auch kaum nachvollziehen, was das für die Menschen dort bedeutet.

    #42Author Dodolina (379349) 05 Oct 22, 13:45
    Comment

    Jei. Da war der ganze Beitrag plötzlich weg.


    Dann nur ganz kurz: Meine Erfahrungen decken sich weitgehend mit Toffifees, was die Verwandtschaft aus der Zone, die Pakete und die Besuche nach dem Mauerfall angeht.


    Nach dem Mauerfall bin ich nicht in die neuen Bundesländer gefahren. Ich bin auch nicht in die Eifel oder an die untere Weser oder in den Schwarzwald gefahren. Das hat also nichts mit Ressentiments, sondern einfach damit zu tun, dass ich nicht so der große Urlauber bin und meist irgendwo hinfahr, wenn ich dort etwas zu tun habe ... und dann vielleicht noch ein paar Tage länger bleibe. Mittlerweile war ich an der Oder (dienstlich), in Dresden und Chemnitz (u.a. Ahnenforschung), mehrmals in Halle, Merseburg und Naumburg (dienstlich), in Schwerin und Plau (etwas abholen), in Stralsund (Kollegen besuchen), in Leipzig und Waldenburg (Ahnenforschung). Halle mag ich besonders gern - dabei hatte Halle, bevor ich das erste Mal hingefahren bin, überhaupt nichts Verlockendes.

    #43Author Selima (107)  05 Oct 22, 13:46
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    Eben erst diesen Faden entdeckt, und was karla im OP schreibt, kann ich so voll und ganz bestätigen - einschliesslich der "Alltäglichkeit" der Mauer und der Euphorie, als sie dann fiel.

    Ich bin zwar nicht in Berlin geboren, aber Mitte der 60er in den (fast) äussersten Norden der Stadt gezogen... Wir Gymi-Schüler trafen uns oft abends auf dem damals stillgelegten Bahndamm der Linie nach Oranienburg, um im Westen (! mit Blick nach "Ostdeutschland"*) den Sonnenuntergang zu beobachten.


    Wichtigste "Lektüre" unserer Verwandten in Ostberlin (meine Mutter hatte Onkel, Tante und Cousine dort) war der Quelle-Katalog. Da konnte man sich dann die nächsten Mitbringsel aussuchen (die Wünsche waren immer bescheiden, aber abgesehen von Kaffee etc. durchaus Herzenswünsche).



    *(Es gab drei Orte auf der Welt, von denen aus man, egal aus welchem Fenster man schaute, nach Norden bzw. Süden bzw. Osten guckte...😉)


    #44Author virus (343741) 05 Oct 22, 13:59
    Comment

    #28 @karla


    Ja, ich glaub schon, dass dieses „falsche“ Bild vom Westen in vielen Köpfen steckte, es aber teils auch von dieser Seite so rüberkam. Meine Mutter durfte Anfang der 80er ein paar Tage in den Westen reisen, zusammen mit ihren anderen Geschwistern, weil ihr Bruder (der einzige von den Geschwistern, der im Westen lebte). Sie wurde dort von einem Großonkel oder so (Bruder oder so von meinem Opa, so in die Richtung) begrüßt mit den Worten „na, nun seid ihr im Land, wo Milch und Honig fließen“. *augenroll*


    In unseren Westpaketen von besagtem Onkel steckten meist Süßigkeiten und Kaffee vom Aldi - oder Markensachen wie Sarotti und Ritter Rum, die‘s da auch gab. Er hatte ja Familie zu versorgen und keinen so hochbezahlten Job - und eine Handvoll Geschwister, die mal bedacht werden wollten.

    Wir haben uns dafür oft die Hacken abgerannt, um bestimmte Sachen zu kriegen, die dann gen Westen gingen: Holzlöffel, Korbwaren, Damastbettwäsche, Waffeleisen… Ich gab erst nach der Wende begriffen, dass es die Sachen im Westen alle gab - sicher ohne anzustehen, hinterherzurennen oder Beziehungen - aber die Verwandtschaft eben kein Geld dafür ausgeben wollte.


    Abgezählte Frühstücksbrötchen kannte ich bis zu einem Besuch bei einer Cousine meiner Mutter Anfang 1990 (in Norddeutschland) auch nicht. Das war aber sicher keine Westmarotte an sich, sondern eher eine des Hausherrn. Hoffe ich zumindest mal. :)

    #45Author skye (236351) 05 Oct 22, 14:03
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    Ergänzung: Irgendwo anders hatte ich schon mal berichtet, dass wir (ein Freund und ich, wir waren in unseren 20ern) mal einer Freundin in Ostberlin quasi bei der Ausreise geholfen haben. Sie war eine Scheinehe (für den Familienzuzug) mit einem entfernten Cousin aus der Schweiz eingegangen, und wir waren zur Hochzeits"feier" da. Der arme Bräutigam musste um Mitternacht wieder rüber nach Westberlin, wir als Berliner durften bis 2 Uhr morgens bleiben...


    Edit Zwangsumtausch: Wir gaben das Geld dann für Fachbücher (Chemie, Physik etc.) aus...

    #46Author virus (343741)  05 Oct 22, 14:08
    Comment

    Als wir auf Klassenfahrt in Ostberlin waren, wollten wir auch den Zwangsumtausch in Bücher umsetzen. Der Buchhändler hat uns die Bücher (irgendwelche Klassiker) nicht verkauft. Die seien für DDR-Bürger vorgesehen. Wir sollten unsere Bücher im Westen kaufen.

    #47Author Selima (107)  05 Oct 22, 14:30
    Comment

    Krass! (Ich meine mich allerdings zu erinnern, wir haben immer bei Verwandten / Freunden "vorbestellt".)

    #48Author virus (343741) 05 Oct 22, 19:05
    Comment

    @ll FYI:


    Ich habe für alle, die es interessiert, in diesem Faden vier Folgen des Englischsprachkurses 'English for you' verlinkt (aus dem DDR-Fernsehen, ca. 1978).


    Wenn ihr Zeit und Muße habt, solltet ihr euch unbedingt wenigstens eine der 20-minütigen Folgen anschauen -- handwerklich hervorragend gemacht, zeitgeschichtlich interessant, total entschleunigt, lehr- und absolut unterhaltsam, dazu mit hervorragenden Schauspieler/innen besetzt -- es lohnt sich.

    #49Author karla13 (1364913) 05 Oct 22, 22:00
    Comment

    Auch ich bin Mitte der Sechziger (OP) geboren, allerdings in der tiefsten bayrischen Provinz. Mir haben Mauerfall und Wiedervereinigung die ganze Lebensplanung versaut.


    Natürlich habe ich mitgefiebert (Prag) und mich (ungläubig) gewaltig gefreut (Mauerfall). Auch wenn mich das zunehmend taumelige Wiedervereinigungstempo befremdet hat, hat mich das der Moment des 3.10. (Feuerwerk und [dissonante] Hymne [Kohl, Brandt, Weizsäcker, Genscher etc.]) tief bewegt.


    Und doch hat sich damit mein sehnlichster Traum zerschlagen: Berliner zu werden. Vor 1989 war ich ständig (=bei jeder Gelegenheit) in Berlin (W+O) und wusste, dass ich nach Abi und bundesdeutscher Dienstverpflichtung in Westberlin studieren & mehr wollte. In einer grauen, schrägen Stadt mit Mauer, nach meinem Geschmack. Die Option, mich ersatzweise für min. anderthalb Jahrzehnte in der (wg. Viermächtestatus) Wehrpflichtoase Berlin einzubunkern, war mir zu klaustrophobisch gewesen. Daher hatte ich widerwillig zunächst in einer bayrischen Großstadt meinen Zivildienst abgeschrubbt - und wegen einer Frau dort auch noch 2 Semester studiert. Aber der gemeinsame Wechsel nach Berlin nach dem Grundstudium war beschlossen und vorbereitet. Bis 1989ff. plötzlich jeder Depp, sämtliche Spekulanten und die große Politik die plötzlich boomende Stadt fluteten: keine Mauer mehr, sondern bald Hauptstadt mit herausgeputztem Reichstag etc. Ja, das war immer noch eine faszinierende Stadt, aber nicht mehr das Mauerblümchen, in das ich mich (mit Bowie, Iggy Pop et al.) verliebt hatte. Der Mauerfall hat mir leider Berlin verleidet. Ersatzweise bin ich aus Bayern ersatzweise in einen grauen Teil der großen britische Insel geflüchtet (habe mittlerweile aber auch da den Rückzug angetreten;-)


    Edith möchte noch anmerken, dass ich das Ende der SED-Diktatur für die (auch persönlich gut bekannten) geschundenen "Ossis" natürlich euphorisch bejubelt (und das Land - nun frei) ausführlich bereist habe. Aber das Nachkriegsberlin war mir trotzdem entfleucht... ;-)

    #50Author Achim Almschreck (1359109)  05 Oct 22, 22:58
    Comment
    Danke für eure interessanten Erinnerungen. Ich verfolge den Faden mit großem Interesse.

    Als Österreicherin ohne Verwandte in der DDR habe ich die Auswirkungen nicht unmittelbar gespürt.

    Ich weiß noch heute, dass ich am Tag des Mauerfalls vor dem Fernseher gebügelt habe und von den Bildern unglaublich berührt war. Ich konnte kaum glauben, dass sich die Prophezeiung meines Mannes so rasch erfüllt hatte. Wir waren damals knapp 30 und er hatte immer behauptet, dass wir den Mauerfall noch erleben würden. Ich hätte meinen Kopf dagegen gewettet.
    #51Author senseless.at (777729) 05 Oct 22, 23:38
    Comment

    Re #50


    Es ist wirklich spannend und interessant zu lesen, wie unterschiedlich doch die individuellen Wege der Einzelnen durch den Mauerfall komplett verändert oder nur "wenig tangiert" wurden.


    In deinem Fall war das ja wirklich sehr (negativ) einschneidend; schade, dass du deinen Vorsatz nicht (mehr) umsetzen konntest.


    Ja, das war immer noch eine faszinierende Stadt, aber nicht mehr das Mauerblümchen, in das ich mich (mit Bowie, Iggy Pop et al.) verliebt hatte.


    Ich habe Mitte Januar 2016 an einem eisigen Berliner Wintertag stundenlang an den Hansa-Studios (Bowies Tonstudio in seiner Berliner Zeit 1976-78) angestanden, um ins dort ausliegende Kondolenzbuch Abschiedsgrüße zu schreiben. Abends sind wir dann im Freundeskreis in die Schöneberger Hauptstr. 155 geradelt, um dort, vor Bowies ehemaligem Wohnhaus, Blumen abzulegen und Kerzen anzuzünden. Es war eine sehr spezielle Stimmung dort, traurig und zugleich irgendwie heiter.


    Und der von Christo 1995 für 14 Tage verpackte Reichstag war auch wunderschön, die Stimmung dort einmalig und völkerverbindend-friedlich. Ach, so viele Erinnerungen...


    Edit zu #51:

    Ich hätte meinen Kopf dagegen gewettet.

    Gut, dass du es nicht getan hast, sonst wärst du jetzt headless statt senseless... (SCNR) 😉


    #52Author karla13 (1364913)  05 Oct 22, 23:44
    Comment

    Mit Berlin ging es mir ähnlich wie #50. In den späten 80ern war ich vergleichsweise häufig in Berlin. Es war eine ganz besondere Stadt. Nach dem Mauerfall hat es 10 Jahre gedauert, bis ich wieder hinkam, allerdings vor allem, weil das Leben mich nicht eher lassen hat. Als ich dann wieder dort war, war das nicht mehr die Stadt, die ich so gemocht hatte. Richtig schockiert war ich, als ich auf dem Weg in ein Archiv eine Straße entlang ging und vor einem Haus stand, in dem wir bei meinem letzten Besuch übernachteten (es stand leer und konnte einfach bewohnt werden). Vor der Tür war damals direkt die Mauer. Davon war nichts mehr zu sehen, also gar nichts, nicht einmal ein Streifen auf der Straße oder ein Schild oder irgendwas. Als wär sie nie dagewesen. Ich war fassungslos.


    Als der Mauerfall im Fernsehen kam, habe ich übrigens auch gebügelt.

    #53Author Selima (107) 06 Oct 22, 06:14
    Comment

    Gut, dass du es nicht getan hast, sonst wärst du jetzt headless statt senseless... (SCNR)


    Und wir hätten hier nearly a headless nick(name). (Konnte ebenfalls nicht widerstehen)


    Ich selbst habe den Mauerfall tief im Westen auch nicht so deutlich wahrgenommen, für mich wurde das wohl erst so richtig präsent, als alles auf die offizielle Wiedervereinigung hinfieberte. Ich war wohl noch zu jung, um das vorher ernsthaft zu verfolgen.

    #54Author Pottkieker (871812) 06 Oct 22, 08:24
    Comment

    Re #53 (und #50)


    Glaubt mir, ich habe mein vor Mauerfall vergleichsweise beschauliches und überschaubares Berlin auch nicht wiedererkannt. Und es hat mir an nachhaltig wichtigen Stellen nicht mehr gefallen. Allein die Aggressivität, die viele West-Berliner seit ca. 1990 verspürt haben, war für mich ein Grund, meine Stadt, mein Land und mein Europa zu verlassen, und woanders zu leben und zu arbeiten.


    Als ich dann Ende 1999 wieder zurückkam nach Berlin, empfand ich die Lage in der vereinten Stadt wieder als viel geordeter, angenehmer und entspannter. Es war halt der Lauf der Dinge, das musste sich alles erst einspielen.


    Mit Berlin ging es mir ähnlich wie #50.

    Wenn ich @Achim A richtig verstanden habe, war er dabei, direkt seinen Lebensmittelpunkt nach B zu verlegen. Das war bei dir aber nicht der Fall, oder doch? (halb-rhetorische Frage)


    Als der Mauerfall im Fernsehen kam, habe ich übrigens auch gebügelt.

    Leute, ihr seid so lustig. 🤣

    (vollkommen ironiefrei)

    #55Author karla13 (1364913)  06 Oct 22, 09:20
    Comment

    Als der Mauerfall im Fernsehen kam, habe ich übrigens auch gebügelt.

