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    nun

    Comment
    One German told me once that nun is the archaic form of jetzt, but reading in this grammar book I have now, there is not mention that it is archaic. Is nun archaic?
    Authorkyle_foley (711077) 24 Oct 10, 20:44
    Comment
    Meiner Meinung nach überhaupt nicht.
    Was war denn das für ein "German"?
    #1Authortigger (236106) 24 Oct 10, 20:50
    Comment
    He was a German that taught English.
    #2Authorkyle_foley (711077) 24 Oct 10, 20:51
    Comment
    Nein, es ist nicht archaisch. Von meinem Gefühl her steht es stilistisch etwas über "jetzt", das ist aber auch alles.
    #3AuthorKlara24 Oct 10, 20:52
    Comment
    Mir ist an einer Freundin aus dem Raum Aachen aufgefallen, dass sie in vielen Situationen 'nun' sagte, wo ich 'jetzt' genommen hätte. Gibt es regionale Präferenzen in der Umgangssprache?
    #4Authormanni3 (305129) 24 Oct 10, 20:57
    Comment
    Re #3: Nicht einmal das, meinem Gefühl nach. :-)
    Wie immer kommt es auf den Kontext an...
    #5Authortigger (236106) 24 Oct 10, 20:58
    Comment
    Nun, das mag sein, manni ;o)
    #6AuthorDragon (238202) 24 Oct 10, 20:58
    Comment
    Jetz' aber, Dragon ;-))
    #7Authormanni3 (305129) 24 Oct 10, 20:59
    Comment
    Dass nun irgenwie archaisch oder veraltet sein soll, halte ich für völlig aus der Luft gegriffen. Ich sehe auch keinerlei Unterschied in der Stilebene.

    Allerdings sind die Wörter nach meinem Gefühl nicht exakt synonym. Man kann sie zwar oft austauschen, ohne den Sinn des Gesagten wesentlich zu ändern, aber nicht immer. "Jetzt" zielt nach meinem Empfinden ausschließlich auf den gegenwärtigen Zeitpunkt, "nun" dagegen eher auf die gegenwärtige Situation. Wenn man fragt: "was machen wir jetzt?", dann wollen wir zu diesem Zeitpunkt irgendetwas unternehmen, was vorher war, spielt keine Rolle. "Was machen wir nun?" würde ich dagegen eher fragen, wenn sich eine Situation ergeben hat, die irgendein Handeln erfordert.

    Dazu passt, dass man zwar sagen kann "genau jetzt", aber nicht "genau nun". Wenn man fragt: "wie spät ist es jetzt in New York?", kann man das auch nicht gut durch "nun" ersetzen.
    #8Authordirk (236321) 25 Oct 10, 08:45
    Comment
    Gerade gerücktes "Nun":

    Ich würde sagen, es ist auch archaisch UND auch modern!

    Siehe:
    »león seit er eich nun Ritter machte, hatte er weder Sinn noch Verstand.'

    (Da bin ich mir nicht mehr ganz sicher: Vielleicht war früher "jetzo" andere Sprachebene als "nun")
    #9Authorad.joe (236303) 25 Oct 10, 08:55
    Comment
    Grimm bringen 14 verschiedene Situationen für 'nun', von denen auch heute noch einige in Gebrauch sind und wo 'nun' nicht mit 'jetzt' ersetzt werden kann. z.B.

