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    Customs and culture

    WM in Katar - politische Botschaften (?) auf Trikots

    Topic

    WM in Katar - politische Botschaften (?) auf Trikots

    Comment

    Die WM in Katar rückt näher und ist derzeit in der Presse breit vertreten, allerdings weniger aus sportlicher Sicht. Es wird (seit Jahren) viel über den Austragungsort diskutiert; das muss ich hier wohl nicht näher erläutern.

    Heute stolperte ich über eine Pressemitteilung, zu der ich gerne eure Meinung hätte. Es geht darum, dass die FIFA der dänischen Mannschaft verboten hat, zum Training mit Trikots aufzulaufen, auf denen "Menschenrechte für alle" steht, mit der Begründung, politische Botschaften seien verboten. (Doch die Fifa, die alle politischen Botschaften verbietet, hatte die am Turnier teilnehmenden Mannschaften aufgefordert, sich "auf den Fußball zu konzentrieren" und den Sport nicht "in jede ideologische oder politische Schlacht" hineinzuziehen.)

    https://www.zeit.de/sport/2022-11/fussball-wm...


    Ist der Spruch "Menschenrechte für alle" tatsächlich als politische Botschaft zu werten? - Natürlich ist es eine Anspielung auf Diktaturen bzw. politischen Systeme, in denen die Menschenrechte nicht eingehalten werden, aber - wie gesagt - ist das im eigentlichen Sinne eine politische Botschaft?

    Author fehlerTeufel (1317098)  15 Nov 22, 11:45
    Comment

    Ich denke, die Antwort auf Deine Frage hängt auch davon ab, ob man an global gültige Menschenrechte glaubt und ob man sich darauf einigen kann, was zu diesen Menschenrechten gehört und was nicht. Man muss ja zugeben, dass darüber in der Welt nicht unbedingt Einigkeit besteht.

    #1Author harambee (91833) 15 Nov 22, 11:54
    Comment

    Ich vermute, dass die Dänen die Formulierung deshalb so allgemein gehalten haben. Denn im Grunde kann doch eigentlich niemand - auch Diktatoren nicht, zumindest nicht öffentlich - gegen Menschenrechte sein, oder?

    #2Author fehlerTeufel (1317098) 15 Nov 22, 11:55
    Comment


    Von der deutschsprachige Ausgabe des FIFA-Webauftritts (eigene Hervorhebung) :


    https://www.fifa.com/de/social-impact/human-rights

     ... Die FIFA bewegt das Leben von Millionen von Menschen auf der ganzen Welt.

    Über ihre Wettbewerbe und ihr Engagement zur Förderung des Fussballs schafft sie Arbeitsplätze, sorgt für Investitionen in die Infrastruktur, fördert Gleichberechtigung und Fairness und stärkt die sozialen Bande unter Menschen und Ländern.

    Diese grosse Gestaltungskraft ist auch mit Verantwortung verbunden. Die FIFA anerkennt ihre Pflicht zum Schutz der Würde und der Rechte aller, die von ihren Tätigkeiten betroffen sind. Diese Pflicht ist in Art. 3 der FIFA-Statuten wie folgt verankert:

    Die FIFA bekennt sich zur Einhaltung aller international anerkannten Menschenrechte und setzt sich für den Schutz dieser Rechte ein.

    Diese Menschenrechtspolitik regelt das statutarische Bekenntnis der FIFA zur Einhaltung der Menschenrechte und erläutert, wie die FIFA dieses Bekenntnis in Übereinstimmung mit den Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte der Vereinten Nationen konkret umsetzt. ...


    #3Author no me bré (700807) 15 Nov 22, 12:03
    Comment

    Nimmt einer von Euch das, was die FIFA von sich gibt, echt für bare Münze?

    #4Author B.L.Z. Bubb (601295) 15 Nov 22, 12:07
    Comment

    #4 "Bare Münze" ist das falsche Wort, ich habe ja Zweifel daran, deshalb meine Frage. Nur müssen sich die Verbände an die Anweisungen halten. Oder müssen sie das nicht? (Siehe Link in #3, danke an no me bré)

    #5Author fehlerTeufel (1317098) 15 Nov 22, 12:14
    Comment

    Das meine ich doch - hehre Worte auf der Website, und diametral entgegengesetzte Handlungen im wirklichen Leben.