    Leute, ihr seid so lustig. 🤣


    Ich hab zu der Zeit in einer Eisdiele gearbeitet, wo es oft bis nach Mitternacht ging. Wir hörten im Radio am 9. November, was los war. Konnten es nicht glauben. Am nächsten Tag (Freitag) hatte jeder von uns die Bilder im Fernsehen gesehen, und nach der Arbeit (wiederum nach Mitternacht) fuhren wir, 5 Leute, wie die Sardinen in ein kleines Auto gequetscht, zum Brandenburger Tor. Es war eine unglaubliche Stimmung, ich hatte Gänsehaut ohne Ende, und wir alle waren uns bewusst, dass wir hier Geschichte erleben - im Gegensatz zu unseren Eltern und Grosseltern positive Geschichte.


    Ich bin jetzt seit 23 Jahren weg aus Berlin und kenne meine Stadt sowieso nicht mehr (selbst der Euro ist "Fremdwährung" für mich). Liebe die Stadt trotzdem noch immer.


    Zum OP: es geht mir so ähnlich wie vielen hier: der 3.10. ist mir nicht wichtig, der 9.11. aber sehr wohl.

    #56Author virus (343741) 06 Oct 22, 10:01
    Comment

    Oh ja, "Geschichte erleben", das war auch mein Gefühl. Ich war Anfang 20, also aus der Schule raus, wo der Geschichtsunterricht eigentlich nur bis zum Bau der Mauer ging - denn danach war ja eigentlich "nichts mehr passiert". Und dann das ...


    Das einzig Ärgerliche am Zeitpunkt war für mich und andere: dass unsere Kinder später lernen würden, Helmut Kohl sei der "Kanzler der Einheit" gewesen. Dabei war er unserer Ansicht nach nur zur rechten Zeit im rechten Amt und hatte rein gar nichts beigetragen.


    Und noch ein Gedanke: Ihr kennt sicherlich diese Gedankenspiele, die gern in Literatur und Film umgesetzt werden: Was wäre, wenn ein Ereignis, das einen Wendepunkt in der Geschichte darstellt, anders ausgegangen wäre? (Wenn Guy Fawkes tatsächlich das Parlament in die Luft gejagt hätte - wenn eines der Attentate auf Hitler Erfolg gehabt hätte ...) Hier: Was wäre, wenn Schabowski besser informiert gewesen wäre und nicht die sofortige Öffnung der Grenze verkündet (eher: verstottert) hätte?

    #57Author Raudona (255425) 06 Oct 22, 10:13
    Comment

    Vom Mauerfall erfuhr ich, als ich mit ein paar Freunden zusammen den Abend verbrachte. Einer der Freunde war aus Berlin (ursprünglich Potsdam und in den 80ern rüber gemacht) angereist. Irgend jemand meinte zum Gastgeber, er möge doch mal den Fernseher anmachen. Er würde gerne mal in die Nachrichten reinschauen. Als wenn er es geahnt hätte. Fassungslos sah vor allem unser Besuch aus Berlin was da vor sich ging. Da war er einmal nur kurz im Ruhrgebiet und dann passiert es. Den haben wir sofort wieder nach Hause geschickt.

    #58Author lyri (236943) 06 Oct 22, 11:56
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    #57 Dann hätt's ein paar Tage länger gedauert.

    #59Author Selima (107) 06 Oct 22, 13:26
    Comment

    Na, ich weiß nicht. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann war der Plan des Politbüros, die Ausreise (ob zu Besuchszwecken oder auf Dauer) zu erleichtern, aber nicht einfach "Grenzen auf". Also eigentlich sollte wohl nur Druck vom Kessel genommen werden, bevor er explodierte - so wurde der Kessel einfach ausgekippt.


    Wir werden es nie erfahren. Aber das Motiv spielt bei "Goodbye Lenin" mit rein.

    #60Author Raudona (255425)  06 Oct 22, 13:39
    Comment

    Ich glaube nicht, dass die DDR-Bürger sich da mit ein paar Reiseerleichterungen zufrieden gegeben hätten. Dann wären doch viele einfach komplett ausgereist und das System wäre halt etwas langsamer zusammengebrochen.

    #61Author Selima (107) 06 Oct 22, 13:44
    Comment

    Hier: Was wäre, wenn Schabowski besser informiert gewesen wäre und nicht die sofortige Öffnung der Grenze verkündet (eher: verstottert) hätte


    Oder, was wäre, wenn nur einer von den Verantwortlichen an den überrannten Grenzübergängen von der Schusswaffe Gebrauch gemacht hätte?


    Oder wenn im Kreml nicht Gorbatschow, sondern noch Andropow oder Tschernenko gesessen hätten, und die schon im Vorfeld, als alles am Gären war, wie in Prag oder Ungarn sowjetische Panzer hätten auffahren lassen?




    #62Author skye (236351) 06 Oct 22, 13:57
    Comment

    November 9 in our household:

    I was still in the US at the time, making dinner in our kitchen and watching the 5:00 p.m. news on our small TV in the room when I first heard about what had happened the night before in Germany. I called for my now-ex to come into the kitchen immediately. We both thought, "How is this going to affect our lives?" Less than five years later, we were both off to our first country that had previously been under Communist rule. I've now been in Germany for over 20 years, but since I've always lived in what had been the GDR, I can consider that I haven't lived in the West since that day I flew east in 1994

    My husband had finished his Abitur in the GDR that summer and was working at the local post office delivering telegrams. It wasn't until he arrived at work the next day that he heard the news from a co-worker. I'm not sure when he first made a trip to Berlin, but he and his friend had moved to Berlin when he first thought about picking up his "Begrüßungsgeld." Too late: the program had been scuttled at the end of December 1989, and the later option to exchange GDR marks for BRD marks at a favorable rate did little for him since he had basically no savings at that age.

    #63Author hbberlin (420040) 06 Oct 22, 16:52
    Comment

    Begrüssungsgeld ist ein gutes Stichwort!

    Ich hatte eine Frau an einer Party kennengelernt, die sich voller Empörung über dieses Begrüssungsgeld aufregte, Tenor: ein Almosen, und nie hätte sie so etwas angenommen... Später stellte sich heraus, dass sie erst kurz vor dem Mauerfall "rübergemacht" hatte und schlicht und ergreifend neidisch war. Mit welcher Häme sie aber über ihre "Landsleute" hergezogen ist, war beispiellos.

    #64Author virus (343741) 06 Oct 22, 17:28
    Comment

    Aber das Begrüßungsgeld haben DDR-Bürger doch lange vorher bekommen, wenn sie in die Bundesrepublik kamen. Oder erinnere ich mich da falsch? Ich mein, dass unsere Verwandtschaft am Tag nach der Ankunft immer gleich auf die Gemeinde sind und sich ihr Geld abgeholt haben.

    Insofern müßte Deine Partybekanntschaft das Geld doch auch bekommen haben.


    Ne, stimmt 🙂 https://de.wikipedia.org/wiki/Begr%C3%BC%C3%9...

    #65Author Selima (107)  06 Oct 22, 17:57
    Comment

    Die Eltern meiner Kindheitsfreundin waren aus Dresden und hatten auch nach Jahrzehnten in Hannover ihren sächsischen Zungenschlag nicht ganz verloren (selbst bei meiner Freundin hörte man den raus), sie hielten auch Kontakt zur Verwandtschaft in der DDR und hatten immer mal Besuch "von drüben". (Es gab dort immer lecker Oblaten!)


    Da gab es auch eine stramme Sozialistin, die nach eigenem Bekunden so oft wie möglich in die "BRD" reiste, um das Begrüßungsgeld abzukassieren und damit dem kapitalistischen System zu schaden. Tja ...

    #66Author Raudona (255425)  06 Oct 22, 18:25
    Comment

    Grrr. Falscher Faden.

    #67Author Selima (107)  06 Oct 22, 18:32
    Comment

    Ich war allein mit Hund und auf dem Rückweg von der Nordseeküste nach Frankfurt auf der Autobahn unterwegs, als das Radio die Maueröffnung verkündete. Ich war Anfang 20, ohne Verwandschaft "drüben" und ohne wirklichen Bezug zu Berlin. Aber ich erinnere mich, dass ich so berührt war, dass mir die Tränen kamen und ich spontan eine Fahrpause einlegte.

    Mir war sehr klar, dass ich da eben ein einzigartiges Ereignis über das Radio miterleben durfte.


    Auf meinen Wohnort selbst hatte diese Öffnung erstmal keine direkte Auswirkung. Nicht viel später allerdings kam bei mir Frust auf. Menschen aus Ostdeutschland, die zuzogen und die mir persönlich bekannt waren, bekamen vergünstigte Kredite für alles mögliche, während mir die Bank es schwer machte, meinen Fahrzeugkauf finanziert zu bekommen. Da hatte ich wenig Verständnis.

    Also nicht wenig Verständnis für die Menschen aus dem Osten, sondern wenig Verständnis, für die unterschiedliche Handhabe bei der Bank.

    Und dann litt ich ein paar Monate unter einer sächsischen Kollegin am Arbeitsplatz. Den ganzen Tag eine Leier, wie gut wir das doch hatten im Vergleich zu den Menschen "drüben", gern auch ohne Punkt und Komma. Ihr Sächsisch obendrauf gab mir den Rest und ich hatte Mühe, die Abneigung nicht auf alle Menschen aus den neuen Bundesländern zu übertragen.


    Mir war direkt nach der Maueröffnung klar, dass diese Wiedervereinigung unglaublich viel Geld kosten wird und der "Soli" war aus meiner Sicht absolut richtig und sinnvoll. Und zu keinem Zeitpunkt hätte mir die Teilung oder die Mauer zurück gewünscht.


    Nicht lang nach der Grenzöffnung bin ich nach Frankreich ausgewandert. Da wurde dann der Prozess der Wiedervereinigung für mich erstmal völlig unwichtig. Nachdem ich 1998 zurück kam, war ich 1999 erstmals "im Osten" in Halle zu Besuch. Die Fahrt durch die noch sehr maroden Straßen hat mich einen Auspuff gekostet und der Anblick dieser noch so nicht hergerichteten Stadt hat tiefe Eindrücke bei mir hinterlassen. Die Menschen, die ich kennenlernen durfte, die waren durchweg einfach toll. Eine Reise nach Berlin folgte, aber irgendwie hat mich das nicht beeindruckt. Eine enorm große Stadt eben, zu groß für mich, zu viel. Jahre später eine Reise nach Weimar. Dort habe ich die erste Eierschecke meines Lebens gegessen ((großartig!) und eine wundervolle Zeit+ wieder so gute Menschen erlebt.

    Regelrecht bestürzt war ich 2006 bei einer Reise, die uns ein Stück durch Meck-Pomm führte. Dort fanden sich Orte, die waren noch immer in desaströsen Zuständen und wirkten weitgehend ausgestorben. Es machte mich traurig, dass dort schöne Regionen so sehr unter Abwanderung leiden.


    Der 03.10., dieser so hinbeorderte Feiertag, der ist mir völlig schnurz. Aber der 09.11., an dem denke ich immer an 1989 zurück und freue mich, dass diese geteilten deutschen Länder nun wieder ein Land sind.

    #68Author La chatte (823589) 06 Oct 22, 20:18
    Comment

    Zu ##56, 58, 63, 68


    Wie Selima und senseless.at habe ich am Abend/ in der Nacht zum 9. November auch etwas ganz Profanes getan: Nämlich geschlafen. Abends hatte ich lange -alleine- im Büro gearbeitet, dann gleich ins Bett, morgens total früh wieder raus.


    Einen Fernseher hatte ich 1989 nicht. Warum ich an dem Morgen ausnahmsweise nicht zu Hause gefrühstückt und dabei Radio gehört habe, weiß ich nicht mehr.


    Ich stand jedenfalls morgens an der Bushaltestelle, wunderte mich über die vielen Trabants auf der Straße und eine junge Familie mit drei kleinen Kindern, die erschreckend bleich aussahen, auffällig anders als die anderen gekleidet waren und ein bisschen desorientiert wirkten. Im Nachhinein glaube ich, dass sie extren überwältigt und überfordert waren (klar!).


    Erst auf der Arbeit erzählten mir die Kolleg/innen, was passiert war. So etwas wäre heute mit Internet&Co. gar nicht mehr denkbar.

    #69Author karla13 (1364913) 06 Oct 22, 20:51
    Comment

    Re #66


    Da gab es auch eine stramme Sozialistin, die nach eigenem Bekunden so oft wie möglich in die "BRD" reiste, um das Begrüßungsgeld abzukassieren und damit dem kapitalistischen System zu schaden. Tja ...


    Das hätte sie dann lt. Wikipedia nur 2x im Jahr machen können bzw. ab 1988 nur einmal:

    Das Begrüßungsgeld wurde 1970 in Höhe von 30 DM eingeführt und konnte zweimal im Jahr in Anspruch genommen werden. 1988 wurde es auf 100 DM erhöht, jedoch auf eine einmalige jährliche Inanspruchnahme beschränkt.


    Wusste ich auch nicht, dass es das Begrüßungsgeld vor 1989 schon gab. Meiner Erinnerung nach war der Begriff jedenfalls erst ab Mitte Nov. 1989 in aller Munde.

    #70Author karla13 (1364913) 06 Oct 22, 20:59
    Comment

    Zu #68


    Und dann litt ich ein paar Monate unter einer sächsischen Kollegin am Arbeitsplatz. Den ganzen Tag eine Leier, wie gut wir das doch hatten im Vergleich zu den Menschen "drüben", gern auch ohne Punkt und Komma. Ihr Sächsisch obendrauf gab mir den Rest und ich hatte Mühe, die Abneigung nicht auf alle Menschen aus den neuen Bundesländern zu übertragen.

    In der Institution, in der ich seit 2000 arbeite, gibt es (wegen Fusionierung) ungefähr genauso viele Ex-Westler/innen wie Ex-Ostler(innen). In beiden "Gruppen" existieren ungefähr genauso viele Ekel, aber glücklicherweise insgesamt überwiegend umgängliche Menschen (auch gleich verteilt). Ich bin froh drum.


    Dort habe ich die erste Eierschecke meines Lebens gegessen ((großartig!)

    YUMMIE!


    Der 03.10., dieser so hinbeorderte Feiertag, der ist mir völlig schnurz. Aber der 09.11., an dem denke ich immer an 1989 zurück und freue mich, dass diese geteilten deutschen Länder nun wieder ein Land sind.

    Ja, so geht es mir doch auch, der 3.10. ist mir schnurz. Anlass der Erwähnung und Fadeneröffnung war ja nur das Gespräch mit meinen europäischen Nachbarn, denen ich berichtete, dass und warum der 3.10. in D ein Feiertag ist.

    #71Author karla13 (1364913)  06 Oct 22, 21:17
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    karla, speziell für dich, aber auch für andere hier: Das (West)Berlin der 1980er Jahre.


    https://www.tip-berlin.de/stadtleben/geschich...