    5) das fortschreitende oder folgernde nun dient zur verdeutlichung einer vorausgehenden conjunction
    a) als nun (th. 1, 258): als nun die herren .. gen
    b) da nun, besonders häufig im älteren nhd.: do nun diser .
    c) dasz nun, damit nun: auff das wir nu nicht also blind faren.
    d) ehe nun, bevor nun: ehe ich nu solche wort ausgeredt hatte. 1
    e) indem nun: indem ich nun dieses also bedachte. Simpl. 1, 157, 23;
    f) indesz nun: indesz nun beider kampf sich immer mehr
    g) nachdem nun: nachdem das evangelium nu wieder aufgangen. Luther tischr.
    h) ob nun, obgleich nun, obschon nun, obwol nun: ob nun sach were, .
    i) so nun, sobald (alsbald) nun: so nun ein oberer nit kan reformieren sein
    j) weil nun, dieweil nun: dieweil wir nu solche verheiszung haben. 2 Cor.
    k) wenn (wann) nun: wann nu .. kein ander kilch in dem selben
    l) wie nun: wie das nu müglich sei, das ein jungfraw sol einen son
    m) wiewol nun: wiewohl nu solche weise abgangen ist. Luther 5, 597
    n) wo nun, quando, si igitur
    #10Authormanni3 (305129) 25 Oct 10, 09:55
    Comment

    jetzt - generally now - Ich bin jetzt verheiratet. (Schlichte Information, dass die Person geheiratet hat.)


    nun - emphasises change of situation - Ich bin nun verheiratet. (Beschreibt die veränderte Situation je nach Kontext. z.B. Ich kann dich jetzt nicht mehr (alleine) treffen...)

    #11AuthorMarcBerthe (719078)  18 Aug 22, 17:15
    Comment

    Da widerspreche ich, MarcBerthe. "Jetzt" kann genau die gleiche Bedeutung haben, die du ausschließlich "nun" zuschreibst.


    Für mich sind "jetzt" und "nun" einfach unterschiedliche Sprachregister. *Ich* würde "nun" zum Beispiel niemals mündlich verwenden und schriftlich nur, wenn ich ein höheres Register verwende.


    "archaic" ist vielleicht übertrieben, aber ich behaupte schon, dass "nun" einem höheren Register vorbehalten ist - was ja manchmal die Vorstufe zum "archaic" ist.

    #12AuthorJalapeño (236154)  18 Aug 22, 17:53
    Comment

    Nun ja, jetzt gehst du doch etwas zu weit. 😉

    Aber ich nehme auch wahr, dass Jugendliche in meiner Umgebung kaum noch "nun" sagen, und wenn, dann im hochsprachlichen Gespräch mit Erwachsenen. Selbst das oben verwendete "nun ja" hat inzwischen eher einem "na ja" Platz gemacht.


    #11 halte ich auch nicht für richtig.

    #13Authorreverend (314585) 18 Aug 22, 18:10
    Comment

    #12 - sehe ich auch so.

    #11 von MarcBerthe ist nicht stimmig. (Er ist auch kein Deutschmuttersprachler.)

    #14AuthorBraunbärin (757733) 18 Aug 22, 18:10
    Comment

    Ich sage "nun", wie Jalapeno, nie. Ich könnte mir regionale Unterschiede vorstellen. Der Atlas der deutschen Alltagssprache (Link, weil ich den und seinen Namen gerade suchen musste) hat bis jetzt noch nichts dazu.

    #15AuthorMattes (236368) 18 Aug 22, 18:19
    Comment

    Jetzt kann einen genauen Zeitpunkt markieren, nun aber nicht:

     

    „Achtung: drei – zwei – eins – JETZT!“

    #16AuthorStravinsky (637051) 18 Aug 22, 18:23
    Comment

    Zu #16:

    Stimmt - so sagt man das.

    Mit "....geht's los" würde es aber schon passen, theoretisch ".... - Nun geht's los!"

    #17AuthorBraunbärin (757733) 18 Aug 22, 18:34
    Comment

    "Nun ja" - würde mir nie über die Lippen kommen. "Na ja".


    Ist sogar einer meiner "pet peeves" bei Übersetzungen, dass in der deutschen Version von Harry Potter der 14-jährige Ron einen Satz mit "Nun" einleitet, das ist in meiner Sprachwelt einfach vollkommen unidiomatisch für einen Teenager.


    Vielleicht ist es regional, ich glaube aber eher, dass es eine Generationenfrage ist.

    #18AuthorJalapeño (236154) 18 Aug 22, 18:40
    Comment

    „Nun ja“, „was ist denn nun“ u.ä.: völlig normal in meinem Sprachgebrauch.