    #6Author B.L.Z. Bubb (601295) 15 Nov 22, 12:30
    Comment

    Auch wenn man sich wünscht, es sei keine strittige Botschaft, ist es natürlich eine politische Botschaft. Und sie wird nicht irgendwann irgendwo allgemein verkündet, sondern in eine konkrete Situation hinein. Ist doch klar, dass die FIFA, die sich zum Kumpanen der katarischen Machthaber gemacht hat, sich ganz solidarisch gemeinsam mit diesen ans Bein gepinkelt fühlt.

    Die Einordnung als politische Botschaft zu hinterfragen ist Wortklauberei und genauso irrational wie vor Kurzem die Aufregung darüber, dass der WM-Botschafter eines bekanntermaßen schwulenfeindlichen Landes sich schwulenfeindlich äußert, siehe auch Der Postillon.

    #7Author Lutz B (319260) 15 Nov 22, 12:32
    Comment

    Wieso ist das Wortklauberei? Erkläre das bitte.

    Mir ist klar, dass ein Bekennen zu einer bestimmten Gruppierung, die in einem Land verboten ist, sich in einem anderen aber frei bewegen kann, als politisch betrachtet werden kann - siehe die Regenbogen-Armbinde für LGBTQ. Aber allgemein Menschenrechte (ohne Spezifizierung) als politische Äußerung zu betrachten, halte ich für ... merkwürdig.


    #8Author fehlerTeufel (1317098)  15 Nov 22, 12:39
    Comment

    Mein Vorschlag wäre, dass sich die FIFA auf Grund der politischen Äußerungen auf ihrer Webseite selbst von der WM in Katar ausschließt.

    #9Author Smoerrebroed (906026) 15 Nov 22, 13:06
    Comment

    Natürlich ist das Bekenntnis zu Menschenrechten eine politische Botschaft, da Menschenrechte ein politisches Thema sind. So wie ein kontextlos genannter Markenname immer Werbung ist, auch wenn die Marke noch so nützlich für die Welt sein mag. Und beides ist auf Fifa-Trikots eben streng reguliert, während in anderen Kontexten andere Regeln gelten. Das muss man nicht gut finden, aber so dürfte in etwa die Argumentationslinie sein.

    #10Author JanZ (805098)  15 Nov 22, 13:14
    Comment

    Vielleicht hätten die Dänen den Satz der Fifa auf ihr Trikot schreiben sollen:


    Die FIFA bekennt sich zur Einhaltung aller international anerkannten Menschenrechte und setzt sich für den Schutz dieser Rechte ein.


    Da hätte sie eigentlich nicht meckern können, oder?

    #11Author Gibson (418762) 15 Nov 22, 13:44
    Comment

    Ich finde vor allem das "für alle" eine sehr politische Botschaft. Wenn ich mir so anschaue, was in vielen Ländern in letzter Zeit so gewählt wird, scheinen viele Leute anderer Ansicht zu sein, nämlich "Menschenrechte nur für [hier beliebige Gruppierung einfügen]". Gottseidank drücken sie es (noch?) nicht so deutlich aus.

    #12Author ilex (764482) 15 Nov 22, 13:50
    Comment

    Da hätte sie eigentlich nicht meckern können, oder?


    Ich vermute mal, dass sie auch dann hätten meckern können, weil das eben nichts ist, was auf ein Trikot gehört. Sicherlich kann auch nicht einfach ein Team einen Auszug aus den Fußballregeln auf die Trikots drucken lassen, auch wenn niemand bei der Fifa gegen diese Regeln ist.

    #13Author JanZ (805098) 15 Nov 22, 14:22
    Comment

    Ukraine's coat of arms is a blue shield with a gold trident. Yesterday, the Russian foreign minister Lavrov wore a T-shirt with such a similar symbol that I find it hard to believe in a coincidence. 

    But what was he thinking? 

    Or did his wife randomly pack a shirt in his suitcase that paid homage to an African American artist who died of a drug overdose? I don't think that's very likely.