    #72Author virus (343741) 07 Oct 22, 12:36
    Comment

    #72


    Och, danke, virus, sehe deinen Link jetzt erst! Sehr interessant, besonders der weitere Link am Ende des Artikels mit den Vorher-/Nachher-Fotos.

    #73Author karla13 (1364913) 07 Oct 22, 21:00
    Comment

    Sorry für die "Werbung", aber:


    #57: Und noch ein Gedanke: Ihr kennt sicherlich diese Gedankenspiele, die gern in Literatur und Film umgesetzt werden: Was wäre, wenn ein Ereignis, das einen Wendepunkt in der Geschichte darstellt, anders ausgegangen wäre? (Wenn Guy Fawkes tatsächlich das Parlament in die Luft gejagt hätte - wenn eines der Attentate auf Hitler Erfolg gehabt hätte ...) Hier: Was wäre, wenn Schabowski besser informiert gewesen wäre und nicht die sofortige Öffnung der Grenze verkündet (eher: verstottert) hätte?


    Das ist eines meiner Hobbys. Es nennt sich "Alternativweltgeschichte" oder besser "Alternate History" und dem ist ein ganzes, sehr aktives und - ähnlich wie hier - sehr zivilisiertes Forum gewidmet: alternatehistory.com

    #74Author BenatarsComrade (1182552) 08 Oct 22, 12:18
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    OT zu #74 (und zum Wochenende)


    Rubrik "Members" aus deinem Link :

    Members

    Overview

    Most messages

    Highest reaction score

    Today's birthdays


    Solche Statistiken könnte man ja auf LEO auch mal führen... 😉


    #75Author karla13 (1364913) 08 Oct 22, 12:54
    Comment

    Ein schöner Faden.


    Ich bin Jahrgang 1979 und in einer kleinen Stadt in Franken nicht allzu weit von der ehemaligen innerdeutschen Grenze aufgewachsen, d.h. ich war ein Schulkind, als die Mauer fiel.


    An folgende Sachen kann ich mich noch erinnern:


    Meine Oma hat gegenüber vom Bahnhof gewohnt und wir haben am Fenster gestanden und die Menschenmassen angeschaut, die da mit dem Zug ankamen. Ich kann mich auch erinnern an ein Bild aus der Zeitung, wo ein junger Mann in einer Art Hängematte unter dem Zug hängend (!) zu sehen war; so war er in den Westen gereist. Ich hatte durchaus das Gefühl, Teil von einem historischen Ereignis zu sein, aber so richtig verstanden habe ich das mit 10 Jahren natürlich nicht.


    Mit meiner Familie habe ich ab und zu kleine "Sonntagsausflüge" unternommen, wo man sich ins Auto setzt, durch die Gegend fährt und irgendwo zum Kaffeetrinken geht. Da sind wir manchmal an der Grenze entlanggekommen und ich habe mich immer sehr gegruselt vor den Wachtürmen. Diese Grenze war nun weg - so viel habe ich verstanden.


    Meine andere Oma wohnte auf dem Land, und sie hat ein paar Tage lang unterwegs gestrandete Leute aus dem Osten aufgenommen. Daraus ist dann eine schöne Freundschaft erwachsen - über viele Jahre hinweg hat ein Ehepaar meine Großeltern regelmäßig besucht. Auch andere Bekannte meiner Eltern, die auf dem Land in Richtung Grenze wohnen, haben sich mit heißem Tee und Snacks an die Landstraße gestellt und Leute begrüßt.


    Mein Vater hatte entfernte Verwandte in der "Ostzone", und wir sind kurz nach der Grenzöffnung mal "rüber" gefahren. Ich war damals entsetzt, wie es dort aussah. Es gab eine große, hässliche Fabrik in dem Dorf und es war alles heruntergekommen und alt. Meine Eltern haben danach lange "die Zone" gemieden - heutzutage fahren sie dagegen sehr gern z.B. zum Weihnachtsmarkt nach Erfurt oder zum Einkaufen nach Plauen.


    Ein wenig später gab es dann einen Schüleraustausch mit unserer ostdeutschen Partnerstadt. Da haben wir eklige Ost-Bratwürste gegessen und eklige Ost-Limo getrunken und waren in einer hässlichen Jugendherberge untergebracht. Mein Austauschmädchen hieß Denise (was ein eher ungewöhnlicher Vorname für mich war) und hat geweint, als wir ihr Kleidung von mir geschenkt haben.


    In der Stadt waren auf einmal viele Menschen mit merkwürdiger Kleidung, komischen Haarfrisuren und einer ganz anderen Sprache unterwegs ... Bei uns waren die "Ossis" leicht daran zu erkennen, dass sie keinen fränkischen Dialekt hatten. Ich erinnere mich auch noch, dass irgendwie Bananen besonders beliebt waren.


    Ich habe als Erwachsene ein paar Jahre in Berlin gewohnt und es hat mich immer sehr bewegt, dort an Orten vorbeizukommen, die mit der Wiedervereinigung zu tun haben.





    #76Author Lunda (254456) 10 Oct 22, 07:30
    Comment

    #75 Ne, bitte nicht.

    #77Author Selima (107) 10 Oct 22, 08:05
    Comment

    Ich habe einen zu langen Beitrag verfasst und ihn darum ausgelagert. Inhaltlich gehört er in diesen Faden, aber er würde ihn aufgrund seines Umfangs sprengen.

    Nur deswegen hat er einen eigenen Ort: related discussion: Zum 33.Mal ... Sonderausgabe (Langversion) - #1.

    #78Author reverend (314585) 10 Oct 22, 10:35
    Comment

    Zu #76


    Sehr interessant, was du erzählst, @Lunda.

    Mir fiel bei deinem Bericht nochmals auf (wie schon in #27, 41), dass evtl. doch mehr Westdeutsche die DDR als "(Ost-)Zone" bezeichnet haben, als ich dachte. Ostzone, drüben (oder noch krasser: SBZ) haben damals in West-Berlin wirklich nur diejenigen gesagt, die eindeutig ihre Abneigung gegen die DDR zum Ausdruck bringen wollten.


    Klar, als West-Berliner/in war man nicht ansatzweise "zufrieden" mit der Mauer oder über die Existenz zweier deutscher Staaten. Aber "es war halt so", und das hat sich auch in einer neutralen Sprache ausgedrückt. Schon von meinen Eltern und (West)Verwandten habe ich nur "DDR" gehört, und in der Schule sowieso so gelernt. Wir haben/ hatten ja auch wirklich eine Menge Ost-Verwandte und ungelogen haben sich untereinander alle gemocht und respektiert.




    Zu #75

    Wirklich nicht? Aber wenigstens 'ne Sternzeichenstatistik könnten wir doch anlegen, oder. Was hältst du davon, Selima? 😀




    Zu #78 (Sonderausgabe)

    Eigenartigerweise ist der Text zu lang geworden (was mir sonst NIE passiert) ...

    Dieses merkwürdie Phänomen kenne ich von mir auch Ü-BER-HAUPT nicht... 😇


    Ich war noch nie stolz, ein Deutscher zu sein.

    Tststs; da kenne ich noch eine...

    Vieles in unserer Geschichte, in unserem jahrhundertelangen „Eins-Werden“ finde ich aber doch hervorragend und reihe mich gern darin ein.

    Dem kann ich voll zustimmen.


    "Mokließel", "Rübenkraut" und "Schlesisches Himmelreich" kenne ich auch alle von meiner Oma (*Kolberg). LECKERST!!


    Manchmal denke ich, dass ich ohne die Geschehnisse dieser Zeit, die am 9.11.1989 symbolisch festgemacht wird, ein ganz anderer Mensch geworden wäre, ohne zu wissen, was für einer.

    Das kann ich für mich sogar sicher sagen, ohne das "manchmal".

    #79Author karla13 (1364913)  10 Oct 22, 13:07
    Comment

    #79 Das schon mal gar nicht. Ich bin zufällig im allermiserabelsten Sternzeichen (bestimmt auch noch mit dem ekligsten Assidingsbums) geboren.


    Re Ostzone: Ich hab das einfach so gelernt als Kind - ganz ohne Abneigung oder schlechte Gefühle. Das hieß einfach so - anderes Wort für DDR.

    #80Author Selima (107) 10 Oct 22, 13:22
    Comment

    Ich bin zufällig im allermiserabelsten Sternzeichen geboren.


    Gibt's da gute und weniger gute? (Noch was, um das man sich plötzlich Sorgen machen muss...)


    #81Author Gibson (418762) 10 Oct 22, 14:11
    Comment

    Ich bin auch völlig vorurteilsfrei mit den Bezeichnungen DDR und "drüben" aufgewachsen. In meinem Umfeld war niemand, der das negativ behaftet benannt hat.

    Wahrscheinlich waren diese Feinheiten doch nur im Bewusstsein von Menschen in Berlin oder mit Kontakten in die DDR *vermut*

    #82Author La chatte (823589) 10 Oct 22, 14:13
    Comment

    #81: Skorpion das schlechteste, Waage natürlich das beste. ;)

    #83Author eastworld (238866) 10 Oct 22, 14:16
    Comment

    #81 Na schau mal in einem Buchladen in Sternzeichenratgeber. Ich hab mal einen geschenkt bekommen. Alle Sternzeichen haben noch irgendwo irgendwas gutes - auch meines, aber nur für Männer. Als Frau ... leider verloren: herrschsüchtig, eifersüchtig, mißgünstig, aufbrausend, jähzornig ... was weiß ich noch alles. Kein Glück in der Liebe, kein Erfolg im Beruf, nur Zerwürfnis, Verdamnis und Einsamkeit - und vor allem: immer selber schuld daran.


    Tja ;)

    #84Author Selima (107) 10 Oct 22, 15:18
    Comment

    aufbrausend, jähzornig .

    Das spricht ein Widder... - sagt die, die auch einer ist :D.

    #85Author edoardo_1_4 (1297108) 10 Oct 22, 15:23
    Comment

    Selima, du hast nachtragend und rachsüchtig vergessen :D

    (jedenfalls wenn ich mich richtig erinnere, dass wir dasselbe Zeichen haben)

    #86Author skye (236351) 10 Oct 22, 15:24
    Comment

    Ich habe mal schnell "die fiesesten Sternzeichen" geg**let.

    Widder ist ja nur auf Platz vier *mich verschämt von dannen schleich*

    #87Author edoardo_1_4 (1297108) 10 Oct 22, 15:27
    Comment

    skye, auch dieses, auch dieses ... und ja, das ist, glaub ich, so.

    #88Author Selima (107) 10 Oct 22, 15:35
    Comment

    Ich bin auch mit dem, für mich neutralen, Begriff Ostzone (manchmal auch nur Zone) aufgewachsen. Von ca. 1963 - 1968 war ich mit meinen Eltern mehrfach in den Sommerferien für zwei bis drei Wochen zum Verwandtenbesuch dort. Erst im Raum Bitterfeld und dann in Strausberg. Den Geruch, der in Bitterfeld und Umbegung herrschte, habe ich bis heute noch im Gedächtnis.


    Meine Mutter ist jedesmal beim Grenzübertritt tausend Tode gestorben, weil mein Vater kurz vor der Grenze im Zug-WC ein paar hundert DM im Papierhandtuchspender versteckt hat. Wenn die Grenzer dann ausgestiegen waren, hat er sie wieder geholt. Es ist nie schief gegangen.


    Übrigens kann das beste Sternzeichen doch eigentlich nur der Leo sein, oder? ;- )

    #89Author opadeldok (1319435) 10 Oct 22, 15:52
    Comment

    Zu ##80, 82, 89


    Wenn ihr es mir nicht bestätigen würdet, könnte ich es fast nicht glauben. Wirklich interessant. Das Wort "Ostzone" (aka Zone, drüben) ist für mich als Berlinerin sowas von negativ konnotiert.



    zu #89

    Meine Mutter ist jedesmal beim Grenzübertritt tausend Tode gestorben, weil mein Vater kurz vor der Grenze im Zug-WC ein paar hundert DM im Papierhandtuchspender versteckt hat. Wenn die Grenzer dann ausgestiegen waren, hat er sie wieder geholt. Es ist nie schief gegangen.


    Da kann ich aber deine Mutter gut verstehen. Das Geld hätte doch auch jede/r klauen können??

    Wir sind ja fast ausschließlich mit unserem Käfer und nicht dem Zug gefahren, aber es wäre meinen Eltern aus purer Angst nicht im Traum eingefallen, etwas Verbotenes einzuschmuggeln.

    #90Author karla13 (1364913) 10 Oct 22, 16:45
    Comment

    Zu ##80, 81, 83 bis 88


    Na jetzt wird's hier ja mal richtig spannend, hehe.


    (Sind eigentlich gerade nur Frauen beim Sternzeichencheck?)

    Habe ich das richtig verstanden, dass gegen den Skorpion gewettert wird? EINSPRUCH !

    Gegen Widder hab ich auch nichts.

    #91Author karla13 (1364913)  10 Oct 22, 16:55
    Comment

    Ich finde "Ostzone" auch ziemlich abfällig (s. Ekel Alfred), wobei mein Vater das Wort auch benutzte. Ob bewusst oder aus Gedankenlosigkeit, weiß ich nicht.

    #92Author eastworld (238866) 10 Oct 22, 16:58
    Comment

    Ich habe noch nie eins gelesen, bin aber immer davon ausgegangen, dass diese Sternzeichenbüchlein jedem einzelnen Sternzeichen erzählen, dass sie das überhaupt Beste sind (und die negativen Eigenschaften eigentlich auch alle positiv). Wieder was gelernt.

    #93Author Gibson (418762)  10 Oct 22, 17:30
    Comment

    Ich finde "Ostzone" auch ziemlich abfällig


    Mag sein, aber die Bezeichnung war damals in der Umgangssprache, unabhängig von Alfred Tetzlaff, völlig normal. Wenn es denn abfällig gemeint gewesen wäre, dann nicht den Menschen gegenüber, sondern gegenüber einem repressivem Unrechtsstaat, der sein Volk überwachte und bis in den hintersten Winkel der Privatsphäre bespitzelte.


    Im Übrigen war die DDR zu der Zeit noch nicht als souveräner Staat anerkannt. Nach dem Moskauer Vertrag, verwschwand das Wort relativ schnell aus dem allgemeinen Sprachgebrauch. Von den Vertriebenenverbänden wurde die DDR übrigens noch lange darüber hinaus als Mitteldeutschland bezeichnet, da sie ihre verlorene deutsche Heimat ja noch weiter östlich hatten.