    #19AuthorDragon (238202)  18 Aug 22, 18:59
    Comment

    In meinem auch, gerne auch in der niederdeutschen Form "nu". Aber mein Alter gibt ja auch die Antwort auf alle Fragen 😉.

    #20AuthorJanZ (805098) 18 Aug 22, 19:07
    Comment

    Da bin ich ja sogar noch ein Jahr älter. Dann doch auch regional. Oder das INNERE Alter zählt ... :D


    ("Gerne auch in der niederdeutschen Form 'Nu'". Ja, dann wohl doch ganz klar regional.)

    #21AuthorJalapeño (236154)  18 Aug 22, 19:28
    Comment

    Ich habe gerade nochmal meine #8 gelesen und stelle fest, dass ich das so auch 12 Jahre später noch Wort für Wort unterschreiben kann. Nun ist ein ganz normales Nullachtfünfzehn-Wort meiner Alltagssprache, ich sehe überhaupt keinen Unterschied im Sprachregister, und ich wundere mich, dass es offenbar Leute gibt, die behaupten, es nie zu benutzen, und es als altmodisch oder gar "gehoben" einstufen. Es ist nur eben nicht beliebig austauschbar mit jetzt. Ich denke immer noch, dass das, was ich in #8 geschrieben habe, etwa zutrifft: jetzt bezieht sich auf den Zeitpunkt, nun auf die Situation inklusive ihrer Vorgeschichte.


    Was machen wir jetzt? -- Die Frage könnte man etwa beim Besuch eines Freizeitparks stellen. Wir haben schon alle möglichen Fahrten und Vergnügungen unternommen und fragen, was als nächstes kommt.


    Was machen wir nun? -- Die Frage würde ich etwa stellen, wenn sich irgendeine Situation ergeben hat, aus der wir einen Ausweg suchen.


    Weitere Beispiele für nun (nicht: jetzt):

    Ich hab mir extra eine wasserdichte Uhr gekauft, aber nun ist sie beim Schwimmen doch kaputtgegangen.

    Das war schon lange zu befürchten, und nun ist es passiert.

    Wir haben uns ein Auto gekauft, nun können wir euch öfter besuchen.

    Ich habe vergessen den Text zu speichern, nun muss ich alles nochmal schreiben.


    Umgekehrt für jetzt (nicht: nun):

    Wie spät ist es jetzt in New York?

    Um 11 Uhr machen wir eine Pause, jetzt noch nicht.

    Das muss jetzt erledigt werden, nicht später!


    Es gibt aber auch viele Fälle, wo beides gleichermaßen geht, je nachdem, ob man eher den Zeitpunkt oder die Situation im Blick hat:

    Den ganzen Tag hat es geregnet, jetzt/nun scheint wieder die Sonne.


    Ich muss allerdings zugeben, dass die Nun-Sätze oben nicht ganz so schräg klingen, wenn man nun durch jetzt ersetzt, wie die Jetzt-Sätze, wenn man jetzt durch nun ersetzt. Möglicherweise besteht tatsächlich eine gewisse, eventuell regional unterschiedlich ausgeprägte Tendenz, allgemein nun durch jetzt zu ersetzen. Selbst dann, wenn nun überhaupt keine zeitliche, sondern eine gegenüberstellende Bedeutung hat:

    Blablabla, blablabla. Nun (-> Jetzt) ist es aber so, dass blablabla, blablabla.


    Der Duden listet übrigens eine Bedeutung von nun als Konjunktion, die mir bis jetzt nicht einmal bekannt war:

    Nun sie es erfuhr, war es zu spät.

    Das wird als "gehoben veraltend" bezeichnet. Aus meiner Sicht ist das noch untertrieben.

