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1.3.2.1.1 Der Infinitiv

1.3.2.1.1.a Formen
1.3.2.1.1.b Mit 'zu' erweiterter Infinitiv
1.3.2.1.1.c Infinitiv ohne 'zu'

Zur Funktion von Infinitivsätzen als Aufforderungen (z. B. Ausfahrt freihalten!) siehe
Aufforderungssatz.

1.3.2.1.1.a Formen

 
Der Infinitiv Präsens ist traditionellerweise die Grundform oder die Nennform eines Verbes. Er setzt sich aus dem Verbstamm und der Endung en oder n zusammen.
 
Abhängig vom Genus des Infinitivs lassen sich folgende Formen unterscheiden:
• Aktiv: Infinitiv Präsens (sagen, rennen etc.) und Infinitiv Perfekt (gesagt haben, gerannt sein etc.)
• Vorgangspassiv: Infinitiv Präsens (geöffnet werden etc.), Infinitiv Perfekt (geöffnet worden sein etc.)
• Zustandspassiv: Infinitiv Präsens (geöffnet sein etc.), Infinitiv Perfekt geöffnet gewesen sein etc.)
 
Der Infinitiv als infinite Verbform drückt Person und Numerus nicht aus. Im Satz werden Person und Numerus implizit durch das Subjekt oder das Objekt des finiten Verbs bestimmt.
Beispiele
Ich nehme mir vor, heute noch wegzufahren. = Ich nehme mir vor, dass ich heute noch wegfahre.
Ich hörte ihn die Treppe heraufkommen. = Ich hörte, wie er die Treppe heraufkommt.

1.3.2.1.1.b Mit 'zu' erweiterter Infinitiv

Der Infinitiv kommt meist nur in Verbindung mit einem finiten Verb vor und wird dann i. A. mit zu erweitert.
Beispiele
Es freut mich, Sie hier zu treffen.
Sie schworen, es nie wieder zu tun.
Wir bitten euch, den Brief zur Post zu bringen.
Er bereut, die Tat begangen zu haben.
Im Satz werden Person und Numerus implizit durch das Subjekt oder das Objekt des finiten Verbs bestimmt.
Beispiele
Ich nehme mir vor, heute noch wegzufahren. = Ich nehme mir vor, dass ich heute noch wegfahre.
Es freut mich, sie hier zu treffen. = Es freut mich, dass ich Sie hier treffe.
Ich erlaube ihm nach Hause zu gehen. = Ich erlaube, dass er nach Hause geht.


 
Der Infinitiv kann seltener auch nach Nomen stehen. In den meisten Fällen lässt sich die Verbindung Nomen+Infinitiv auf einen Satz mit einem Verb zurückführen. Bei Nomen steht der Infinitiv immer mit zu.
Beispiele
die Hoffnung, dich bald wiederzusehen = (ich) hoffe, dich bald wiederzusehen
das Risiko, viel Geld zu verlieren = (man) riskiert, viel Geld zu verlieren
die Schwierigkeit, andere zu verstehen = es ist schwierig, andere zu verstehen
 
Die Stellung des zu richtet sich nach einfacher/zusammengesetzter Infinitiv und trennbares/untrennbares Verb.
• bei einfachem Infinitiv, untrennbarem Verb steht zu direkt vor dem Infinitiv,
• bei einfachem Infinitiv, trennbarem Verb steht zu zwischen dem Präfix und dem Verbstamm,
• bei zusammengesetztem steht zu vor dem Infinitv des Hilfsverbs haben, sein oder werden.
Beispiele
Einfacher Infinitiv, untrennbares Verb:
Ich bitte dich zu gehen.
Er freut sich, sie hier zu sehen.
das Risiko, einen Unfall zu verursachen.
Einfacher Infinitiv, trennbares Verb:
Ich bitte dich wegzugehen.
Er freut sich, sie wiederzusehen.
die Schwierigkeit, seine Fehler zuzugeben.
Zusammengesetzter Infinitiv:
Er bereut es, den Fehler nicht eingestanden zu haben.
Ich bin froh, von Ihnen empfangen worden zu sein.
das Risiko, in einen Unfall verwickelt zu werden

1.3.2.1.1.c Infinitiv ohne 'zu'

 
Bei den Modalverben dürfen, können, mögen, müssen, sollen, wollen steht der Infinitiv ohne zu.
Siehe auch
Modalverben
Beispiele
Die Kinder dürfen hereinkommen
Bei klarem Wetter kann man die Berge sehen.
Ich mag jetzt nicht mehr darüber reden.
Wir müssen ihn vor Einbruch der Dunkelheit gefunden haben.
Du solltest dir die CD einmal anhören.
Er will nichts trinken.