    #14AuthorBubo bubo (830116) 15 Nov 22, 14:35
    Comment

    https://www.focus.de/sport/fussball/wm-2022/k...


    „WM-Waffenstillstand“? Fifa-Chef Infantino ruft „Frieden“ und will doch nur Geld


    Dieser Kommentar im Focus zeigt eigentlich alles, worum es der FIFA geht.


    Da gibt es nicht mehr viel hinzuzufügen.

    #15Author BlackFrank (1093052) 15 Nov 22, 15:04
    Comment

    "Fanhansa Diversity wins" stand gestern auf dem Flugzeug der LH, mit dem die deutsche Nationalmannschaft gen Oman ins Trainingslager flog.


    Zwischen der Beschriftung auf dem Flugzeug und der auf den Trikots sehe ich in puncto Botschaft keinen nennenswerten Unterschied. Nur fliegt diese LH-Maschine nie nicht nach Doha.


    Ich glaube fast, der DFB hat sich ganz bewusst für eine Akklimatisierung außerhalb von Katar entschieden, um mit diesem Schachzug die Fans einigermaßen zu beruhigen. Dass die Maschine nie am WM-Ort landet, wurde in den Haptnachrichten auch nicht thematisiert, nur die "klare Botschaft".



    #16Author Reeva (908916) 15 Nov 22, 16:54
    Comment

    Das ist aber auch ein Unterschied zu Dänemark.

    Nicht die Mannschaft oder der DFB verkündet die Botschaft. Lufthansa hat die Maschine so 'bemalt'. Und der Kranich nimmt nicht am Turnier teil.

    #17Author traveller in time (589684) 15 Nov 22, 16:58
    Comment

    In Absprache mit dem DFB. Ohne diese wäre der Schriftzug kaum zustande gekommen.

    Berichtet wird darüber teilweise so, als wäre es einzig und allein eine Botschaft der Nationalmannschaft (neben dem Spiegel auch Bild), manchmal findet sich auch ein Hinweis über die Kooperation:

    »Diversity Wins« – Nationalmannschaft setzt zur Anreise ein erstes Zeichen

    Zumindest bei der Anreise setzt der DFB die Forderung nach einer Stellungnahme zu Katar um: Auf dem Flugzeug, mit dem Hansi Flick und sein Team in die Golfregion reisen, prangt eine Botschaft.

    https://www.spiegel.de/sport/fussball/fussbal...


    Den „Fanhansa“-Flieger zierte mit dem Slogan „Diversity wins“ (Diversität siegt) eine vom DFB und seinem Partner Lufthansa gewählte gesellschaftspolitische Aussage.

    https://www.augsburger-allgemeine.de/sport/fu...



    #18Author Reeva (908916) 15 Nov 22, 17:32
    Comment

    I am convinced that not a single oil sheikh from Qatar will be swayed in his opinion on human rights by these pinpricks. The opposite is more likely to be the case. Or desensitized. 

    A real sign would have been not to award the World Cup to such countries in the first place, pointing out the desolate human rights situation. But the Olympic Committee didn't do it with China either, so why FIFA? 

    #19AuthorBubo bubo (830116) 15 Nov 22, 17:40
    Comment

    Ich finde es schon verharmlosend zu sagen: Die achten Menschenrechte nicht.


    Es gab um die 15.000 Tote beim Erbauen der Stadien.

    Arbeiter wurden um ihren Lohn betrogen. Diejenigen, die ihn per Demo einforderten, wurden eingeknastet.

    Es wurden 200 Milliarden ausgegeben, um dieses Land glänzen zu lassen. Dabei auch Berge von "FANS" eingekauft (in aller Welt), die mit viel Geld zu diesen Spielen gelockt wurden, um rechtzeitig überall gute Stimmung zu verbreiten. Denen wurde sogar "Tagegeld" angeboten. Also mal Gratisurlaub für Arme. Ekelhaft.

    Der FIFA-Chef wohnt mittlerweile dort und läßt sich von den Scheichs einkaufen.

    Die Kombination aus all dem, was da vor sich geht, verdient nur ein Wort: EKELHAFT!!!