    Mir fällt da gerade noch eine Begebenheit ein. Meine Nichte wurde im DDR-Kindergarten von der Erzieherin gefragt, ob sie denn nicht auch mal ihre S....er Oma besuchen würde. Ihre Antwort: "Nu ja, aber der olle Ulbricht lässt uns ja nich". Wenn die Erzieherin absolut linientreu gewesen wäre, hätte sie es wahrscheinlich nicht meiner Schwester erzählt, sonder einer ganz anderen Instanz.

    #94Author opadeldok (1319435) 10 Oct 22, 18:50
    Comment

    Zu #93


    Völlig OT


    Als soo indifferenziert habe ich diese Bücher nie empfunden, jedenfalls nicht die umfangreicheren. Die können schon ziemlich ins Detail gehen, mit genauen Planetenkonstellationen, Uhrzeiten, Kombinationen und den sich daraus ergebenden Charakterbeschreibungen.


    Natürlich wird auch das unvermeidbare "wer passt warum zu wem" (und wer zu wem nicht) in Beruf/ Liebe/ Eltern-Kind-Verhältnis etc. abgehandelt.


    Aber dass alle Eigenschaften schöngeredet würden und das eigene Zeichen natürlich das beste wäre, nöö, so etwas habe ich in solch einem Buch noch nicht gelesen. Eher im Horoskop einer (schlechten) Tageszeitung.


    Deshalb hatte ich mich über Selimas Aussag ebenfalls etwas gewundert (wie du ja auch). Ich kenne gar kein positives oder negatives Sternzeichen. Nur zusammen besser und schlechter passende.

    Sagt eine passionierte Gerne-das-Sternzeichen-anderer-Menschen-Wissenwollende.

    #95Author karla13 (1364913) 10 Oct 22, 18:52
    Comment

    Ebenfalls OT:


    Ich kenne meine Eigenschaften als Sternzeichen nur von den verpackten Zuckerwürfeln, die es früher mal in den Cafés gab. Selbstverständlich trafen auf mich nur die positiven zu, die negativen waren wahrscheinlich ein Fehler der Druckerei. 😉

    #96Author opadeldok (1319435) 10 Oct 22, 18:57
    Comment

    Verhindertes Edit zu #94

    S....er Oma

    S....er begreif ich nicht. Biite um geistige Nachhilfe.



    Zu #96

    Die Zuckerwürfel-Orakel gehören allerdings in die unterste Schublade der Deutekunst. 😉


    #97Author karla13 (1364913) 10 Oct 22, 19:03
    Comment

    S....er = Verschlüsselung meiner Verortung.


    Schweinfurter, Saarbrücker, Stettiner, Schwetzinger, Sindelfinger etc.

    #98Author opadeldok (1319435) 10 Oct 22, 19:17
    Comment

    Zu #98


    Ach soooo, danke, ich hatte viel zu kompliziert gedacht. 😕


    #99Author karla13 (1364913) 10 Oct 22, 19:23
    Comment

    Was habt ihr auf einmal alle mit Sternzeichen? Lag im Osten die Brunftzeit anders? ^^


    Spätestens seit den späten 70er-Jahren hat selbst die Bildzeitung nicht mehr von SBZ oder Ostzone geredet, aber "DDR" in Tüttelchen gesetzt. Fast genauso beleidigend. Ich glaub, das hat sie konsequent bis zur Wende durchgezogen.


    Umgekehrt wurde in Wessi-Kreisen die Bezeichnung BRD schief angesehen, weil, ist ja DDR-Sprech. Dazu gab es mal einen schönen Sketch vom Dieter Hildebrandt, findet den jemand im Netz?

    #100Author Kapustiner (1229425) 10 Oct 22, 20:24
    Comment

    DDR, Ost-Zone, Soffjetzone ... ich erinnere mich auch noch an "Mitteldeutschland" und den Slogan "Deutschland dreigeteilt - niemals"

    #101Author manni3 (305129) 10 Oct 22, 23:07
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    Zu ##100, 101


    Stimmt: "DDR". Hatte ich schon ganz vergessen.


    Deutschland dreigeteilt: So seltsam es klingen mag, aber für uns West-Berliner/innen gab es quasi drei Deutschlands. Die Bundesrepublik (Deutschland), die DDR und Berlin.


    "Wir" haben damals von Westdeutschen, DDRlern oder -Bürgern und Berlinern gesprochen.

    Aber meistens war für uns die Bundesrepublik genauso weit weg wie die DDR.

    Irgendwie haben wir damals in unserer eigenen Suppe geschmort.

    #102Author karla13 (1364913)  10 Oct 22, 23:25
    Comment

    Aber meistens war für uns die Bundesrepublik genauso weit weg wie die DDR.

    Irgendwie haben wir damals in unserer eigenen Suppe geschmort.


    Mit Verlaub, aber das klingt etwas nach Geschichtsvergessenheit. Hast du schon mal was vom Berlinfördderungsgesetz, später Berlinhilfegesetz, gehört?


    Natürlich war dies auch im Interesse der Bundesrepublik und der westlichen Alliierten . Man konnte und wollte damals Berlin nicht sich selbst oder gar dem sozialistischen Brudervolk der DDR überlassen. Wenn doch, was wäre die Konsequenz für Berlin gewesen? Ich denke, die Frage kannst du dir leicht selbst beantworten.

    #103Author opadeldok (1319435) 11 Oct 22, 00:18
    Comment

    Es geht hier aber doch um persönliche Empfindungen und Erinnerungen, opadeldok.

    Und wenn karla das damals so erlebt und empfunden hat, dann war es für sie eben so.


    Klar hat die BRD Berlin unterstützt und natürlich gehörte Westberlin irgendwie dazu, war aber eben auch außen vor, weil jede Reise ein Riesenaufwand war mit Grenzkontrollen. Auch Reisen in andere Teile der BRD, denn man musste ja immer über DDR-Gebiet.


    Ich kann mir das gut vorstellen, dass die, die damals in Berlin aufgewachsen sind und kaum je die Stadt verlassen haben, sich irgendwie als was eigenes empfunden haben, die nirgendwo so richtig dazugehören.

    Diese Gefühle, gerade als Kind/Jugendliche, müssen nicht immer zur Faktenlage passen. Und auch nicht zur vernünftigen Analyse der Situation im geschichtlichen Kontext. Ein Kind in dieser Lebensrealität wusste vermutlich wenig vom Berlinhilfegesetz ind überhaupt von der Politik.


    Es ist eben eigenes Erleben, genau wie Toffifeenstaub damals als Teenager die Grenzöffnung als furchtbar erlebt hat. Auch die beurteilt das ja heute anders mit mehr Überblick über die Situation damals.

    Und auch damals haben das Erwachsene sicher anders beurteilt und empfunden als die Generation, die damals eben noch Kind oder pubertierender Jugendlicher war.


    Die eigenen Gefühle von damals waren eben, wie sie waren. Diese Gefühle nicht zu verleugnen ist doch keine Geschichtsvergessenheit, solange man das aus heutiger Perspektive als Erwachsene richtig einordnen kann.



    Ich finde das an diesem Faden gerade schön, dass man die persönlichen Geschichten liest.

    Auch die Perspektive von damals vielleicht noch etwas unreifen Kindern, Jugendlichen oder Studenten, die aufgrund der eigenen Jugend eben weniger auch große Zusammenhänge, sondern mehr auf das eigene Leben geschaut haben.

    Die Erinnerungen sind eben kein Lehrbuchwissen und keine sachliche, erwachsene Einordnung. Und das müssen sie auch nicht sein.

    #104Author Dodolina (379349)  11 Oct 22, 03:10
    Comment

    Klar hat die BRD Berlin unterstützt und natürlich gehörte Westberlin irgendwie dazu, war aber eben auch außen vor, weil jede Reise ein Riesenaufwand war mit Grenzkontrollen.


    Weil es vielleicht jüngere Leute nicht mehr wissen: Man konnte die Grenzkontrollen natürlich vermeiden, indem man nach Berlin geflogen ist, statt mit dem Auto oder dem Zug zu fahren. Die Flüge wurden von der BRD subventioniert. Ich meine dass der Zuschuss so bei etwa 20% des Ticketpreises lag.

    Fliegen durften übrigens nur die Fluggesellschaften der Westalliierten (PanAm, Air France und BA(?)).

    #105Author eineing (771776) 11 Oct 22, 09:46
    Comment

    Dazu ein Spiegelartikel aus dem Jahr 1972: https://www.spiegel.de/politik/leere-sessel-a...

    #106Author harambee (91833) 11 Oct 22, 12:04
    Comment

    Für jüngere Leute und nicht nur für die war das aber selten eine Option - nach Berlin fliegen?!?! Auf die Idee wär ich nie gekommen.

    #107Author Selima (107) 11 Oct 22, 12:30
    Comment

    Ich bin nicht oft, aber doch einige Male nach Berlin geflogen.

    Bei meinem allerersten Flug nach Berlin war ich überrascht, dass ich mich bei der Ankunft ausweisen musste, weil ich eigentlich angenommen hatte, dass ein Flug von Frankfurt aus (könnte auch Stuttgart gewesen sein) als reiner Inlandsflug gelten würde. Daran erinnere ich mich deshalb, weil es bei der Ankunft ein kleines Problem gab, denn mein Personalausweis war irgendwo im Gepäck versteckt. Weshalb das so war, weiß ich nicht mehr. Heute käme ich nicht mehr auf die Idee, Ausweispapiere im Gepäck zu deponieren.

    #108Author eineing (771776) 11 Oct 22, 13:10
    Comment

    [Ich hatte gestern Nacht schon die #103 gelesen und mit einer Antwort begonnen, die ich nachher noch abschließen werde. Vorher möchte ich Dodolinas #104 nicht lesen, um nicht davon beeinflusst zu werden; ich hatte nur gesehen, dass sich ihr Beitrag auf #103 bezog.]


    Zu ##105 bis 108

    Wir sind als vierköpfiige Familie sehr selten geflogen und wenn, dann nicht innerdeutsch und nur von Tegel aus. Meine Eltern wären nie auf die Idee gekommen und hätten es sich auch nicht leisten können, zu unserer Frankfurter Verwandtschaft zu fliegen; das wurde mit dem Auto "erledigt".


    Danke für den interessanten Artikel, harambee. Dort werden Flupreise von (einfach) 175,- DM Bln -- Ffm erwähnt. Das 1972, und multipliziert mit sechs (Kinder flogen sicher vergünstigt)... nee.


    Ein Kuriosum aus dem Artikel:

    Ersatz für hungrige Passagiere: Die BEA stellte Leih-Regenschirme für die oft langen Fußwege zu den wartenden Maschinen auf dem Tempelhofer Vorfeld, richtete (wie die PanAm) Nichtraucher-Reihen in den Maschinen ein, und die PanAm offerierte zudem »Baby-Korbwiegen«, Malbücher oder »Junior Captain«- und »Junior-Stewardess«-Plaketten. (Wohlgemerkt: Das betrifft Kurzstreckenflüge.)


    A propos Ausweispapiere: Beim Transitverkehr per Auto musste man bei Einfahrt in die Grenzübergangsstelle die Berliner Personalausweise auf ein langes, überdachtes Fließband legen. Dann wartete man, manchmal stundenlang. Ohne Ausweise. Jedes Mal waren wir erleichtert, dass die/der VoPo zur Personenkontrolle unsere Ausweise in der Hand hielt, und diese nicht im unüberschaubaren Nirwana verschwunden waren oder vertauscht wurden.

    #109Author karla13 (1364913)  11 Oct 22, 13:50
    Comment

    "Nichtraucher-Reihen"


    Ich kann mich noch gut an meine ersten Flüge nach Berlin und London erinnern. Hinten waren die Raucher-Ecken. War klasse.

    #110Author B.L.Z. Bubb (601295) 11 Oct 22, 13:53
    Comment

    #110

    Hinten waren die Raucher-Ecken. War klasse.


    Für dich vielleicht. HUST.

    Hinten waren meist die Warteschlangen zum Klo und die Aufenthaltsbereiche der Flugbegleiter/innen.


    Aus der Formulierung im Artikel habe ich außerdem geschlossen, dass vorher alles Raucherbereich war.


    [Bald haben wir in dem Faden alle Themen durch. Sternzeichen und Rauchen hatten wir schon. Jetzt könnte mal Radfahren in Berlin drankommen -- vorher und nachher.]

    #111Author karla13 (1364913)  11 Oct 22, 14:00
    Comment

    Für Radfahrer gibt's eigene Fäden ;-)


    Als ich in den 90ern zum ersten Mal im Leben Langstrecke geflogen bin (oder eher: überhaupt geflogen bin), durfte man hinten auch rauchen. Da saßen wir aber nicht, so dass die Sucht immerhin dazu führte, dass wir immer mal wieder aufgestanden sind, um hinten eine zu qualmen, und so der Thrombose entgegengewirkt haben. Rauchen ist gesund.

    (Inzwischen habe ich aber trotzdem aufgehört.)


    (Noch mal re Sternzeichen: Ich bin völlig untypisch für meins, deshalb halte ich das allein aus eigener Erfahrung schon für totalen Humbug ;-)


    Ich war 2019 in Leipzig, als Zwischenstop auf einer langen Fahrt, und habe erst nach ungefähr einer Stunde durch die Innenstadt-Laufen gemerkt, dass das die gleiche Stadt war, in der ich damals in auf meinem kurzen Ostbesuch gewohnt hatte. Nicht wiederzuerkennen. Völlig anderes Stadtbild, aber auch Atmosphäre. Das war ein komischer Moment.

    #112Author Gibson (418762)  11 Oct 22, 14:30
    Comment

    Radfahren in Berlin - auch gern mal in den Gatower Rieselfeldern (wenn einen der Geruch nicht störte, ansonsten war's recht idyllisch). Kleiner Nervenkitzel nebenbei: Wenn man die Postdamer Chaussee bzw. an deren rechten Randstreifen Richtung Potsdam fuhr (was damals [TM] auf diese Weise noch unerreichbar war), hatte man den Nervenkitzel, direkt an der Grenze entlangzufahren. Unter Beobachtung.

    #113Author virus (343741)  11 Oct 22, 14:39
    Comment

    #112


    OT


    Ich lese ja "heimlich" im Radfaden mit...


    Ich bin froh, dass ich nicht mehr als eine Packung Zigaretten in meinem Leben geraucht habe. Habe, glaube ich, auch nichts versäumt. (Da sind du und Bubb sicher anderer Meinung.) 😇


    re Sternzeichen: Ich bin völlig untypisch für meins

    Ich bin ganz typisch für meins, aber da zählen außer dem Assidingbums (©Selima) ja auch noch ganz viele andere Konstellationen mit.