    #22Authordirk (236321)  19 Aug 22, 07:57
    Comment
    In allen von Dirk genannten Beispielen würde ich 'jetzt' sagen. Niemand hier verwendet 'nun'. Vielleicht ist das eine österreichische Eigenheit. Nun klingt ein wenig gestelzt.
    #23Authorsenseless.at (777729) 19 Aug 22, 08:35
    Comment

    Sehe es wie der sinnlose Beitrag über mir. Mann kann in den Beispielen "jetzt" durch "nun" ersetzen, es klingt aber nicht nur ein wenig, sondern sehr gestelzt.

    #24AuthorB.L.Z. Bubb (601295) 19 Aug 22, 08:54
    Comment

    Bubb, welche Beispiele meinst du? Wo ersetzt du "jetzt" durch "nun"?

    "Wie spät ist es nun in New York?" klingt für mich nicht "gestelzt", sondern falsch.

    Klingen die Sätze, die ich in #22 mit nun geschrieben habe, für euch auch gestelzt?

    #25Authordirk (236321)  19 Aug 22, 09:02
    Comment

    Ich hab mir extra eine wasserdichte Uhr gekauft, aber nun ist sie beim Schwimmen doch kaputtgegangen.

    Das war schon lange zu befürchten, und nun ist es passiert.

    Wir haben uns ein Auto gekauft, nun können wir euch öfter besuchen.

    Ich habe vergessen den Text zu speichern, nun muss ich alles nochmal schreiben.


    Alle diese Sätze; ich würde hier immer "jetzt" schreiben. AWWDI ;-)

    #26AuthorB.L.Z. Bubb (601295) 19 Aug 22, 09:03
    Comment

    Und mit nun sollen die "gestelzt" klingen? Komisch. Kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Völlig normale Alltagssprache. Zumal "nun" sprachökonomisch leichter über die Lippen kommt als "jetzt".

    #27Authordirk (236321)  19 Aug 22, 09:08
    Comment

    "Und mit nun sollen die "gestelzt" klingen?" - für mich ja.


    "Zumal "nun" sprachökonomisch leichter über die Lippen kommt als "jetzt"." - mir nicht.

    #28AuthorB.L.Z. Bubb (601295) 19 Aug 22, 09:12
    Comment

    Nun mach endlich! -- Jetzt mach endlich!

    Nun komm schon! -- Jetzt komm schon!

    Nun bleiben wir mal beim Thema! -- Jetzt bleiben wir mal beim Thema!

    Und nun? -- Und jetzt?

    Was nun? -- Was jetzt?

    Zwei mal zwei ist nun aber vier und nicht fünf -- Zwei mal zwei ist jetzt aber vier und nicht fünf.

    Welche Idee nun die bessere ist, wird sich zeigen -- Welche Idee jetzt die bessere ist, wird sich zeigen.


    In diesen und vielen weiteren Fällen klingt für mich "nun" viel natürlicher als "jetzt".

    #29Authordirk (236321) 19 Aug 22, 09:26
    Comment

    Naja, und für mich eben nicht ;-)


    "jetz(!) mach ma hinne" ;-)

    #30AuthorB.L.Z. Bubb (601295) 19 Aug 22, 09:31
    Comment

    Ich sehe es ebenfalls so, dass "jetzt" einem etwas niedrigeren und "nun" einem etwas höheren Register angehört. Das sind aber kleine Nuancen, "nun" wird dadurch weder gestelzt noch veraltet.


    Jetzt/nun können wir alles noch mal machen! --> Präferenz: jetzt

    Also was jetzt/nun? --> P.: jetzt

    Und jetzt/nun? --> P.: jetzt

    Was will er denn jetzt/nun schon wieder? --> keine Präferenz

    #31AuthorMr Chekov (DE) (522758) 19 Aug 22, 09:44
    Comment

    O.K., dann gebe ich jegliche Bekehrungsversuche auf. Scheint sinnlos zu sein ... 😉

    #32Authordirk (236321) 19 Aug 22, 09:44
    Comment

    Bei "und" würde ich tatsächlich dem"und nun" gegenüber dem "und jetzt" eine ganz leichte Präferenz geben ...