    #20Author ursus maritimus (1364942) 21 Nov 22, 07:54
    Comment

    ursus, das mit den 15.000 Toten ist so vermutlich nicht richtig, siehe zum Beispiel https://www.dw.com/de/faktencheck-wie-viele-m...

    #21Author harambee (91833) 21 Nov 22, 08:11
    Comment

    OK. ich habe die Daten bei Greenpeace gelesen. Laß es 10.000 sein, das macht die Sache nicht besser.

    #22Author ursus maritimus (1364942) 21 Nov 22, 08:48
    Comment
    Thomas Hitzlsperger sieht ähnlich wie ich die Verteidigung von Menschenrechten nicht als politische Botschaft. In einem ARD-Interview zu dem Verbot der Regenbogen-Armbinde sagte er heute: 'Die FIFA rede in ihren Statuten selbst von der Einhaltung von Menschenrechten. "Diese Binde symbolisiert das Einstehen für Menschenrechte, gegen Diskriminierung, für Diversität - alles positive Dinge. Es sind keine politischen Botschaften, sondern es geht um Menschenrechte. Dass sie das verbieten, ergibt für mich keinen Sinn." Daher könne man nur spekulieren, dass der Druck von höherer Stelle kommt.'
    https://www.tagesschau.de/inland/hitzlsperger...
    #23Author fehlerTeufel (1317098) 21 Nov 22, 23:36
    Comment

    Je mehr man erfährt, desto ekliger.


    Wenn man Größe nur noch am Geldbeutel mißt - Pfui Deibel


    Ich habe erst gestern mitbekommen, daß ursprünglich andere Länder angepeilt waren für die Austragung. Allerdings nicht genug Schmiergeld geboten, also ging es an Qatar.


    Ist das nun auch eine politische Botschaft?


    Wenn es nach mir ginge, hätten alle Europäischen Länder ihre Sachen gepackt und wären abgefahren. Oder sie hätten kollektiv ALLE ihren Protest deutlich angezeigt.

    Hinzufahren war mMn schon ein gewaltiger Fehler.

    #24Author ursus maritimus (1364942)  22 Nov 22, 07:43
    Comment

    #24


    +1

    #25Author karla13 (1364913) 22 Nov 22, 13:14
    Comment

    Der DFB bekommt seine Feigheit zu spüren:

    https://www.spiegel.de/sport/wm-2022-in-katar...

    #26Author fehlerTeufel (1317098) 22 Nov 22, 15:08
    Comment

    Wenn es nach mir ginge, hätten alle Europäischen Länder ihre Sachen gepackt und wären abgefahren


    England und die Niederlande haben anscheinend schon angefangen, das umzusetzen: Haben verloren.

    🙂

    #27Author Irene (236484) 22 Nov 22, 15:23
    Comment

    who did England lose to?

    #28AuthorBubo bubo (830116) 22 Nov 22, 15:25
    Comment

    #27 Da hast du dich verguckt, Irene. England hat 6:2 gegen den Iran gewonnen, die Niederlande 2:0 gegen Senegal.

    #29Author fehlerTeufel (1317098)  22 Nov 22, 15:32
    Comment

    So far, not a single European team has lost

    #30AuthorBubo bubo (830116) 22 Nov 22, 15:34
    Comment

    #26: Naja, so viel spüren sie da nicht. Ist wohl eher PR von Rewe. Der Vertrag wurde von Seiten rewe eh nicht verlängert und läuft Ende des Jahres aus.


    Nach den aktuellen Entscheidungen der Fifa stelle der Konzern den Vertrag mit dem DFB aber ab sofort ruhend und verzichte auf Werberechte, hieß es in Köln.


    Ich vermute mal den Großteil der Sammelkarten in ihrer typischen WM-/EM-Aktion sind sie schon vorher los geworden...

    #31Author traveller in time (589684) 22 Nov 22, 15:39
    Comment

    Ich vermute mal den Großteil der Sammelkarten in ihrer typischen WM-/EM-Aktion sind sie schon vorher los geworden...


    Oder die hat sowieso niemand kaufen wollen.