    Völlig anderes Stadtbild, aber auch Atmosphäre. Das war ein komischer Moment.

    Die Erfahrung hab ich in Leipzig, Dresden, Ost-Berlin sowieso und den ganzen Ostsee-Orten auch gemacht. Vollkommen verändert.

    #114Author karla13 (1364913) 11 Oct 22, 14:52
    Comment

    Völlig anderes Stadtbild, aber auch Atmosphäre. Das war ein komischer Moment.

    Die Erfahrung hab ich in Leipzig, Dresden, Ost-Berlin sowieso und den ganzen Ostsee-Orten auch gemacht. Vollkommen verändert.


    Verändert zum Guten, zum Schlechten oder einfach nur anders und schade, dass es nicht wiedererkennbar ist?


    Zur #109:

    Ich wollte dir nicht vorgreifen, aber äußern, dass ich den Kommentar in #103 unpassend fand.

    Und mal loben, dass ich es wirklich schön finde, die persönlichen Geschichten zu lesen, die man nicht in Geschichtsbüchern der politisch korrekten Erinnerungskultur findet.

    Wie schon gesagt komme ich aus dem tiefsten Westen und bin außerdem zu jung für eigene Erinnerungen an die Teilung. Und jetzt überlasse ich wieder denen das Wort, die Erinnerungen teilen wollen und können.

    #115Author Dodolina (379349) 11 Oct 22, 14:56
    Comment

    @karla13

    Ich möchte dich um Verzeihung bitten für meinen doch recht offensiven, harschen Kommentar. Ich hatte selbst, bevor ich heute morgen dodolinas Antwort gelesen habe, ein schlechtes Gefühl deswegen.


    Leider hatte ich dein damaliges Alter nicht mehr im Kopf und bin deshalb von völlig falschen Voraussetzungen ausgegangen. Ich fühlte mich durch die von mir zitierten Sätze etwas herausgefordert, weil ich von anderen Berlinerfahrungen auf dich geschlossen hatte. Es tut mir leid.


    #116Author opadeldok (1319435) 11 Oct 22, 15:02
    Comment

    #113


    Ich bin als Jugendliche mit dem Rad aus dem Berliner Norden nie herausgekommen. Eine Stunde mit dem Keingangfahrrad an den Kudamm zu fahren, wäre mir nicht eingefallen. Dafür gab's den 12er- oder 15er-Bus, die U-Bahn (nach 15-minütiger Busfahrt) oder -seltenst- die S-Bahn.


    Erst, als ich mit 19 mitten ins Zentrum (Tiergarten) gezogen bin, habe ich fast alle Wege nur noch per Radl zurückgelegt. Ein Auto hatte ich nie.


    Ich liebe Radfahren in Berlin (immer noch), obwohl es ganz schön gefährlich geworden ist. Mir ist aber nie was passiert, obwohl ich täglich mindestens anderthalb Stunden unterwegs war, meistens sogar mehr.

    #117Author karla13 (1364913) 11 Oct 22, 15:05
    Comment

    Ich bin Jahrgang '85 und habe daher die Wiedervereinigung nicht als das große Ereignis erlebt. Ich weiß aber noch, wie wir im rappelvollen Zug nach Berlin sind, um dort einzukaufen (wie mir später klar wurde, mit dem Begrüßungsgeld). Für mich gab's eine Spielzeug-Feuerwehr (mit ausziehbarer Leiter!!!) und für meine Brüder je einen Walkman. Zurück ging's dann im Schlafwagen, das war toll *lach*


    Wir hatten dann Anfang der 90er einen Obst-/Gemüseladen im Haus, der Besitzer hat mir immer Bananen geschenkt. Bis ich dann mal im Laden lauthals gefragt hab, warum ich immer Bananen bekomme, die sind ja voll eklig... da hatte sich das dann mit dem Gratis-Obst ¯\_(ツ)_/¯


    Wie gesagt, ich habe die Wiedervereinigung quasi nur nebenbei mitgemacht, und meine Mutsch hat da auch nie ein großes Gewese drum gemacht. Somit bin ich nicht mit dem Bewusstsein aufgewachsen, irgendwie "anders" zu sein als jemand, der aus Osnabrück, Köln oder Buxtehude kommt (oder Leipzig, oder Dresden - ihr wisst was ich meine, denke ich). Wenn mein Vater mehr Zuhause gewesen wäre, sähe das glaub ich anders aus. Der leidet manchmal unter akuter Ostalgie... meine Mutsch hingegen war überzeugte Europäerin, und ist '89 auch auf die Straße gegangen (das habe ich aber auch erst als Erwachsene erfahren).


    #118Author Hugolinchen (464632) 11 Oct 22, 15:30
    Comment

    #116


    Danke für deine Entschuldigung, die ich gerne annehme. Kein Problem.


    Ich hatte mich etwas gewundert und wollte dir nochmal meine, unsere West-Berliner Situation etwas genauer schildern. Inzwischen habe ich Dodolinas Beitrag gelesen; sie hat genau das (bloß besser, da nicht betroffen) ausgedrückt, was ich auch ungefähr geschrieben hatte/ hätte.


    Da ich aber schon halb fertig war mit meinen Erläuterungen, hier noch kurz:

    Ich habe in #102 (m)ein Lebensgefühl beschrieben, @opadeldok, nichts anderes. Wir haben damals als Kinder und Jugendliche nicht ständig mit Dankbarkeit an die großzügigen Subventionen gedacht, die Berlin zwischen 1961 und 1989 erhalten hat. Berlin gehörte für uns Bewohner/innen rein geografisch gesehen – vom Gefühl, nicht vom Gesetz her – nicht richtig zur Bundesrepublik, weil wir nicht einfach über die Dörfer oder mal lässig von Hamburg nach Stuttgart fahren konnten. Wir mussten erst durch 'ne Grenze, dann stundenlang über eine Transitautobahn fahren und waren erst dann in: Westdeutschland.


    Und das war für 2 Mio Berliner/innen schon irgendwie wie ein anderes Land (mit 55 Mio Einwohnern). Zu dem Berlin zwar gehörte, aber selbstverständlich anders als andere westdeutschen Großstädte. Diese unterlagen alle nicht dem Viermächtestatus und waren auch nicht geteilt.


    Rein rechtlich unterschied sich West-Berlin bis 1990 in einigen wichtigen Punkten von einem gewöhnlichen Bundesland: Beispielsweise wurden Berliner Bundestagsabgeordnete nicht direkt vom Volk gewählt, sondern vom Abgeordnetenhaus entsandt; sie hatten in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn kein Stimmrecht, sondern eine beratende Funktion. Darüber hinaus unterlagen West-Berliner/innen im Rahmen des Viermächteabkommens nicht der bundesdeutschen Wehrpflicht. In Berlin gab es auch ein anderes Schulsystem: Unsere Grundschule umfasste sechs Schuljahre, die Oberschule begann erst mit Klassenstufe 7.


    Insofern war es schon eine spezielle Suppe, in der wir (gerne) schmorten, mit allen Vor- und Nachteilen.

    #119Author karla13 (1364913)  11 Oct 22, 15:39
    Comment

    Meine Frau hatte in der weiteren Verwandtschaft ein Patenkind in der DDR. Die junge Frau (das Patenkind) war zum Zeitpunkt des Mauerfalls etwa 19 Jahre alt, verheiratet. Das Ehepaar hatte eine etwa zwei Jahre alte Tochter.

    Die Frau war in der DDR Verkäuferin, der Mann Dachdecker.

    Die Familie ist sofort nach dem Mauerfall, also wahrscheinlich am neunten oder zehnten November (so genau weiß ich das nicht mehr) von der DDR in die BRD gewechselt. Wir haben die Familie bei uns aufgenommen.

    Die junge Frau, die ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht gekannt hatte, erklärte sofort, dass sie in ihrem Leben genug gearbeitet hätte, und entsprechend verhielt sie sich.

    Der Ehemann, stellte sich auf den Standpunkt, dass "der Staat" aktiv werden müsste, um ihm einen Arbeitsplatz zu verschaffen. Er war nur mit Mühe davon zu überzeugen, sich beim Arbeitsamt als arbeitslos und Arbeit suchend zu melden. Das Leben als Gäste ohne Verpflichtungen und Kosten war wohl einfach zu attraktiv.

    Das konnte selbstredend nicht lange gut gehen. Die Spannungen wuchsen, und nach etwa 3 Monaten standen plötzlich unangekündigt die Mutter der Frau und deren Lebenspartner vor der Tür um die inzwischen ziemlich unglückliche Familie abzuholen und aus den Händen der Wessis zu retten.

    Wir hatten und haben keine Ahnung, wohin es dann ging.

    Das einzige Lebenszeichen der Familie kam nach rund 20 Jahren in Form einer in leicht höhnischen Ton gehaltenen Ansichtskarte ohne Absenderadresse, die vermutlich in Bierlaune im Urlaub entstand.

    Wo die Familie heute lebt, und wie es ihr geht, wissen wir nicht.

     


    #120Author eineing (771776)  11 Oct 22, 16:54
    Comment

    Zu #115


    Verändert zum Guten, zum Schlechten oder einfach nur anders und schade, dass es nicht wiedererkennbar ist?

    Ganz unterschiedlich. Leipzig, Dresden und (Ost-)Berlin haben sich mMn zum Besseren verändert, weil sich der doch eher graue, eintönige Eindruck der Wohngebiete (verstärkt durch penetranten Braunkohlegeruch) durch umfassende Bauarbeiten zu mehr Abwechslung im Stadtbild gewandelt hat.


    In diesen drei Städten wurde auch sehr viel in die Restaurierung/ Renovierung historischer Gebäude investiert, was zwar zu teils langjährigen Bauarbeiten führte, als Ergebnis jedoch im neuen, prächtigen Glanz erstrahlte Gebäude hervorbrachte. Sehr schön. In der DDR verfielen diese ja zusehens, da das nötige Geld fehlte.


    Nicht so gelungen empfinde ich dagegen die bauliche Entwicklung an der Ostsee. Egal ob Usedom. Rügen, Fischland-Darß oder die Küstenregion zwischen Boltenhagen und Graal-Müritz, aus den ehemals beschaulichen Orten sind mit Bausünden gespickte Touristen(hoch)burgen geworden, die mir persönlich nicht mehr so zusagen. Was allerdings wirklich schön ist, ist die Wiederherstellung der Bäderarchitektur überall dort. Und das Meer ist sowieso immer toll.


    Und auch Städte wie Rostock, Stralsund, Wismar und Schwerin haben unbedingt an Charme gewonnen. Auch weil -- ebenso wie in den drei vorher genannten Großstädten -- ganz andere, jüngere Leute mit frischen Ideen zugezogen sind. Die Stimmung in diesen Städten, das empfinde ich besonders in Leipzig so, ist eine ganz andere geworden. Alternativ, modern, weltoffen.



    Zur #104:

    Du hast mir nicht vorgegriffen, keine Sorge; und ja, ich finde die offenen, persönlichen und höchst unterschiedlichen Geschichten unterschiedlich alter Menschen (w/m/d) auch sehr schön und interessant. Freue mich auf weitere.

    #121Author karla13 (1364913)  11 Oct 22, 17:10
    Comment

    Auch zu #115:


    Kann ich gar nicht sagen, Dodolina. Ich war ja nur wenige Tage in Leipzig, und das war 30 Jahre her. Aber ich weiß noch, dass ich das Gefühl hatte, in der Zeit zurückgereist zu sein - alles wirkte zwei oder drei Jahrzehnte früher, z,B. war die Werbung noch gemalt, keine Fotos, und sahen aus wie 50er-Jahre-Werbung (oder das, was ich mir darunter vorstellte). Meine Erinnerung ist auch irgendwie schwarz-weiß, zum Teil wahrscheinlich, weil das Wetter grau war und die Mauern und Häuser auch. Und die Leute sehr grantig - bis auf unsere Gastgeber und deren Freunde, die waren sehr, sehr nett und haben sich unglaubliche Mühe gegeben, dass wir uns wohlfühlten. Aber der gemeine Leipziger, dem wir so begegnet sind in Läden oder auf der Straße, hat irgendwie nicht gelächelt, das fiel mir damals auf, obwohl Westdeutschland ja nun auch kein Serviceparadies war.

    Das klingt jetzt negativ, war es aber gar nicht. Es waren schöne (aber auch augenöffnende) Tage.


    Leipzig 2019 dagegen war ein strahlender Sommertag in einer offenbar wohlhabenden und schön restaurierten Stadt voller gutgekleideter Touristen, Einkaufsstraßen, Eiscafés, Restaurants und einem Geiger auf dem Platz. Hat mir gut gefallen, aber ohne einen wirklich tiefen Eindruck zu machen. Und dann stand ich auf einmal unter einem Schild, auf dem "Auerbachs Keller" stand und dachte: Verdammt, da warst du mal essen! Und erst da hat es Klick gemacht, ich habe diesen Besuch ü-ber-haupt nicht mit dem von 1986 in Verbindung gebracht.


    Es war also einfach sehr anders, weder besser noch schlechter.

    #122Author Gibson (418762) 11 Oct 22, 18:52
    Comment

    Noch ein Relikt aus der Zeit der Teilung fällt mir ein: Ich war einige Jahre bei einem Verlag beschäftigt, der 1946 in West-Berlin gegründet wurde und immer noch dort seinen Hauptsitz hat. 1954 wurde ein Verlag in Bielefeld hinzugekauft, seither waren Druckerei und Auslieferung in Bielefeld, weil der Transport der Bücher von dort natürlich einfacher war. Noch heute wird aus Bielefeld geliefert.

    #123Author Raudona (255425) 11 Oct 22, 20:47
    Comment

    Aufgewachsen in Essen, mit Verwandtschaft am Niederrhein kannte ich nur die Art Grenzen, über die wir ohne Nachzudenken drüber fahren konnten. Manchmal kam dann die Frage auf, ob wir im Moment in Belgien, den Niederlanden oder Deutschland waren.

    1986 bin ich nach Oberfranken gezogen, mein Arbeitsplatz war ziemlich genau 1000m von der D-D Grenze entfernt. Ich bin auch mal zu dem Ausflugslokal dort gefahren dessen Anfahrt direkt an der Grenze entlang ging.

    An einer Stelle habe ich angehalten, bin ausgestiegen und habe mich umgeschaut. Ich konnte 3 Wachtürme sehen, auf allen konnte ich sehen, dass Ferngläser auf mich gerichtet waren.