    #33AuthorB.L.Z. Bubb (601295) 19 Aug 22, 09:46
    Comment

    Da sehe ich mich auf dem Fahrrad sitzen; vor mir will ein Transporter abbiegen, dann doch nicht, dann doch wieder, und dann bleibt er erst mal stehen. Reaktion Chekov: "Und jetzt?"

    #34AuthorMr Chekov (DE) (522758) 19 Aug 22, 09:49
    Comment

    Ich verstehe die Unterschiede, die dirk und andere hier beschreiben. Jetzt und nun sind nicht beliebig austauschbar, insbesondere kann man nicht jedes jetzt durch ein nun ersetzen. Aber in meiner gesprochenen und geschriebenen Sprache ersetze ich jedes nun der Beispiele z. B. in #22 durch ein jetzt. Vielleicht gehen dadurch Bedeutungsnuancen verloren, aber so ist es nun mal.


    In festen Wendungen wie "Und nun?" oder kommt mir "nun" nicht gestelzt vor, ich selbst würde aber wie Mr Chekov auch in solchen Situationen "Und jetzt?" sagen. (Edit: Das "nun mal" oben ist mir erst jetzt aufgefallen. Aber da ist die Verwendung ja noch mal anders.)


    Das "nu" ist für mich ein ganz anderer Fall. Ich sage sehr wohl "Ja, nu" oder "Nu mach ma hinne!"


    (Dirk bestätigt übrigens MarcBerthe, der den Faden jetzt wieder ausgegraben hat.)

    #35AuthorMattes (236368)  19 Aug 22, 10:22
    Comment

    Ich schließe mich Mr. Chekov und dem Sort Code Boy an und in weiten Teilen auch Mattes.


    Wie Mattes in der #35 sagt, nur in manchen festen Wendungen kommt mir "nun" nicht gestelzt vor, zum Beispiel in "das ist nun aber mal so" - da würde ich aber sagen "das ist (halt) einfach so".


    Diese Wendung "das ist nun aber mal so" kommt auch in einem von dirks Beispielen annähernd so vor:


    "Zwei mal zwei ist nun aber vier und nicht fünf".


    In dieser Version ohne das "mal" klingt es für mich komplett schräg.


    Nord/Süd scheint wohl doch sehr stark so sein.

    #36AuthorJalapeño (236154)  19 Aug 22, 10:45
    Comment

    In den "nun"-Beispielen in #22 tendiere ich eher zum "jetzt", in denen in #29 zum "nun". Übrigens lasse ich bei beiden Wörtern den letzten Buchstaben meistens weg, so viel zum Thema Sprachökonomie 🙂.

    #37AuthorJanZ (805098) 19 Aug 22, 11:02
    Comment

    Solange du nicht "jetze" sagst ... Da laufe ich regelmäßig grün an 🤢

    #38Authordirk (236321) 19 Aug 22, 11:05
    Comment

    Die Verfechter des 'jetzt only' scheinen nicht (mehr) zu spüren, daß 'nun' nicht nur eine etwas vagere Bestimmung des gegenwärtigen Zeitpunktes ist (Sätze 1 und 2 von #26) und ein etwas "weiträumigeres" Zeitfenster öffnet, sondern auch einen Anflug von kausalem Nebensinn hat. Hierin berührt es sich mit 'da', das ursprünglich ein auf einen Punkt in der Zeit und im Raum hinweist, darüber hinaus aber zur kausalen Konjunktion geworden ist. Ein ähnliches ist auch dem 'nun' geschehen.

    Ich gebe zu, daß ein Satz wie "Nun ich dieses dargelegt habe, ..." heutzutage nicht mehr geschrieben, geschweige denn gesagt würde, aber er kann doch sehr gut illustrieren, welche Nebennote ein Satz wie Wir haben uns ein Auto gekauft, nun können wir euch öfter besuchen. enthält - auch wenn 'nun' hier Adverb, nicht Konjunktion ist -, nämlich 'daher können wir (ab) jetzt ...', wohingegen 'jetzt können wir euch besuchen' allein den zeitlichen Aspekt aufweist.