    #32Author harambee (91833) 22 Nov 22, 16:02
    Comment

    #31 Ist wohl eher PR von Rewe.


    Und schlechte Presse für den DFB. Was bei den Leuten hängenbleibt, ist: Sponsor springt beim DFB ab.


    #32 Soweit ich weiß, kann man sie kaufen, muss man aber nicht, sondern bekommt sie ab einem bestimmten Einkaufswert dazu. Und als meine Tochter noch im Sammelalter war, waren die Karten und die Alben heiß begehrt. - Klar, wie das jetzt aussieht, weiß ich nicht.

    #33Author fehlerTeufel (1317098) 22 Nov 22, 16:11
    Comment

    Die Arbeitsbedingungen der ausländischen Arbeitnehmer sind noch mal was anderes (obwohl im aktuellen Spiegel ein Artikel steht, der auch anderes beschreibt, leider ), aber die geballte Kraft des Regenbogens, die sich über Katar ergießen soll, empfinde ich schon als sehr selbstgerecht. Deutschland hat nach 2000 Jahren offizieller Homophobie 1994 (!) das letzte Gesetz gegen Homosexualität abgeschafft. Andere Länder waren nicht unbedingt schneller. Ich bin strikt dagegen, einen politischen Kotau irgendeiner Art zu dem Thema zu machen (indem z.B. Westerwelle seinen Mann zu Hause gelassen hätte, um niemanden peinlich zu berühren), aber zu erwarten, dass eine andere Kultur sich in genau der gleichen Geschwindigkeit und exakt so entwickelt wie wir, ist etwas vermessen IMO. Hier könnte man den Ball durchaus etwas flacher halten. Wenn ich in ein konservatives arabisches Land fahre, weiß ich z.B., dass ich wahrscheinlich keinen Alkohol kriege, als Frau besser meine Haare und den Großteil der Haut bedecke und als Mann nicht meinen Freund küsse. Wenn mir das als Tourist:in nicht passt, fahre ich nicht hin.


    Sicher sind die Gesetze falsch und diskriminierend, und sicher sollte der Westen zu seinen Werten stehen. Aber alle tun so, als hätte es sowas hier nie gegeben, oder wenn, dann höchstens im Mittelalter.


    #34Author Gibson (418762) 22 Nov 22, 18:15
    Comment

    Aber alle tun so, als hätte es sowas hier nie gegeben, oder wenn, dann höchstens im Mittelalter.


    Es ist durchaus möglich, dass die Leute hier so empfinden, denn für die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland ist Homosexualität nun einmal selbstverständlich. Und 1994 ist ja nun auch schon fast 30 Jahre her ...

    Es redet auch m. E. keiner davon, den arabischen Ländern Vorschriften zu machen. Aber man kann doch zeigen, dass man mit einer Situation, in der ein Menschenrecht nicht gewahrt wird, nicht einverstanden ist. Nur so ist es doch möglich, ein Nach- und vielleicht auch Umdenken zu bewirken. Niemand hatte irgendeine Aktion oder einen Spruch geplant, die/der Katar verunglimpfen sollte.

    Letztlich ist doch z. B. auch der Kniefall der englischen Mannschaft ein "politisches" Zeichen gegen Rassismus. Den gibt es überall, genauso wie es Homophobie noch überall gibt. Also ist das Anlegen der Regenbogenbinde nicht ausschließlich in Richtung Katar gemünzt, sondern ein allgemeines Bekenntnis zur Diversität.

    #35Author fehlerTeufel (1317098) 22 Nov 22, 19:42
    Comment

    Und findest du 30 Jahre Unterschied bei jahrtausendealten Traditionen viel? Was ich meine: Katar hat nach 2000 Jahren immer noch diese Gesetze. Deutschland hat nach 1.990 Jahren jetzt andere Gesetze. Wir sind also nicht wesentlich fortschrittlicher.


    Den Einsatz für mehr Menschenrechte finde ich richtig. Aber bei "one love" und "diversity wins" geht's ja nicht um Menschenrechte.


    Allerdings merke ich gerade, dass es hier im Faden tatsächlich vorwiegend um die "Menschenrechte"-Aussagen geht. Sorry, ich hatte gerade etwas zu der One-love-Armbinde gelesen und bin etwas im falschen Film.