    Gruselig. Ich bin regelrecht geflüchtet.


    Ein anderes Mal war ich mit Besuch an der Strasse zwischen Neustadt Coburg und Sonneberg. Zufällig war da ein bundesdeutschen Grenzer der uns und anderen etwas über die Grenze erzählte. Die Grenze war ja nur durch die Pfähle gekennzeichnet, der Zaun war viel weiter auf DDR Gebiet. Während wir da standen flitzte ein Fahrzeug hinter dem Zaun entlang und verschwand im Untergrund. Der Grenzer erklärte uns, was jetzt folgen würde. Ein erfahrener DDR Grenzer würde mit einem jungen Kollegen, beide ihre Maschinengewehre im Anschlag, durch das Tor im Zaun kommen und mit böser Miene auf uns zu kommen. Er grinste und meinte, dass sei (Hauptmann?) Soundso, mit dem er sich ohne Zeugen schon oft netg unterhalten hätte, sein junger Kollege wäre neu und heute würde er keinen Ton sagen und auf harter Hund machen.

    Genauso kam es dann auch.


    In der Nacht als die Grenze aufging hing ich die ganze Nacht vor dem Fernseher und hab geheult wie ein Schlosshund.

    In den nächsten Wochen hat sich das bei mir etwas relativiert. Eine der Haupteingangsstrassen nach Coburg ging mit ca 50m Abstand am Haus vorbei.

    Ich konnte nur morgens ab ca 2 Uhr die Fenster aufmachen, nur dann war da nicht diese blaue Abgaswolke in der Luft. Unten im Haus war ein Baumarkt, sprich der Parkplatz war permanent überfüllt die für die Hausbewohner reservierten Parkplätze auch. Keine Ahnung wie oft ich da angemöpt wurde, ich soll gefälligst Platz machen, sie seien jetzt dran.


    In der Folge hatte ich diverse neue Kollegen. Die äh, interessanteste Aussage war.

    "Von mir aus kann die Grenze wieder zugemacht werden. Nur noch die Deppen wohnen drüben."


    Ich bin froh, dass trotz allem was schief gelaufen ist (Treuhand hat erschreckend viel Gutes kaputt gemacht) die Wiedervereinigung statt gefunden hat.

    Zitat skye "Jedes Jahr am 9. November bin ich unglaublich dankbar für das, was damals passiert ist."

    Ich bin überzeugte Europäerin

    #124Author Masu (613197)  11 Oct 22, 23:13
    Comment

    In der Folgezeit bin ich mal gucken gefahren. Von Coburg aus ging es ja in 3 Richtungen "in den Osten".

    Himmel war das alles runtergeratzt, mein Gedanke war - hier mal mit nem Kärcher durch-.

    Dann stand ich an einer Ampel und konnte mir die Häuser in Ruhe ansehen. Danach war mir klar, warum der Baumarkt permanent ausverkauft war. Einmal mit dem Kärcher über den Fensterrahmen und die Scheiben hätten am Boden gelegen, so verrottet waren die Rahmen. Ich schätze mal das war im Zonenrandgebiet einfach noch ne Nummer schlechter als weiter im Landesinneren.

    Im Dezember 1990 wollten meine Eltern in den Harz. Wir haben uns dort getroffen, im Westen gewohnt und sind tagsüber z.B. nach Quedlinburg gefahren. Ich habe nie wieder solche Schlaglöcher auf den Straßen gesehen.

    GsD ist sowas Geschichte


    In den folgenden Jahren bin ich gerne nach Suhl in die Philharmonie gefahren.

    #125Author Masu (613197)  11 Oct 22, 23:27
    Comment

    Ich kann als jemand, der nach der Wiedervereinigung geboren ist, leider nichts Persönliches beitragen, aber verfolge den Thread sehr eurer Einheits-, Vereinigungs- und Teilungsgeschichten interessiert. Meine Mutter hat mir natürlich auch erzählt, wie sie immer wieder durch die DDR (und ja, sie hat auch schon "Zone" gesagt, aber im Sinne von "so nannte man das ja") gefahren ist (von Braunschweig nach West-Berlin) und wie Autos von den Vopos gefilzt wurden.


    Ich habe bzw. hatte auch Verwandtschaft im Osten und war auch selbst schon in mehreren Städten und Orten der ehemaligen DDR, aber das war alles 20+ Jahre nach der Wiedervereinigung und ich habe nichts Spezielles gesehen oder gespürt. Die Verwandtschaft aus dem Osten hat mir natürlich auch über ehemalige Kombinate etc. erzählt, aber irgendwie "komisch" oder gar naiv-ungebildet kamen die mir nicht vor (jedenfalls nicht mehr als "eher einfache" westdeutsche Menschen oder Menschen anderer Herkunft).

    Natürlich habe ich mir die "objektive" Teilungsgeschichte und DDR-Geschichte im Zeitgenössischen Forum zu Leipzig, in Mödlareuth und (wenig) auch in Berlin angeschaut und durchgelesen, dennoch sind eure subjektiven Erfahrungen und Erlebnisse - man bedenke die Qualia-Problematik - nochmal eine andere Ebene.


    EDIT: Natürlich waren etliche Orte der ehemaligen DDR, an denen ich war, schön und/oder interessant (Leipzig, Großpösna, Quedlinburg), aber das kann ich genauso von Orten im Westen oder in anderen Ländern sagen (Hannover, Ruhrgebiet, Braunschweig-RIddagshausen,...) - und Käffer im Osten (Groß-Kelle) waren genauso uninteressant, langweilig und schlecht digitalisiert wie Käffer im Westen (also hier, 35 km von mir weg, von wo ich zum Glück 2016 weggezogen bin).

    #126Author BenatarsComrade (1182552)  11 Oct 22, 23:34
    Comment

    P.S. Ich kann richtig sauer werden, wenn immer noch von '5 neue Länder' oder auch nur 'drüben' gesprochen wird.

    Typischerweise waren diejenigen noch nie 'dort' weil *beliebiges Vorurteil einfügen*

    #127Author Masu (613197) 11 Oct 22, 23:43
    Comment

    Es gab natürlich die eine Großtante, die mich als 15-20-jährigen und als schlau bekannten zum "Test" gefragt hat, ob Zebras blau-weiß oder schwarz-weiß gestreift seien. Da bin ich fuchsteufelswild geworden, aber ich führe dies eher auf die Bildungsferne und/oder einen Charakterzug der Tante als auf ihre Herkunft aus der DDR zurück. Ich kenne mittlerweile auch eine sehr (allgemein)gebildete und politisch auch zu mir passende DDR-Bürgerin, die mit dem autoritären Regime etc. auch keine Probleme hatte (obwohl sie nicht zu dessen Elite gehörte) und sich auch nie eingesperrt oder unfrei fühlte o.Ä.. Im Gegenteil, sie hat die DDR (in der sie lebte, bis sie 16 war) als positiv und ihre Kindheit als glücklich erlebt, manches in der DDR sogar als positiver als "im Westen".

    Sie reist aber auch heute nicht so viel und lebte auch abseits der Mauer, nämlich in Zschopau, Bezirk Karl-Marx-Stadt.

    #128Author BenatarsComrade (1182552)  11 Oct 22, 23:55
    Comment

    Es gab natürlich die eine Großtante, die mich als 15-20-jährigen und als schlau bekannten zum "Test" gefragt hat, ob Zebras blau-weiß oder schwarz-weiß gestreift seien.


    Vielleicht wollte sie ja nur testen, ob Du Fan des MSV Duisburg bist…


    im Ernst: Was für ein Test soll denn das sein, und warum wird man da „fuchsteufelswild“? Und was hat die Frage mit Bildungsferne und/oder einen Charakterzug der Tante oder ihre Herkunft aus der DDR zu tun?

    #129Author Dragon (238202) 12 Oct 22, 00:19
    Comment

    Gut, dass Dragon fragt, ich wollte das auch gerade tun.

    #130Author Gibson (418762) 12 Oct 22, 00:50
    Comment

    #127 Wirst Du auch richtig sauer, wenn viele Bayern (sogar Neigschmeckte) sich noch immer als etwas Besonderes und sogar Besseres empfinden und viele v.a. im Westen Deutschlands allergisch darauf reagieren?

    #131Author Selima (107)  12 Oct 22, 06:47
    Comment

    P.S. Ich kann richtig sauer werden, wenn immer noch von '5 neue Länder' oder auch nur 'drüben' gesprochen wird.


    Hihi, ich habe einen Kollegen hier bei uns in der Schweiz, der auch aus der DDR stammt (noch vor dem Mauerfall geboren, aber nicht viel davor), etwas zum alltäglichen Gebrauch von irgendwelchen Wörten fragen wollen und hub an mit den Worten: "(Name), du bist doch von "drüben". Habt ihr den Ausdruck xy gebraucht?" Erst entgleiste sein Gesicht etwas, da ich aber mit deutlich hörbaren Anführungsstricheln geredet hatte und mit dem entsprechenden Augenzwinkern, war er dann schnell versöhnt und hat belustigt geantwortet.

    #132Author virus (343741) 12 Oct 22, 07:27
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    Habt ihr den Ausdruck xy gebraucht?

    Ha, das war eine Sache, die ich zu Beginn meiner Arbeitskarriere "im Osten" erstmal lernen musste. Meine Kollegen aus WR und Umgebung konnten sich köstlich darüber amüsieren, dass ich nicht wusste, was "tote Oma", ein "Aktendulli", "Malimo" oder eine "Bemme" sind.

    Den "Broiler" kannte ich immerhin.


    Tote Oma ist ein Fleischgericht, dass nicht so lecker aussieht, aber ganz gut schmeckt.

    Aktendulli wird im Westen "Heftstreifen" genannt.

    Malimo war so ein seltsamer Stoff, aus dem die Küchenhandtücher waren

    Bemme ist einfach eine Schnitte, Stulle oder wie auch immer man regional noch zu einem belegten Brot sagt.

    Broiler ist ein Grillhähnchen.

    #133Author Hassos Frauchen (270200)  12 Oct 22, 07:48
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    Nachtrag zur 131:

    Das ist oft einfach Gewohnheit, Gedankenlosigkeit und halt etwas, das einfach da ist. Du wirst Ähnliches jeweils auf der Gegenseite finden.


    Ich war schon als Kind mit meinen Eltern mehrmals in Ostblockländern (Ungarn - Kurzausflug von Österreich aus und Exkursion, Bulgarien - Freunde in Sofia besuchen und am Schwarzen Meer) und, wie oben gesagt, in der DDR bei Verwandten. Bei den Verwandtenbesuchen war ich noch sehr klein und kann mich nur an ein paar wenige Dinge erinnern. Die grauen Farben haben sich mir als kleines Kind noch nicht so eingeprägt. Präsent ist mir noch das Wasserflohfangen mit dem Großonkel (für seine Fische in den Aquarien) und v.a. die Narbe, die er mir dabei bescherte (er unterhielt sich mit einem Bekannten, hatte die lange Stange mit dem Netz über der Schulter, drehte sich nach mir um, ich stand ungünstig und bekam das Stangenende über den Ellbogen geratscht). Auf der Rückfahrt (per Zug) wurde ich zum Schmuggeln "mißbraucht" - der Großonkel hatte uns eine kleine Antiquität geschenkt, über der ich schlafen musste - in der Annahme, dass der Grenzbeamte mich nicht wecken wollen würde. Hat geklappt.


    Für mich als Jugendliche war die Fahrt nach B durch die DDR immer aufregend. Ich bin mit der Bahn, dem Bus und dem Auto (mit)gefahren. Die erste Fahrt war eine Klassenfahrt mit dem Zug. Wir standen ewig in Probstzella am Bahnhof. Es war Juli, eine laue Nacht und ich so gespannt auf Berlin. Der Bahnhof war grell ausgeleuchtet - gruslig. Wir wurden instruiert, bei den Passkontrollen auf keinen Fall irgendetwas Witziges machen zu wollen. Als die Grenzer in die Abteile kamen, dachte da auch wirklich keiner dran. Bei deren Auftreten hatten wir augenblicklich überhaupt keine Lust auf Witze. [Eine ganz ähnliche Aura verbreiteten für mich die Grenzbeamten bei meiner ersten Reise in die USA.]

    Mit dem Auto sind wir einmal wegen einer Geschwindigkeitsübertretung angehalten worden. Auch kein Spaß.

    Wirklich lustig war die letzte Busfahrt. Einer von uns hatte gemeint, sich kurz vor der Abfahrt zurück nach Bayern die Haare noch neongelb färben zu müssen. Das war bei Abfahrt noch nicht abgeschlossen. Aber statt das misslungene Experiment auszuwaschen, stieg er mit tropfenden Haaren in den Bus. Bei der Passkontrolle konnte ein Grenzer dann aber doch tatsächlich die Contenance nicht mehr halten - er musste grinsen. Ob das schon die Vorzeichen für den Zusammenbruch des Systems war? Das muss im Jahr vor dem Mauerfall gewesen sein.

    #134Author Selima (107) 12 Oct 22, 08:01
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    #133

    Falls es ein Trost ist: Malimo kenne ich als gelernte DDR-Bürgerin auch nicht - bisher noch nie gehört.

    Auch „tote Oma“ (die Bezeichnung, nicht das Gericht selbst) habe ich erst in Ba-Wü zum ersten Mal gehört, allerdings von einem Bekannten aus Thüringen. Bei uns zu Hause hieß das Pluntwurst oder lose Wurst, wenn‘s das in der Schulküche gab, stand, meine ich, Grützwurst aufm Speiseplan.

    Und mit Bemme outest du dich vermutlich in einem Großteil vom Osten als in Sachsen verortet - sprich, das ist kein allgemein ostdeutscher Sprachgebrauch. (Vielleicht auch noch Thüringen, da möchte ich mich nicht festlegen, aber für mich ist Bemme eindeutig sächsischer Sprachgebrauch.)

    #135Author skye (236351) 12 Oct 22, 09:07
    Comment

    zu 131:


    https://www.youtube.com/watch?v=aoqORos_1WA


    Boah, zickt der Löwe grad rum :-/

    #136Author B.L.Z. Bubb (601295)  12 Oct 22, 09:11
    Comment

    #127 Wirst Du auch richtig sauer, wenn viele Bayern (sogar Neigschmeckte) sich noch immer als etwas Besonderes und sogar Besseres empfinden und viele v.a. im Westen Deutschlands allergisch darauf reagieren?