    Auch in Satz 4 #26 ist dies angelegt, denn der ist elliptisch: Ich habe vergessen den Text zu speichern [habe ich gerade/jetzt festgestellt], nun muss ich [deswegen muß ich] alles nochmal schreiben.

    #39AuthorPeter <de> (236455)  19 Aug 22, 11:28
    Comment

    Oder aber für die "Verfechter des 'jetzt only'" ist dieser leicht kausale Anklang auch in "jetzt" enthalten.


    Ganz ähnlich wie wir hier im Süden "nachdem" auch kausal verwenden, während das anderswo rein temporal ist.

    #40AuthorJalapeño (236154)  19 Aug 22, 11:32
    Comment

    Nun 🙂, anscheinend kommt man ja auch ganz gut ohne diesen kausalen Nebensinn aus, jedenfalls wüsste ich nicht, inwieweit es in den genannten Beispielen zu Miss- oder Unverständnissen führen kann, wenn man "jetzt" statt "nun" sagt.


    #38: Warum? Das ist einfach die im Raum Berlin/Brandenburg/Sachsen-Anhalt gebräuchliche Variante. Hat für mich genau so ein schönes Regionalkolorit wie das in anderen Regionen gebräuchliche "(j)etzat". Einen Grund für Übelkeit sehe ich da nicht.

    #41AuthorJanZ (805098) 19 Aug 22, 11:35
    Comment

    Die Sätze #26 sind sowohl mit jetzt als auch mit nun sinnvoll und verständlich, JanZ, ich habe lediglich auf die Bedeutungsnuance hingewiesen, denn ich bestreite, daß 'jetzt' diesen kausalen Nebensinn aufweist.

    #42AuthorPeter <de> (236455) 19 Aug 22, 11:44
    Comment

    #38: dirk, wer sagt denn "jetze"? Das heißt doch "getze": "Getze mach hinne!!"

    #43AuthorRaudona (255425) 19 Aug 22, 11:47
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    "Getze"? Wo sagt man das denn? "Getz" ohne das zweite -e kenne ich aus dem Ruhrdeutschen, obwohl ich das wie die meisten diese Ausdrücke selten wirklich höre.

    #44AuthorJanZ (805098) 19 Aug 22, 11:58
    Comment

    Das DWDS verzeichnet zwei Hauptbedeutungen von nun, mit einer ganzen Reihe von Unterteilungen und recht guten Beispielen. Als veraltend ist nur die Wendung nun und nimmermehr gekennzeichnet. (Die hielt ich sogar schon für ausgestorben.)


    Das Wörterbuch der dt. Gegenwartssprache (1967) hat zusätzlich noch einen zweiten Eintrag für nun als Konjunktion zur Einleitung eines temporalen, evtl. zugleich kausalen (Neben-)Satzes. Dieses nun wird 1967 noch als veraltend beschrieben und dürfte damals schon praktisch ungebräuchlich gewesen sein.

    Das erste Beispiel Nun ich sie wiedersah, wußte ich sogleich … genügt vielleicht als Erinnerung der Wortverwendung.


    Grimms Deutsches Wörterbuch erklärt den Zusammenhang der Bedeutungen sehr schön:

    Bedeutung und gebrauch im nhd. nun ist zunächst wie in den verwandten sprachen ein zeitadverb der gegenwart und als solches synonym mit jetzt, doch ist im deutschen (ähnlich wie beim griech. νὐν) neben den temporalen begriff auch ein causaler getreten, indem nun mit seiner andeutung der gegenwart auch einen zusammenhang mit dem vorausgehenden oder vorausgesetzten verbindet und auf diese weise aus dem temporalen adverb der gegenwart zu einem adverb und bindewort der zeitfolge und der ursächlichkeit sich erweitert, da in der sprache häufig die zeitverhältnisse als verhältnisse von grund und wirkung aufgefaszt werden


    Mir fehlt noch eine weitere Bedeutung, am besten erkennbar in der Wortgruppe "nun (...) aber" oder "nun (...) einmal. Wer beispielsweise per Suchmaschine "Nun gab es aber" nachschlägt, findet zahlreiche lebendige Belege, die eine Verwendung als einschränkendes Adverb ähnlich "allerdings" zeigen:

    Und mit "einmal": Nun müssen alle Menschen einmal sterben, und dagegen ist nun einmal nichts auszurichten.