    #36Author Gibson (418762)  22 Nov 22, 20:17
    Comment
    Ich bin kein Fußballfan, ich verurteile vieles/alles was man rund um die FIFA liest und hört. Die FIFA ist ein eigenes Thema. Es ist erstaunlich, dass deren Vorgehen einfach hingenommen wird als wäre man machtlos. Aber vielleicht ist man machtlos?

    Die Vergabe an Qatar war tja ... wie soll man das nennen? Aber jetzt ist das Kind schon in den Brunnen gefallen.

    Ich verstehe, dass die Teams jedenfalls spielen wollen, für die Sportler geht es auch um ihre Karriere.

    Mich wundert ein wenig, dass jetzt zu Beginn der WM so viel Negatives berichtet wird. Viele sagen, sie werden sich diesmal keine Spiele ansehen, keine Sammelalben kaufen ...und ähnliches. Die Stimmung wird auch von den Medien niedrig gehalten. Was wird sonst überschwänglich berichtet über die "größten Spiele aller Zeiten, die aufwändigste Eröffnungsfeier " usw.

    Wäre es nicht notwendig gewesen schon früher zu protestieren? Die fürchterlichen Arbeitsbedingungen und weitere problematische Zustände sind doch seit Jahren bekannt.

    Kein Alkohol - man konnte doch nicht erwarten, dass ein Land eine solche Grundregel einfach aufhebt Ganz abgesehen davon, dass es bei uns manchmal sinnvoll wäre bei einzelnen Spielen den Alkoholkonsum einzuschränken.

    Wäre es nicht sinnvoller, die Chance zu nutzen, jetzt wo alles fertig gebaut ist, um das Beste für die Zukunft aus der Situation zu machen? Mehr gegenseitiges (Völker)Verständnis. Meiner Erfahrung nach bringt es viel, wenn Menschen sich persönlich kennenlernen. Respektvoll mit den Qataris (nennt man die so?) umgehen, die "kleinen Leute" werden nicht viel Einfluss auf die Vergabe gehabt haben. Und respektvollen Umgang von den Gastgebern einfordern.

    Ich hoffe, dass sich die Fans vor Ort so benehmen und so feiern, dass die einheimische Bevölkerung ein positives Bild bekommt, wie man jubeln und sich freuen kann. Vielleicht können Freundschaften entstehen, die die Zukunft positiv beeinflussen.
    #37Author senseless.at (777729)  22 Nov 22, 23:04
    Comment

    Der DFB prüft offenbar eine Klage gegen die FIFA wegen des Verbots:


    https://www.theguardian.com/world/2022/nov/22...


    Die von der FIFA angedrohte Strafe scheinen ja nicht nur gelbe Karten gewesen zu sein?

    #38Authortelly (520167) 23 Nov 22, 09:14
    Comment

    To abstain from alcohol would be to respect a culture that is foreign to us. But we like to act as cultural colonialists in foreign countries. 

    #39AuthorBubo bubo (830116) 23 Nov 22, 09:15
    Comment

    Ich möchte auf meine Frage im OP verweisen, die da lautet: Ist der Slogan "Menschenrechte für alle" als politische Botschaft zu betrachten oder nicht?


    Es geht hier nicht um Alkoholverbote, auch nicht um das Zurschaustellen von Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit und auch nicht um nackte Haut. Es geht - neben oben geäußerter Frage - auch noch darum, ob eine freie und friedliche Meinungsäußerung zu einer Situation, die man als Missstand empfindet, von einer Institution verboten werden sollte, die sich die Einhaltung der Menschenrechte auf die Fahne schreibt.


    Und #39: Ich möchte nicht mit einem kollektiven "we" angesprochen und somit in eine Schublade gesteckt werden, in die ich nicht hineingehöre.

    #40Author fehlerTeufel (1317098) 23 Nov 22, 10:13
    Comment

    Ich möchte auf meine Frage im OP verweisen, die da lautet: Ist der Slogan "Menschenrechte für alle" als politische Botschaft zu betrachten oder nicht?