    Als NordrheinWandalin in Bayern rolle ich desöfteren mit den Augen. Wenn ich jedesmal sauer werden würde hätte ich schon lange ein Magenbeschwerden.

    Besonders liebe ich das " bei uns in Bayern" (ist alles besser, schöner, anders...), typischerweise von mir ergänzt mit einem

    "So wie überall auf der Welt auch."


    #136😉

    #137Author Masu (613197)  12 Oct 22, 09:13
    Comment

    Grützwurst könnt ich auch mal wieder essen. Mit Rosinen ... Gibt's hier in Berlin natürlich nicht :-/

    #138Author B.L.Z. Bubb (601295) 12 Oct 22, 09:22
    Comment

    #135:

    Wir hatten in der Firma damals eine "Frühstücksrunde" mit festem Zeremoniell (für mich "Wessi" zuerst auch sehr gewöhnungsbedürftig):

    Jede Woche war wer anderes aus der Runde mit den Vor- und Nachbereitungen des Frühstücks dran. Es gab sogar extra einen kleinen Pappaufsteller mit einer stilisierten Teetasse drauf und der wurde von Woche zu Woche weitergegeben. Die Reihenfolge war streng festgelegt. Und man musste rechtzeitig Bescheid geben, wenn man Urlaub hatte und dann (falls man in der Zeit dran war) mit jemandem tauschen, damit alle gleich oft mit Frühstücksdienst dran waren 🙂

    Ca. eine Viertelstunde vor dem Beginn des Frühstücks (um 9 Uhr) musste der Frühstücksdienst dann Tee kochen und den Tisch eindecken. Und nur ja nicht das Nutella und die scharfe Sauce vergessen!

    Nach dem Frühstück gingen alle wieder an die Arbeit. Nur nicht der Frühstücksdienst und ein (freiwilliger) Kollege. Die beiden gingen in der Küche abwaschen (und quatschen!). Da kamen dann die Malimo-Handtücher zum Einsatz (seltsamer Stoff, irgendwie wie Platzdeckchen, nicht besonders saugfähig, aber unkaputtbar).

    Der Werksleitung waren diese Frühstücksrunden natürlich ein Dorn im Auge. Aber nach der ersten Befremdung habe ich sie geliebt, denn zwangloser konnte man nicht über die tagesaktuellen Belange in der Firma sprechen. Man war danach immer "auf dem Laufenden".

    #139Author Hassos Frauchen (270200)  12 Oct 22, 09:52
    Comment

    Zu #128

    wollte ich dasselbe wie Dragon und Gibson fragen.


    Zu #133 und #118

    und typischen DDR-Bezeichnungen: Mir war Hugolinchens 'Mutsch' aufgefallen. Habe ich in Berlin noch nie gehört. Woher stammt das Wort denn?


    Zu #134

    und Grenzkontrollen:

    Wir Kinder wurden auch immer instruiert, bei den Grenzern ja keine Späße zu machen oder sonst irgendwie aufzufallen. Immer schön die Anweisungen befolgen und keinesfalls aufmucken oder gar widersprechen. Sie waren als ausgesprochen humorlos verschrien.


    Als besonders unnachgiebig galten die weiblichen Grenzer; mein Vater war sofort noch besorgter, wenn absehbar war, dass eine Frau uns und unser Auto kontrollieren würde.


    Dabei fällt mir ein weiteres, total unwichtiges Detail beim Warten in der Grenzübergangsstellenautowarteschlange 😉 ein: Wegen der großen Anzahl an wartenden Autos war es üblich, die Motoren abzustellen und die Autos zu schieben [in den Siebzigern, mit Ölkrise und Fahrverboten an bestimmten Sonntagen.]. Das war für uns Kinder dann wenigstens eine vergnügliche Beschäftigung inmitten der ganzen Prozedur.


    Zu #135

    Was sind denn Plunt- oder Grützwurst? Mit ROSINEN? Klingt ja -Entschuldigung- nicht so richtig lecker...

    Bei Bemme und sächsischem Sprachgebrauch muss ich widersprechen: In Berlin ist eine Bemme eine besonders dick belegte, eher bäurisch aussehende Klappstulle! Mhmm...


    Zu #138

    KaDeWe?



    @ll:

    Was ich seit nach der Wende bemerkenswert finde, ist, dass manche Ostler (das ist nicht abfällig gemeint, bei mir gibt's Ostler und Westler, weil ich die Ossi-/Wessi-Bezeichnung nicht mag) die DDR, wenn sie über ihr ehemaliges Herkunftsland (zwischen 1949 und 1989) sprechen, die Bezeichnung "ehemalige DDR" benutzen.


    Also bspw. "Bei uns in der ehemaligen DDR war das soundso..." Nein, es war in der DDR soundso.

    Das klingt für mich nämlich so, als wollte man sich noch im Nachhinein von dem eigenen Land distanzieren. (Nur eine persönliche Beobachtung über den Sprachgebrauch.)

    #140Author karla13 (1364913) 12 Oct 22, 10:38
    Comment

    "Mutsch" kenne ich von meinem Großvater (aus dem Harz) als "Mutz" (=Mutter).


    Grützwurst ohne/mit Rosinen (a.k.a. rote Grützwurst und weiße Grützwurst, WIMRE) ist ein norddeutsches Gericht (die Norddeutsche kombinieren ja gern süß und salzig, wie in "Dicker Rippe", einer Schweinerippe mit Trockenobst gefüllt, oder Grünkohl mit kandierten Bratkartoffeln) und ist als solches absolut GÖTTLICH. Dazu Sauerkraut, Kartoffeln und ÄPFEL/APFELMUS. Wie gesagt - GOTT! Zum Reinsetzen.

    #141Author B.L.Z. Bubb (601295) 12 Oct 22, 10:46
    Comment

    Zu #139


    Der Werksleitung waren diese Frühstücksrunden natürlich ein Dorn im Auge.

    Verstehe ich das richtig? Ihr habt einmal wöchentlich in eurer Arbeitszeit ein Frühstück veranstaltet?


    Aber nach der ersten Befremdung habe ich sie geliebt, denn zwangloser konnte man nicht über die tagesaktuellen Belange in der Firma sprechen. Man war danach immer "auf dem Laufenden".

    Hehe, das kann ich mir gut vorstellen. Bei uns hieß das (vor Corona-Zeit) "Teambesprechung", fand auch einmal wöchentlich statt, aber leider ohne Essen.

    #142Author karla13 (1364913) 12 Oct 22, 10:58
    Comment

    Edith meint, jetzt hätte sie Sehnsucht nach der "alten Heimat" ...

    #143Author B.L.Z. Bubb (601295) 12 Oct 22, 11:06
    Comment

    Und ich hab jetzt Hunger...

    #144Author Möwe [de] (534573) 12 Oct 22, 11:08
    Comment

    Zu #141


    @Bubb: "Man muss auch mal auf Entbehrungen verzichten können!" 🤣

    Nee, mal im Ernst, so beschrieben klingt's wirklich total lecker.


    Meine Oma hat häufig "Schlesisches Himmelreich" zubereitet: Gemischtes Trockenobst mit durchwachsenem Speck gedünstet und dazu Kartoffelklöße. Göttlich -- schon alleine die Sauce war ein Traum.


    PS: Die G-wurst gibt's nicht (Achtung, Werbung) im KaDeWe, bei Rogacki oder Feinkost-Lindenberg??

    In Berlin gibt's doch ALLES ... 😇


    #145Author karla13 (1364913)  12 Oct 22, 11:20
    Comment

    #142: nicht einmal die Woche, jeden Arbeitstag 🙂

    Die Frühstücks- und Mittagspause (15 und 30 min) gehörten damals laut Betriebsvereinbarung zur Arbeitszeit (40-Stunden-Woche). Nur das Drumherum war der Werksleitung ein Dorn im Auge (sprich das Vorher-Tischdecken und Nachher-Abwaschen). Da gingen nochmal gut 20 min Arbeitszeit drauf, die wir eigentlich hätten arbeiten müssen.

    #146Author Hassos Frauchen (270200) 12 Oct 22, 11:23
    Comment

    Ich hab's noch nirgendwo gefunden südlich der Linie Hamburg - Lübeck, karla :-/

    #147Author B.L.Z. Bubb (601295) 12 Oct 22, 11:30
    Comment

    Ich hab's noch nirgendwo gefunden südlich der Linie Hamburg - Lübeck, karla :-/


    Meinst du jetzt Grützwurst? Die gibt's hier bei jedem Fleischer. Und auf die #141 hätte ich jetzt auch Lust. Ohne Rosinen, bitte.

    #148Author Hugolinchen (464632) 12 Oct 22, 11:33
    Comment

    Wo ist denn "hier"?


    Und Grützwurst geht nur, wenn es beides gibt 😉

    #149Author B.L.Z. Bubb (601295) 12 Oct 22, 11:48
    Comment

    "Hier" ist Nähe Dresden 🙂

    #150Author Hugolinchen (464632) 12 Oct 22, 11:51
    Comment

    Das ist dann sicher keine original norddeutsche Grützwurst 😉

    #151Author B.L.Z. Bubb (601295) 12 Oct 22, 11:55
    Comment

    Na aber Tote Oma gab's und gibt's hier auch! Erst neulich beim Mini als Schulessen.

    #152Author Hugolinchen (464632) 12 Oct 22, 11:57
    Comment

    Mag ja sein, mag auch sein, dass das total lecker ist, aber es ist eben keine norddeutsche Grützwurst 😉


    Wir im Norden können auch lecker Stollen, ist aber auch kein Vergleich mit dem echten Dresdner (in Wahrheit ist er natürlich VIEL besser 😉)

    #153Author B.L.Z. Bubb (601295) 12 Oct 22, 12:20
    Comment

    Wollen wir mit dem Essensthema hier weitermachen? Siehe auch: Vermisste Nahrungsmittel - #152



    (Äh.. wieso steht im Link, der betreffende Faden hätte schon 152 Posts...?)

    #154Author Möwe [de] (534573)  12 Oct 22, 12:21
    Comment

    OT: Möwe, das ist eine aktuelle LEO-Macke: An einen Link zu einem beliebigen Faden wird die Beitragsnummer angehängt, die der zuletzt aufgerufene Faden hat - wir waren hier also bei #152, als du den neuen Faden eröffnet hast.


    Ist schon mehrfach gemeldet, aber noch nicht behoben.

    #155Author Raudona (255425) 12 Oct 22, 12:29
    Comment

    OT (und auch total unwichtig)


    Zu #146

    #142: nicht einmal die Woche, jeden Arbeitstag 🙂


    🤣


    Die Frühstücks- und Mittagspause (15 und 30 min) gehörten damals laut Betriebsvereinbarung zur Arbeitszeit (40-Stunden-Woche).

    Habt ihr denn euer Gemeinschaftsfrühstück in einer Viertelstunde geschafft?

    Und der Reihum-Wochen-Küchendienst musste auch einkaufen/ täglich frische Brötchen mitbringen? Respekt!



    Zu #154

    Gute Idde! Bin dabei.

    #156Author karla13 (1364913) 12 Oct 22, 12:40
    Comment

    Also bspw. "Bei uns in der ehemaligen DDR war das soundso..." Nein, es war in der DDR soundso.

    Das klingt für mich nämlich so, als wollte man sich noch im Nachhinein von dem eigenen Land distanzieren.


    Ist aber vermutlich häufig nur eine Hyperkorrektur: Es wurde einem eingeimpft, dass die DDR jetzt ehemalig ist. Also sagt man das auch, wenn man über eine Zeit redet, in der sie es noch nicht war, auch wenn das sachlich falsch ist.

    #157Author JanZ (805098) 12 Oct 22, 12:52
    Comment

    Mutsch: Meine aus Oberbayern stammende Oma, früh nach Wiesbaden gezogen, wurde von allen Kindern und Schwiegerkindern Mutsch genannt.

    #158Author virus (343741) 12 Oct 22, 13:17
    Comment

    Zu #157


    Ah, das wäre eine gute (und nettere) Erklärung. Danke.



    Danke auch für die Mutsch-Verortungen, Bubb und virus.

    #159Author karla13 (1364913)  12 Oct 22, 13:30
    Comment

    Zu #136


    @Bubb, das Video ist ja genial. 🤣🤣


    Aus den Kommentaren:

    Ostdeutsch und berlinerisch sind die besten Dialekte.

    JAAAAAAAAAAAA.

    #160Author karla13 (1364913) 12 Oct 22, 16:19
    Comment

    Na, der Kommentar zeugt ja so richtig von Kompetenz auf dem Gebiet.

    #161Author JanZ (805098) 12 Oct 22, 16:50
    Comment

    Karla, Ostdeutsch ist vielleicht eine überregionale Verkehrssprache, aber kein Dialekt; welchen Dialekt meinst Du? (Wahrscheinlich Nordbairisch ;-) Karte: Dialekte in der DDR

    #162Author manni3 (305129)  12 Oct 22, 17:59
    Comment

    ##161, 162


    Wollt ihr mich auf den Arm nehmen, oder habt ihr das Video vielleicht gar nicht angeschaut (nur 1,5 min lang)?? Ich glaub fast, Letzteres.


    Zitat am Ende: Über 60 Millionen Menschen in Deutschland können nicht richtig Ostdeutsch. Schreib dich nicht ab. Lerne Ostdeutsch.


    [Das ist doch gerade der Witz: In dem Video ist 'Ostdeutsch' "eine überregionale Verkehrssprache".]


    Nochmal der Tipp: Video ansehen. Dann: Lachen.

    #163Author karla13 (1364913) 12 Oct 22, 18:24
    Comment

    160: "Ostdeutsch und berlinerisch sind die besten Dialekte." - Wer lesen kann ... 😉

    #164Author manni3 (305129) 12 Oct 22, 18:39
    Comment

    karla, keiner will dich auf den Arm nehmen, sondern man will dir vermitteln, dass eine Verkehrssprache kein Dialekt ist. Schau dir mal die Karte in #162 an.

    #165Author penguin (236245) 13 Oct 22, 08:42
    Comment

    Wollt ihr mich auf den Arm nehmen, oder habt ihr das Video vielleicht gar nicht angeschaut (nur 1,5 min lang)??


    Hatte ich tatsächlich nicht, und nach deiner #163 brauche ich das auch nicht, weil ich es schon kenne 🙂. Man kann also zumindest dem Kommentator keinen Vorwurf bezüglich "Ostdeutsch" machen.

