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  • Betreff

    Aufgegebenheit

    Quellen

    From a quote by Viktor Frankl (from Ärztliche Seelsorge):


    «Über die gefühlsmäßige, also gleichsam nur ‹zuständliche› Gegebenheit der Sozialität des Menschen hinaus erscheint so die Gemeinschaft in ihrer Aufgegebenheit. Aus ihrer bloßen psychologischen oder biologischen Faktizität – ist der Mensch ein ‹Zoon politikon› ‒ wird ein ethisches Postulat. Aber die individuelle Existenz braucht nicht nur die Gemeinschaft, um sinnvoll zu werden, sondern umgekehrt braucht auch die Gemeinschaft die individuelle Existenz, um selber Sinn zu haben.» 

    Kommentar

    I find the first two sentences extremely difficult. I found this passage in an (/the?) English translation of the book, and not only was it completely missing the second sentence altogether, as far as I can tell, I also couldn't really understand it in English and had the distinct impression that the translator didn't understand the original, either. Anyone have any ideas?

    Verfasseramiwoman (1012807) 27 Mai 22, 07:15
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    Aufgegebenheit verstehe ich als abandonment - aber ich behaupte nicht, den Text wirklich zu verstehen...

    #1Verfasserwienergriessler (925617) 27 Mai 22, 07:55
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    Ich habe auch nicht den Eindruck, er sei zu diesem Zweck geschrieben worden.


    Das Wort Aufgegebenheit gibt es nicht, wollte ich schon schreiben. Es ist aber der Titel eines kurzen Gedichts von immerhin Angelus Silesius. Wer seine Seele hat verloren und vergeben, der erreicht diesen Zustand. (Vergeben verstehe ich hier als aufgeben, nicht als verzeihen.)


    A self-chosen state of abandonedness, Jedenfalls bei dem Barockmystiker.

    #2Verfassermbshu (874725) 27 Mai 22, 08:08
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    Hm, the problem with "abandonment" for me is that it has a negative connotation, which doesn't fit in this context, as far as I understand it (and it also simply doesn't make sense to me in this context)....

    #3Verfasseramiwoman (1012807) 27 Mai 22, 08:34
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    Ich würde Aufgegebenheit von Aufgabe abgeleitet verstehen: die Sozialität des Menschen ist einfach nur gegeben, die Gemeinschaft ist allerdings darüber hinaus ein 'ethisches Postulat', also eine Aufgabe. (Die Verquastheit des Begriffs kommt mE daher, dass man so ein schönes paralleles Begriffspaar bilden kann: gegeben vs. aufgegeben)

    #4Verfassersummse (1153228)  27 Mai 22, 09:11
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    @summse: Danke, das scheint mir auch sinnvoll! Könnte man da einfach statt "Aufgegebenheit" also "Aufgabe" sagen und als "task" übersetzen?

    #5Verfasseramiwoman (1012807) 27 Mai 22, 09:36
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    Frankl hat diesen Text in den 1930ern geschrieben und nach dem WW2 veröffentlicht. Zwischendurch ist er als Jude zum Überlebenden eines KZ geworden. Er hat also den Rassenwahn der Nazis in seiner Entwicklung erlebt, und hatte wohl jeden Grund, deren verquere Auffassung von rassistischen Ariertum und Volksgemeinschaft als das "Verwerfen und die Abkehr von" jedem vernünftigen Begriff von Gemeinschaft zu verstehen.

    #6VerfasserHarald (dede) [de] (370386)  27 Mai 22, 09:50
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    Ich verstehe das hier ähnlich wie in #4 :

    ... die Gesellschaft ... mit dem, was ihr - als Gemeinschaft / als Gesamtheit - aufgegeben ist ...



    zumal es aus religiöser - seelsorgerischer - Sicht formuliert ist ... ein "task" alleine wäre da mE. etwas wenig (hat Leo denn keinen Eintrag zu "jemandem etwas aufgeben" ?) ...


    ... assigned ... ?


    #7Verfasserno me bré (700807)  27 Mai 22, 09:53
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    Vielleicht etwas in Richtung 'charge' im Sinne eines Auftrags? oder 'entrust'? In Aufgegebenheit wie Gegebenheit steckt für mich noch ein Rest einer Beziehung: jemand hat etwas gegeben, aufgegeben. Das verschwindet für mich aus Aufgabe oder task.


    edit: ...aber vielleicht in derselben Logik 'taskedness' von 'to task'? Das gibt es ebenswowenig wie Aufgegebenheit, hat aber diese Andeutung von Richtung und Übertragung.

    #8Verfassersummse (1153228)  27 Mai 22, 10:03
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    Die Argumentation von #6 überzeugt mich.

    #9Verfasserwienergriessler (925617) 27 Mai 22, 10:13
     
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