    Dazu gab es ja schon Antworten, unter anderem haben einige (darunter ich) begründet, warum man es so sehen kann, dass es eine politische Botschaft ist. Gibt es noch eine konkrete Frage, die du diskutiert haben möchtest?

    #41Author JanZ (805098)  23 Nov 22, 10:59
    Comment

    Nein, JanZ, ich habe nur auf den Kommentar #39 reagieren wollen, der nichts mit der ursprünglichen Anfrage zu tun hatte. Ich dachte, das hätte sich aus meinem Post ergeben. Wenn dem nicht so ist, bitte ich um Entschuldigung.

    Ich habe mittlerweile selbst ein bisschen recherchiert (was ich - wie ich gerade in einem anderen Faden gemerkt habe - viel öfter tun sollte, bevor ich hier etwas poste) und bin dahingehend doch etwas schlauer geworden. Danke an alle, die sich zur Sache hier geäußert haben.

    #42Author fehlerTeufel (1317098) 23 Nov 22, 11:12
    Comment
    Sorry fehlertTufel, da sind wir wohl etwas abgezweigt
    #43Author senseless.at (777729)  23 Nov 22, 11:28
    Comment

    #37: Die Vergabe an Katar ist von Anfang an kritisiert worden, aber jetzt, da es losgeht, kocht es natürlich besonders hoch. Ein paar Beispiele aus großen Medien:

    WM in Katar: "Das Land hat wenig mit Fußball zu tun" - DER SPIEGEL (2010)

    Korruption bei WM-Vergabe - Bitte, es tut sich doch was! - Sport - SZ.de (sueddeutsche.de) (2012)

    Fifa-Entscheidung: WM-Vergabe: Doppelter Skandal (tagesspiegel.de) (2010)

    Fußball-WM 2022: Der Wahnsinn von Katar - WELT (2013)


    Was ich ebenfalls nicht verstehe, ist, dass die FIFA machen kann, was sie will. Klar, sie kauft sich die Stimmen der ärmeren Länder. Aber warum muss denn überhaupt die ganze (Fußball-)Welt bei der FIFA mitmachen? Wenn die europäischen und amerikanischen Fußballnationen ihren eigenen Verband aufmachen würden, dann könnten Infantino und Co. weiterhin mit den übrigens Ländern zusammenklüngeln; die Sponsorengelder würden dann wohl kaum an den korrupten Haufen fließen.


    #44Author Raudona (255425) 23 Nov 22, 15:58
    Comment

    Na jetzt beziehen wir ja auch unser Gas von Katar. Dann werden wir alle noch ein bißchen abhängiger. Hätte man da nicht gleich von den Russen das Gas weiterbeziehen können?

    #45Author ursus maritimus (1364942) 29 Nov 22, 12:47
    Comment

    ursus, ich verstehe, dass man das kritisieren kann, aber Deine Beschreibung ist doch etwas einseitig. Bei dem Vertrag, der jetzt zwischen Deutschland und Katar abgeschlossen wurde, geht es um 2 Millionen Tonnen LNG pro Jahr ab 2026. Also stimmt es zum einen nicht, dass wir jetzt Gas aus Katar beziehen und zum zweiten scheint Deine Formulierung anzudeuten, dass Katar dadurch zum Hauptlieferanten wird und Russland mehr oder weniger ersetzt. Das ist aber kaum richtig, denn Russland hat 5 Milliarden Kubikmeter Gas pro Monat geliefert (Quelle Statista, aber ich kann keinen öffentlichen Link liefern) und das ist deutlich mehr.


    Ich bin mir allerdings nicht ganz sicher, wie man Tonnen Flüssiggas in Kubikmeter Gas umrechnet und muss mich möglicherweise korrigieren. Kann da jemand helfen?


    Ich gehe davon aus, dass 1 Tonne Flüssiggas ca 1400 Kubikmeter Erdgas entspricht. Wenn das stimmt, dann hat uns Russland mit den 5 Milliarden Kubikmeter pro Monat ein Äqivalent von ca. 3,5 Millionen Tonnen Flüssiggas geliefert, pro Jahr also ein Äqivalent von ca. 40 Millionen Tonnen Flüssiggas (alles ganz grob gerundet). Davon würde Katar, wenn denn alles so umgesetzt wird, gerade einmal 5 % liefern.