    Verwandt ist damit nun zur Einleitung und Setzung einer (vergangenen) Erzählzeit:

    Nun trug es sich einmal zu, dass... Nun waren die festgesetzten Steuern aber längst nicht ausreichend.


    In diesen Bedeutungen oder Verwendungen ist das nun mindestens stilistisch nicht durch jetzt zu ersetzen. Laut DWDS ist das Grad der Verwendung hoch und seit 1975 ständig ansteigend. Es liegt heute in etwa mit der von jetzt gleichauf.


    Ein letztes Beispiel, das beide Wörter verbindet: Du solltest doch das Fenster schließen und hast es nicht getan. Nun aber jetzt!



    #45Authorreverend (314585) 19 Aug 22, 13:17
    Comment

    Also, ich kenne jemanden (aus dem Osten stammend), der in jedem Satz zweimal "jetze" sagt. Ich kann nicht begründen, weshalb mir gerade das innerliche Pein bereitet (gegen "jetzat" hätte ich gar keine Aversionen), aber es klingt einfach so schrecklich -- primitiv! Wobei der besagte Mensch intelligent und alles andere als primitiv ist, aber der Widerspruch macht es ja gerade noch schlimmer. Ähnliche Abneigung hege ich gegenüber "drinne" oder gar "dranne".


    Das bezog sich natürlich auf ##43,44. Ansonsten: Dank an Peter und reverend für die Unterstützung :-)

    #46Authordirk (236321)  19 Aug 22, 13:20
    Comment

    #45, Ende: Der Google ngram viewer hat andere Daten, siehe unten, und auch die DWDS-Wortverlaufskurve von 1600 bis 2000 (statt ab 1946) zeigt andere Trends: Für jetzt von 1700 bis 1800 ansteigend und seitdem etwa konstant, für nun seit 1600 konstant sinkend.


    Ngram viewer: Für "nun/jetzt ist", "nun/jetzt bist", "nun/jetzt haben" und "wir nun/jetzt" (mehr habe ich nicht ausprobiert) lag nun bis mindestens Mitte der 1950er Jahre vorn (oder bei "bist" gleichauf). Inzwischen liegt jetzt vorn. Die Linien kreuzen sich je nach Experiment in den 60er, 70er oder 2000er Jahren

    #47AuthorMattes (236368) 19 Aug 22, 13:35
    Comment

    re #47, die Kurven dazu (alles auf einmal reingepackt) https://books.google.com/ngrams/graph?content...

    #48Authorno me bré (700807)  19 Aug 22, 14:39
    Comment

    #48: Auch hier zeigt sich, was unterschiedliche Korpusse (Korpi? Korpus?) ausmachen: Ich hatte mit dem Korpus "German 2019" gearbeitet, du mit "German 2012".

    Fragt sich, wieviel man dann überhaupt auf solche Ergebnisse vertrauen kann bzw. ob man sie überhaupt als Grundlage von Schlussfolgerungen verwenden sollte.

    #49AuthorMattes (236368)  19 Aug 22, 15:07
    Comment

    Korpi? Korpus?


    Weder noch, sondern die dritte Möglichkeit, den lateinischen Plural von Wörtern auf -us zu bilden: Korpora. (Lustig finde ich die häufig zusammen genannten Kasus, Numerus, Genus: Drei Singularformen auf -us, drei unterschiedliche Pluralbildungen.)

    #50AuthorJanZ (805098) 19 Aug 22, 16:15
     
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