    #166Author JanZ (805098) 13 Oct 22, 09:03
    Comment

    Ostdeutsch und Berlinerisch/Dialekte

    Das steht zwar so in den Kommentaren unter dem Video, der Kommentator wird aber ebendort auch sofort korrigiert:

    Es gibt nicht den einen Ostdeutschen Dialekt. Genauso wie anderswo hat jede Region ihren eigenen.


    Beim Mauerfall habe ich nicht gebügelt, sondern war gerade dabei meine Babys zu wickeln und für die Nacht fertig zu machen.

    Mit ihnen war ich gerade wegen irgendeiner administrativen Angelegenheit in Deutschland und bei einem Freund untergebracht.

    Dieser Freund kam ganz aufgeregt ins Zimmer, erzählte mir das Wichtigste in Kürze und brachte mich tatsächlich dazu, die halb an- und ausgezogenen Kinder zu schnappen und mit ihnen die neuesten Fernsehnachrichten zu schauen. Natürlich nicht allzu lange, obwohl meine Neugier riesig war. Umfassend informiert wurde ich erst geraume Zeit später.


    Mit 16 Jahren war ich zum ersten Mal in West-Berlin, weil eine zwei Jahre ältere Freundin dort eine Ausbildung angefangen hatte. Sie war mindestens zehn Jahre vernünftiger als ich. Deshalb erlaubten meine Eltern mir, sie zu besuchen, bestanden aber darauf, dass ich von Hannover aus flog.

    Die einzige "Begegnung" mit Ost-Berlin war bei diesem ersten Mal die Beobachtung von DDR-Grenzschützern von einem Aussichtsturm im Westen aus. Wir beguckten sie mit einem Fernrohr und sie uns. Ich empfand das damals als eher lustig als bedrohlich.


    Das zweite Mal ging es im PKW direkt nach Ost-Berlin. Bei der Kontrolle am ersten Kontrollpunkt,beging ich den Fehler, auf die Frage nach unserem Zielort mit "Berlin" zu antworten. Es folgten schlechte Laune beim Grenzer, Belehrung und allerlei Schikanen seinerseits. "WEST-Berlin" hieße es.


    Im Ostteil der Stadt habe ich durch Freunde, die schon öfter da gewesen waren, Kontakte zu oppositionellen Intellektuellen bekommen. Sie waren dem System gegenüber sehr kritisch, aber schon Sozialisten geblieben, glaubten noch an die Realisierung des guten, gerechten

    Bei denen waren wir später einige Male in der Wohnung, haben diskutiert, zusammen gekocht und gegessen. Dann immer bei Tagesbesuchen von West-Berlin aus. Oft wurde es sehr knapp mit dem rechtzeitigen "Rübermachen" vor Mitternacht. Und jedes Mal waren die Grenzübertritte gespenstisch. Genaueste Kontrollen dessen, was wir mit in den Osten bzw. den Westen nehmen wollten, die eine oder andere Konfiszierung, provokante Fragen, bei denen man sich eine Antwort gut überlegen musste usw.


    Das zwangsweise umgetauschte Geld habe ich auch im Wesentlichen für Fachbücher ausgegeben. Auch für Restaurantbesuche oder "richtigen" Kaffee für die Bekannten. In den Restaurants gab es in den Wintermonaten fast gar kein frisches Gemüse, erinnere ich mich, nicht einmal immer Kohlsorten. Einen Platz zu bekommen war nicht immer einfach, die Kellner oft arrogant.

    Ein Bekannter aus Dresden erzählte mir einmal, er und seine Frau hätten den Braten bestellt, der auf der Karte stand, und der Kellner geantwortet, alles sei aus außer Bockwürstchen. Sie sahen aber noch andere Fleischgerichte, die anderen Gästen serviert wurden und beschwerten sich. Der Kellner reagierte mit: "Entweder ihr fresst jetzt die Würstchen oder ihr kriegt gar nichts."

    So dolle habe ich es nie erlebt, mich aber nie besonders wohl gefühlt mit diesen Kellnern und Kellnerinnen.


    Eine von den Bekannten aus Ost-Berlin war nach dem Mauerfall nicht gerade begeistert über die Entwicklung..

    1990 schrieb sie mir eine Weihnachtskarte, die mit den Worten schloss: "Immerhin darf der Weihnachtsmann noch rot tragen."


    Nach der Wiedervereinigung war ich noch zwei/drei Mal in Berlin und erstaunt über die baulichen Veränderungen. In Berlin bin ich aber nicht auf Ost/West-Ressentiments gestoßen so wie etwa zum selben Zeitpunkt in Thüringen.


    Von dort, aus Ostthüringen - das ist ja von Sachsen fast umzingelt - kenne ich "Mutsch". Und dort habe ich eine recht ausgeprägte Wessi-Feindlichkeit erlebt. Wir hatten mal kurz überlegt, dort zu arbeiten und waren auf der Suche nach einer Bleibe.

    Viele der Leute, die wir dort getroffen haben, waren irgendwie von Westleuten übers Ohr gehauen worden, bei Hauskauf oder -bau, erinnere ich mich. Oder sie kannten welche, bei denen es so war, oft auch erst über viele Ecken.

    Das genügte aber, um uns gegenüber zu verallgemeinern und uns spüren zu lassen, dass wir ja auch zu "denen" gehörten


    Ich bin froh über die Wiedervereinigung, kann aber außer dem Geschilderten nichts Persönliches mehr beitragen. Alles Weitere über den Osten, den Westen, die immer noch vorhandenen Unterschiede oder, je nach Sichtweise, die großen Fortschritte, die (Un)zufriedenheit kann ich nur den Medien entnehmen.

    Weit entfernt und mit erst Säuglingen, dann Kleinkindern, Schulkindern, Jugendlichen im Gepäck war Reisen nicht so einfach.

    Jetzt sind sie schon seit geraumer Zeit erwachsen, aber aus privaten Gründen gehen meine eh seltenen Reisen meist woanders hin, am häufigsten zu den Wurzeln an verschiedenen Orten im Westen (in den alten Bundesländern) oder zu Verwandten und Bekannten im europäischen Ausland..



    #167Author Reeva (908916)  13 Oct 22, 11:33
    Comment

    "Es gibt nicht den einen Ostdeutschen Dialekt. Genauso wie anderswo hat jede Region ihren eigenen."


    Und ich dachte, die Leute "von driehm" würden von Leipzig bis Rostock alle durch die Bank sächseln 😀

    #168Author B.L.Z. Bubb (601295) 13 Oct 22, 11:43
    Comment

    Gaaanz genau Bub,

    die Ossis sächseln alle - von Kap Arkona bis zum Fichtelberg. Außer wir Vogtländer, wir sprechen vogtländisch. Punkt.

    Nordbayrisch, dass ich nicht lache.

    #169Author Schw4rzbeere (949126) 13 Oct 22, 12:17
    Comment

    Ich hätte "uns Vogtländern" gesagt. ;-)

    SCNR

    #170Author Reeva (908916) 13 Oct 22, 12:22
    Comment

    Zu ##169. 170


    Wir Berliner/innen sind tolerant, weltoffen und anpassungsfähig 😂:


    Wir können so: Außer wir Berliner, wir sprechen ...

    Oder so: Außer uns Berlinern, wir sprechen ...


    Klingt beides für mich genauso richtig.

    SCANR

    #171Author karla13 (1364913) 13 Oct 22, 12:42
    Comment

    Jetzt hast du mich an irgendein Lied erinnert, dessen Refrain oder Titel irgendwo in meinen Hirnwindungen versteckt war.


    Ab heute sind wir tolerant??


    MichaufdieSuchebegeb.

    #172Author Reeva (908916) 13 Oct 22, 13:02
    Comment

    Morgen sind wir tolerant, tolerant und finden die größten Idioten interessant...

    🤔

    Edith ist wieder da: G*** hat mich belehrt, dass der Sänger Robert Long hieß und Niederländer war.

    #173Author edoardo_1_4 (1297108)  13 Oct 22, 13:33
    Comment

    Ja stimmt, danke.

    Ist aber im Zusammenhang mit ## 169/170 ungeeignet, stelle ich fest, da zu bösartig.


    Also schnell wieder zurück damit in den Hinterkopf.

    #174Author Reeva (908916) 13 Oct 22, 14:06
    Comment

    Ich muss nochmal auf ##164, 165 zurückkommen und danach auf #166.


    penguin und manni, danke für (den erneuten Hinweis auf) die Karte. Ich begreife sie mMn und stelle interessiert fest, dass dort

    West-

    berlin

    genannt wird.


    Aber immer noch verstehe ich nicht, was ihr mir sagen möchtet. (Wo) Reden wir aneinander vorbei?

    Ich finde das Video superlustig, IMO wäre jede andere Bezeichnung als "ostdeutsch" hier wenig(er) bis gar nicht lustig, wenn auch terminologisch falsch.


    • Obwohl ich weiß, dass eine Verkehrssprache kein Dialekt ist,
    • Obwohl ich weiß, dass ostdeutsch kein Dialekt ist,
    • Obwohl ich sogar lesen kann 😛,

    verstehe ich eure beiden Kommentare nicht.


    Und auch #166 nicht, JanZ.

    Ich hab dem Kommentator doch gar keinen Vorwurf gemacht, im Gegentteil: Ich fand den Kommentar lustig, und das 'berlinerisch' hab ich unterstützt. Obwohl es lt. Karte keinen so benannten Dialekt gibt.


    @lle drei: Ich weiß, dass ich wenig Humor habe, aber habe ich gar keinen??

    #175Author karla13 (1364913) 13 Oct 22, 15:20
    Comment

    Ich hab dem Kommentator doch gar keinen Vorwurf gemacht


    Nein, aber ich. Ist es jetzt klar?

    #176Author JanZ (805098) 13 Oct 22, 15:27
    Comment
    1. Weder "Ostdeutsch" noch "berlinerisch" werden in der Karte aufgeführt. Ein paar Städte sind lediglich zur Orientierung eingezeichnet (in grauer Schrift), die Dialektbezeichnungen hingegen sind in schwarzer Schrift gehalten.
    2. Beides sind keine Dialekte (das hat manni mit der Karte gezeigt). Was er sonst noch gemeint haben könnte, habe ich nur geraten.
    3. Wer nimmt dich auf den Arm?
    4. Können wir das jetzt bitte beenden?


    Disclaimer: Das Video habe ich mir nicht angeschaut (und werde es auch nicht ...)

    #177Author penguin (236245) 13 Oct 22, 16:00
    Comment

    #176

    Ja.


    #177

    --> 1., 2.: Genau, wie in #175 bereits erwähnt und ausgeführt.

    --> 3. Niemand.

    --> 4. Ja.

    --> Disclaimer: Dann ist mir im Nachhinein das Missverständnis klar. Ohne das Video gesehen zu haben, ist die gesamte Diskussion witzlos. Danke trotzdem für deine Bemühungen.

    #178Author karla13 (1364913) 13 Oct 22, 17:59
    Comment

    penguin, das Video solltest Du Dir aber anschauen 😉


    karla: Du hast keinen Humor. Ich auch nicht - so there 😉

    #179Author B.L.Z. Bubb (601295) 13 Oct 22, 18:23
    Comment

    karla, den Bubb kenn ick länger als dich, deshalb hab ich mir das Video jetzt angeschaut - und finde es ... na ja ... für die Diskussion auch nicht erhellend.

    #180Author penguin (236245) 13 Oct 22, 18:42
    Comment

    #180

    karla, den Bubb kenn ick länger als dir dich,...

    Korrektur für berlinerisch (sic!) Lernende. SCNR. Nüscht füa unjut, wa??



    #Bubb&penguin&JanZ&manni3&me and @ll other LEOs, please feel free to join the little-to-none-humour club.

    New members welcome 24/7, except on English, US American, (North) Irish, Scottish, Welsh, Australian, Austrian, Swiss, NZish, Canadian and German public holidays -- hope I didn't forget anyone.

    [Corrections highly appreciated.]

    #181Author karla13 (1364913)  13 Oct 22, 19:10
    Comment

    #180 obbr penguin ... do miss mr doch was mochn... *penguinindenarmnehmundindiekulisseschleif*

    #182Author p2mg (807573)  13 Oct 22, 19:13
    Comment
    Jetzt wird's hier aber allmählich sächsistisch!
    #183Author B.L.Z. Bubb (601295) 13 Oct 22, 19:27
    Comment

    Huch! Wohin bin ich denn da geraten!

    #184Author penguin (236245) 13 Oct 22, 21:40
    Comment

    In ein bundesweites Sprachforum?!


    Vielleicht kehren wir doch besser zum Thema zurück. Drei kurze Gedanken:


    - Das Zusammenwachsen dauert noch. Zu erkennen z.B. auch daran, dass am Verkehrsprojekt Deutsche Einheit VDE 8 immer noch gebaut wird.


    - Das Zusammenwachsen kommt aber voran. Anstelle von Problemen miteinander treten zunehmend gemeinsam zu bewältigende Probleme in den Vordergrund. Zu erkennen z.B. auch daran, dass auf der o.g. baustellengeplagten Strecke Thüringer und Oberfranken gleichermaßen zu spät nach Nürnberg kommen.


    - Gleich werden wir aber nie werden. Mir (Wessi) wird es z.B. nie vergönnt sein, meine Verspätung auf der Bahnstrecke im Büro mit den Worten eines Thüringer Mitreisenden ankündigen zu können:

    "Du, die ham die Maur wieder zugemacht. Ich komm ni'mr in'n Westen."

    #185Author p2mg (807573) 13 Oct 22, 22:33
    Comment

    Toll, wir sind jetzt beim 186. Beitrag am 10. Fadentag angelangt und haben so viele unterschiedliche und individuelle Geschichten gehört und neue Sichtweisen kennenlernt -- jedenfalls geht es mir so.


    Nach etwas Rumgeplänkel in Nebengewässern zwischen ##140 und #184 hat Reevas #167, finde ich, noch mal überblicksartig unterschiedlichste Aspekte aus verschiedenen Bereichen angesprochen. Fand ich sehr interessant.


    in #185 erinnert p2mg an das Ursprungsthema, welches sich für mich immer mehr als miteinander verwobene Themenvielvalt darstellt. Im Moment habe ich nichts beizutragen und bin auf neuen Input gespannt.

    #186Author karla13 (1364913) 13 Oct 22, 23:16
    Comment

    Und hiermit möchte ich mal eine Anerkennung aussprechen an karla13 für die Moderierung "ihres" Fadens - klasse gemacht bisher!

    #187Author drkimble (463961) 14 Oct 22, 12:08
    Comment

    Re #187


    Oh, danke schön. *blush*

    #188Author karla13 (1364913) 14 Oct 22, 12:39
     
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