 
Beim Modalverb (nicht) brauchen steht in der Standardsprache üblicherweise zu, in der Umgangssprache wird es dagegen häufig weggelassen.
Beispiel
Standardsprache: Er braucht nicht mehr zu kommen.
Umgangssprache: Er braucht nicht mehr kommen.

 
Bei den Empfindungsverben hören, sehen, fühlen, spüren steht der Infinitiv ohne zu.
Siehe auch
Akkusativ mit Infinitiv
Beispiele
Ich höre ihn die Treppe heraufkommen.
Das entsetzte Publikum sah ihn vom Trapez stürzen.
Ich fühlte ihn näher kommen.
Wir spüren die Kraft in uns zunehmen

 
Bei den Verben heißen, schicken, lassen, bleiben steht der Infinitiv ohne zu.
Siehe auch
Akkusativ mit Infinitiv
Beispiele
Er ließ ihn weggehen.
Sie schickt die Kinder schlafen.
Wir ließen einen Handwerker kommen.
Ich bleibe auf diesem Stuhl sitzen.

 
Bei den Bewegungsverben wie gehen, kommen steht der Infinitiv ohne zu.
Beispiele
Er geht immer nachmittags einkaufen.
Sie kommen uns häufig besuchen.

 
Bei haben zusammen mit einer Ortsangabe und den Verben stehen, liegen, hängen u. a., d. h. einer Aussage, dass dass jemand oder etwas an einem Ort in gewisser Weise zur Verfügung steht, steht der Infinitiv ohne zu.
Beispiele
Ich habe den Wagen vor der Tür stehen.
Sie hat viel Geld auf der Bank liegen.
Ich habe noch ein schwarzes Kleid im Schrank hängen.
Was hast du denn alles in deiner Tasche stecken?
Er hat seine Mutter bei sich wohnen.

Die teilweise regionalsprachlich übliche Verwendung von zu gilt hier standardsprachlich als falsch:
Beispiele
NICHT: Sie hat viel Geld auf der Bank zu liegen.
NICHT: Er hat seine Mutter bei sich zu wohnen.
 
In einigen festen Wendungen wie sich schlafen legen, gut reden haben steht der Infinitiv ohne zu.
Beispiele
Wir legen uns früh schlafen.
Sie hat gut reden.
Er hat wieder einen sitzen.


 
Beim Hilfsverb werden zur Bildung des Futurs steht der Infinitiv ohne zu.
Beispiele
Wir werden kommen.
Sie wird uns helfen.


 
Bei den Verben lehren, lernen, helfen steht der Infinitiv ohne zu, falls der Infinitiv allein folgt.
Beispiele
Sie lehrt ihn schreiben.
Er lernte stricken.
Wir helfen euch tragen.
Wenn der Infinitiv erweitert ist, steht er im Allgemeinen mit zu:
Beispiele
Sie lehrt ihn Geschäftsbriefe zu schreiben. auch: Sie lehrt ihn Geschäftsbriefe schreiben.
Er lernte, sich nicht gehen zu lassen.
Wir helfen euch den Koffer zu tragen. auch: Wir helfen euch den Koffer tragen.
Er lernte Geige zu spielen. auch: Er lernte Geige spielen.


 
Wenn der erweiterte Infinitiv Subjekt des Satzes ist, kann er sowohl mit als auch ohne zu stehen:
Beispiele
Dich zu verstehen, ist nicht einfach. auch: Dich verstehen ist nicht einfach.
Mit dem Finger auf Leute zu zeigen, gilt als unhöflich. auch: Mit dem Finger auf Leute zeigen gilt als unhöflich.
Den ganzen Tag zu arbeiten, macht hungrig. auch: Den ganzen Tag arbeiten macht hungrig.
 
 
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