    Solange wir nicht ganz auf Importe verzichten können oder wollen, muss das Ziel doch sein, nicht von einzelnen Anbietern abhängig zu sein. Diesem Ziel stehen die 2 Millionen Tonnen aus Katar erstmal nicht im Wege. Wie gesagt kann man der Ansicht sein, dass man aus Katar kein LNG beziehen sollte, aber das Problem der starken Abhängigkeit sehe ich durch diesen Vertrag noch nicht.


    PS: Wie geschrieben schließe ich nicht aus, dass meine Zahlen irgendwo einen groben Fehler haben und ich mich jetzt recht kräftig blamiert habe. Ich wäre dankbar, wenn einige von Euch das prüfen.

    #46Author harambee (91833)  29 Nov 22, 13:18
    Comment

    Ich sehe es dennoch als Doppelmoral. Weil man sich auf eine Baustelle einschießt, andere völlig ignoriert. Der Schuß geht ganz sicher auch mal nach hinten los.

    #47Author ursus maritimus (1364942) 29 Nov 22, 13:59
    Comment

    Das heißt, Du würdest tatsächlich jetzt mehr Gas aus Russland importieren wollen? Falls nein, was soll stattdessen gemacht werden? Norwegen kann kaum mehr liefern.

    #48Author harambee (91833) 29 Nov 22, 14:12
    Comment

    Wie geschrieben schließe ich nicht aus, dass meine Zahlen irgendwo einen groben Fehler haben und ich mich jetzt recht kräftig blamiert habe. Ich wäre dankbar, wenn einige von Euch das prüfen.


    Is this what you were looking for? Maybe it will help. 


    Katar liefert Flüssiggas nach Deutschland

    Das entspricht etwa drei Prozent des jährlichen deutschen Gasbedarfs. 

    https://www.deutschlandfunk.de/katar-liefert-...


    I see it like a stock portfolio. You should never bet on just one stock. The danger is too great that one company will suddenly go bankrupt, even if no one thought that was possible.

    #49AuthorBubo bubo (830116)  29 Nov 22, 14:33
    Comment

    Danke sehr, Bubo bubo! Mir ging es um den konkreten Vergleich:


    Russland hat 5 Milliarden Kubikmeter Gas pro Monat geliefert.


    vs.


    Katar soll 2 Millionen Tonnen Flüssiggas pro Jahr liefern,


    und die sich daraus ergebende Frage, welchen Anteil der früheren russischen Gaslieferungen Katar damit übernehmen würde. Für den Laien ist es ja nicht trivial, Tonnen Flüssiggas mit Kubikmetern Gas zu vergleichen. Meine Abschätzung ergab, dass Katar damit ca. 5 Prozent der russischen Lieferungen ersetzen würde. Das passt ja recht gut mit den im Deutschlandfunk genannten 3 Prozent des deutschen Gasbedarfs zusammen.


    Somit bin ich mal vorsichtig optimistisch, dass meine Abschätzung in etwa stimmt und ich mich nicht oder gemeinsam mit dem Deutschlandfunk blamiert habe (-;

    #50Author harambee (91833) 29 Nov 22, 14:47
    Comment

    Für den Laien ist es ja nicht trivial, Tonnen Flüssiggas mit Kubikmetern Gas zu vergleichen.


    Stimmt. Selbst Fachleute hätten damit Problme, wenn sie den Druck in der Leitung nicht kennen... ;-)


    Aber eigentlich muss man nur in der Schule aufgepasst haben und eine Suchmaschine bedienen können.

    #51Author Harald (dede) [de] (370386) 02 Dec 22, 17:35
    Comment

    Ja ja (-; Es ist aber trotzdem so, dass ich bei solchen Dingen leicht Flüchtigkeitsfehler mache und dann eben völlig daneben liege. Deshalb habe ich empfohlen, dass andere lieber selbst nachrechnen, und darum gebeten, dass man mich im Falle des Falles auf Fehler hinweist.

    #52Author harambee (91833) 02 Dec 22, 19:15
     
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